Hot Dog Taylor – Back in Business

19 05 2014

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Nee, was habe ich einen Spaß! Immer, wenn ich diese CD in den Player schiebe, egal ob zu Hause oder unterwegs im Auto, verfliegt gleich vom ersten Titel an „Rock With Me“ (Kim Wilson) alles, was unter die Kategorie „Schlechte Laune“ fällt. Und ich garantiere, sie wird so schnell nicht wieder auftauchen. Jedenfalls solange diese CD rotiert. Und danach? Sollte sich wieder leiseste Anzeichen von Missmut einschleichen, einfach auf den Repeat- Button drücken! Das hilft. Und wieder garantiert!

Wovon schwärme ich also in diesen gut gelaunten Tönen (… die CD läuft im Hintergrund) ? Zufälle gibt es nicht und Schweden als das Mutterland des Blues zu bezeichnen wäre kulturhistorisch gesehen sicher mehr als ein kleiner Fauxpas.

Aber die vier Herren stammen nun mal genau dorther. Peter Gustavsson, (Gitarre, Harmonika, Stimme), Lars Andersson (Bass, Backing Vocals), Mikael Kähäri (Gitarre, Backing Vocals) und Lennart Karlsson (Drums, Backing Vocals). Getroffen habe ich sie – und hier kommt der Nicht- Zufall ins Spiel beim diesjährigen Moulin Blues Festival im niederländischen Ospel. Sie waren da, nur so. Einfach auf Besuch.

Hör da mal rein.“ Und schon hatte die CD ihren Besitzer gewechselt. Der erste Hörgenuss stellte sich auf der Heimfahrt von Ospel am folgenden Tag ein. Man stelle sich vor: Die Gehörgänge waren noch reichlich gefüllt mit den tollen Darbietungen von Leuten wie Sugar Ray Norcia und seinen Bluetones, Johnny Lang, Tedeschi Trucks Band, Layla Zoe, Kenny Wayne Shepard oder Sugaray Rayford und seinem Wahnsinnsgitarristen Gino Matteo. Eigentlich genug Hörimpressionen für den Rest des Monats.

Aber dann: Was ist das jetzt? Hot Dog Taylor , der Name der Band verrät gleich eine Affinität zum genialen Hound Dog Taylor. Und so ist es dann auch. Alle 13 Tracks der CD sind stilistisch verdammt nah an dem, was Theodore Roosevelt Taylor – so sein bürgerlicher Name musikalisch ausmachte.

Und Hound Dog Taylor wurde wiederum beeinflusst von Elmore James. Genau dieser Einfluss wird auch bei den Schweden hörbar: Elmore James‘ Klassiker „Shake Your Moneymaker“ ist mit dem bandeigenen „Hot Dog Boogie“ verwoben Teil des Albums. Wir finden zudem noch Songs von Jimmy Reed (Honest I Do), Fats Domino (Hello Josephine). Von Hound Dog Taylor selbst stammen die Songs: „Sun Is Shining“ und „See Me In The Evening“. Der Rest wie „Anna Lee“, „Criss Cross“ oder „Waiting For Me“ sind Eigenkompositionen von Hot Dog Taylor.

Sie bezeichnen sich selbst als „Juke Joint Band“ und das glaube ich sofort aufs Wort. Ihre Einflüsse neben denen von Hound Dog Taylor geben sie mit Lazy Lester, Jimmy Reed, John Lee Hooker oder Muddy Waters an.

Und wer sich unter der Musik von den gerade zitierten Blueser etwas vorstellen kann, kann sich auch vorstellen, wie diese Band klingt. Und wer das nicht vermag, sollte sich unbedingt das grandiose Album „Back in Business“ anhören oder besser noch eins ihrer Live- Konzerte ansehen (Moulin Blues 2015 bietet sich förmlich hierfür an).

Genau das werde ich sicher bei nächster Gelegenheit machen.

Ach ja, Kenny Wayne Shepard hat auch eine neue CD auf dem Markt. Die ist auch gut. Nein, sehr gut. Aber bisher lief sie nur einmal in meinem Player.





