Eric Bibb, 2011-10-01, Spirit of 66, Verviers

2 10 2011

Eric Bibb

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Neal Black im April in Verviers, Roermond & Zottegem

1 05 2011

Neal Black

Mal wieder hatte ich das große Glück, Neal Black & The Healers live zu erleben. Und das Ganze gleich an drei verschiedenen Terminen: Am 06.04.2011 im Spirit of 66 in Verviers, am 09.04.2011 im Café de Weegbrug in Roermond und am 23.04.2011 in De Blauwe Wolk in Zottegem.

Neben Neal waren mit von der Partie: Vincent Daune, der schon mit Luther und Bernard Allison auf Tour war und neu Kris Jefferson, der langjährige Bassist von Popa Chubby.

Die Premiere vor Publikum hatte das Trio in Verviers. Hier hatte Kris Jefferson noch einen Stapel mit Songsheets neben dem Bassverstärker liegen, die ihm den Weg durch das reichhaltige und bisweilen trickreiche Bühnenprogramm Neal Black’s weisen sollte.

Bis auf ein paar kleine Irrläufer und Missverständnisse klappte das Zusammenspiel doch schon recht gut an diesem ersten Abend, und das nach nur ein paar Stunden proben am Vortag in Paris, wahrlich nicht schlecht.

Neal fängt jedes seiner Konzerte mit einem Akustikpart an, bevor es dann auf elektrischen Pfaden weiter geht. Hier hören wir dann Titel wie den von Tom T. Hall geschriebenen Song «On My Way Back To Menmphis» oder «Black Mountain Rag».

Bereits an diesem ersten Abend im Spirit of 66, spiegelt die Band beste Spielfreude wider. Im Gepäck hat die Band natürlich die brandneue und überaus gelungene CD «Sometimes The Truth», auf der Popa Chubby, Mason Casey, Nico Wayne Toussaint und Fred Chapellier als musikalische Gäste verzeichnet sind. Von diesem Silberling gibt es einige Songs zu hören: «Chicken Shack Cognac» oder «Goodbye Baby» zum Beispiel.

Natürlich sind auch Dauerbrenner wie «Who Do You Love», «Call Mama», «Steppin’ Out», «Handful Of Rain» oder «Poor Boy» auf der Setlist, die Neal neben seinen Effektpedalen liegen hat. Die Setlist ist jeden Abend anders, das bringt Abwechslung in das Geschehen.

Immer wieder zu Herzen geht «I Don’t Have The Blues (When I’m Stoned)».

Genau zwei Wochen liegen zwischen den Gigs in Roermond und Zottegem, wo sich das für meine Ohren das Beste der drei von mir besuchten Konzerte abspielt.

Von Abstimmungsproblemen ist nun überhaupt keine Spur mehr zu hören. Der Papierstapel neben Mr. Jefferson’s Amp ist verschwunden. Das Powertrio marschiert ohne Wenn und ohne Aber durch das Programm, als gäbe es kein Morgen mehr.

Für alle drei Beteiligten bietet sich genügend Platz, sich auch solistisch auszutoben. Neals’s Gitarrenspiel gehört mittlerweile mit zum Besten, was ich je live erleben konnte. Vincent Daune ist eine Rhythmusmaschine, die sich durch nichts beirren lässt und Kris Jefferson, der Sunnyboy aus New York City mit derzeitigem Hauptwohnsitz in Wien, lässt keinerlei Zweifel an seinem facettenreichen Bassspiel aufkommen.

Die knapp 40 Zuhörer freut dies. Die Uhr lassen wir außer Acht. So werden es am Ende gefühlte zweieinhalb Stunden sein, als der letzte Akkord erklingt.

Für mich persönlich gab es noch ein Highlight an diesem Abend in De Blauwe Wolk: Ich hatte das große Vergnügen und die ebenso große Ehre beim Titel «Did You Ever ?» mit dieser tollen Band auf der Bühne zu stehen und die Harp zu spielen, eine Sache, die so richtig Spaß gemacht hat.

Den Hühnerdraht brauchte der Veranstalter nicht herunter zu lassen, so war wohl auch alles für das Publikum ok .

Tony Joe Gardner

Tony Joe Gardner @ De Blauwe Wolk

Nach den Konzerten gab es immer noch Gelegenheit zu einem Plausch über dies und über das. Kris ist ein äußerst humorvoller Mensch und immer für einen Joke gut.

In Verviers saßen wir noch lange im „Downstage“- Bereich, also im Raum unter der Bühne, im Café de Weegbrug noch lange an der Theke und in Zottegem in der lauen Aprilnacht draußen auf der Bank im Hof von De Blauwe Wolk.

Damit endet die April- Tour von Neal Black & The Healers. Der Abschied ist herzlich und die Vorfreude auf das Wiedersehen groß.

Fazit: Neal Black und seine Band sind Garanten für tolle Bluesabende und sie hätten eine Menge mehr an Zuhörern verdient. Darum beim nächsten Mal unbedingt nicht verpassen. Man sieht sich also. Denke ich mal…

Text und Fotos © Tony Mentzel





Neal Black & The Healers, April 2011

22 04 2011





R.I.P. Eddie Kirkland

1 03 2011
Eddie Kirkland
Eddie Kirkland

Am 27.02.2011 verstarb ein legendärerer Bluesmann, nämlich Eddie Kirkland, im Alter von 87 Jahren bei einem Autounfall.

