King King @ Troisdorfer Bluesclub am 15.02.2013

17 02 2013

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Tatort: die Aula der Realschule Am Heimbach, Heimbachstr. 10, 53840 Troisdorf. Zeit: gegen 19 Uhr.

Die Halle ist schon gut gefüllt. Die Stühle an den Tischreihen werden nach und nach in Beschlag genommen. Der Getränkeverkauf ist in vollem Gange. Liebe Freunde haben mir einen Platz in der ersten Reihe direkt vor der Bühne frei gehalten.

Pünktlich entern BB’s Bluesmile die Bühne. Die Band um den Bassisten und Sänger Bob Bresser greift tief ins Repertoire zeitgenössischer Bluestitel. Songs des viel zu früh verstorbenen Sean Costello finden neben Tracks von Ian Parker, Henrik Freischlader oder den Rolling Stones Platz auf der Setlist. Der Abend ist somit stilsicher eingeläutet.

In der kurzen Umbaupause wird mir klar, dass der Saal sich inzwischen komplett gefüllt hat. Schön zu sehen , wie sich die Hoffnung über eine Ahnung zur Wirklichkeit gewandelt hat. Ein Lächeln huscht über mein Gesicht.

Nach dem zu Recht umjubelten Konzert im November 2012 im Leverkusener Topos ist es King King‘s zweiter Auftritt in Good Old Germany überhaupt. Morgen geht’s nach Isernhagen in die „Blues Garage“.

Auf der Bühne stehen immerhin die Gewinner der letztjährigen British Blues Arwards. Ihre erste CD „Take My Hand“  wurde zudem zur besten britischen Bluesproduktion gekürt. Ihr zweiter Silberling „Standing In The Shadows“ kommt gerade frisch aus dem Presswerk und liegt heute Abend zum Kauf bereit auf dem Merchandising- Tisch.

Genug der einleitenden Worte. Was jetzt kommt; „Das hat Troisdorf noch nicht gesehen!“ Genau dies wird nach dem Konzert eine begeisterte Zuschauerin beim Verlassen der Aula laut ausrufen.

Ich zähle zu den Glücklichen, die die Band um Alan Nimmo schon mehrfach live gesehen haben. Und es war immer ein Genuss. Doch was heute Abend passiert, toppt alles Bisherige und wird zur reinen Magie.

Neben Alan Nimmo an der Gitarre und am Gesang bilden Lindsay Coulson am Bass, Daniel Bingham an den Tasten und Wayne Proctor am Schlagzeug das heutige Line-up. Nach einem Probetag am letzten Montag spielt Daniel erst seit Mittwoch in der Band. Das fällt niemandem auf, die Dialoge zwischen Piano- oder Orgelsounds und der Gitarre sind ein wahrer Leckerbissen.

More Than I Can Take“ oder „A Long History Of Love“ von der neuen CD harmonieren wunderbar mit den Songs des Erstwerks und bisher nicht auf CD erschienenem Material wie „Gravy Train“ oder „Good Time Charlie“ (schade eigentlich).

Und wie immer ist Clapton’s „Old Love“ der absolute Höhepunkt. DER Song um eine verflossene Liebe, die einen so lange nicht los lässt. Alan Nimmo webt dynamische Spannungsbögen auf seiner Fender Stratocaster. Wen das nicht tief berührt, der hat ein riesiges, schwarzes Loch auf der Seele. Die Gitarre wimmert, schreit und flüstert. Alan regelt die Lautstärke auf Null und spielt unverstärkt weiter. Es ist mucksmäuschenstill im Raum. Und diese Stille schmerzt. Und dieser Schmerz hält an, bis Mr. Nimmo die den Pegel wieder hochreißt und die Gitarre all die Pein herausbrüllen lässt. Ein Fall von Gänsehaut pur!

Schon lange hält es niemand mehr so recht auf den Stühlen, viele tanzen. Howlin‘ Wolf’s „Mr. Highway Man“ zum Beispiel oder das schon zitierte „Gravy Train“ laden dazu ein.

Bei diesem Konzertabend stimmt einfach alles: Die Band, die Musik, das Publikum und für mich als Fotografierendem sogar und selten genug das Licht.

