21. Grolsch Blues Festival in Schöppingen – Review – Tag 2

24 06 2012

Tag 2, Sonntag, 27.05.2012

Ben Poole

Ben Poole & Band
Großbritannien ist ein Land, aus dem schon viele Bluesgitarristen hervorgegangen sind, die später zur Weltelite gehörten. Um den Nachwuchs braucht man sich dort auch keinerlei Sorgen zu machen. Namen wie Clare Free, Chantel McGregor, Joanne Shaw Taylor, Markus Bonfanti, Oli Brown, Danny Bryant, Aynsley Lister oder Ian Parker und noch etliche mehr belegen dies.

Den Namen Ben Poole sollte man unverzüglich ebenfalls in diese Liste einreihen. 2011 wurde er für drei British Blues Awards nominiert und war der Vertreter seines Landes bei der 2.European Blues Challenge in Berlin am 17.März 2012.

Soeben ist seine erste CD „Everything I Want“ auf den Markt gekommen. Von dieser präsentiert er heute live eine Reihe Titel. Erstaunlich wie stilsicher und wie gewandt der 25- jährige Ben Poole mit Gitarre und Stimme umzugehen weiß. Gespielt wird in Powertrio- Art mit Alan Taylor am Schlagzeug und Barry Pethers am Bass. Tolle Vorstellung einer sympathischen Band an diesem frühen Pfingstsonntagnachmittag.

The Hackensaw Boys
The Hackensaw Boys
Who the hell are The Hackensaw Boys? Zugegebenermaßen hatte ich von dieser Formation noch nie zuvor gehört, bis sie im Line-up von Schöppingen auftauchten. Banjo, Fiddle, Gitarren, Kontrabass und ein aus Konservendosen zusammengestelltes Schlagwerk.

Wenn mich nach der konzertanten Live- Performance dieser Band nun nach Stilrichtung oder Ähnlichem fragt, kann ich nach wie vor nur mit den Schultern zucken, denn einfach zu beschreiben ist dies nicht. Roots Music, Country Music, Americana, Blues, Cajun? Irgendwie von allem etwas und auch wiederum nicht. Aber lässt man das Schubladendenken aus dem Hirn und lässt die Musik einfach auf den Körper wirken, wird man nach kurzer Zeit feststellen, dass man unwillkürlich angefangen hat zu „zappeln“. Es ist Musik, de einfach gute Laune macht, in die Beine geht und die sechs Interpreten könnte man so wie sie dort auf der Bühne stehen ohne größere Umschweife in einen Westernfilm stecken. Alles in allem wieder ein neuer und bunter Farbtupfer bei diesem Festival.

Delta Moon
Delta Moon
Vielen ist diese Band aus Atlanta, Georgia noch vom 2010er Festival in Schöppingen im Ohr. Das Typische an dieser Formation ist, dass gleich zwei hochwertige Slidegitarristen am Werk sind. Tom Gray und Mark Johnson ergänzen sich hier perfekt in ihrem Spiel. Unterstützung finden die Beiden durch Darren Stanley am Schlagzeug und Franher Joseph am Bass. Geboten wird heute eine Reise durch das Gesamtrepertoire der Band, darunter natürlich auch einige Songs der neuen CD „Black Cat Oil“. Im Großen und Ganzen wieder einmal ein gelungener Auftritt dieser Band, bei deren relaxter Musik und dem ein oder anderen kühlen Bierchen es sich auf der weitläufigen Wiese sicher gut aushalten lässt. Denn es steht uns noch so einiges in Haus und das wird es in sich haben.

Kenny Neal

Kenny Neal
Was bisher bloße Vermutung war, stellt sich alsbald als die erste Stufe zum puren (positiv gemeinten) Wahnsinn dar. Denn was der Mann aus Baton Rouge, jetzt ansässig in Palo Alto vom ersten Ton an auf die Schöppinger Bühne zaubert, ist wieder einer dieser Kracher, die man so schnell nicht vergisst. Unterstützt wird er hierbei von seinen Brüdern
Frederick Neal an den Keyboards und Darnell Neal am Bass. Am Schlagzeug sitzt Bryan Morris. Allesamt sind das vollblütige musikalische Powerpakete, die ihre Instrumente sicher auch im Schlaf beherrschen.

Allen voran natürlich Kenny, der neben Gesang und seinem phänomenalen Gitarrenspiel ebenso auf der Mundharmonika zu überzeugen weiß. Swamp Boogie, Swamp Blues… here we go!!

Begeistert bin ich und zwar absolut. Der absolute Höhepunkt an diesem Pfingstsonntag. Denke ich jetzt erst einmal.

Die letzte Umbaupause.

Lucky Peterson

Lucky Peterson & Kenny Neal
Kann das vorherige Konzert von Kenny Neal noch getoppt werden. Bei Lucky Peterson kann man sich nicht unbedingt sicher sein. Ich habe diverse Berichte über seine Konzerte gelesen und gehört und das Meinungsspektrum lief weit auseinander.

Ich nehme es gleich vorweg: An diesem Abend werden noch ganze drei Raketenstufen gezündet werden, die uns Zuschauer ganz tief in das Bluesall katapultieren werden.