Ich hatte das große Glück und die Ehre, Eddie Kirkland, der in den Fünfzigern mit John Lee Hooker durch die Blueslande zog, mehrfach live zu erleben und auch persönlich zu sprechen.

Umso nachhaltiger trifft mich die Nachricht von seinem plötzlichen Tod.
 In unten stehendem Konzertbericht möchte ich noch einmal an diesen großartigen Musiker erinnern.

Wentus Blues Band & Eddie Kirkland am 03.02.2009, Spirit of 66 in Verviers

«Hallo und guten Abend, wir sind die Wentus Blues Band. Wir kommen aus Finnland, dem Land der Wälder, der vielen Seen und des Tango.» So eröffnet Robban Hagnäs, der Bassist der Band, den Konzertabend.Und tatsächlich ist der Titel ein Tango, gespielt von Robban, Nico Riipa, Gitarre und Bob Skoglund, Drums. Der Sänger und Percussionist Juho Kinaret kommt erst zum zweiten Titel auf die Bühne.Die Wentus Blues Band ist immer ein Erlebnis. Man sieht, dass die Akteure auf der Bühne mit Leib und Seele dabei sind. Sie haben Spaß und legen immer eine gute Portion Humor an den Tag. Die Musik kommt auf den Punkt, dass alle ihre Instrumente beherrschen, braucht nicht eigens erwähnt zu werden.

Nach drei Stücken aus dem Repertoire der Wentus Blues Band wird Eddie Kirkland auf die Bühne gerufen. Es dauert etwas, bis der 85 (!!!)- Jährige die Treppe aus dem Backstage- oder hier im «Spirit of 66» besser Understage- Bereich erklommen hat.

Er wird von den etwa hundert Menschen im Publikum mit einem riesigen Beifall begrüßt. Nico Riipa hilft ihm, seine «Act One» Gitarre umzuhängen. Eddie Kirkland nimmt auf einem Hocker Platz, steht wieder auf und stellt noch etwas an seinen Bodeneffekten ein.

Dann geht’s los. Beim ersten Titel scheinen seine Finger noch nicht warm zu sein, so geht der eine oder andere Ton leicht daneben, doch im Laufe der weiteren Songs z. B. «Rainbow», meinem persönlichen Favoriten aus dem letzt jährigen Konzert, scheint das kein Thema mehr zu sein. Der Titel wird wieder in einer ausgedehnten Maxi- Fassung geboten und erwischt mich wieder wie beim ersten Mal. So bemerke ich plötzlich, dass ich wie große Teile des Publikums den Refrain mitsinge: «I hope you find your rainbow, ’cause I love you so».

Und Eddie wird sich weiter steigern.
Gesanglich ist er ohnehin fit. Seine Stimme ist kraftvoll, sicher, laut. Seine Gitarren- Licks spielt er routiniert, aber immer mit viel Gefühl. Der Sound ist für meinen Geschmack manchmal etwas zu scharf in den Höhen, aber das mag auch daran liegen, dass ich direkt im Schallkegels seines Fender Amps stehe und somit ungefiltert die volle Dröhnung abbekomme.

Obwohl die Wentus Blues Band oft zusammen mit Eddie Kirkland auftritt, hat man häufig das Gefühl der spontanen Frische einer mit besten Leuten besetzten Jamsession. Nichts wirkt aufgesetzt oder bis ins Kleinste ausgetüftelt, es gibt Grundstrukturen innerhalb der Titel, um die herum ein eigenständiges Etwas gestrickt wird, das macht dieses Konzert so lebendig und authentisch. Hier wird Blues zelebriert und zwar Blues vom Allerfeinsten. Und so zeigt sich wieder einmal die Vielfalt dieses Musikgenres. Dieses Konzert lässt sich beispielsweise nicht mit dem Konzert von Memo Gonzalez & The Bluescasters vergleichen. Stilistisch ist hierzwischen eine Menge Platz. Und doch haben beide von der Qualität und der Ursprünglichkeit her absolut den gleichen Stellenwert.

Es ist eine wahre Wonne, dem Altmeister, der schon seit über 74 Jahren auf der Bühne tätig ist, zuzusehen. «The Gypsy of The Blues», wie er auch genannt wird, wurde in Jamiaca geboren und wuchs in Alabama auf. Er hat in seiner langen Karriere schon mit vielen Großen des Blueszirkus gespielt. So war er Bandleader bei Otis Redding, spielte zusammen mit Ruth Brown, Little Richard, Ben King, Elmore James, John Lee Hooker oder Muddy Waters. Er hat den Blues schon sehr früh er- und gelebt. Und das zeigt sich in jeder Faser seines Spiels, seines Gesangs und seiner gesamten Erscheinung. Er geht ganz und gar in der Musik auf. Aus voller Seele spielt und singt er seine Songs und das ist schön anzusehen und anzuhören.

Manchmal hält es ihn nicht mehr auf seinem Hocker, dann steht er aber nicht wie angewurzelt da, sondern bewegt sich, ja tanzt, im Groove seiner Musik, was das Publikum mit heftigem Applaus honoriert. Man hat den Eindruck, dass er sich in so etwas wie Trance hereinspielt.

