King King rockt den Yardclub in Köln, 07.11.2013

8 11 2013

King King

Gut so! Der Yardclub, die etwas kleinere Abteilung des „Kantine“ zu Köln, ist reichlich gefüllt und das aus gutem Grund: Die zweimaligen Gewinner der britischen Blues- Awards in der Kategorie „Beste Band“ und zusätzlich Gewinner in diversen Einzelkategorien stehen auf dem Programm und heute sogar leibhaftig auf der Bühne: King King.

Das sind Alan Nimmo (Gesang und Gitarre), Lindsay Coulson (Bass), Bob Fridzema (Keyboards) und Wayne Proctor (Drums).

Diese Band gehört zum Feinsten, das ich je auf Bühnen sehen konnte. Seitdem sie ca. vor einem Jahr ihr legendäres Deutschland- Debüt im Leverkusener Topos gaben, gefolgt vom Riesenerfolg bei den Auftritten beim Troisdorfer Bluesclub, in der Bluesgarage in Hannover, einigen weiteren Gigs in Deutschland und nicht zuletzt bei den Rother Bluestagen sind die Jungs um den Glasgower Gitarristen und Sänger Alan Nimmo auch hierzulande nicht mehr wegzudenken.

Nein, dem Charme dieser Band kann keiner widerstehen. Mitreißend wie ein Wirbelwind vom ersten Akkord an. Scharfe ausgeklügelte  Gitarrenriffs und – soli, pralle, exzellent gespielte Hammondsounds unterlegt von einer auf den Punkt stampfenden Rhythmussektion bestehend aus Bass und Schlagzeug und darüber die orkangewaltige Stimme von Alan Nimmo. Das ist der Stoff, aus dem King King gewebt sind.

Die Grundlagen dieses phänomenalen Konzerts bilden die beiden CDs der Band: „Take My Hand“ und „Standing In The Shadows“. Wer diese beiden Alben kennt, merkt, dass sich die Songs auf der Bühne längst von der Studiofassung entfernt und deutlich weiter entwickelt haben. Während der Konzerte bieten sich andere Freiräume, die die Musiker mit Spiel- und Experimentierfreude zu füllen wissen.

Highlight wie bei allen Konzerten, die ich bisher gesehen habe, ist wieder einmal die Wahnsinnsversion von Eric Clapton’s „Old Love“. Zum Dahinschmelzen schön, gespickt mit mit einem himmlischen Gitarrensolo, in dem Alan Nimmo die Lautstärke bis zur Schmerzgrenze hinunter pegelt, ja, die Verstärkung schließlich ganz wegnimmt.

Seltsam, dass manche im Publikum diese Stille kaum ertragen können, sie wird mit Schreien und Rufen quittiert.

Bei diesem Konzert zündet jeder Funke und diese springen sofort aufs Publikum über. Von mir aus hätte dieser musikalische Sturm gut und gerne noch ein paar Stunden weitergehen können. Aber so ist dieser köstliche Spaß leider schon nach etwa 100 Minuten und zwei Zugaben vorbei.

Doch der Appetit auf Mehr bleibt. Und darum die wohl gemeinte Empfehlung: Unbedingt nicht verpassen. Nächstes Jahr auch wieder in Good Old Germany!! MAN SIEHT SICH !!

Alan Nimmo
Durch Klick auf die Fotos gelangt ihr auf zwei tolle Videos von diesem unvergesslichen Abend.
Herzlichen Dank hierfür an Sarah M. Bande.





King King – live im Yard Club, Köln

30 09 2013

King King

Letzte Chance für 2013, KING KING noch einmal live in Deutschland erleben zu können.

Wer noch mal meinen Konzertbericht über KING KING’s Konzert im Februar in Troisdorf  lesen möchte, der klickt
H I E R !!





The Blues Band am 13.05.2010 im Yard Club, Köln

14 11 2010

Paul Jones & Tom McGuinness

Bei mehreren Bands, die ich mit gegründet habe, stand am Anfang immer das Problem der Namensgebung. Lange Diskussionen im Proberaum oder in der Kneipe unseres Vertrauens waren die Folge. Eine Band so zu taufen, dass der Name schon alles sagt, also quasi Programm ist, oder zumindest einen zu kreieren, der so richtig einprägsam ist und neugierig macht zugleich, ist in einem halbwegs demokratischen Verbund eben nicht ganz leicht.

Dave Kelly (Gitarre, Vocals), Paul Jones (Harp, Vocals), Tom McGuinness (Gitarre, Mandoline, Vocals), Gary Fletcher(Bass,Vocals) und Hughie Flint(Drums) ist mit dem Namen “The Blues Band” ein Namen gelungen, der so simpel wie charakterisierend für die stilistische Gangart ist.