Stufe eins: Ein langer, hagerer, kahlköpfiger Typ spaziert mit einer lässig umgehängten Telecaster ebenso lässig auf die Bühne. Der Schlagzeuger nimmt hinter seiner Schießbude Platz, der Bassman stöpselt das Kabel ein. Irgendwie wissen alle Drei, wann es los geht. Und es geht los. So richtig. Kein geringerer als Shawn Kellerman greift hier in die sechs Saiten und knallt uns seinen elektrisierenden Blues um die Ohren.

Und wieder die Frage: Wenn das schon so klasse anfängt, kann das denn noch gesteigert werden?

Leute, wahrlich ich sage euch: Es kann.

Und zwar mit Stufe zwei.

Lucky Peterson betritt die Bühne und begibt sich schnurstracks zu seinem Arbeitsplatz hinter der Hammondorgel. Die dort bereit gestellte Sitzbank gefällt dem Meister nicht, ein galanter Fußtritt gegen das Möbel, welches smart nach hinten wegkippt und das Problem ist gelöst.

Lucky scheint in Bestform zu sein, er traktiert die Tasten, röhrt in das Mikrofon. Wer jetzt noch nicht bescheid weiß, dem ist nicht mehr zu helfen. Dieser Mann strahlt eine Energie aus, die ausreicht, uns alle wieder aufzuladen, die nach fast zwei Festivaltagen etwas ausgepowert sind.

Plötzlich – mitten im Spiel – springt er vom Orgelpodest auf die Bühne und schnappt sich seine schwarze Gibson SG. Ohne Umschweife beginnt er einen neuen Titel, die Band scheint das zu kennen und stellt sich sofort darauf ein. Wenn man bei Lucky Peterson mitspielt, muss man flexibel sein. Äußerst flexibel. So geht es weiter. Ein Titel nach dem anderen. Wir erleben ein gigantisches Bluesmedley., das zwischenzeitlich seitens Mr. Peterson’s auch im Bad in der Menge vollführt wird.

Dann Stufe drei. Lucky Peterson sagt Kenny Neal an. Der erscheint mit einer Harmonika in der Hand. Die Session kann starten. Und ab jetzt ist alles eben mehr als perfekt. Was die fünf Musiker uns nun bieten, verdient das Prädikat „besonders wertvoll“. Blues vom Allerfeinsten. Von mir aus braucht das jetzt gar nicht mehr aufzuhören. Die meisten vor der Bühne denken sicher so wie ich.

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Doch irgendwann ist dann doch Schluss. Ein krönender Abschluss für ein wieder einmal gelungenes Festival. Jetzt erst einmal nach Luft schnappen, nachdem dieser Bluesorkan vorüber gezogen ist. Davon gibt es reichlich in dieser lauen Nacht.

Das Festivalgelände leert sich allmählich, man trifft sich wieder zum Abschlussplausch auf dem Campinggelände, das eine oder andere Bier wartet. Und dann heißt es Abschied nehmen. Bis zum nächsten Jahr. Bis zum 22. Grolsch Bluesfestival in Scöppingen.

Dank nochmal an die Veranstalter und wie immer ganz besonders an Richard Hölscher, der auch dieses Jahr wieder ein tolles Händchen bei der Programmgestaltung bewiesen hat. Bis denne dann.

all rights (c) 2012 Tony Joe Gardner





21. Grolsch Blues Festival in Schöppingen – Review – Tag 1

19 06 2012

21. Grolsch Blues Festival11 Acts in 2 Tagen. Das Programm des 12. Grolsch Bluesfestivals hat es in sich. Am Ende werden alle wieder einmal begeistert sein von diesem Programm, den Künstlern, der Organisation und der tollen Atmosphäre auf einem der mittlerweile wichtigsten Bluesfestivals der Republik.

Außerdem scheint der Sommer 2012 ausgerechnet an diesem Pfingstwochenende stattzufinden. Die Sonne lacht, die Temperaturen sind angenehm, selbst bis in die Nacht hinein, wenn der letzte Ton verklungen ist.

Tag 1, Samstag, 26.05.2012

Tinez Roots Club

Koen Schouten & Martijn 'Tinez' van Toor


Punkt 14 Uhr tritt Richard Hölscher, der Hauptverantwortliche des Festivals, ans Mikrofon und erklärt mit der Ankündigung des Tinez Roots Club das Spektakel für eröffnet.

Die niederländisch – deutsche Formation gibt gleich Vollgas und die für diesen Zeitpunkt bereits beträchtliche Zuschauermenge ist dankbarer Abnehmer für die Musik des Quartetts, die sofort in die Beine geht. 2 Saxofone, eine Hammond und ein Schlagzeug: Martijn `Tinez´van Toor an Tenorsaxofon und Gesang, Shouting“ Koen Schouten, am Baritonsaxofon, Wolfgang Roggenkamp an der Orgel und Alex Lex am Schlagwerk.

