Pat McManus am 29.03.2010 im Spirit of 66, Verviers (B) und am 06.04.2010 im Talbahnhof, Eschweiler

14 11 2010

Pat McManus

Auf das Wiedersehen mit Pat und seiner Band habe ich mich gefreut, sehr gefreut.

Im Prinzip könnte ich meinen letzten Bericht zu Pat’s Konzert Wort für Wort abschreiben.

Das, was er heute Abend hier auf die Bühne des Spirit of 66 bringt, ist mindestens von der gleichen Güte wie im November.

Es ist schade, dass dieser irische Musiker noch nicht die breite Fanbasis hat, die er längst verdient.

Würde beispielsweise der Name Gary Moore auf dem Plakat stehen, wäre so ziemlich jeder Saal schnellstens bestens gefüllt. Pat steht diesem irischen Kollegen sicher in Nichts nach. Und dennoch findet er nicht die Anerkennung, die er längst verdient hat.

Pat McManus ist ein Mensch, der am Tag 8 Stunden Gitarre spielt. Mindestens. Und der, wenn er endlich auf der Bühne ist, alles gibt. Manchmal habe ich den Eindruck, dass es noch mehr ist als alles.

Er spielt sich regelrecht die Seele aus dem Leib. Ich habe schon einige Gitarristen gesehen, doch Pat ist Pat und spielt auch nur wie Pat. Nicht dass er das Spiel auf der Sechssaitigen neu erfunden hat, es ist auch nichts Revolutionäres in der – wenn auch ziemlich hoch anzusiedelnden – Technik, die beherrschen auch andere, nein, es ist die Inbrunst und das Feeling verbunden mit dem Know- How, die sein musikalisches Tun zur individuellen Kunst macht.

Und immer wieder schimmert das keltische Musikerbe durch. «Juggernaut» zum Beispiel ist durchsetzt von Anleihen aus der irischen Tradition. Reels, Jigs mit Tappingtechnik auf der PRS- Gitarre in ein modernes Gewand gekleidet.

Dieser kulturelle Background kommt auch zum Tragen, wenn Pat McManus zur Geige greift. Kein Wunder: In seiner Heimat Irland ist Mr. McManus als Interpret traditioneller Musik geschätzt. Sein Können und Wissen gibt in Kursen an seine Schüler weiter.

Bis September soll ein neues Album vorliegen. Derzeit ist Pat neben allem anderen mit dem emsigen Schreiben von Songs beschäftigt. Dabei arbeitet er wie ein Besessener. Ein Song muss perfekt sein. Aber auch er weiß, jeder schöpferische Vorgang muss einmal beendet sein, sonst kommt es nie zum Endergebnis.

Mit Andy Powell von Wishbone Ash hat Pat in letzter Zeit einige Auftritte absolviert. Ich denke, dass dies eine interessante Zusammenarbeit ist, von der ich gerne einmal Zeuge würde.

Wenn sich Pat auf der Bühne auch wie ein fliegender Derwisch sehr extrovertiert benimmt, so ist er im Gespräch das totale Gegenteil. Er wirkt ruhig, in sich gekehrt, ja beinahe ein wenig schüchtern. Er ist einfach ein bescheidener und sehr sympathischer Mensch und wie seine beiden Mitmusiker Paul und Gordon immer zu einem Scherz bereit.

Mit seiner Band „The Mama’s Boys“ war er in den Achtzigern bis hin in die Neunziger ziemlich erfolgreich. In der Zeit brachte die Band sieben Alben heraus, spielte hunderte von Konzerten, trat auf großen Festivals auf. Der Tod seines Bruders Tommy, der in der Band Schlagzeug spielte, bedeutete gleichzeitig das Ende der „Mama’s Boys“.

Aus der Zeit hat Pat beispielsweise auch heute noch «Needle In The Groove» auf der Setlist.

Es folgten Bands wie „Celtus“ (mit seinem Bruder John) und „Indian“. Aber damit ließ sich nicht an den Erfolg der „Mama’s Boys“ anknüpfen.

Mit seinem Landsmann und Freund Barry McCabe hat er einige Songs für dessen CD aufgenommen und war auch live mit ihm unterwegs.

Seit geraumer Zeit wandelt Pat mit Gordon Sheridan – Bass und Paul Faloon – Drums auf Solopfaden. Zwei Studio CDs «In My Own Time» und «2pm» und eine Live CD in Kombination mit der entsprechenden DVD «Live…And In Time» sowie jetzt gerade frisch erschienen eine Live DVD «Pat McManus Band – Live at Rasmesfest» dokumentieren dies.