Am Ende stehen Standing Ovations und das gute Gefühl, Teil der Geschichte geworden zu sein. Denn hier und heute wurde ein weiteres Kapitel geschrieben. Von und mit einer Band, die auf dem besten Weg ist, international musikalisch neue Akzente zu setzen. Hier lebt beste britische Bluesrock Tradition à la Free, Bad Company, Led Zeppelin etc. weiter fort und wieder auf, nicht ohne einen eigenen Stempel aufgesetzt zu bekommen: Den Stempel King King.

Fazit: King King werden noch weitere Konzerte im Verlauf dieses Jahres auch in Deutschland geben. Wer es bisher nicht geschafft hat, diese Ausnahmeband live zu erleben, bekommt hier weiter Gelegenheiten. Und wer sie schon gesehen hat, wird zum Wiederholungstäter und geht sowie so wieder hin.

Man sieht sich also…

Denn: King King rule!


Video by klemens2000

 Links:
King King
Trisdorfer Bluesclub
John Hurd’s review (in English)

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21. Grolsch Blues Festival in Schöppingen – Review – Tag 2

24 06 2012

Tag 2, Sonntag, 27.05.2012

Ben Poole

Ben Poole & Band
Großbritannien ist ein Land, aus dem schon viele Bluesgitarristen hervorgegangen sind, die später zur Weltelite gehörten. Um den Nachwuchs braucht man sich dort auch keinerlei Sorgen zu machen. Namen wie Clare Free, Chantel McGregor, Joanne Shaw Taylor, Markus Bonfanti, Oli Brown, Danny Bryant, Aynsley Lister oder Ian Parker und noch etliche mehr belegen dies.

Den Namen Ben Poole sollte man unverzüglich ebenfalls in diese Liste einreihen. 2011 wurde er für drei British Blues Awards nominiert und war der Vertreter seines Landes bei der 2.European Blues Challenge in Berlin am 17.März 2012.

Soeben ist seine erste CD „Everything I Want“ auf den Markt gekommen. Von dieser präsentiert er heute live eine Reihe Titel. Erstaunlich wie stilsicher und wie gewandt der 25- jährige Ben Poole mit Gitarre und Stimme umzugehen weiß. Gespielt wird in Powertrio- Art mit Alan Taylor am Schlagzeug und Barry Pethers am Bass. Tolle Vorstellung einer sympathischen Band an diesem frühen Pfingstsonntagnachmittag.

The Hackensaw Boys
The Hackensaw Boys
Who the hell are The Hackensaw Boys? Zugegebenermaßen hatte ich von dieser Formation noch nie zuvor gehört, bis sie im Line-up von Schöppingen auftauchten. Banjo, Fiddle, Gitarren, Kontrabass und ein aus Konservendosen zusammengestelltes Schlagwerk.

Wenn mich nach der konzertanten Live- Performance dieser Band nun nach Stilrichtung oder Ähnlichem fragt, kann ich nach wie vor nur mit den Schultern zucken, denn einfach zu beschreiben ist dies nicht. Roots Music, Country Music, Americana, Blues, Cajun? Irgendwie von allem etwas und auch wiederum nicht. Aber lässt man das Schubladendenken aus dem Hirn und lässt die Musik einfach auf den Körper wirken, wird man nach kurzer Zeit feststellen, dass man unwillkürlich angefangen hat zu „zappeln“. Es ist Musik, de einfach gute Laune macht, in die Beine geht und die sechs Interpreten könnte man so wie sie dort auf der Bühne stehen ohne größere Umschweife in einen Westernfilm stecken. Alles in allem wieder ein neuer und bunter Farbtupfer bei diesem Festival.

Delta Moon
Delta Moon
Vielen ist diese Band aus Atlanta, Georgia noch vom 2010er Festival in Schöppingen im Ohr. Das Typische an dieser Formation ist, dass gleich zwei hochwertige Slidegitarristen am Werk sind. Tom Gray und Mark Johnson ergänzen sich hier perfekt in ihrem Spiel. Unterstützung finden die Beiden durch Darren Stanley am Schlagzeug und Franher Joseph am Bass. Geboten wird heute eine Reise durch das Gesamtrepertoire der Band, darunter natürlich auch einige Songs der neuen CD „Black Cat Oil“. Im Großen und Ganzen wieder einmal ein gelungener Auftritt dieser Band, bei deren relaxter Musik und dem ein oder anderen kühlen Bierchen es sich auf der weitläufigen Wiese sicher gut aushalten lässt. Denn es steht uns noch so einiges in Haus und das wird es in sich haben.