Cee Cee James


So fängt es groovig gut an und so kann es dann auch weitergehen. Und tut’s auch: Mit Cee Cee James.“Blood red Blues“ heißt ihre frisch aus der presse gekommene neue CD. Aus dieser finden sich einige Tracks auf der Setliste. Cee Cee James vermag es sehr nah an die Stimme der seligen Janis Joplin heranzukommen. Sie ist eine ausgezeichnete Bluessängerin, die zudem völlig in ihren Songs aufzugehen scheint. Begleitet wird sie von einer Band, die sie und ihre Interpretationen zu tragen weiß und bei der jeder Musiker für sich genommen ein Ass an seinem Instrument ist.

Keith B. Brown

Keith B. Brown
Etwas ruhiger wird es mit Keith B. Brown und seinen beiden Begleitern. Der aus Memphis, Tennessee stammende und mittlerweile in Paris ansässige Musiker führt uns zurück zum traditionellen, akustischen Blues. In dem Film „The Soul Of The Man“, den Martin Scorsese und Wim Wenders 203 drehten, spielte er die Rolle des Skip James. Auch heute erfüllt er seine Rolle als Bluesman aufs Beste.

Mason Rack Band

Mason Rack
Mit der nächsten Band erfolgt dann gleich ein genialer Stilbruch. Mason Rack, der Sänger, Gitarrist und Schlagzeuger aus Gold Coast, Queensland (Australien) liefert zusammen mit seiner Band für mich den ersten Höhepunkt mit gleich mehreren Ausrufezeichen bei diesem Festival ab. Bisher kannte ich ihn, seine Band und seine Musik nur von diversen Videoclips, die im WWW herumschwirren. Aber das, was sich jetzt vor meinen Augen und Ohren auftut, verdient schlicht den Ausdruck: Grandios.

Mason’s Art, die Lapsteelgitarre zu bedienen, ist wahrlich meisterlich. Vom Sound her durchaus an manchen stellen als brachial zu bezeichnen (in manchen Momenten klingt Schwermetall an), löst er sich von der ursprünglichen Spielweise, bleibt jedoch immer den Bluesroots treu. Er scheut sich nicht davor, die blues- klassischen Gefilde mit seiner Art der Interpretation zu verlassen und eine eigene Klangwelt zu schaffen, das erreicht er zudem mit seiner tiefschürfenden Stimme, die einem bisweilen Mark und Bein erschaudern lassen.

Begleitet wird Mason von Nathan Lee Archer am Bass und von Joel Purkess an den Drums. Die Show- Choreographie sieht es zudem vor, dass bei einem Titel ein Ringtausch an den Instrumenten erfolgt. Das geht fließend und reibungslos und wenn man es nicht sehen würde, eine akustische Beeinträchtigung findet nicht statt. Überhaupt Show: Hier bekommt der geneigte Zuschauer neben der musikalischen Darbietung auch etwas fürs Auge: Percussioneinlage auf Bierfässern, bei der dann die Trommelstöcke fliegend die „Betreiber“ wechseln zum Beispiel. Großes Unterhaltungskino. Ende gut, alles gut. Mason Rack und Band sind der (vorläufige) Abräumer auf diesem Festival.

Shane Dwight Band

Shane Dwight

Shane Dwight stammt aus Nashville, Tennesee. Er war schon mehrfach auf der auf der Legendary Rhythm & Blues Cruise zu Gast. Nun steht er mit seiner Band auf der Bühne hier in Schöppingen. Wir hören Songs aus seinem reichhaltigen Repertoire, so natürlich auch aus seinem aktuellen Album „A Hundred White Lies“. Immer auf dem Punkt, immer nach vorne treibend: Blues, Bluesrock vom Feinsten. Mehrmals erweist er seinem Idol Stevie Ray Vaughan mit einem von dessen Titeln Referenz. Klasse Perormance.

Henrik Freischlader & Gary Moore’s Blues Line Up

Henrik Freischlader

Tja…

Gary Moore wäre im April diesen Jahres 60 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass fand am 06.April in Budapest ein Memorial Konzert statt. Und zwar mit Gary’s ehemaligen Mitstreitern Pete Rees (Bass), Vic Martin (Keyboard) und Darin Mooney (Drums). Einer der eingeladenen Gitarristen war Henrik Freischlader, der Gary Moore als einen seiner wichtigsten Einflüsse nennt.

Für das 21. Grolsch Bluesfestival in Schöppingen gibt es nun eine Neuauflage dieses Konzertes. Und tatsächlich ist kaum zu glauben, was als Abschlusspunkt des ersten Festivaltages auf uns, das gespannte Publikum herunter schallt.

Henrik habe ich über die Jahre schon auf einigen Konzerten mit verschiedenen Formationen live erleben können. Und immer war ich begeistert von seinem Tun. Doch hier? Begeisterung? Dieses Wort ist für diesen exklusiven Fall die glatte Untertreibung. Ich stehe vor der Bühne und mir stockt schier immer wieder der Atem bei einigen Passagen. Da sind vier Musiker am Werk, die ein Publikum in ihren Bann zu ziehen wissen.

Für mich der Gänsehauttitel des Tages: „The Messiah Will Come Again“, ursprünglich von einem der Großmeister des modernen Gitarrenspiels, nämlich Roy Buchanan und später auch von Gary Moore aufgegriffen. Hats off to Mr. Freischlader. Diese Interpretation hat ganz tiefe Seele und weiß auch genau dort zu berühren. Natürlich tut diese fantastische Band das ihrige, um dem Ganzen dieses hohe musikalische Niveau zu verleihen. Für mich ist das für heute der krönende Abschluss eines wunderbaren Konzerttages, auf dem wir eine ganze Reihe großartige Musiker hören durften.