Ein Vollblutmusiker wie Pat McManus braucht die Bühne, braucht die Reibung mit dem Publikum. Hier bekommt er letztlich das, was er sucht: Die Bestätigung und Anerkennung für seine Arbeit, für seine Kunst.

In Verviers waren 70 bis 80 zahlende Gäste in Eschweiler mögen es etwa vierzig gewesen sein. Die Hoffnung liegt im Weitererzähleffekt. Dann werden es beim nächsten Mal im September oder Oktober wieder ein paar mehr sein. Das braucht alles seine Zeit und verlangt Durchhaltevermögen.

Die Musik, die Songs, die Musiker, die Show – alles vom Feinsten. Fernab von jeglichen Modetrends, Castingshows und Charts. Ehrlich. Ohne Schnick und ohne Schnack.

Fazit: Es ist wohl kaum zu überlesen, wie begeistert ich bin. Jetzt nach dreimaliger Erfahrung eines Pat McManus Konzerts. Weitere werden folgen, da bin ich sicher. Freuen würde mich, den einen oder die andere von euch dann zu treffen. Somewhere up the road… Weiter erzählt habe ich es jetzt ja. Also: Unbedingt nicht verpassen. Gebt guter, ehrlicher Musik eine Überlebenschance.

PS Als Appetizer seien einige der Zugabentitel genannt, die Pat in seiner eigenen und unvergleichlichen Version spielt:

Black Rose – Thin Lizzy
Call Me The Breeze – J.J. Cale, Lynyrd Skynyrd
Sharp Dressed Man – ZZ Top
Free Bird – Lynyrd Skynyrd

Text und Fotos (c) 2010 Tony Mentzel





Pat McManus am 16.11.2009 im Spirit of 66, Verviers (B)

14 11 2010

Pat McManus

Auf dem Weg durchs Hohe Venn Richtung Verviers höre ich quasi als Einstimmung Pat’s CD «Live…and In Time». Mit jedem Kilometer und jedem weiteren Titel steigt meine Vorfreude auf dieses Konzert.

Patrick Frances McManus ist nicht gerade das, was man einen Frischling auf den Bühnen dieser Welt bezeichnen kann. Er stammt aus einer sehr musikalischen Familie aus Derrylin, County Fermangh, Nordirland. Mit seinen Brüdern John und Tommy spielte er in den frühen Achtzigern in der Band «Mama’s Boys» (nicht zu verwechseln mit der Band gleichen Namens von Johnny Mastro aus den USA). Phil Lynott nahm sie mit auf die Abschiedstournee von Thin Lizzy.

Heute ist er mit Gordon Sheridan am Bass und Paul Faloon an den Drums unterwegs. Wieder einmal ein klassisches Powertrio also.

Und dass in diesem Trio Power steckt, spiegelt schon die oben erwähnte CD wieder, sieht man die Drei auf der Bühne, bekommt das Ganze weitere Dimensionen.
Ums vorweg zu sagen: Ein Konzert von Pat McManus ist nichts für Bluespuristen. Wer aber Bluesrock mag, wobei Pat hier auch mal gerne straffere Saiten spielt, die vereinzelt schon leicht hardrockig bis metallisch klingen, ist bei diesem irischen Wirbelwind bestens aufgehoben.

Das musikalische Menü des heutigen Abends reicht somit von hart-, bluesrockigen, bluesigen bis hin zu besten irisch- folkigen Happen. Alles bestens garniert von entsprechenden Bass- und Schlagzeugfundamenten. Ein weites Spektrum wartet auf den geneigten Zuhörer.

Spielfreude und technische Klasse kann man allen drei Akteuren bescheinigen. Die erste halbe Stunde greift ein Titel in den anderen, man hat eigentlich keine Chance, zu applaudieren. Dann erst meldet sich Pat das erste Mal zu Wort, um die etwa 60-70 Leute im Publikum zu begrüßen.

Und da ist er, dieser irische Akzent, den ich so gerne höre. Und Irisches schimmert auch immer wieder durch die Titel. «Juggernaut» zum Beispiel steht in bester keltischer Tradition. Pat pflegt hier die Technik des Tappings, und das führt er so perfekt vor, dass einem beim puren Zusehen schon leicht schwindelig wird. Vom Sound her imitiert er hier die Uilleann Pipes, die irische Ausgabe des Dudelsacks. Ähnliches bei «Big Hair». Hören kann man im Prinzip eine zweite Gitarre, die eine Harmonielinie spielt. Das kennt man von Thin Lizzy, Allman Brothers oder auch Lynyrd Skynyrd. Um nur einige zu nennen. Möglich wird das durch ein kleines Effektpedal aus dem Hause Boss, dem Super Shifter. Wirklich beeindruckend. Das spart den zweiten Gitarristen und all die Folgekosten hierfür. 🙂

Bei «Runaway Dreams», einem alten Titel der Mama’s Boys greift Pat mitten im Titel zur E- Geige und spielt hier die Fortsetzung seines Solo. Und wie! Pat grinst hinter seinem Geigenbogen hervor, ich stehe staunend einen Meter entfernt, rechtzeitig fällt mir noch ein, ein, zwei Fotos zu schießen.