Kenny Neal

Kenny Neal
Was bisher bloße Vermutung war, stellt sich alsbald als die erste Stufe zum puren (positiv gemeinten) Wahnsinn dar. Denn was der Mann aus Baton Rouge, jetzt ansässig in Palo Alto vom ersten Ton an auf die Schöppinger Bühne zaubert, ist wieder einer dieser Kracher, die man so schnell nicht vergisst. Unterstützt wird er hierbei von seinen Brüdern
Frederick Neal an den Keyboards und Darnell Neal am Bass. Am Schlagzeug sitzt Bryan Morris. Allesamt sind das vollblütige musikalische Powerpakete, die ihre Instrumente sicher auch im Schlaf beherrschen.

Allen voran natürlich Kenny, der neben Gesang und seinem phänomenalen Gitarrenspiel ebenso auf der Mundharmonika zu überzeugen weiß. Swamp Boogie, Swamp Blues… here we go!!

Begeistert bin ich und zwar absolut. Der absolute Höhepunkt an diesem Pfingstsonntag. Denke ich jetzt erst einmal.

Die letzte Umbaupause.

Lucky Peterson

Lucky Peterson & Kenny Neal
Kann das vorherige Konzert von Kenny Neal noch getoppt werden. Bei Lucky Peterson kann man sich nicht unbedingt sicher sein. Ich habe diverse Berichte über seine Konzerte gelesen und gehört und das Meinungsspektrum lief weit auseinander.

Ich nehme es gleich vorweg: An diesem Abend werden noch ganze drei Raketenstufen gezündet werden, die uns Zuschauer ganz tief in das Bluesall katapultieren werden.

Stufe eins: Ein langer, hagerer, kahlköpfiger Typ spaziert mit einer lässig umgehängten Telecaster ebenso lässig auf die Bühne. Der Schlagzeuger nimmt hinter seiner Schießbude Platz, der Bassman stöpselt das Kabel ein. Irgendwie wissen alle Drei, wann es los geht. Und es geht los. So richtig. Kein geringerer als Shawn Kellerman greift hier in die sechs Saiten und knallt uns seinen elektrisierenden Blues um die Ohren.

Und wieder die Frage: Wenn das schon so klasse anfängt, kann das denn noch gesteigert werden?

Leute, wahrlich ich sage euch: Es kann.

Und zwar mit Stufe zwei.

Lucky Peterson betritt die Bühne und begibt sich schnurstracks zu seinem Arbeitsplatz hinter der Hammondorgel. Die dort bereit gestellte Sitzbank gefällt dem Meister nicht, ein galanter Fußtritt gegen das Möbel, welches smart nach hinten wegkippt und das Problem ist gelöst.

Lucky scheint in Bestform zu sein, er traktiert die Tasten, röhrt in das Mikrofon. Wer jetzt noch nicht bescheid weiß, dem ist nicht mehr zu helfen. Dieser Mann strahlt eine Energie aus, die ausreicht, uns alle wieder aufzuladen, die nach fast zwei Festivaltagen etwas ausgepowert sind.

Plötzlich – mitten im Spiel – springt er vom Orgelpodest auf die Bühne und schnappt sich seine schwarze Gibson SG. Ohne Umschweife beginnt er einen neuen Titel, die Band scheint das zu kennen und stellt sich sofort darauf ein. Wenn man bei Lucky Peterson mitspielt, muss man flexibel sein. Äußerst flexibel. So geht es weiter. Ein Titel nach dem anderen. Wir erleben ein gigantisches Bluesmedley., das zwischenzeitlich seitens Mr. Peterson’s auch im Bad in der Menge vollführt wird.

Dann Stufe drei. Lucky Peterson sagt Kenny Neal an. Der erscheint mit einer Harmonika in der Hand. Die Session kann starten. Und ab jetzt ist alles eben mehr als perfekt. Was die fünf Musiker uns nun bieten, verdient das Prädikat „besonders wertvoll“. Blues vom Allerfeinsten. Von mir aus braucht das jetzt gar nicht mehr aufzuhören. Die meisten vor der Bühne denken sicher so wie ich.

**********

Doch irgendwann ist dann doch Schluss. Ein krönender Abschluss für ein wieder einmal gelungenes Festival. Jetzt erst einmal nach Luft schnappen, nachdem dieser Bluesorkan vorüber gezogen ist. Davon gibt es reichlich in dieser lauen Nacht.