Nach dem Konzert geht’s wie immer zur Aftershowparty mit den Freunden auf den Campingplatz, aber das ist eine völlig andere Geschichte…

all rights (c) 2012 Tony Joe Gardner





Layla Zoe – The Return of The Firegirl

8 05 2012

Layla Zoe

Layla Zoe, die großartige Blues- Sängerin aus Kanada, ist wieder in Europa unterwegs.
Begleitet wird sie von Hardy Fischötter an den Drums, Kai Warszus am Bass und Jens Filser an der Gitarre. Power Trio meets Power Voice.

Das Eröffnungskonzert der Tour findet am 07.05.2012 im Spirit of 66 in Verviers statt.

Das erste Set besteht aus Bluesklassikern wie „Walking Blues“, „Little Red Rooster“ oder „Hoochie Coochie Woman“, aber auch Songs ihrer früheren Alben z. B. „Leave You For Good“ oder „Someday“.
Das alles macht schon mal eine ganze Menge Spaß, denn Layla Zoe wäre nicht Layla Zoe, wenn sie nicht völlig n ihren Songs aufgehen würde. Und genau das tut sie. Und zwar von Anfang an. Sie lebt jedes Wort, das über ihre Lippen kommt. Genau das macht ihre Performance authentisch.

Nach ihrer fulminanten Tour im November 2011 zusammen mit Tommy Schneller war ich natürlich gespannt auf dieses Wiedertreffen. Enttäuscht werde ich hier keine Sekunde lang, denn auch im zweiten Set, in dem sie Titel ihrer aktuellen CD „Sleep Little Girl“ präsentiert, gibt sie wieder alles. Ein Versprechen, das sie den Zuhörern gleich zu Beginn des Konzerts gegeben hat, findet in jedem Song seine Erfüllung.

Francis Geron hat gut daran getan, ihr die Chance zum Auftritt in seinem mittlerweile legendären Club „Spirit of 66“ zu geben. Wenn sich auch heute noch nicht die Massen vor der Bühne drängen, so kann das beim nächsten Mal schon ganz anders aussehen.

Ein Anfang jedenfalls ist gemacht und ich kann nur jedem empfehlen, einen der mitreißenden Gigs wahrzunehmen. Für mich ist Layla Zoe bereits eine der ganz Großen und sie hat es verdient, dass ein großes Publikum sie wahrnimmt. Denn sie ist mit einer Stimme gesegnet, die in der Lage ist, ihrer Seele tiefen Ausdruck zu verleihen. Zudem wird sie auf dieser Tour von Musikern begleitet, die genau dies zu unterstützen wissen.

You’ll get the real deal…

Unbedingt nicht verpassen, hier die weiteren Tourdaten:
10.05.2012 – L’Inoui, Redange, Luxemburg
11.05.2012 – L’Inoui, Redange, Luxemburg
12.05.2012 – L’Inoui, Redange, Luxemburg
16.05.2012 – Museumskeller Erfurt
17.05.2012 – Jazzclub Bielefeld
18.05.2012 – Garbaty, Berlin
19.05.2012 – Räucherei, Kiel
20.05.2012 – Downtown Bluesclub, Hamburg
22.05.2012 – Spectrum, Augsburg
23.05.2012 – Colos-Saal, Aschaffenburg
24.05.2012 – Jubez, Karlsruhe
25.05.2012 – Live Club Barmen, Wuppertal
26.05.2012 – Musiktheater Piano, Dortmund





Clare Free am 13.04.2012, Salle des Loisirs, Lixhe (B) – Concert Review

18 04 2012

Clare Free

Es ist spät. So gegen halb Zwei. Sie lächelt in die Linse des Mobiltelefons. Ein Fan hat einen Arm um sie gelegt. Gemeinsam mit dem Star aufs Foto. Blitzlicht. Dann Rollentausch: Dier Fan wird zum Fotografen und die Fotografin legt ihren Arm um den Star des Abends. Einige andere warten noch auf das Signieren der CD.

Auch ich warte. Warte darauf, mich zu verabschieden und mich zu bedanken für zwei mehr als gelungene Konzertabende, die uns die britische Sängerin, Gitarristin und  Songwriterin Clare Free präsentiert hat.

Gestern Abend habe ich sie zum ersten Mal gesehen. Das war im „Tipi“ in Lüttich. Nach zwei Solo-Akustiksets gab es ein drittes mit kompletter Band und E- Gitarre(n).
Heute beschränkte man sich auf ein Akustikset, denn die Zahl der geladenen Gäste war beträchtlich.

Doch der Reihe nach.
Clare Free eröffnet den Konzertabend alleine mit ihrer Akustikgitarre. Sie bringt Songs von ihrer aktuellen CD „Dust and Bones“, weiß aber auch mit Titeln von Eric Clapton (Tears In Heaven) oder Bonnie Raitt (Love Me like A Man) zu brillieren.