Als Ire hat er selbstverständlich eine besondere Affinität zum unerreichten Gitarrengott der grünen Insel: Rory Gallagher. «I Take What I Want» ist das erste Zeichen in die Richtung. Innerhalb von zwei Wochen höre ich diesen Titel zum dritten Mal live: Julian Sas und Larry Miller hatten ihn ebenfalls auf der Setlist. So groß die Lücke auch sein mag, Rory hinterlässt, umso deutlicher sicht- bzw. hörbar sind seine Spuren. Klar, die meisten Sechssaitenhelden aktueller Prägung verneigen sich immer noch vor Jimi Hendrix, aber immer mehr machen ihre Verehrung für Rory Gallagher deutlich. Gut so, weiter so, mehr davon.

So richtig deutlich wird das in Pat’s Song «Return Of The G-Man». Textlich sind hier einige Anspielungen auf Gallagher Titel verarbeitet. Dazu beste irische, akustische Gitarrenarbeit im berühmten DADGAD- Tuning. Direkt im Anschluss «Out On The Western Plain», Huddie Leadbetter, aka Leadbelly, hat ihn geschrieben, Rory hat ihn 1975 auf seinem Album «Against The Grain» eingespielt. Pat hatte sich immer gewundert, wie Rory das auf der Gitarre spielt, bis dieser ihm das Geheimnis diseer speziellen Gitarrenstimmung verriet. „So habe ich es dann auch gelernt und kann es euch heute vorspielen.“ Was er dann auch tut. Wäre die Stimme nicht ein wenig anders, man könnte meinen…

Natürlich weiß der gute Pat auch, wie man einen Blues spielt. «Low Down Dirty Blues» vom neuen Album «2pm» beispielsweise. Oder «Garbage Man» auch wieder à la Rory. Egal, in welches Stilgefilde Mr. McManus sich begibt, er hat das richtige und sichere Händchen dafür.

Zugaben gibt es natürlich auch. Und die haben es nochmals in sich: „Manchmal spielen wir den Song, manchmal nicht. Und heute spielen wir ihn. «Black Rose» von Thin Lizzy.“ Wer den Song kennt: Hier perlen diverse irische Melodien durch die Saiten der roten Paul Reed Smith. Auch hier wieder authentische Harmonieläufe. Verblüffend dieser Sound. Thin Lizzy‘ s back in town…. Pat’s Stimme kommt der von Phil Lynott sehr nah.

Leute, ich gebe es zu: Ich bin fertig mit der Welt. Das hatte ich hier und heute nicht erwartet.

Aber wenn du denkst, eine Steigerung ist nicht mehr möglich, dann solltest du nicht zu einem Pat McManus Konzert gehen.

Der wirklich krönende Abschluss resultiert aus einer eher traurigen und tragischen Tatsache: Am 16. November 1994 verstarb Pat’s Bruder Tommy. Also auf den Tag genau vor 15 Jahren. Anlass genug «Free Bird» anzustimmen.

Es gibt die volle Breitseite. Irgendwie schafft es Pat, alleine das zu spielen, wozu Lynyrd Skynyrd drei Gitarristen brauchen. Jedenfalls kommt es mir so vor. Egal, ob beim Slide- oder Standardspiel. Ich bin hin und auch weg.

Nach dem Gig stehen wir noch länger zusammen, Pat erzählt von Irland, den Rory Memorials, auf denen er spielt, Drummer Paul und Bassmann Gordon gesellen sich dazu. Alle drei strahlen über jeweils beide Backen. Sie sind hoch zufrieden und begeistert von der Atmosphäre heute Abend im Spirit of 66.

Und die war außerordentlich gut. Und das an einem Montag!

Thanks a million…„, so verabschiedet sioch Pat von mir. Und ich denke, dass ich diese Worte schon einmal gehört habe…

Fazit: Wer ein Konzert der ganz besonderen Art erleben will, ist bei Pat McManus, der übrigens ein sehr guter Freund von Barry McCabe ist, bestens aufgehoben. Uneingeschränkt empfehlenswert, wenn man nicht gerade zur Blues- Polizei gehört.

Pat McMauns bei MySpace

Text und Fotos: © Tony Mentzel