Ian Siegal am 10.03.2012 im Kulturzentrum, Sinsteden

13 03 2012

Ian Siegal

Es gibt keine Setlist. Ein Mann und zwei Gitarren. Allein auf einem Stuhl auf einem Podium. Der lang gezogene Saal davor ist brechend voll. Gut 200 Zuschauer haben sich eingefunden im Kulturzentrum Sinsteden an diesem Samstagabend im März.

Ian Siegal ist Gewinner des British Blues Award 2011 in der Kategorie: „Bester männlicher Sänger“. Dass dies einen triftigen Grund hat, bekommen wir heute von der ersten Konzertminute an zu spüren.

Ian Siegal’s Stimme und seine Art damit umzugehen ist die eine Hälfte seines künstlerischen Kapitals. Die andere besteht in seinem Gitarrenspiel. Egal, ob er auf der Dobro slidet oder auf seiner Takamine- Gitarre in Standardtuning spielt.

Bei derartigen Soloveranstaltungen besteht oft die Gefahr, dass nach einer gewissen Weile, leichte Langeweile aufkommt, d a ein Künstler allein natürlich nicht unbedingt in der Lage ist, für die Abwechslung zu sorgen, die auch beim Zuhörer den Spannungsbogen aufrecht erhält.

Bei Ian Siegal ist dies völlig anders. Er weiß mit seinen Songs interessante Geschichten zu erzählen und die Überleitungen dazwischen  sind immer gewürzt mit einer Prise besten britischen Humors.

Dazu kommt  seine überzeugend, authentische Art  die Titel vorzutragen. Eine ausdrucksstarke Stimme, schwarz wie Kohle und ein ausgeprägt virtuoses Gitarrenspiel.
Songs wie „Mary, Don’t You Weep No More“ oder „Cocaine Cannot Kill My Pain“ gehen porentief unter die Haut. Bei “John, The Revelator” wird die Dobro kurzerhand zum Schlaginstrument.

Die ersten 60 Minuten bis zur Pause vergehen wie im Flug und irgendwann ist es 22 Uhr und das Konzert ist schon beendet. Der Anfang war bereits um 19 Uhr, so dass wir auf eine Nettospielzeit von zweieinhalb Stunden zurück blicken, die durch ein Zugabeset mit Songs von Tom Waits gekrönt werden, wobei mir als eingefleischtem Waits- Fan natürlich das Herz aufgeht, denn stimmlich ist dies die perfekte Illusion.

Ian Siegal habe ich bisher schon mehrmals bewundern dürfen. Er ist einfach ein Garant für beste Bluesunterhaltung, gleich, ob solo oder auch mit Band.

Darum gilt auch hier wieder meine uneingeschränkte Empfehlung: Unbedingt nicht verpassen!

Einen besonderen Dank möchte ich an dieser Stelle noch an die Verantwortlichen vom Kulturzentrum Sinsteden richten, die es immer wieder schaffen, exzellente Blueskonzerte zu veranstalten. Damit haben sie sich mittlerweile ein hoch zufriedenes Stammpublikum geschaffen, das, wie ich immer wieder feststellen konnte, auch dann zur Stelle ist, wenn relativ unbekannte Namen angekündigt sind.
 

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Morblus feat. Louisiana Mojo Queen

31 07 2011





The Rhythm Chiefs am 30.01.2010 im Kulturzentrum Sinsteden

14 11 2010

Rhythm Chiefs

Wann hat man das schon einmal? Einen kühnen Blick in die Zukunft wagen? Um dann festzustellen, diese sieht gar nicht mal so schlecht aus. Zumindest für den Blues und seine Verwandten, wenn man ein Konzert der in den Niederlanden beheimateten Rhythm Chiefs erleben kann.

Ein Powertrio der ganz besonderen und ganz jungen, frischen und unbekümmerten Art. Keiner der drei Musiker ist über 20 Jahre alt. Musikalisch liegt bei ihnen die Messlatte allerdings schon ziemlich hoch. Kaum auszudenken, wie sich das in 10 Jahren anhören wird.

Es ist kurz nach 19 Uhr. Die etwa 70 Zuschauer im Kulturzentrum Sinsteden erwartet das erste Set. Soundmäßig werden wir in die 50-ziger/60-ger Jahre zurückgebeamt. Der Retrosound entstammt nicht zuletzt der Airline H 44 DLX Gitarre von Dusty Ciggaar, dem Jungen mit der Götz-Alsmann-Elvis-Tolle. Und Hound Dog Taylor lässt klang- und freundlich grüßen. Gleich beim ersten Titel, einem Instrumental, lässt die Band keinen Zweifel daran, wo der musikalische Hammer hängt.