Insgesamt finde ich es mutig, sich mit diesem Songmaterial alleine dem Publikum zu stellen. Aber auf dem Barhocker auf der Bühne sitzt eine Frau, die genau weiß, was sie tut und was sie kann. Die Sympathien im Publikum sind ihr sehr schnell sicher.

Die Titel sind mal bluesig, mal funky, mal rockig. Dazu ihre Stimme, mal glasklar, mal reibend rau.

Ihr Song „Funky Mama’s Kitchen Blues” stand im Finale der British Blues Awards und der People’s Music Awards 2011.

In Großbritannien hat sie ihre eigene Band, hier wird sie von der Tipi Blues Band begleitet. Das sind Gilles Droixhe (Gitarren), Hen Moureau (Schlagzeug) und Renaud Lesire  (Bass). Die drei Herren wissen auch, was zu tun ist, um das Konzert mit Clare Free zu einem vom Publikum umjubelten Erfolg zu verhelfen.

„Sweet Little Angel“, „Rock Me, Baby“, beides Songs aus der Feder von B. B. King oder Stevie Ray Vaughan’s  „Pride And Joy” gehören zum heutigen Repertoire.

Nach und nach kommen die eingeladenen Gäste auf die Bühne: Alex Lex nimmt an den Drums Platz, der belgische Slidegitarrist Elmore D klinkt sich ein und last but not least erklingen Bluesharp- Töne von Fabian Bernardo, der ehemals mit Stinky Lou und The Goon Mat ein Trio bildete.

Die bisweilen ausgelassene Stimmung auf der Bühne greift über ins Publikum. Es wird getanzt, geklatscht, angespornt. Die Party ist in vollem Gange.

Und irgendwann erklingen dann der letzte Akkord und der letzte Applaus. Zufriedene Gesichter auf allen Seiten.

Clare Free hat mich überzeugt: Mit ihren Songs, mit ihrem Gesang, mit ihrer Spielweise (vor allem im Solospiel auf der E- Gitarre). Aber sie überzeugt auch in ihrer durchaus charmanten Art, mit dem Publikum umzugehen und auf dieses einzugehen.

Auch jetzt noch, da das Konzert schon über eine halbe Stunde vorbei ist. Wir verabschieden uns mit dem gegenseitigen Versprechen in Kontakt zu bleiben. Im Oktober wird sie wieder auf dem europäischen Festland zu sehen und zu hören sein. Dann gemeinsam mit Laurie Morvan.

Bis dann also…
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PS
Ein Klick aufs Foto lohnt sich..





King King am 24.03.2012 bei Blues in Bloom, Houthalen (B) – Concert Review

29 03 2012

King King

Ihre mehr als gelungene CD „Take My Hand“ dreht sich schon über ein Jahr immer wieder in meinem Player, diverse Videoclips weckten mein Interesse, King King  unbedingt (mindestens) einmal live zu erleben.

Jetzt betreten die vier Mitglieder der Band die Bühne im belgischen Houthalen. Der Saal ist sehr gut gefüllt.

Die ersten Takte von „Lose Control“ erklingen. Der Song ist auch der CD- Opener und man weiß gleich die Marschrichtung: Mitreißender Bluesrock.

Mastermind Alan Nimmo ist ausgestattet mit einer voluminösen Stimme und sein intensives, facettenreiches Gitarrenspiel ist ohne Fehl und Tadel.

Dass er und der Bassist Lindsay Coulson im Kilt auftreten sei am Rande erwähnt, wer jetzt weitere schottische Folkore erwartet wird sicher enttäuscht.

Nein, die vier Herrn da oben auf der Bühne verstehen es, mit ihrer Art von Musik ein Publikum im Handumdrehen in ihren Bann zu ziehen.  Komplettiert wird das Quartett heute durch Dave Raeburn (The Hoax) an den Drums und Bennett Holland an den Keyboards.

Da der Mensch gerne nach Vergleichen sucht, um bestimmte Phänomene anderen zu erklären, begebe ich mich auch auf die Suche nach Ähnlichkeiten zu anderen Bands. Die Suche wird wohl länger dauern, denn etwas Entsprechendes habe ich bislang noch nicht gefunden.

King King ist nun mal King King und nichts anderes. Eben das ist der Punkt. Natürlich gibt es in ihrem Repertoire neben den zahlreichen Eigenkompositionen Versionen von „Fremdtiteln“. Aber auch hier ist in jedem Takt eine persönliche Note zu spüren.

Apropos: Eric Clapton’s „Old Love“ erhält heute Abend neuen Glanz. In einer gefühlt über 10 Minuten dauernden Version webt die Band dynamische Spannungsbögen, in denen Alan Nimmo sein immenses Können als Gitarrist unter Beweis stellen kann. Um ehrlich zu sein – und ich bin gewiss Fan von Mr. Clapton – ich vermisse Eric’s Spiel hier keine Sekunde, denn ich wüsste nicht, was dieser hier „besser“ machen könnte. Diese Interpretation seines „heiligen“ Klassikers gehört mit zum Besten, was meine Ohren je von einer Bühne empfangen konnten.  Auch hier zu erwähnen seien die immer wieder feinen Piano- Einlagen von Keyboarder Bennett Holland.

