Morblus am 06.03.2011 im Jakobshof, Aachen

25 03 2011

Roberto Morbioli

Nun ja, meine alte Heimatstadt Aachen war noch nie ein El Dorado für Bluesfans. Leider. Und an einem Karnevalssonntag sind die meisten Leute beim Feiern oder auf der Flucht vor dem Trubel.20:15 Uhr, Jakobshof in der Stromgasse, backstage. Roberto Morbioli, Daniele Scala, Stefano Dallaporta und Diego Pozzan, kurz Morblus, ihre Managerin Carolin Wobben und meine Wenigkeit harren der Dinge die kommen.„Schreibst du wieder etwas über das Konzert?“, fragt mich Carolin. „Hm, nicht viel. Vielleicht zwei Zeilen.“, feixe ich. „Wieso?“ – „Pro Zuschauer eine Zeile.“ Der Witz will gar nicht zünden. Vor der Bühne befindet sich zu dieser Zeit noch niemand.Mit weiter tickender Uhr sinkt die Laune bei den Musikern. „Kommt, wir packen ein, fahren ins Hotel und machen uns einen schönen Abend.“, brummt Roberto, dem die Lust, überhaupt am heutigen Abend noch zu spielen völlig abhanden gekommen scheint.Verständlich: Schließlich ist die ganze Truppe heute eigens knapp 400 Kilometer von Hannover angereist, wo sie gestern in der Blues Garage einen fulminanten Auftritt hatte. Und morgen geht es wieder Richtung Norden nach Osnabrück.

Life on the road.

Ich linse durch die Tür in den kleinen Saal, vier Leute machen es sich gerade an einem Tisch rechts vor der Bühne gemütlich, eine fünfte Peron steht noch etwas unschlüssig herum.

„Wir haben so etwas früher immer öffentliche Probe genannt.“ Auch dieser mein Versuch, die Stimmung etwas zu heben, wird nur mit einem müden Lachen quittiert.

Umziehen für die Bühne oder nicht. Da gab es doch das ungeschriebene Gesetz, das besagt, dass, solange mehr Leute auf der Bühne stehen, als davor, nicht gespielt werden muss. Carolin spricht ein paar eindinglich motivierende Worte. Einer nach dem anderen verzieht sich in die Garderobe und kommt bühnenfein wieder zurück.

Ok, dann spielen wir eben ein paar Titel, das sind wir dem Publikum auch schuldig.“

In der Tat: Die eben oben erwähnten Vier sind über 300 Kilometer aus den Niederlanden angereist. Solchen Leute möchte man nicht vor den Kopf stoßen. Jetzt heißt es, professionell zu handeln.

Und genau das tut das Quartett von nun an auf der Bühne. Keine Spur von Frust oder Unlust fließt ins Spiel. Im Gegenteil. Man groovt sich so richtig in gute Laune hinein. Aus ein paar angedachten Titeln werden insgesamt knapp 2 Stunden Performance. Und die ist so gut wie immer und rechtfertigt und unterstreicht wieder einmal meine Behauptung, dass Morblus absolut zu den besten Bluesbands auf dem Alten Kontinent gehört.

Das Echo bei den wenigen Anwesenden auf das auch in meinem Empfinden gelungene „Privatkonzert“ ist mehr als gut.

Nach meiner eigenen Aussage hätte ich bei diesem Bericht jetzt nach 10 Zeilen aufhören müssen. Denn mehr zahlendes Publikum findet sich heute nicht mehr ein.

Aber ich tue es der Band gleich und beweise Professionalität, indem ich doch die selbst gesetzte Grenze sprenge.

Ich kann nur wiederholend sagen: Leute, geht in die Konzerte im Allgemeinen und zu denen von Morblus im Besonderen. Ton- und Bildkonserven sind schön und gut, können jedoch niemals ein Live- Konzert ersetzen.

Die Eintrittspreise sind hier äußerst moderat. Sie haben nichts mit der Gigantomanie mancher Veranstaltungen zu tun, bei denen man unter 70 bis 80 Euro keine Karte mehr bekommt. Die Atmosphäre bei diesen kleinen Clubkonzerten ist um einiges dichter und persönlicher als es in den Arenen und Stadien überhaupt der Fall sein kann.

Ich habe jedenfalls den Weg zu diesem Gig nicht versäumt und bin um eine tolle Konzerterfahrung reicher. Genau diesen Reichtum werde ich noch vermehren, indem ich am kommenden Freitag (11.03.2011) ein weiteres Morblus– Konzert im Leverkusener Topos besuchen werde. Vielleicht sieht man sich ja.