Nach 135 Minuten Nettospielzeit, soll das Ende der Show gekommen sein. Das Publikum fordert eine Zugabe, die es dann auch bekommt. Sie dauert etwa noch weitere zwanzig Minuten und wird mit dem hervorragenden Song «Pick Up The Pieces» abgeschlossen. Eddie kündigt den Titel an mit den Worten: «We all need love. We all are looking for love. If there wasn’t love, nobody would exist. Blessed are those who can feel love and so can give it to other people. Trust in your feelings. Trust in love. So pick up the pieces…keep on.» ..

Dieser Titel findet sich auch auf der Doppel CD «Family Meeting» der Wentus Blues Band. Neben Eddie Kirkland spielt hier noch der Schwede Sven Zetterberg mit.

Ein schönes Schlusswort zu einem ergreifenden Konzert. Wenn ich in dem Bericht weniger auf die Wentus Blues Band eingegangen bin, heißt das nicht, dass sie nicht präsent war. Die vier Jungs waren immer zur Stelle und auf dem Punkt. Die ideale Begleitband für eine lebende Blueslegende.

Fazit: Auch dieses Konzert hat mich voll überzeugt. Eine durch und durch spannende, energiegeladene Kombination. Darum an alle den Tipp, wenn in der Nähe, unbedingt nicht verpassen.

© Text und Fotos: Tony Mentzel

PS
Bei Klick aufs Foto ganz oben kann man Eddie Kirkland noch einmal mit seinem Titel: «I Love You» bewundern.





Buddy Whittington am 05.06.2009 im Spirit of 66, Verviers

14 11 2010

Buddy Whittington

John Mayall hatte schon immer ein glückliches Händchen bei der Auswahl seiner Gitarristen: Eric Clapton, Peter Green, Mick Taylor, Coco Montoya, Walter Trout. Der letzte amtliche Gitarrist der Bluesbreakers hieß/heißt Buddy Whittington.

Und dieser 1956 in Fort Worth geborene Texaner steht heute auf der Bühne des Spirit of 66 in Verviers.

Was in den nun folgenden zwei Stunden geboten wird, verdient ohne Umschweife vom ersten Lick an bis zum letzten Akkord das Prädikat: „Besonders wertvoll“. Und dies ist noch recht bescheiden ausgedrückt. Man fragt sich einfach nur und das immer wieder, wo diese Amerikaner all diese Talente herholen. Und hier auf dem „Alten Kontinent“ kennt man ja lediglich die Spitzen der Eisberge.

Der Mann spielt mit einer ausgefeilten Technik, die aber das das Feeling nicht beherrscht. Es ist eher umgekehrt. Um allen möglichen stilistischen Schattierungen, die die Ausdrucksweise von Bluessongs nun mal beinhalten, gerecht zu werden, braucht es eben ein gewisses Maß an technischer Vollkommenheit, und wenn diese gleichsam in den Hintergrund rutscht und somit einer offensichtlichen Leichtigkeit und Spielfreude weicht, ist die Sache erst wirklich perfekt.

Und genau das trifft bei Buddy Whittington’s Spiel zu.

Am Sound gibt es nichts zu mäkeln, der ist im Spirit of 66 immer top. Was Buddy Whittington aus seiner Lentz Guitar, einem Fender Stratocaster nachempfundenen Edelinstrument, herausholt und über seinen Dr. Z Amp an unsere Ohren bringt, ist schlichtweg phänomenal. Ehrlich, hierfür die Worte zu finden, die diesem Spiel gerecht werden, scheint mir schier unmöglich. Da hilft eigentlich nur eins: Man muss diesen Gitarristen live erleben, um das nachempfinden zu können, was er da auf die Bühne zaubert.

Wer dies nicht kann, mag sich mit der DVD oder auch mit der CD und dem Konzertmitschnitt zu John Mayall’s 70. Geburtstag begnügen, hier zeigt er immer wieder, dass er ein erstklassiger Gitarrist und ein ebenso guter Sänger ist. Nein, verstecken braucht sich ein Buddy Whittington nicht, auch nicht hinter Mick Taylor oder Eric Clapton, die bei dem John Mayall Konzert auch mit von der Partie sind.

Dann gibt es noch Buddy’s Soloscheibe, die als Titel schlicht seinen Namen trägt und von der heute einige Tracks live präsentiert werden. Z.B. «Second Banana»,«Stevie Rave On», das wunderbare Instrumental «Greenwood» oder ZZ Top’s «Sure Got Cold After the Rain Fell».

Um das Thema von Freddie King’s «Hideaway» spinnt Buddy eine atemberaubende Improvisation, die dem Kenner freudig zuckende Mundwinkel beschert. Apropos Freddie King, sein Stil blitzt auch bei Buddy immer wieder durch, das letzte Album der Bluesbreakers «In The Palace Of The King» ist dem „Texas Cannonball“, wie man Freddie nannte, gewidmet. Hiervon gibt es dann auch einige Titel wie beispielsweise «Big Legged Woman» oder «Going Down».

Zugaben gibt’s reichlich, für die Erste «Grits Ain’t Groceries» gehen die Musiker noch nicht einmal von der Bühne, die letzten beiden Titel sind dann «Roll The Dice» ohne Unterbrechung gefolgt von «Since I’ve Been Lovin’ You», was noch mal Gänsehautfeeling produziert.

Wow. Was für ein Konzert! Ich gebe die volle Einundzwanzig und das mit mindestens zehn Ausrufezeichen!