Mit King King erleben wir eine Band, die ein ganzes Konzert über nur so vor Energie sprüht und einem mit einem freudigen Lächeln und vollem Herzen zurücklässt. It’s the real deal. Das kann ich euch versprechen.

Wenn man dazu noch das Glück hat, dass ein weiterer Ausnahmekünstler hinter den Kulissen auf seinen Auftritt wartet und dieser dann für einen Song mit auf die Bühne kommt – ich spreche hier von Nico Wayne Toussaint, dem grandiosen Harpspieler aus Frankreich – dann wird ein solcher Gig zum überperfekten Erlebnis.

Gemeinsam präsentieren sie Howlin’ Wolf’s „Mr. Highway Man“ und setzen damit einen weiteren Höhepunkt.

Von mir aus könnte es jetzt so weiter gehen und das tut es dann auch mit dem Konzert von Nico Wayne Toussaint, bei dem Alan Nimmo dann auch noch eine Rolle spielt, aber davon mehr an anderer Stelle.

Fazit: King King ist eine Band, die „nach vorne geht“ und dem Publikum alles bietet, was es nur erwarten kann.  Hier ist nichts gekünstelt, alles kommt von Herzen und direkt aus dem Bauch und erreicht den Zuhörer dann auch an den entsprechenden Stellen.

King King werden dieses Jahr noch einige Festivals in Belgien und den Niederlanden spielen, Deutschland- Auftritte sind für November in Planung.

Man kann sich also auch endlich hierzulande auf eine Band freuen, die es wirklich in sich hat.

Darum geht zu den Konzerten, geneigte Musikfans.  Life is live. Gebt Bands wie King King ein Podium, ein Forum. Das gilt für Zuschauer, Presse, Funk & TV, Veranstalter gleichermaßen.

Also: Unbedingt nicht verpassen. Man sieht sich….

Wer einige optische wie akustische Eindrücke haben möchte, klicke einfach aufs Foto…. oder hier: http://www.youtube.com/watch?v=shESO4i8C2Q

Kontakte:
Booking:  http://goodtimebooking.com/
Band: http://www.kingking.co.uk/

CD- Besprechung:
https://bluesfocus.net/2012/02/07/king-king-take-my-hand-cd-rezension/





Tommy Schneller & Band am 15.03.2012 in der Kornbrennerei in Bröleck – Konzertbericht

21 03 2012

Tommy Schneller & Band

Nach der fulminanten November- Tournee, bei der die aktuelle CD «Smiling For A Reason» vorgestellt wurde, also wieder ein Live- Zeichen des in Osnabrück beheimateten Sängers und Saxofonisten.

Am Schlagzeug sitzt jetzt Bernhard Weichinger, den Bass zupft nun Maik Reishaus und an der Gitarre erleben wir wieder Jens Filser, der auch schon auf der letzten Tour für die sechs Saiten zuständig war.

Gregory Barrett an den Tasten (u.a.heute an einer wunderschönen Hammond aus dem Jahr 1955), Gary Winters an der Trompete und Dieter Kuhlmann an der Posaune waren auch schon auf der CD vertreten und runden somit das Septett ab.

Seit zwei Tagen ist man zum Proben bereits hier in diesem tollen Ambiente der früheren Kornbrennerei. An den Songs wurde noch mal mächtig gefeilt, denn das Konzert wird akustisch wie optisch mitgeschnitten. Auf die Ergebnisse kann man gespannt sein.

Wer also die CD kennt, kann sich heute auf eine 1:1 Live- Umsetzung plus einiger Zusatztitel freuen. Genau diese Freude stellt sich auch sofort bei den ersten Takten ein und ich verrate es lieber gleich: Mich (und wohl auch die zahlreich erschienenen anderen Zuhörer) wird diese Freude das gesamte Konzert über begleiten.

Die Spielfreude dieser Band reißt einfach mit, Partystimmung kommt auf. Gründe zum Lächeln gibt es mehr als genug. Mich beeindruckt vor allem der Bläsersatz, der dem Sound den absoluten Groove- Stempel aufsetzt.

Soloeinlagen aller Beteiligten unterstreichen deren musikalisches Können, das auch im Bandgefüge jederzeit spürbar ist.

Über allem dann noch Tommy Schnellers unverkennbare Stimme, die den Songs schließlich das berühmte I- Tüpfelchen aufsetzt. Der Sound ist erste Sahne, hier matscht nichts, jedes Instrument ist klar zu vernehmen.

Für die Studio –CD hat Tommy bekanntlich inzwischen den Preis der deutschen Schallplattenkritik bekommen. Und das zu Recht. Aber: There is no music like live- music. Ja, genau diesen Satz kann ich heute wieder einmal unterstreichen: An Live- Musik kommt keine Tonkonserve heran. Das gilt auch für diesen Abend: «Cleaning Lady Blues», «Dog’s Life» oder Henrik Freischladers wunderbare Ballade «Get Closer» und all die anderen Titel klingen frischer als je zuvor.

Warum verfliegen gute Zeiten eigentlich gefühlt immer schneller als schlechte? Heute Abend habe ich das Gefühl die Uhr tickt mindestens dreimal so schnell wie sonst. Und irgendwann ist Zugabenzeit und irgendwann ist wirklich Schluss. So ist der Lauf der Zeit, eben auch der guten.

