5th European Blues Challenge vom 12.03. bis zum 14.03.2015 in Brüssel – ein paar Impressionen

21 03 2015

Travellin' Brothers (1)
Man ist sich einig: Für diese drei Tage zumindest wird Brüssel in Sachen Blues zum Memphis Europas.

Jetzt, da ich endlich Zeit und Abstand gefunden habe, diese drei tollen Tage zu beschreiben, liegt der erste, der – ich möchte es einmal als Prolog bezeichnen – schon wieder über eine Woche zurück.

Die gesamte Veranstaltung wird in der Ancienne Belgique abgewickelt, einer Location, die auch weit über Brüssels Grenzen bekannt ist. Es gibt genügend Plätze: zum Stehen oder auch zum Sitzen, Erfrischungsgetränke sind reichlich vorhanden.

Donnerstag

Den Prolog bestreiten drei belgische Bands: Hideaway, Howlin‘ Bill und Fred & The Healers. Zur Erinnerung: Howlin’ Bill haben 2009 in Berlin die erste europäische Blues Challenge gewonnen.

Schon bei diesen drei Bands wird klar, dass ich mal wieder genau an der richtigen Stelle bin. Hier gibt es Blues vom Feinsten, die Bands „brennen“, die Akustik stimmt und es ist wieder eine Menge begeisterter Zuschauer vor Ort. Kurzum die perfekte Stimmung und sie wird Weg weisend für die folgenden beiden Tage sein.

Freitag

Am Freitagabend wird es dann ernst für die ersten 10 Finalisten. Jede Band hat ca. 20 bis 25 Minuten Zeit sich dem Publikum und den Juroren zu präsentieren. Die Rolle des „Master of Ceremonies“ ist mit keinem Geringeren als Ian Siegal besetzt. Er kündigt die einzelnen Acts an und sorgt für unfreiwilligen Humor beim Aussprechen der Namen der Mitwirkenden beispielsweise aus Spanien oder Finnland.

Es geht Schlag auf Schlag. Die Umbaupausen sind angenehm kurz, reichen aber für eventuellen Getränkenachschub.

Die Bands zeigen sich in Bestform und still und heimlich gehe ich der Frage nach, nach welchen Kriterien die Jury dann letztendlich entscheiden will. Bei der stilistischen Vielfalt und dem gleich bleibend hohen Niveau ist dies sicher nicht gerade eine leichte Aufgabe.

Jetzt wird es persönlich, ganz persönlich und völlig subjektiv. Meine Favoriten von Abend 1 sind ganz klar Laurence Jones und seine Band bestehend aus Roger Inniss (Bass) und Miri Miettinen (Drums) und die beiden Jungs aus der Schweiz Thierry Jaccard und Yannick Nanette, die unter dem Namen The TWO auftreten.

Musikalisch trennen diese beiden Acts Welten. Laurence Jones gehört zu diesen ungebändigten jungen Bluesrockgitarristen, von denen das Vereinigte Königreich scheinbar unendliche Vorräte besitzt.

Er zündet auf der Bühne ein wahres Feuerwerk ab, phänomenal, wie der Youngster mit der Gitarre umzugehen weiß. Dazu diese Stimme. Wahnsinn. Nach dieser Vorstellung sind sich viele im Publikum sicher, dien Gewinner der Challenge gesehen zu haben.

Ich würde es ihm gönnen, aber die Gewissheit über seinen Sieg teile ich nicht.

The TWO (http://the-two.ch/) bieten ein Kontrastprogramm. Auf einmal wird es still im Saal. Die Beiden sind spezialisiert auf wunderschöne Balladen und begleiten sich auf Dobro und Akustikgitarre. Vor allem Yannick’s ausdrucksvolle Stimme weiß zu begeistern. Hier gibt es einige Hörproben.Und somit verdienen The TWO bei vielen im Publikum den Titel Geheimfavorit.