Das Festivalgelände leert sich allmählich, man trifft sich wieder zum Abschlussplausch auf dem Campinggelände, das eine oder andere Bier wartet. Und dann heißt es Abschied nehmen. Bis zum nächsten Jahr. Bis zum 22. Grolsch Bluesfestival in Scöppingen.

Dank nochmal an die Veranstalter und wie immer ganz besonders an Richard Hölscher, der auch dieses Jahr wieder ein tolles Händchen bei der Programmgestaltung bewiesen hat. Bis denne dann.

all rights (c) 2012 Tony Joe Gardner





Clare Free am 13.04.2012, Salle des Loisirs, Lixhe (B) – Concert Review

18 04 2012

Clare Free

Es ist spät. So gegen halb Zwei. Sie lächelt in die Linse des Mobiltelefons. Ein Fan hat einen Arm um sie gelegt. Gemeinsam mit dem Star aufs Foto. Blitzlicht. Dann Rollentausch: Dier Fan wird zum Fotografen und die Fotografin legt ihren Arm um den Star des Abends. Einige andere warten noch auf das Signieren der CD.

Auch ich warte. Warte darauf, mich zu verabschieden und mich zu bedanken für zwei mehr als gelungene Konzertabende, die uns die britische Sängerin, Gitarristin und  Songwriterin Clare Free präsentiert hat.

Gestern Abend habe ich sie zum ersten Mal gesehen. Das war im „Tipi“ in Lüttich. Nach zwei Solo-Akustiksets gab es ein drittes mit kompletter Band und E- Gitarre(n).
Heute beschränkte man sich auf ein Akustikset, denn die Zahl der geladenen Gäste war beträchtlich.

Doch der Reihe nach.
Clare Free eröffnet den Konzertabend alleine mit ihrer Akustikgitarre. Sie bringt Songs von ihrer aktuellen CD „Dust and Bones“, weiß aber auch mit Titeln von Eric Clapton (Tears In Heaven) oder Bonnie Raitt (Love Me like A Man) zu brillieren.

Insgesamt finde ich es mutig, sich mit diesem Songmaterial alleine dem Publikum zu stellen. Aber auf dem Barhocker auf der Bühne sitzt eine Frau, die genau weiß, was sie tut und was sie kann. Die Sympathien im Publikum sind ihr sehr schnell sicher.

Die Titel sind mal bluesig, mal funky, mal rockig. Dazu ihre Stimme, mal glasklar, mal reibend rau.

Ihr Song „Funky Mama’s Kitchen Blues” stand im Finale der British Blues Awards und der People’s Music Awards 2011.

In Großbritannien hat sie ihre eigene Band, hier wird sie von der Tipi Blues Band begleitet. Das sind Gilles Droixhe (Gitarren), Hen Moureau (Schlagzeug) und Renaud Lesire  (Bass). Die drei Herren wissen auch, was zu tun ist, um das Konzert mit Clare Free zu einem vom Publikum umjubelten Erfolg zu verhelfen.

„Sweet Little Angel“, „Rock Me, Baby“, beides Songs aus der Feder von B. B. King oder Stevie Ray Vaughan’s  „Pride And Joy” gehören zum heutigen Repertoire.

Nach und nach kommen die eingeladenen Gäste auf die Bühne: Alex Lex nimmt an den Drums Platz, der belgische Slidegitarrist Elmore D klinkt sich ein und last but not least erklingen Bluesharp- Töne von Fabian Bernardo, der ehemals mit Stinky Lou und The Goon Mat ein Trio bildete.

Die bisweilen ausgelassene Stimmung auf der Bühne greift über ins Publikum. Es wird getanzt, geklatscht, angespornt. Die Party ist in vollem Gange.

Und irgendwann erklingen dann der letzte Akkord und der letzte Applaus. Zufriedene Gesichter auf allen Seiten.

Clare Free hat mich überzeugt: Mit ihren Songs, mit ihrem Gesang, mit ihrer Spielweise (vor allem im Solospiel auf der E- Gitarre). Aber sie überzeugt auch in ihrer durchaus charmanten Art, mit dem Publikum umzugehen und auf dieses einzugehen.

Auch jetzt noch, da das Konzert schon über eine halbe Stunde vorbei ist. Wir verabschieden uns mit dem gegenseitigen Versprechen in Kontakt zu bleiben. Im Oktober wird sie wieder auf dem europäischen Festland zu sehen und zu hören sein. Dann gemeinsam mit Laurie Morvan.

Bis dann also…
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PS
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