Und es ist Zeit für Glückwünsche zu dieser gelungenen Aktion, Zeit für Gespräche, Zeit zu lachen, Zeit, diesen herrlichen Abend bei dem einen oder anderen Getränk ausklingen zu lassen. Es ist aber auch Zeit für die Erkenntnis, wieder einmal einer Band begegnet zu sein, die ihresgleichen sucht. Macht weiter so und gebt uns die Möglichkeit, euch noch oft auf den verschiedensten Bühnen zu erleben.

Den letzten Appell richte ich auch an die Veranstalter: Mit dieser Band kann man einfach nichts falsch machen.

Und den potenziellen Zuschauern sage ich: Unbedingt nicht verpassen!! Man sieht sich also…





Ian Siegal am 10.03.2012 im Kulturzentrum, Sinsteden

13 03 2012

Ian Siegal

Es gibt keine Setlist. Ein Mann und zwei Gitarren. Allein auf einem Stuhl auf einem Podium. Der lang gezogene Saal davor ist brechend voll. Gut 200 Zuschauer haben sich eingefunden im Kulturzentrum Sinsteden an diesem Samstagabend im März.

Ian Siegal ist Gewinner des British Blues Award 2011 in der Kategorie: „Bester männlicher Sänger“. Dass dies einen triftigen Grund hat, bekommen wir heute von der ersten Konzertminute an zu spüren.

Ian Siegal’s Stimme und seine Art damit umzugehen ist die eine Hälfte seines künstlerischen Kapitals. Die andere besteht in seinem Gitarrenspiel. Egal, ob er auf der Dobro slidet oder auf seiner Takamine- Gitarre in Standardtuning spielt.

Bei derartigen Soloveranstaltungen besteht oft die Gefahr, dass nach einer gewissen Weile, leichte Langeweile aufkommt, d a ein Künstler allein natürlich nicht unbedingt in der Lage ist, für die Abwechslung zu sorgen, die auch beim Zuhörer den Spannungsbogen aufrecht erhält.

Bei Ian Siegal ist dies völlig anders. Er weiß mit seinen Songs interessante Geschichten zu erzählen und die Überleitungen dazwischen  sind immer gewürzt mit einer Prise besten britischen Humors.

Dazu kommt  seine überzeugend, authentische Art  die Titel vorzutragen. Eine ausdrucksstarke Stimme, schwarz wie Kohle und ein ausgeprägt virtuoses Gitarrenspiel.
Songs wie „Mary, Don’t You Weep No More“ oder „Cocaine Cannot Kill My Pain“ gehen porentief unter die Haut. Bei “John, The Revelator” wird die Dobro kurzerhand zum Schlaginstrument.

Die ersten 60 Minuten bis zur Pause vergehen wie im Flug und irgendwann ist es 22 Uhr und das Konzert ist schon beendet. Der Anfang war bereits um 19 Uhr, so dass wir auf eine Nettospielzeit von zweieinhalb Stunden zurück blicken, die durch ein Zugabeset mit Songs von Tom Waits gekrönt werden, wobei mir als eingefleischtem Waits- Fan natürlich das Herz aufgeht, denn stimmlich ist dies die perfekte Illusion.

Ian Siegal habe ich bisher schon mehrmals bewundern dürfen. Er ist einfach ein Garant für beste Bluesunterhaltung, gleich, ob solo oder auch mit Band.

Darum gilt auch hier wieder meine uneingeschränkte Empfehlung: Unbedingt nicht verpassen!

Einen besonderen Dank möchte ich an dieser Stelle noch an die Verantwortlichen vom Kulturzentrum Sinsteden richten, die es immer wieder schaffen, exzellente Blueskonzerte zu veranstalten. Damit haben sie sich mittlerweile ein hoch zufriedenes Stammpublikum geschaffen, das, wie ich immer wieder feststellen konnte, auch dann zur Stelle ist, wenn relativ unbekannte Namen angekündigt sind.
 





Julian Sas am 20.09.2008 in De Bosuil in Weert,(NL)

7 03 2012

Review classics

ulian Sas

Bisher kannte ich nur seine Alben und hatte ihn leider noch nicht live erleben können. Aber aller Anfang ist lobenswert und irgendwann muss man ja mal beginnen, so bot sich Weert als Austragungsort meines ersten Julian Sas Konzert förmlich an, zumal es nur etwa 85km von meinem Wohnort liegt.

Jetzt weiß ich, wovon andere schwärmen, fällt der Name Julian Sas. Live ist live und da kann die CD- oder DVD- Aufnahme eines Konzerts qualitativ noch so hoch sein, an das eigentliche Live- Erlebnis einer solchen Show reicht dies nicht heran.

Der Mann hat eine Bühnenpräsenz wie kaum ein anderer. Er wirkt niemals angestrengt, ist immer Teil seiner Musik, ja geht richtig in dieser auf. Seine Emotionen drückt er hauptsächlich durch sein Gitarrenspiel aus, das einerseits technisch versiert ist, aber auch durch und durch emotional. Dazu noch der Gesang, in den er die ganze Kraft seiner Stimme legt. Da darf’s dann auch mal ein kräftig gebrülltes „Yeah“ abseits vom Mikro sein.