Bei all der Freude über Buddy Whittington’s Leistung sollte man natürlich nicht die drei weiteren Männer auf der Bühne vergessen, ohne die dieses musikalische Feuerwerk so nicht möglich gewesen wäre:

Roger Cotton, ehemals Mitglied in Peter Green’s Splinter Group, an den beiden Roland Keyboards. Klasse, seine Hammond- Teppiche, seine Piano- und funky Clavineteinlagen, eine tolle Ergänzung zu Buddy’s Gitarrenarbeit im Begleit- wie auch im Solospiel.

Pete Stroud, der ebenfalls in der Splinter Goup spielte, aber auch mit Roger Chapman oder Micky Moody, sorgt mit seinem Fretless PS Bass für die nötige tiefe Tongrundlage, auch doppelt er an einigen Stellen Buddy’s Gitarrenläufe. Die ideale Ergänzung, unauffällig, aber immer präsent.

Steve Dixon an den Drums, ein sehr präziser Schlagwerker mit allen nötigen Licks and Tricks, die ein ausgefeiltes Rhythmuselement braucht. Jemand, der nicht nur nach Schema „F“ verfährt, sondern immer wieder mit Einfallsreichtum überrascht, ohne sich dabei in den Vordergrund zu spielen.

Alles in Allem war dieser Konzertabend einer derjenigen, von denen man noch lange zehrt und schwärmt. Und genau das werde ich tun.

Das Publikum hier und heute weiß das zu honorieren, der Applaus ist lang anhaltend und die Stimmen nach dem Gig sind alle überschwänglich positiv. Ein Erlebnis der Extraklasse.

Fazit: Ein Konzert von Buddy Whittington und seiner Crew sollte der geneigte Bluesfan also unbedingt nicht verpassen. Wirklich nicht.

Text und Fotos © 2009 Tony Mentzel

PS
An dieser Stelle auch noch mal ein großes DANKE an Francis vom Spirit of 66, der es immer wieder schafft, solche Spitzenveranstaltungen zu organisieren….





Barry McCabe am 08.05.2009 im Spirit of 66 Verviers (B)

14 11 2010

Barry McCabe

Es passiert nicht oft, dass ich mir denselben Künstler innerhalb kurzer Zeit ein weiteres Mal anschaue. Ausnahmen bestätigen die Regel und diese Ausnahme zu akzeptieren, fällt wirklich leicht, wenn man einen Künstler wie Barry McCabe live auf der Bühne erleben kann.

Und wenn diese Show dann noch in einer meiner absoluten Lieblingslocations stattfindet, nämlich im Spirit of 66 zu Verviers, gibt es nun wirklich kein Halten mehr.

Hier stimmt die Atmosphäre, hier stimmen die Preise und hier stimmt der Sound.

Und das Konzert von Barry stimmt auch, die Band ist wieder sehr gut drauf, ebenfalls so der Meister und Van Morrisons «Crazy Love» in der Akustikversion klingt noch schöner als in Weert, da der Keyboarder Rob bei dem Titel in die Tasten eines Akkordeons greift, was dem Ganzen einen noch wärmeren Touch verlieh.

Das Set ist im Großen und Ganzen dasselbe, aber irgendwie habe ich den Eindruck, dass alles noch viel griffiger und kompakter von der Bühne kommt als einige Tage zuvor. Barry bestätigt mir diesen Eindruck später.

Die für einen Freitagabend eigentlich geringe Menge an Zuschauern, ich schätze, es sind noch nicht einmal 50, lassen mich und später auch Barry die Stirn runzeln.

Aber diese etwa fünfzig Leute sind begeistert wie Hundert und das lassen sie auch lautstark hören. Barry McCabe kommt zu zwei Zugaben zurück auf die Bühne. Als letzten Titel spielt er Fred James’ «Full Moon On Mainstreet», einen Slowblues allererster Sahne und Güte und das in einer gefühlten Länge von über 10 Minuten.

Nach dem Konzert ist noch ein wenig Zeit zum Plausch mit Barry, der wie immer äußerst freundlich und zuvorkommend zu seinen Fans ist. Ich habe im Laufe der letzten Zeit einige Künstler persönlich kennen gelernt, ich habe bisher nur entgegenkommende Menschen getroffen, und Barry zählt für mich dabei zu den absolut Nettesten.

Als ich dann eine Stunde später durch die Moorlandschaft des Hohen Venns nach Hause drifte, begleitet mich der Vollmond nicht auf der Haupt- sondern auf den Nebenstraßen. Dies passt zu den Fetzen des leichten Nebels, die aus den Wäldern hervorschweben und den Fetzen der Musik, die noch in meinem Kopf unterwegs sind.

Und ich bin froh, mich wieder bewegt zu haben, um bewegt zu werden, und zwar von der Musik von Barry McCabe und seiner großartigen Band.

Text und Fotos: © 2009 Tony Mentzel





Danny Bryant’s Redeye Band am 15.09.2010 im Spirit Of 66, Verviers (B)

14 11 2010

Danny  Bryant

Da ist er wieder. Vom ersten Akkord ohne Schnörkel, ohne Kompromisse, direkt auf die berühmte Zwölf.

Ich versuche erst gar nicht zu zählen, wie viele Male ich Danny Bryant und sein Familienunternehmen schon live erleben durfte.

In keinem dieser Konzerte gab es auch nur den geringsten Anlass, über irgendetwas zu meckern. Und so ist es dann auch heute.