Seit 1979 gibt es diese Formation, bei der es im Vergleich zu heute nur einen Wechsel gegeben hat: Statt Mr. Flint, der vorher 5 Jahre bei John Mayall getrommelt hat, sitzt nun Rob Townsend am Schlagzeug. Dieser schwang einst die Schlagstöcke für Roger Chapman’s Band „Family“ und später für „Medicine Head“.

Die beiden Herrn Jones und McGuinness gehörten in den Sechzigern der Band um Manfred Mann an.

Dave Kelly ist auch kein unbeschriebenes Blatt: Seine Stationen vorher waren „John Dummer Blues Band“ und „Tramp“, er zog mit Howling Wolf oder John Lee Hooker von Bühne zu Bühne, nur um ein paar wenige zu nennen.

Alle haben/hatten obendrein noch einige Solo oder Seitenprojekte.

Die Fünf heute Abend hier auf der Bühne im Kölner Yard Club haben also schon eine Menge Musikgeschichte geschrieben, gleich in welcher Konstellation.

Als sie am 19. April 1980 in der Grugahalle in Essen für den Rockpalast auftraten, war ich sofort hellauf begeistert. Paul Jones’ Übersetzung zu „Boom Boom – Out Go The Lights” gleich “Aus gehen die Lickter“ ist mir unvergessen so wie der Gesamteindruck der Band.

Im selben Jahr habe ich sie dann auch noch live erlebt, da dauerte das Set nur schlappe 60 Minuten, ich war ziemlich sauer deswegen.

Ihre erste LP „The Official Bootleg Album“ bevölkert auch noch heute neben einigen Solo- LPs von Dave Kelly mein Plattenregal.

So ganz aus den Augen geraten ist mir die Band innerhalb der letzten 30 (!!!) Jahre nie. So war ich froh, als ich von dem Konzerttermin in Köln las.

Happy father’s day!“, wünscht Dave Kelly dem erwartungsfrohen Publikum, während er sich seine Fender Stratocaster umhängt.

Los geht’s dann mit «Goin’ Home». Vom ersten Takt wird die enorme Spiellaune klar, hier wird heute Abend nichts mehr anbrennen. Ein Titel jagt den anderen, immer mit netten Erläuterungen von Paul Jones, Dave Kelly oder auch Tom McGuinness versehen. Sie wechseln sich im Lead- Gesang ab, sogar Gary Fletcher erhebt für einige Titel die Stimme.

Das Repertoire ist abwechslungsreich: «You Gotta Move», «Walking Blues», «Hallelujah I Love Her So», «Lonely Avenue», «Talkin’ Woman Blues» oder auch «Green Stuff».

Dave Kelly ist ein begnadeter Slide- Gitarrist, das beweist er mit einer offensichtlichen Leichtigkeit, sowohl auf der Strat oder der Gibson SG. Aber auch sein Standard- Spiel legt er Präzision und Feeling gleichermaßen in die Saiten.

Letzteres gilt auch für Tom McGuinness, der sich mit Dave im Solospiel abwechselt. Ein einziges Mal, nämlich bei «You Gotta Move» setzt er seine Mandoline ein, die eine klangliche Bereicherung darstellt. Insgeheim hoffe ich, da jeder auch Titel seiner Nebenprojekte zum Besten gibt, vielleicht «When I’m Dead And Gone» von McGuinness Flint. Leider bleibt es bei der Hoffnung.

Wie dem auch sei, die Songauswahl ist gelungen, obwohl ich so den einen oder anderen persönlichen Favoriten vermisse.

Nun denn, in den 31 Jahren der Bandhistorie haben sich so viele klasse Songs angesammelt, dass es schier unmöglich erscheint, in zwei Stunden auch nur einen annähernd „gerechten“ Querschnitt zu präsentieren.

Es macht einfach Spaß einer so mit den Jahren gewachsenen Truppe bei der fröhlichen Arbeit zuzuschauen und zuzuhören.

Leider gehen die beiden Sets herum wie im Fluge, von mir aus hätte es auch noch gut und gerne zwei weitere Sets geben können.

Nach unserem kurzen Gespräch ruft mir Paul auf Deutsch nach: „Gute Nacht.“ Ich antworte mit: „Ja, aus gehen die Lichter…“, womit ich dann die Lacher auf meiner Seite habe.

Fazit: Auch die „Alten“ bringen es noch. Und wie! Tolle Gesamtleistung bei fünf ausgewiesenen Vollprofis. Und dazu British Sense Of Humor trifft auf British Sense Of Blues. Das möchte man niemandem vorenthalten. Darum volle Punktzahl für die Altherrnriege von der Insel. Unbedingt nicht verpassen!

Text und Fotos 2010 (c) Tony Mentzel