Moulin Blues 2014

4 04 2014

Moulin Blues 2014

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Sugar Ray Norcia and the Bluetones feat. „Monster“ Mike Welch, am 12.11.2010, Manege in Ratingen

16 11 2010

Sugar Ray Norcia & The Bluertones

Das in Pineto am Rande der Abruzzen zum Abschied ausgesprochene „Hope to see you soon“ Anfang Februar dieses Jahres bewahrheitete sich nun ganze neun Monate später. Soon hin oder soon her, es ist ein äußerst herzliches Wiedersehen mit einer der bekanntesten, weißen Blueslegenden, die dieser Orbit zu bieten hat: Sugar Ray Norcia.

Und dieses Mal steht er mit drei weiteren US- amerikanischen Musikern auf der Bühne, die allesamt nun auch nicht gerade zu den No-Names gehören: „Monster“ Mike Welch an der schon reichlich im Finish ramponierten Telecaster, Michael „Mudcat“ Ward am Bass (wahlweise Kontra- oder Telecasterbass) und Neil Gouvin an den Drums.

Zusammen sind dies die famosen «Bluetones», die weitaus mehr sind als eine Begleitcombo für den Ex- Roomful of Blues Sänger und Mundharmonikaspieler Sugar Ray Norcia.

Die Bluetones alleine wären schon Reise und Eintrittsgeld (13€ Vorverkauf) bzw. 15€ Abendkasse wert gewesen.

Punkt 20:45Uhr stehen die Vier auf der Bühne, Sugar Ray kommt quasi direkt aus Norwegen, wo er mit einer lokalen Band durch die Clubs getingelt ist.

Doch wir hier in der Ratinger Manege haben das große Glück des Real Deal. Und das wird deutlich gleich von der ersten Sekunde an.

Man hat sofort das gute und sichere Gefühl, dass hier eine Band aufspielt, die auf lange gemeinsame Spielpraxis zurückblicken kann.

Fest eingespielt scheint de Truppe im Moment allerdings nicht zu sein, das tut der Gesamtsache allerdings keinerlei Abbruch, es ist eher das Gegenteil: So werden all die Bluesklassiker völlig frisch und lebendig serviert.

Und davon bekommen wir einige zu hören: «Rockin’ Sugar Daddy» zum Beispiel oder eine wunderbare, herzzerreißende Version des Otis Rush Titels «My Love Will Never Die».

Auf Soli und deren Länge verständigt man sich während der Titel per Handzeichen oder Kopfnicken, die stets begleitet sind von einem Lächeln, denn der Spielspaß bei den Musikern ist unverkennbar.

Sugar Ray ist in Topform, er weiß sowohl mit seiner Stimme als auch mit seinem Harpspiel (wie immer) zu überzeugen. Er besitzt bei beiden Instrumenten eine beachtliche Bandbreite an Modulationsmöglichkeiten und Sugar Ray klingt wieder einmal so, wie nur Sugar Ray klingen kann.

Dann macht er das, was sonst häufig Gitarristen machen: Er begibt sich von der Bühne mitten ins erfreute Publikum und singt und harpt kabellos munter weiter.

Gespannt war ich vor dem Konzert auf „Monster“ Mike Wekch, mit dem ich noch nie das Live- Vergnügen hatte.

Jetzt steht er da, keinen Meter von mir und „quält“ aufs Vorbildlichste und Gefühlvollste die sechs Saiten seiner Telecaster. Aus Erfahrung weiß ich: Immer, wenn es so locker, leicht und lässig aussieht, wenn die Greifhand nur so und das beinahe unmerklich über das Griffbrett huscht, steckt der Teufel namens Virtuosität im Detail. Ganze Passagen seines Spiels lang ertappe ich mich da stehend mit dem offenen Mund des stummen und manchmal ungläubigen Bewunderers. Dabei sind es nicht nur diese wahnsinnigen Soli, nein, die Rhythm- Licks haben es ebenfalls in sich. Und wie!!

Mike’s Mimik gibt die von ihm der Gitarre entlockten Töne visuell wieder, er verzeiht die Saiten und gleichzeitig die Mundwinkel, schließt die Augen voll aufs Geschehen konzentriert und dann lacht er wieder, nachdem er wieder einmal über die berühmten 12 Takte eine kleine solistische Meisterleistung abgeliefert hat..