Danny ist Danny und Danny bleibt Danny und damit sich treu. Alle Songs, auch die schon etwas Betagteren, klingen frisch und kommen voller Emotion von der Bühne. Für mich der absolute Hammer an diesem Abend ist Danny’s Version von Peter Green’s «Love That Burns». Das schmeichelt sich direkt unter die Gänsehaut und explodiert mitten im mitfühlenden Herz. Volltreffer.

Danny lässt seine «Fret-King Guitar» brüllen, kreischen, heulen und im nächsten Moment wieder fast verstummen, der Song bekommt so seine ganz eigene aufwühlende Farbe und eine immer wieder überraschende Dynamik. Selbst Danny’s Mutter Heather, die das Management innehat, ist vollkommen überrascht: „Ich wusste gar nicht, dass er den Titel spielt.“ Doch Danny tut das mit einer natürlichen, unangestrengten Selbstverständlichkeit und Inbrunst, authentischer kann man einen Song wie diesen nicht interpretieren. Hut ab.

Ähnlich stark kommt der Titelsong der aktuellen CD «Just As I Am» an meine Ohren. Sehr schöne Soloeinlagen teils à la Robin Trower, einem von Mr. Bryant‘s dedizierten ganz großen Vorbildern. Wiederum ganz großes Blueskino.

Weiter hören wir u.a. «Good Time Woman», «Girl From The North Country», «Always With Me» und «Master Of Desaster».

Es ist der Beginn einer kleinen Tour über das europäische Festland. Dass Danny gleich am ersten Konzertabend alle Torpedos zu einem breit gefächerten Klangfeuerwerk aller erster Güte zündet und keinerlei Zweifel über seine Musikalität und sein Können aufkommen lässt, ist bemerkenswert.

Eine nicht gerade unwichtige Arbeit leisten natürlich seine beiden Mitstreiter: Papa Ken am Bass und Trevor Barr an den Drums. Nach all den Jahren ist das Bandgefüge eine in sich gefestigte und geschlossene Einheit, wie man sie heutzutage leider nicht mehr allzu oft findet.

Auf diese Musiker lässt sich bauen. Und genau das tut Danny dann auch wieder. Gute zwei Stunden versorgt er die etwa (leider nur) 60 Anwesenden mit seiner Musik. Meistens wird ja seine Gitarrenarbeit immer im Vordergrund gesehen. Darum möchte ich auch seine Stimmgewalt nicht unerwähnt lassen. Tonsicher und variabel ist sie und kräftig, so kräftig, dass einmal bequem vom Bühnenrand auch ohne Mikrofon ins Publikum singt. Die Stimme ist auch so vier bis fünf Meter von der Bühne entfernt bestens zu verstehen.

Und am Schluss hat er uns alle in der Tasche, wir, das Publikum fordern mehr und bekommen mehr. Es ist Zugabenzeit. Hier spielt Danny zwei Coverversionen: Bob Dylan’s: «Knocking On Heaven’s Door» und Jimi Hendrix’ «Voodoo Chile», in das er überraschenderweise ein Zitat aus «Somewhere Over The Rainbow» einbaut. Nochmals Gänsehaut pur.

Fazit: Für 12 Euro Eintritt gibt es die volle Breitseite an modernem, britischen Blues. Danny Bryant ist mit seiner Band ziemlich lange auf Tour. Check it out. Es ist sicher kein Fehler, eines dieser Konzerte zu besuchen.
Darum meine uneingeschränkte Empfehlung: Unbedingt nicht verpassen.





Charlie Fabert & Paul Cox am 09.09.2010 im Spirit of 66 in Verviers (B)

14 11 2010
 

 

Charlie Fabert

 

Auf meiner Liste der Bluesgitarristen, die ich mir unbedingt einmal live anschauen will, steht er schon lange. Charlie Fabert, 1988 in Vitry-le-François, einem kleinen Ort in Ostfrankreich geboren, ist einer der besten jungen, aufstrebenden Vertreter des Genres, die unser Nachbarland zu bieten hat.

Fred Chapellier, mittlerweile auch als Gitarrist über die Grenzen Frankreichs bekannt, hat vor Jahren schon Charlie unter seine Fittiche genommen.

Da steht er nun auf der Bühne des Spirit of 66 mit seiner Band und spielt den Blues. Und das tut er schlicht gesagt einfach großartig.

Schon nach den ersten Takten geht mir das musikalische Herz auf und ich bin froh, dass sich mich an diesem Abend noch aufgerafft habe, hierher nach Verviers zu kommen.

Albert King’s «I’ll Play The Blues For You» ist auch heute Abend das große Motto. Und Charlie Fabert hat mit seinen noch 21 Jahren genau diesen Blues in den Adern und in den Fingerspitzen, um eben diesem Titel gerecht zu werden wie auch beispielsweise Jimmy Reed’s «Baby What You Want Me to Do».

Was da aus den sechs Saiten seiner Stratocaster schwingt, ist schon gehobene Klasse. Sicherlich ist da noch genügend Spielraum nach oben, doch wenn er so weiter macht und ein Konzert nach dem anderen spielt, hat er das Zeug zu einem der ganz Großen nicht nur Frankreichs zu werden.

Dazu ist der schlaksige Monsieur Fabert mit einer Stimme gesegnet, deren Reife man einem Mann Anfang Zwanzig nicht sofort zuordnen würde. Sie ist fest, variantenreich, eindringlich und immer auf der (Ton)Höhe des Geschehens.