Eine toll aufeinander abgestimmte Band, der Spaß steht den Dreien förmlich ins Gesicht geschrieben. Und dieser Spaß überträgt sich gleich auf das Publikum. So ist die Stimmung schnell da, wo sie bei einem guten Konzert auch hingehört. Nämlich ziemlich weit oben. Mit Applaus ist nicht zu sparen, aufmunternde Zurufe unterstreichen ihn.

Bassisten stehen meist nicht gerade im Focus. Dort findet man eher die Sänger und die Lead- Gitarristen. Und das geschieht oft zu Unrecht. Danny van t’Hoff ist so einer, der eigentlich mit seinem Bassspiel mehr Beachtung verdient. In der Körperhaltung und der Bedienung seines Fender Precision Basses erinnert er mich an den jungen Leo Lyons von Ten Years Afters. Da sind Bassläufe auch wirkliche Läufe und ein Walking Bass mach seiner Bezeichnung denn auch alle Ehre. Die passende Tieftongrundlage zum Spiel von Dusty.

Auch die „Schießbude“ ist bestens besetzt. Und zwar durch Rafael Schwidessen. Immer zu einem Lächeln bereit, trommelt der mit einer frechen Leichtigkeit, was der jeweilige Titel ihm abverlangt. Und das immer taktvoll auf dem Punkt.

Zusammen liefert alles das ein äußerst rundes Bild ab. Immer wieder spüre ich in mir die Freude, die etwa 80 Kilometer durch die teils heftig verschneite Winterlandschaft gefahren zu sein, um diese Konzert hier erleben zu dürfen.

Das zweite Set beginnt Dusty mit einer Danelectro Gitarre, es folgen einige Titel im Stile der Ventures oder Surfaris. Ich meine, „Walk, Don’t Run“ herausgehört zu haben. Leider machen die Jungs – und das ist das einzige Manko an diesem Abend – keinerlei Ansagen zu ihren Songs, das macht es nicht gerade leichter, dieses Konzert zu beschreiben, zumal fast alle Tarcks Eigenkompositionen sind.

Mit Umhängen der Telecaster bedeutet uns Dusty, dass wir in der Jetztzeit angelangt sind. Die Telecaster gilt als ein Instrument mit einigen Eigenheiten, die dem Bespieler eine Menge abverlangen. Auch dieses weiß Dusty mit einem Lächeln und hoher Spielkunst zu bewältigen. Er lässt die Tele klingen, wie eben nur eine Tele klingen kann. Egal, ob im Blues-, Jazz-, Funk- oder Country – Picking- Stil. Für einen Achtzehnjährigen spielt er mit einer stilistischen Bandbreite und das äußerst gekonnt, die einem geneigten Zuhörer nur wahre Freude und ehrfürchtiges Staunen bereiten kann. Kurzum der Junge hat’s!

Auf der Heimfahrt höre ich mir die in der Pause erstandene CD der Band mit dem Titel «Ships Of Wonder» an, somit komme ich hinter das Titelgeheimnis so manchen Songs, die ich vorhin live erleben konnte. Übrigens die CD ist auch ein genaueres Hinhören wert, wenngleich sie hinter dem Liveerlebnis etwas verblasst. Aber das ist wohl in der „Natur“ der Sache. Live is life. Also raus aus den Sesseln und in die Konzertsäle. Get your ass in gear…

Fazit: Wer einen Blick in die Zukunft des Blues, Rock’n’Roll, Rockabilly, Country und was weiß ich, noch, wagen möchte ist bei den Rhythm Chiefs an einer der besten Adressen. Unbedingt nicht verpassen. Für einige Festivals in diesem Jahr sind sie bereits verpflichtet. Also Augen auf. Und Ohren sowieso.

Ausdrücklichen Dank auch die Betreiber und Sponsoren des Kulturzentrums in Sinsteden, die es immer wieder ermöglichen, dem Blues und seiner großen Familie ein adäquates Forum zu bieten. Ohne Initiativen wie dieser wäre diese Welt um einiges ärmer.

Text und Fotos © 2010 Tony Mentzel