Für ein zwei Songs übernimmt Mike dann auch den Leadgesang. Dieser Mensch ist bei der Verteilung göttlicher Talente gleich zweimal gesegnet worden. Die Stimme des „Monsters“ ist in der Tat monströs. Wow. Facettenreich, erdig und gut. Das, was man von einem Bluesman erwartet. We want it – we got it.

Es ist leider so: Meistens stehen bzw. sitzen Drummer und Bassmann im Schatten der Solisten. Aber ohne sie wäre eine Band meist nicht komplett. Sie schaffen die Fundamente für alle anderen musikalischen Oberbauten.

Und die Beiden am heutigen Abend sind hierin sprichwörtliche Meister ihrer Fächer.

Das wussten auch Ronnie Earl, Walter Horton und Hubert Sumlin, mit denen beispielsweise Michael „Mudcat“ Ward spielte und Tonträger aufnahm.

Mit Neil Gouvin, der auch schon mal für die Otis Grand Allstar Blues Band trommelte, ist er seit Jahren estes Mitglied der Bluetones. Neil spielt beinahe unauffällig und unaufgeregt seinen Part, dessen Qualität bei genauerem Hinhören erst deutlich wird.

Gespielt werden zwei Sets unterbrochen durch eine wirklich kurze Pause.

Auf die Uhr schaue ich nicht, aber dieses Konzert ist ein sehr langes, allerdings ohne jedwede Längen. Es ist abwechslungsreich und von allerhöchster musikalischer Qualität. Dargeboten von vier Profis, die jeder Zeit hinter dem stehen, was sie tun. Authentisch eben.

Wer ein erstklassiges Blueskonzert erleben will, ist bei den Bluetones an der richtigen Adresse. Vielleicht geht es stilistisch anders, aber besser sicher nicht.

Fazit: Meine uneingeschränkte Empfehlung: Unbedingt nicht verpassen.

Text und Fotos: © 2010 Tony Mentzel
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Hier noch die Tourdaten der 2010 Europe tour:

12.11. Ratingen (D) / Manege
13.11. Stuttgart (D) / Merlin
15.11. Wien (A) / Reigen
16.11. Frauenthal (A) / Bluegarage
19.11. Hannover (D) / Jazzclub
21.11. Diest (B) / The Borderline
22.11. Detmold (D) / Kaiserkeller
24.11. Hildesheim (D) / Cyclus 66
25.11. Menen (B) / CC De Steiger
26.11. Tamines (B) / Maison de Jeunes
27.11. Calais (F) / Beautiful Swamp Festivalam Dienstag





Maurizio Pugno Band feat Mark DuFresne & Sugar Ray Norcia am 23.01.2010 im Razzoo, Uden (NL)

14 11 2010

Maurizio Pugno

Maurizios Einladung zur Release- Party der neuen CD «Kill The Coffee» steht schon eine ganze Zeit, meine freudige Zusage so ziemlich eben so lange. So mache ich mich an diesem Samstagspätnachmittag auf ins niederländische Uden, das etwa 40 km von Eindhoven entfernt liegt. Für mich eine Strecke von etwa 180 km. Also zirka zwei Stunden winterliche Fahrt. Sei’s drum. Was mich erwartet, hat garantierten Seltenheitswert: Zwei ehemalige Mitglieder von «Roomful Of Blues» auf einer gemeinsamen Bühne zu erleben und das gestützt von einer Band unter Leitung des grandiosen „Maestro“ Maurizio Pugno, die sich im internationalen Vergleich, nirgends, aber wirklich nirgendwo, verstecken muss.

Das Wiedersehen mit Maurizio und der Band ist äußerst herzlich, ebenso das mit Sugar Ray, den ich vor eineinhalb Jahren zum ersten Mal getroffen habe.

Als Opener spielt ab 20:30 Uhr das niederländische Trio Danny’s Rock & Roll Acoustics. Bestzung: Gesang, akustische Gitarre, Kontrabass und Schlagzeug. Geboten werden hier Rock’n‘ Roll, Blues und Rockabilly Klassiker à la Elvis, Carl Perkins, Stray Cats. Die drei Jungs machen ihre Sache sehr gut. Die Stimmung ist vorgeheizt, der Saal des Razzoo füllt sich zusehends.