Am meisten beeindruckt er mich stimmlich wie gitarristisch mit seinem eigenen Song «Something Special». Der Song fängt als Ballade an, mausert sich zu einem Blues allererster Güte und endet in einem Gitarrensolo, in dem Charlie die Freiräume ausnutzt, die die von ihm selbst gesetzten Harmonien zulassen. Ganz großes Blueskino!

Apropos Kino (oder eher Heimkino): Eine Konzert DVD ist in Arbeit und steht kurz vor der Veröffentlichung. Hierauf darf man gespannt sein. Genauso wie auf Charlie’s erste CD, die produktionsmäßig gerade im letzten Stadium ist. Dazu muss noch ein Vertrieb gefunden werden.

Aber Charlie ist optimistisch, dass das Oeuvre noch dieses Jahr auf den Markt kommt.
Charlie erzählt mir später nach dem Gig, dass er etwa mit 14 Jahren mit dem Gitarrenspiel angefangen hat. Früh übt sich…

Seine Band besteht aus: Philippe Dandrimont – Bass, Pierre-Alain Delaunoy – Drums und Vartan Fau– Organ & Piano.

Das Zusammenspiel dieser Formation ist tadellos, jeder in der Band hat und kennt seine Aufgaben. Der Spielspaß ist vom ersten Titel deutlich spürbar. Tolle Band, tolle Einzelleistungen und ein tolles Repertoire, das aus einer Mischung von selbst geschriebenen und Standardmaterial besteht.

Nach der Pause räumt Charlie das Mikrofon des Leadsängers und überlässt es dem stimmgewaltigen Briten Paul Cox.

Zugegebenermaßen ist Mr. Cox für mich kein beschriebenes Blatt. Er kann allerdings schon auf eine Reihe eigener Musikveröffentlichungen zurückblicken. Er sammelte erste Erfahrungen im Musikgeschäft Anfang der achtziger Jahre, nahm eine Platte auf der John Slaughter Band, Es folgten einige Soloprojekte.

Paul Cox verfügt über eine großartige Stimme, die der Charlie’s um einiges voraus ist; vor allem ist es ihre Reife, mit der sie hier punkten kann.

Bei den beiden ersten Titeln grübele ich noch, an wen mich sein Timbre erinnert. Doch dann bin ich mir schnell mit mir selbst einig: Paul’s Stimme erinnert mich an die von Frankie Miller.

Und genau der Eindruck wird später bestätigt, als Paul Frankie’s Song «Be Good To Yourself» präsentiert.

Weitere Titel sind «Weekend Bluesman», «Everybody Needs Somebody To Love» oder «Paper Thin».

Alles in allem ist auch der zweite Part des Konzerts eine gelungene Sache.

Als letzte Zugabe spielen Charlie Fabert und seine Band allerdings dann wieder ohne Mr. Cox den Song «Caledonia» und entzünden damit erneut ein musikalisches Feuerwerk, das in mir noch während der Heimfahrt nachhallt.

Fazit: Charlie Fabert ist auf dem besten Weg ein ganz Großer in Sachen Bluesgitarre zu werden. Ich werde seinen Weg weiter beobachten und freue mich schon jetzt auf die nächste Begegnung.
Also wenn in der Nähe unbedingt nicht verpassen.





Johnny Mastro & Mama’s Boys im Mai in Viersen, Verviers & Dortmund

14 11 2010

Johnny Mastro

Dies ist kein Konzertbericht im üblichen Sinne. Es ist vielmehr der Versuch einer Annäherung an das und Beleuchtung des Phänomens Johnny Mastro und seiner Band. Ich hatte das große Vergnügen, Johnny Mastro, Smokehouse Browm, Michael Hightower und Jimmy Godall während ihres Europaaufenthaltes auf drei verschiedenen Bühnen live zu erleben: Im Saal Birgit in Viersen, im Spirit of 66 in Verviers und zuletzt im Piano in Dortmund. Das Ganze innerhalb von 6 Tagen.

Ich bin also Wiederholungstäter und das aus Überzeugung, aber nicht nur hier und heute, Herr Mastro hatte mich bereits zuvor einige Male auf seinen Touren schlichtweg begeistern können.

Soviel sei schon einmal vorweg gesagt: Keins der drei Konzerte war wie das andere. Es ist erfrischend zu sehen und zu hören, dass Johnny hier seiner Maxime, immer etwas Neues zu (er)schaffen, treu bleibt. Und alle Gigs bisher hatten etwas, das mich immer wieder aufs Neue mitgerissen hat.

Eine geschriebene Setlist gibt es nicht. Die Auswahl der Songs und deren Reihenfolge legt Johnny spontan und aus dem Bauch heraus fest. So sind seine Titelansagen nicht nur an das Publikum gewandt, sondern dienen auch der Band als Orientierung. Dann heißt es beispielsweise: „Jetzt spielen wir den Titel XY in der Tonart Z.“

Das Verblüffende ist, dass jeder immer sofort weiß, was zu tun ist. Egal ob das Intro vom Schlagzeug, Harp oder Gitarre kommt oder eine festgelegte Kombination aus den drei Vorgenannten ist, diese vier Musiker treffen schlafwandlerisch sicher ihren Einsatz und damit den guten Ton und auch das richtige Tempo.