Das Programm:
20:00  Romania: Marius Dobra Band
20:25  Denmark: Bound By Law
20:50  Croatia: Delta Blues Gang
21:15  United Kingdom: Laurence Jones
21:40  Germany: Jessy Martens Band
22:05  France: Pillac
22:30  Netherlands: The Leif de Leeuw Band
22:55  Switzerland: The Two
23:20  Hungary: Éles Gabor Trio
23:45  Sweden: Lisa Lystam Family Band

Samstag

Am Samstagnachmittag trifft man sich zum „Blues Market“ im Novotel. Hier gibt es Gelegenheit für Künstler, Plattenfirmen, Veranstalter, Agenturen, Presse und Sonstige im Blues Involvierte sich auszutauschen, Kontakte zu knüpfen oder zu pflegen.

Zu meiner ganz persönlichen Überraschung treffe ich hier auf weitere liebe Freunde: Erja Lyytinen und Davide Floreno sowie auf Mike Sponza und Tiny Legs Tim. Small Talk hier, Small Talk da. Dazwischen ein zwei Scheibchen Salami vom ungarischen oder italienischen Stand begleitet von einem Schluck guten Rotwein. Ein Sprachengewirr aus Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Flämisch und manchmal auch ein klein wenig Deutsch. Es herrscht eine international fröhliche und äußerst freundliche Stimmung. Der Nachmittag vergeht wie im Fluge und schon stehe ich wieder vor der Bühne der Ancienne Belgique.

Das Programm:

20:00  Luxemburg: Remo Cavallini Band
20:25  Italy: Dave Moretti Blues Revue
20:50  Austria: Herman Posch Duo
21:15  Finland: Micke Bjorklof & Blue Strip
21:40  Spain: Travellin’ Brothers
22:05  Slovakia: Jergus Oravec Trio 
22:30  Poland: Drunk Lamb
22:55  Belgium: Doghouse Sam & his Magnatones
23:20  Norway: JT Lauritsen & The Buckshot Hunters

Auch die nächsten 9 Acts geben ihr Bestes. Alle sind auf einem ähnlichen musikalischen Level. Stilistisch bisweilen sehr unterschiedlich. Am deutlichsten brechen hier die aus Spanien stammenden Travellin‘ Brothers aus. Sie bieten die wohl mitreißendste Show. Ihr charismatischer Frontman Jon Careaga Goicoechea hat das Publikum in Nullkommanix in der Tasche. Er ist so etwas, was man gerne als „Rampensau“ bezeichnet.

Nach der letzten Präsentation überbrückt Ian Siegal die Wartezeit auf das Ergebnis mit zwei Soloeinlagen.

Irgendwan nach Mitternacht ist es dann so weit: Die Gewinner werden bekannt gegeben: Auf dem dritten Platz belegen JT Lauritsen & The Buckshot Hunters aus Norwegen, den zweiten Platz Doghouse Sam & his Magnatones aus Belgien. Der erste Platz geht an die Travellin‘ Brothers aus Spanien, die sicherlich diesen Platz auch verdient haben.

Interessant bei der Bewertung ist, dass alle drei Gewinner ihren Auftritt im letzten Viertel der Veranstaltung hatten.

Wie dem auch sei: Wenn es auch ein Wettstreit unter den Besten der besten Bluesacts Europas war, so steht der Spaß doch an erster Stelle. Das haben alle Beteiligten bei dieser großartigen Party unter Beweis stellen können.

Natürlich bin ich begeistert von all der wunderbaren Musik und all den wunderbaren Künstlern. Aber meine Begeisterung erstreckt sich auch auf das tolle Publikum und auf die großartige Organisation.

Somit mein Dank an alle: Es war ein rauschendes Fest.

Die Teilnehmer für nächstes Jahr stehen noch nicht fest (kla!!), aber bereits der Zeitraum und der Ort: Vom 07. bis 09. April 2016 in Torrita di Siena in der Toskana. Der Termin steht schon rot leuchtend in meinem Kalender.