Kurz nach 22Uhr ist es dann so weit: Mit «Tronfy, The Weeper», einem swingendem, jazzig angehauchten Instrumental, eröffnet die Maurizio Pugno Band ihr Set. Für Maurizio die erste Gelegenheit, das Beste aus seiner Telecaster herauszuholen. Und wie er hier diese Gelegenheit nutzt!Schon jetzt ist klar, dass sich jeder der 180 Kilometer gelohnt hat. Und auch die für die Rückfahrt.

Mark DuFresne betritt die Bühne. Ein nicht nur musikalisches Schwergewicht. Ausdrucksvoll im Gesang und im Harmonikaspiel gleichermaßen. Der erste Titel ist «Lion’s Den», gleichzeitig auch der Opener auf dem neuen Silberling.

Es folgt die erste Stunde allerfeinsten und reinen Musikgenusses. Man wähnt sich in Chicago in einem dieser legendären Bluesschuppen. Ich lehne mich innerlich zurück und lasse das zu Gehör Gebrachte auf mich einwirken. Diese Musik ist authentisch und weiß mich fortzureißen und mitzunehmen.

Es ist das Geheimnis einer hohen Kunst, und Kunst kommt bekanntlich von Können und davon haben alle Musiker auf dieser Bühne reichlich.

Am Schlagzeug Gio Rossi, ein ausgefuchster Drummer, der beinahe unauffällig alles das bietet, was ein Schlagwerker auf höchstem Niveau bieten muss.

Lucio Villani spielt den Kontrabass. Konzentriert und immer auf der Höhe des Geschehens.

Statt des Pianisten/Organisten Alberto Marsico, der auf der CD die Tasten bedient, sitzt heute Marco Meucci am Keyboard. Auch er hat sein (Tasten)Handwerk gelernt und brilliert immer wieder durch wunderschöne Sololäufe.

von links nach rechts: Sugar Ray Norcia, Maurizio Pugno, Mark DuFresne & Sugar Ray Norcia

Nach Mark’s Auftritt geht es ohne Pause weiter: Sugar Ray Norcia übernimmt den Gesangs- und Harppart.

Es ist, als gäbe es jetzt noch eins obendrauf. Jedenfalls kommt es mir so vor. Vielleicht ist es aber einfach nur das Verlangen nach Mehr, was mir diesen Eindruck vorgaukelt. Sugar Ray ist ein weiterer absoluter Meister seines Fachs.

«Rocking Sugar Daddy», «I Like It Like That» oder «Big Party At My House» nehmen uns mit auf die facettenreiche Reise durch die bunten Stilarten des Blues. Es ist ein Trip, von dem man sich wünscht, das niemals aufhören mag.

Aber auch die besten Dinge kommen mal zu einem Ende. Und das Ende dieses Abends hat es dann noch einmal in sich: Mark DuFresne und Sugar Ray Norcia stehen nun gemeinsam auf der Bühne und wechseln sich im Lead- Gesang und im Harpspiel ab. Sie spornen sich, ja feuern sich gegenseitig an. Es wird improvisiert, was das Zeug hält. Es ist gnadenlos gut und frisch und unverbraucht. Ein akustischer Taumel in schier unendliche Weiten.

Jetzt, knapp 48 Stunden nach dem Erlebten, in dem Moment, in dem ich das hier niederschreibe, kommt mir der gesamte wunderbare Abend noch einmal ins Bewusstsein. Und mir wird schmerzhaft klar, dass ich das Gehörte und Gesehene nur annähernd in Worte fassen kann.

So etwas kann man nicht wiederholen. So etwas ist einmalig. Ich werde noch lange an diesen Abend zurückdenken.
Deshalb auch ein Riesendanke an alle, die dieses unvergessliche Erlebnis möglich gemacht haben: Grazie. Thanks. Bedankt.

Fazit: Sollte dieser feine Blueszirkus oder auch nur irgendwelche Teil- oder Untermengen hiervon in eine irgendwie erreichbare Nähe zu euch kommen: Unbedingt nicht verpassen. Denn das wäre eine Sünde.

(C) Text und Fotos 2010 Tony Mentzel