Hier sind wir genau an dem Punkt, der die manchmal unheimlich wirkende Kompaktheit dieser Formation ausmacht. Diese vier Musiker bilden eine verschworene in sich geschlossene und minutiös auf einander abgestimmte Einheit.

Die einzelnen Titel haben einen vorgegebenen äußeren Rahmen, der immer wieder neu gefüllt wird. Improvisation ist das Zauberwort und das wird ganz groß geschrieben. Dies gilt für Instrumentalparts genauso wie die Texte.

Johnny Mastro hat alles im Griff. Er ist der Bandleader und der Dirigent gleichermaßen. Hinter dem Rücken gibt er Zeichen für seine Mitspieler, ähnlich wie man es aus dem Volleyball und anderen Sportarten kennt.

Diese Vorgehensweise ergibt natürlich Freiräume für alle. Jeder kann sich ohne Zwang entfalten und das in die Titel hineinlegen, was er gerade in diesem Moment ausdrücken will. Genau das wird mit einer traumhaften Virtuosität umgesetzt und zusammen genommen ist das, was ein Konzerterlebnis mit den Kaliforniern jedes Mal einzigartig werden lässt und somit den Reiz dieser Band ausmacht.

Hier wird nichts nach Schema F abgespult. Wer diese Musiker auf der Bühne erlebt, bekommt den „Real Deal“, hier ist nichts geschönt, es gibt keine Effekthascherei, alles ist aus dem Bauch heraus, gefühlsecht und authentisch.

Musik ist ein Ventil für Gefühle, Stimmungen, ja Leidenschaft. All dies birgt eine musikalische Darbietung in sich. Menschen wie Johnny Mastro leben dies ungeschminkt und ohne Gimmicks.

Die Band, stampft, schnaubt, schreit, schweigt. Legt Kohlen auf die Lok und nimmt sie wieder weg. Ausgedehnte Harp- oder Gitarrensoli treiben sich dynamisch auf die Spitze und nehmen einen mit, ziehen in ihren Bann, am Ende eins Titels, wenn die Spannung wieder nachlässt, ist man selbst als purer Zuhörer durch emotionale Berg- und Talfahrten gegangen und fühlt sich im wahrsten Sinne mitgenommen. Man muss ich nur darauf einlassen, in die Gondel steigen und los geht die Reise. So gespielte Musik befreit von der Alltagsschwere, sie macht dich leicht, wenn du ihr zu folgen bereit bist. Es ist wie ein bodenloser Rausch, nur ohne jegliche Nebenwirkung.

Johnny aber auch Smokehouse werfen ihre Körper in den Rhythmus der Musik, manchmal gehen sie sogar „auf die Bretter“ und setzen ihr musikalisches Feuerwerk kniend fort. Dies sind keine simplen Showgags, das ist nach außen gekehrte Emotion.

Michael Hightower hingegen steht stoisch, scheinbar in sich versunken und fast bewegungslos auf einer Stelle und zupft seinen Bass.

Johnny hat mir mal gesagt: „Ich bin kein Little Walter, auch kein Lester Butler oder James Harman, ich werde ihr Spiellevel wohl nie erreichen. Aber ich bin Johnny Mastro. Und der muss seinen eigenen Weg, seinen eigenen Stil finden.“

Exakt hier befindet sich Johnny Mastro. Auf seinem eigenen Weg. Unbeirrbar. Man kann es hören, egal, ob er die diatonische oder die chromatische Harmonika spielt. Seine Art zu singen hat allein vom Timbre schon etwas sehr Individuelles. Dazu schickt er die Stimme manchmal klar und allein über das Gesangsmikro, manchmal verzerrt über das Harpmikro, einen besonderen Effekt gibt es, wenn er durch beide Mikrofone gleichzeitig singt.

«Beautiful Chaos» heißt die aktuelle CD. Der Titel sagt viel aus über die Herangehensweise an die Musik. Manchem mag diese tatsächlich chaotisch vorkommen, ungeordnet, verworren. Aber wie wunderbar und genial sie ist, erschließt sich erst dann, wenn man sich ihr öffnet, das Denken nach hinten stellt und sich treiben, sich tragen lässt von dem, wie ich hinzusetzen würde, «Beautiful Noise».

Wenn Johnny eventuell im Herbst wieder in unsere Breiten kommt, werde ich wieder da sein. Auf mindestens einem seiner Konzerte. Und ich werde ihr wieder erneut erliegen: Der Magie seiner Musik.

Text und Fotos (c) 2010 Tony Mentzel





Ana Popovic am 12.03.2010 im Spirit Of 66, Verviers (B)

14 11 2010

Ana Popovic

Irgendwie hatte es bisher nie geklappt mit Ana und mir, besser gesagt mit einem Besuch meinerseits auf einem ihrer doch zahlreichen Konzerten. Vielleicht waren es auch innere Widerstände, da mich ihr auf Tonträgern gebanntes Werk bislang nicht sonderlich vom Hocker riss. Aber da kannte ich Ana Popovic’s «Ana! Live In Amsterdam» CD noch nicht. Doch dies hat sich mittlerweile geändert, wie auch meine Abstinenz bei ihren Bühnenpräsentationen.

Und so bewahrheitet sich Bo Diddley’s Aussage im Titel «You Can’t Judge A Book By Looking At The Cover…» und ich bin versucht anzufügen: «You Can’t Judge A Musician By Listening To His/Her CDs». Oder grob auf Deutsch zu sagen: “Wat dr Buur nit kennt…dat frisst er nit.”