Man sieht sich!!

Zu meinen Fotostrecken:

und





Blues Open – Geldrop

20 05 2014

Blues Open - GeldropEs ist immer wieder toll, was die Leute von Blues Open in Geldrop auf die Beine stellen. Wieder einmal finden wir hier ein  tolles Line-up. Und Geldrop liegt gar nicht so weit von der deutschen Grenze weg. Gerade mal 100 km von Essen oder Düsseldorf. Man sieht sich also dort. Bis denne …

Zur Homepage des Festivals….





Goezot in’t Hofke – Oud-Turnhout (B) – Blues- Festival

22 05 2012

Goezot Bluesfestival





Ian Siegal am 10.03.2012 im Kulturzentrum, Sinsteden

13 03 2012

Ian Siegal

Es gibt keine Setlist. Ein Mann und zwei Gitarren. Allein auf einem Stuhl auf einem Podium. Der lang gezogene Saal davor ist brechend voll. Gut 200 Zuschauer haben sich eingefunden im Kulturzentrum Sinsteden an diesem Samstagabend im März.

Ian Siegal ist Gewinner des British Blues Award 2011 in der Kategorie: „Bester männlicher Sänger“. Dass dies einen triftigen Grund hat, bekommen wir heute von der ersten Konzertminute an zu spüren.

Ian Siegal’s Stimme und seine Art damit umzugehen ist die eine Hälfte seines künstlerischen Kapitals. Die andere besteht in seinem Gitarrenspiel. Egal, ob er auf der Dobro slidet oder auf seiner Takamine- Gitarre in Standardtuning spielt.

Bei derartigen Soloveranstaltungen besteht oft die Gefahr, dass nach einer gewissen Weile, leichte Langeweile aufkommt, d a ein Künstler allein natürlich nicht unbedingt in der Lage ist, für die Abwechslung zu sorgen, die auch beim Zuhörer den Spannungsbogen aufrecht erhält.

Bei Ian Siegal ist dies völlig anders. Er weiß mit seinen Songs interessante Geschichten zu erzählen und die Überleitungen dazwischen  sind immer gewürzt mit einer Prise besten britischen Humors.

Dazu kommt  seine überzeugend, authentische Art  die Titel vorzutragen. Eine ausdrucksstarke Stimme, schwarz wie Kohle und ein ausgeprägt virtuoses Gitarrenspiel.
Songs wie „Mary, Don’t You Weep No More“ oder „Cocaine Cannot Kill My Pain“ gehen porentief unter die Haut. Bei “John, The Revelator” wird die Dobro kurzerhand zum Schlaginstrument.

Die ersten 60 Minuten bis zur Pause vergehen wie im Flug und irgendwann ist es 22 Uhr und das Konzert ist schon beendet. Der Anfang war bereits um 19 Uhr, so dass wir auf eine Nettospielzeit von zweieinhalb Stunden zurück blicken, die durch ein Zugabeset mit Songs von Tom Waits gekrönt werden, wobei mir als eingefleischtem Waits- Fan natürlich das Herz aufgeht, denn stimmlich ist dies die perfekte Illusion.

Ian Siegal habe ich bisher schon mehrmals bewundern dürfen. Er ist einfach ein Garant für beste Bluesunterhaltung, gleich, ob solo oder auch mit Band.

Darum gilt auch hier wieder meine uneingeschränkte Empfehlung: Unbedingt nicht verpassen!

Einen besonderen Dank möchte ich an dieser Stelle noch an die Verantwortlichen vom Kulturzentrum Sinsteden richten, die es immer wieder schaffen, exzellente Blueskonzerte zu veranstalten. Damit haben sie sich mittlerweile ein hoch zufriedenes Stammpublikum geschaffen, das, wie ich immer wieder feststellen konnte, auch dann zur Stelle ist, wenn relativ unbekannte Namen angekündigt sind.