Text und Fotos (c)2011 Tony Mentzel





Morblus am 16.10.2010 im Café de Weegbrug, Roermond (NL)

14 11 2010

Roberto Morbioli

Als wir gegen 20:30Uhr das Café de Weegbrug betreten, ist die Band gerade beim Soundcheck. Die Vorbereitungen für das zweite Konzert der Truppe um Roberto Morbioli an diesem Samstag sind schnell abgeschlossen. Sie kommen direkt aus Amsterdam, wo sie vor etwa 100 Zuschauern ein Radiokonzert gegeben haben.

So ist das im Showbusiness, da muss man mitnehmen, was sich bietet. Auch wenn es dann zwei Mal am Tag heißt: Anreisen, auspacken, aufbauen, Soundcheck, Showtime, abbauen, einpacken. Die Oktobertour von Morblus dauert ca. drei Wochen und führt durch Deutschland, Frankreich, Belgien und die Niederlande.

Es ist ein Wiedersehen mit vier sympathischen Menschen, die zudem alle ihr musikalisches Handwerk aufs Beste verstehen: Roberto Morbioli, Gitarre, Vocals, Daniele Scala, Hammond & Keyboards, Stefano Dallaporta: Bass und Diego Pozzan: Drums.

Der Beginn des Konzerts ist für 22 Uhr angesetzt, nur tröpfchenweise stellen sich die Zuschauer ein. Es bleibt Zeit für den einen oder anderen Plausch mit den Musikern, die ich im August dieses Jahres beim Festival «Blues au Château» im bretonischen La Chèze bereits kennen und schätzen lernen durfte.

Gegen 22:30Uhr ist dann endlich Showtime. Die Band ist sofort und auf den Punkt genau da. Und von den ersten Takten an weiß man, dass da nichts anbrennen wird, ja, nichts anbrennen kann.

Das Repertoire der Italiener ist so breit gefächert, dass es jede Sekunde in sich hat. Und diese Sekunden werden ca. drei Stunden füllen müssen. . Heute Abend hören wir Songs wie:«Everyday I Have The Blues», «My Shoes», «I Play The Blues For You» oder «Hallelujh, I Love Her So».

Daniele Scala & Diego PozzanStefano Dallaporta & Roberto MorbioliRoberto Morbioli

Natürlich brillieren wieder einmal die Soloinstrumente, Gitarre und die Hammond, denn beide sind besetzt mit hervorragenden Musikern. Aber auch das beinahe unauffällige Grundlagenspiel von Schlagzeug und Bass – abgeliefert von zwei ebenfalls absoluten Könnern ihres jeweiligen Fachs – ist stets auf der Höhe des Geschehens, stützt das gesamte Bandgefüge und treibt es immer wieder zu neuen Höhenflügen an.

Darüber hinaus erhalten Stefano und Diego immer wieder Freiräume für solistische Einlagen.

Und über allem thront Robertos sichere, kräftige und vielseitige Stimme

Morblus ist eine Band, die schweißtreibend arbeitet und trotzdem niemals ihre Spiellaune oder ihren Spielwitz verliert. Das inzwischen auf ein manierliches Maß angewachsene Publikum weiß das zu schätzen.

Morblus ist ein geschlossenes Ganzes, eine Maschine, die permanent unter Dampf steht. Die einzelnen Titel gehen fast ohne Unterbrechung in einander über und überspringen häufig die zehn Minuten Grenze. Wir erleben feinsten Blues à la Albert King, bisweilen swingt ein wenig Jazziges durch. Alles wird immer wieder gewürzt mit feinsten Hammond- Klängen und treffsicheren Gitarrenlicks.

Morblus ist eine Band, die man gesehen und gehört haben muss, denn in Sachen Blues gehört sie meiner bescheidenen Meinung nach zweifellos zum Besten, was unser alter Kontinent augenblicklich zu bieten hat.

Und dennoch sieht sich diese Band leider noch in einem Stadium, in dem sie kämpfen muss, um überhaupt Auftrittsgelegenheiten zu erhalten. So wird sie weiter touren und touren und ich bin sicher, dass es immer mehr Menschen geben wird, die sich meinem Fazit „unbedingt nicht verpassen“ bedingungslos anschließen werden. Veranstalter, die heute noch zögern, werden spätestens dann auf den Morblus– Zug aufspringen (müssen).

Wer es dieses Mal nicht geschafft hat, eins der Konzerte zu besuchen, dem kann ich ebenfalls uneingeschränkt die gerade frisch erschienene CD «On The Way Back…» ans Herz legen. Sie macht die Pause bis zur nächsten Tour Anfang März 2011 um einiges erträglicher.

Text und Fotos (c) 2010 Tony Mentzel