Mathieu Pesqué & Roll Pignault am 15.01.2011 im Thalia, Baarlo (NL)

24 01 2011

Roll Pignault  & Mathieu Pesqué

Es ist ihr erster größerer musikalischer Ausflug ins Ausland. Acht Tage touren sie durch die Niederlande und Belgien und sind sehr angetan von dem offenherzigen Publikum und der Sympathie, die ihnen bei jedem ihrer Konzerte entgegenschlägt. Und das obwohl sie hier quasi Nobodys sind. Heute Abend sind sage und schreibe 125(!)zahlende Gäste im Saal.

In ihrem Heimatland Frankreich sind sie längst über den Geheimtippstatus hinaus gewachsen: Mathieu Pesqué (Gitarren und Gesang) & Roll Pignault (Harmonika und Backgraoundgesang).
Vor eineinhalb Jahren habe ich sie auf dem Festival «Blues au Château» in La Chèze in der Bretagne kennen und schätzen gelernt.
Ihre CD aus dem Jahr 2010 «Blues Bound» dreht sich öfter als jeder andere Silberling in meinem CD- Player.

Warum? Erstens ist die CD bestens produziert und gibt ziemlich genau das wieder, was die Beiden auch live zelebrieren: Authentische, handgemachte, akustische Musik, teils mit Blues- Klassikern wie «Stag O´Lee», «Born Under A Bad Sign», «Last Fair Deal Gone Down» oder «I Can’t Be Satisfied» oder auch Eigenkompositionen wie «Blues Bound» oder «Melone Hut».

In den Konzerten gesellen sich noch Titel wie «Stand By Me» oder «Hit The Road Jack» hinzu.

Die beiden Musiker verstehen es durch ihre dichte Performance, das Publikum in andächtigem Lauschen zu fesseln. Im Saal ist es für niederländische Verhältnisse mucksmäuschenstill.

Das Gitarrenspiel von Mathieu Pesqué gehört zum Feinsten, was ich auf diesem Sektor bisher live erleben konnte, egal, ob im Picking auf seiner wunderbar perlend klingenden Martin- Gitarre oder ob im Slidespiel auf seinem Guild- Sechsaiter, die er quasi als Lapsteelgitarre spielt, und dann immer wieder diese Stimme, die mich seit ich sie zum ersten Mal gehört habe, immer wieder verzaubert.

Mathieu wirkt sehr introvertiert, ja, beinahe schüchtern, beweist aber immer wieder in seinen Zwischenansagen einen staubtrockenen Humor.

Ganz anders und damit das perfekte Gegenstück zu Mathieu, der im Übrigen auch schon mit renommierten Leuten wie Nico Wayne Toussaint gearbeitet hat, ist Roll Pignault. Er ist das, was man landläufig als „Rampensau“ bezeichnet.

Musikalisch ist er mit seinem Harpspiel und seiner Backgroundstimme ein ebenbürtiger Partner und rundet somit das Gesamtsoundbild ab.

Beide spielen im Sitzen, nur Roll reißt es manchmal buchstäblich vom Hocker, er geht ganz auf in seinem ausgewogenen und filigranen Spiel.

Konzerte von Mathieu Pesqué & Roll Pignault leben in einer eigenen emotionalen Atmosphäre. Ihre Interpretationen der oben genannten Klassiker tragen sehr viele Eigenanteile in sich, wer also bei Anblick der Setlist glaubt, dass er das alles kennt und es schon zum hundert-x-ten Mal gehört hat, was ja auch stimmen mag, wird beim Anhören der Versionen dieser beiden Künstler sicher gleich um mehrere „Aha“- Erfahrungen reicher.

Das Konzert wird keine Sekunde langweilig, Mathieu weiß, wie man Spannungsbögen aufbaut und das tut er instinktiv.

Die Setlist ist jeden Abend anders gestaltet. So aus dem Bauch, so nach Gefühl.

Im Moment arbeiten die Beiden im Studio an einem weiteren Album, das noch in diesem Jahr erscheinen soll. Darauf sind dann auch einige der Titel, die heute live am Publikum ausgetestet werden. Dabei sind wunderbare Balladen, die Mathieu geschrieben hat und teilweise auch für Roll Premieren sind.

Für September 2011 ist eine weitere kleine Tour durch die Niederlande geplant, vielleicht mit einigen Abstechern über die Grenze nach Deutschland. Wir arbeiten daran.