Es ist Freitagabend, die Stresswoche liegt hinter mir und ich habe Lust, mir noch etwas zu gönnen. Mein Terminkalender schlägt mir das „Spirit Of 66» vor, in dem heute eben besagte Frau Popovic nebst Band einen Auftritt hinzulegen plant.

Warum eigentlich nicht? „Also mehr Mut zur Toleranz und zum eigenen Eindruck verschaffen!“, das sage ich mir. Hinein ins Auto und ab durchs Hohe Venn nach Verviers.

Der Saal ist schon eine Stunde vor Beginn reichlich gefüllt, das lässt darauf schließen, dass er später proppenvoll sein wird. Ich werde Recht behalten mit meiner Vermutung. Jetzt gilt es, vor der Bühne noch einen günstigen Platz zum Fotografieren zu bekommen. Heute ist das nicht so ganz einfach, aber es gelingt mir doch.

Gegen 22Uhr betreten der Drummer Stéphane Avellaneda, der Keyboarder Michele Papadia und der Bassist Ronald Jonker die Szene.

Einzählen, die Bandmaschine läuft funkig an. Einheizen, Ronald Jonker kündigt lautstark ähnlich wie bei einer Boxveranstaltung die fantastische Ana Popovic an. Diese lässt nicht auf sich warten. Sie greift sich einer ihrer drei bereitstehenden Stratocaster. Und gleich bei den ersten Takten, macht sie klar, dass sie ein solches Instrument nicht zum ersten Mal in Händen hält.

Dass die Lady Gitarre spielen kann, damit hatte ich gerechnet. Dass sie allerdings mit einer so einer klasse Stimme aufwartet, das hatte ich nach Hören ihrer Titel von den Silberlingen nicht erwartet. Umso besser. Sie liefert hier eine ziemliche Bandbreite ab: Von mädchenhaft klar bis tiefschürfend schwarz. Alle Achtung! Kompliment.

Musikalisch bewegt sich das Spektrum von funkigen über rockige, jazzige bis hin zu bluesigen Tönen. Und mal ganz ehrlich: Bei letzteren, da liegt sie ganz richtig. Man möchte schreien: „Ja, mehr davon!“ Das erste Mal sticht sie in dieser Sparte mit dem Song «Blues For M» von ihrer aktuellen CD « Blind For Love». Wie bei den meisten Titeln heute Abend überschreitet sie hier die noch fürs Radio taugliche und grenzwertige Länge von etwa fünf Minuten, wie sie auf der CD vorgegeben ist.

So gibt es genügend Raum für Improvisationen, den Ana nicht nur für sich beansprucht, sondern auch ihren Mitmusikern einräumt.

«Bigtown Playboy» ist auch so ein Knaller. Klasse Slidespiel mit nicht übertriebenem Wah-Wah Einsatz. Es passt, es ist gut, es ist mehr als das. Feine Orgeltupfer.

Fundierendes Bassspiel. Treibende Drums. Auf die Uhr schaue ich nicht. Doch gefühlt geht wohl kaum ein Titel unter die acht bis zehn Minuten Grenze.

Ebenfalls ein Highlight Big Mama Thornton’s «You Don’t Move Me No More»

Da oben auf der Bühne steht eine Band, die weiß, was sie tut, was sie zu tun hat, um den Fans das zu geben, was diese erwarten. Schlicht gesagt: Das volle Brett!
Für mich das wahre I- Tüpfelchen bei der Songauswahl ist das einem Ana’s größten Einflussgeber, nämlich Stevie Ray Vaughan, gewidmete Instrumental: «Navajo Moon». Leichte Anleihen bei Stevie’s «Reveira Paradise» oder «Lenny». Sehr viel Feeling legt sie in diesen Song, eine Wonne, ihr beim Spiel zuzusehen und zuzuhören.

Ganz erfreut war ich, als ich in der Pause sah, dass dieser Titel auch Bestandteil der CD «Ana! Live In Amsterdam» ist. Anlass für mich genug, mir das 2005 erschienene Album zuzulegen. Außerdem trommelt dort noch Denis Palatin. Ein grund mehr. Ein Kauf ohne Reue, wie sich schon später auf der Heimfahrt dokumentiert.

Was will man mehr an einem eiskalten immer noch winterlichen Freitagabend im März als zirka 150 Minuten beste Unterhaltung wie diese! Und das mit vier Musikern, die alle ihr Handwerk verstehen. Klasse Show, klasse Musik, klasse Sound, klasse Stimmung.

Wenn die nächsten CD- Produktionen sich mehr an dem Livegeschehen orientieren und die hier aufs Nötigste reduzierte Instrumentierung, dann werde ich sicher zu deren Käufer gehören.

Nach der Show signiert Ana geduldig CDs und posiert mit Fans für deren Fotosammlung. Dabei wertet sie sicher jedes einzelne dieser Fotos mit ihrem Lächeln auf.

Fazit: Mir hat es gereicht. Mehr als das. Und ich werde sicher wieder dabei sein. Wenn sie wieder in der Nähe ist. Irgendwann. Demnächst. Und vielleicht sieht man sich ja. Unbedingt. Nicht verpassen.

Text und Fotos © 2010 Tony Mentzel