Fazit: Auch wenn Mathieu Pesqué & Roll Pignault in hiesigen Landen so gut wie unbekannt sind, sollte man versuchen, eines ihrer wirklich wunderbaren Konzerte zu sehen und zu genießen. Also unbedingt nicht verpassen. Man sieht sich also…

Text und Fotos (c) 2011 Tony Mentzel





Richard Bargel & Klaus ‚Major’ Heuser & Band am 11.01.2011 im Talbahnhof, Eschweiler

13 01 2011

Richard Bargel

Vor dem Talbahnhof in Eschweiler steht eine Menschentraube. „Aha, die Raucherfraktion“, denke ich, als ich mich ihr gegen 19:45 Uhr nähere. Im Saal herrscht glücklicherweise Rauchverbot.Doch es steigt kaum blauer Dunst auf. Die Menschen warten darauf, eingelassen zu werden. Und irgendwann macht die Parole die Runde, dass nur noch Leute mit (vorbestellten) Eintrittskarten vorgelassen werden.

Ausverkauft! Ausverkauft? Ja. So voll habe ich den Talbahnhofssaal noch nie erlebt. Toll für die Atmosphäre, toll für die Kasse, toll für die Musiker, toll für den Veranstalter. So soll es sein, so muss es sein. A good day for the blues…

Toll, dass so viele Menschen gekommen sind, um zwei Herrn zu lauschen, die gemeinsam etwa 78 Jahre Bühnenerfahrung haben.

Der Eine, Richard Bargel, in Deutschland ein Bluesmann der ersten Stunde, der andere, Klaus ‚Major’ Heuser, ehemals und langjähriger Lead- Gitarrist der bekanntesten Kölner Rockband mit drei Buchstaben.

Am (Kontra-) Bass steht Sascha Delbrouck , das Schlagzeug bedient Marcus Rieck. Beide bleiben im Hintergrund, dezent aber stets präsent.
Richard Bargel habe ich schon oft solo erleben können. Auch heute Abend präsentiert er einige Songs aus vergangenen Tagen, die aber durch die Bandbesetzung ein neues akustisches Gewand bekommen. Wie immer begleitet er sich auf seiner Dobro oder seiner Akustikgitarre, während der ‚Major“ das Soundbild elektrisch mit zwei Gitarren aus dem Hause Gibson (Les Paul und ES 335) und einer Fender Stratocaster ergänzt.

Beide wissen in den Soloparts zu überzeugen und ergänzen sich wunderbar in der Songbegleitung. Gekonntes Slide- und Standardspiel wechseln wie aus dem Nichts und bieten dem geneigten Ohr einiges an erfreuter Abwechslung.

Richards Gesang ist wie immer im wahrsten Sinne tief schürfend, sie hat heute noch ein dunkleres Timbre, was vielleicht an seiner gerade überstandenen Bronchitis liegt.

Das Konzert beginnt mit «I Will Die For You», gefolgt von «In The Pines» und «Last One In The Row». Zwischen den Titeln ist munteres Plaudern angesagt. Die beiden Herren erzählen in humorvoll augenzwinkernder Weise von den Anfängen ihres Schaffens oder von den teils skurrilen Situationen, die man so «on the road» erleben kann.

Man spielt sich genau wie während der Titel die Bälle zu und man bekommt den runden Eindruck, dass sich diese beiden Protagonisten der Kölner Musikszene schon länger gesucht und sich nun endlich gefunden haben.

Die Songs bieten das ganze inhaltliche Spektrum, das der Blues zu bieten hat, ob es nun ums Abschiednehmen wie in Son House’s «Empire State Express» geht, oder um das Absitzen einer Strafe, wie im eigens für ein Konzert im Bochumer Gefängnis geschriebenen in «Doin’ Time» oder um den Sklavenhandel wie in «There’s A Man Going Round Taking Names» oder um den Dämonen Alkohol wie in «Bad Whiskey» oder um Liebesschmerz wie in «Anytime You Want». Die Titel treffen alle musikalisch voll ins Schwarze.

Fazit:
Wer sich selbst einen Eindruck von dieser formidablen Zusammenarbeit verschaffen will, dem sei die aktuelle Live- CD wärmstens ans bluesige Herz gelegt. Nach deren Hören gibt es dann allerdings gar keine Entschuldigung mehr, nicht zu einem der Konzerte zu gehen. Darum meine uneingeschränkte Empfehlung: Unbedingt nicht verpassen. Tipp: Frühzeitig Karten besorgen, sonst bist du der «Last One In The Row»…und wer will das schon sein?

Text und Fotos: (c) 2011 Tony Mentzel

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