Nachdem die Band zuvor einen Keyboarder hatte, spielt sie heute als Power- Trio. Neben Julian Sas sind das: Tenny Tahamata (Bass) und Rob Heyne (Drums). Das Zusammenspiel der Drei ist erstklassig, jeder von ihnen hat genügend Freiräume, die auch genutzt werden. Dies ist der große Vorteil derartiger Formationen. Bass und Schlagzeug haben durchaus ihr Eigenleben, bilden jedoch auch ein auf einander eingespieltes und abgestimmtes Team, das die Basis für Julians gitarristische Höhenflüge bildet.

Blues-, Boogie- und Rockriffs wechseln sich ab, genauso wie der Meister die Gitarren wechselt. Schwarze Les Paul, gefolgt von Stratocaster mit erheblich angekratztem Sunburst Finish und umgedrehtem Hals, gefolgt von mint- grüner Stratocaster, gefolgt von einer Gibson Firebird, gefolgt von einer dunkelroten Gretsch, Solid Body mit Bigsby Tremolo. Das Wechselspiel geht munter hin und her. Egal, welche „Axt“ der Meister da in Händen hält, bei ihm sind sie alle gut aufgehoben. Verstärkt wird das Ganze über einen Marshall- Stack JCM 900 und verfeinert durch eine Anzahl diverser Bodeneffekte, wie den Ibanez Tube- Screamer und ein Vox WahWah- Pedal.

Julian spielt einige neue Titel. Aber auch der legendäre «Blues for J» oder der «Drifting Boogie» fehlen nicht.

Von oben nach unten: Tenny Tahamata – Rob Heyne – Julian Sas

Dass Julian Sas eine Affinität zu Rory Gallagher hat ist sicher kein Geheimnis. Für viele ist er der legitime Nachfolger des 1995 verstorbenen Iren. Dem kann man durchaus zustimmen, besonders, wenn man Julian’s Version von «I Take What I Want» hört. Doch es ist mehr als eine punktgenaue Replik dieses Titels. Diese Version ist auch eine Verneigung des Künstlers Sas an den Künstler Gallagher. Eine weitere Verneigung folgt mit «Voodoo Chile» an Jimi Hendrix. Und damit ist das musikalische Claim von Julian Sas bestens abgesteckt. Seine eigenen Titel bewegen sich stilistisch irgendwo dazwischen, immer auf den Punkt gebracht und ohne überflüssige Schnörkel.

Genau das ist es, was Leute wie Julian Sas oder eben Rory Gallagher ausmacht. Sie sind sich selbst treu, authentisch. Das gibt den Fans Planungssicherheit bezüglich ihrer Erwartungen und die Gefahr enttäuscht zu werden ist äußerst gering.

Nach dem Konzert komme ich mit einem niederländischen Paar ins Gespräch, sie erzählen mir, dass sie nach Möglichkeit jede Woche ein Julian Sas Konzert besuchen, egal wie weit entfernt es stattfindet. Heute haben sie noch drei Stunden Autofahrt vor sich. Das sind Hardcore Fans, die jede Textzeile kennen und mitsingen.

Ihrer Bekanntschaft mit der Crew um Julian habe ich letztendlich zu verdanken, dass ich meine eben für den Fanpreis von nur 20 € erworbene Doppel DVD + Doppel CD von allen drei Musikern handsigniert bekomme und dass Julian, der Backstage verschwunden ist, noch mal heraus kommt, um mir ein paar Grüße an die Hörer von Juke Joint Bluesradio ins Mikro zu sprechen.

Der Eintrittspreis hier in Weert betrug 14 €uro an der Abendkasse, 12 Euro im Vorverkauf. Durchaus alles moderat für das, was man geboten bekommt.

In Deutschland spielt Julian Sas am 22.11.2008 in der Bonner Harmonie. Hier liegt der Ticketpreis im Vorverkauf bei 18,60 Euro.

Fazit: Fans wird es eh dorthin ziehen, wer Julian Sas noch nie live gesehen hat, dem bietet sich hier eine gute Gelegenheit. Also unbedingt nicht verpassen….

Text und Fotos © Tony Mentzel





Johnny Winter am 15.05.2009 in der Börse, Wuppertal

2 03 2012

Review clasics…

Johnny Winter

Johnny Winter

Paul Nelson, Scott Spray (Bass) und Vito Liuzzi (Drums) betreten die Bühne. In einem Instrumental zeigt Paul Nelson seine Fingerfertigkeit an der Gitarre. Er ist ein exzellenter Techniker. Der Titel sagt mir persönlich nichts und bringt mir auch nichts. Stilistisch liegt er im Bereich Gitarrengewitter mit allen Licks und Tricks, die ein moderner Gitarrero wohl drauf haben muss, um ein Publikum zu beeindrucken. Ich bin allerdings weniger beeindruckt, aber froh, als dieses Gewitter wieder vorbei ist und der eigentliche Hero des Abends leicht nach vorne gebeugt die Bühne betritt und sich in kleinen Schritten seinem Stuhl nähert, der bereits auf ihn wartet. Paul Nelson bleibt auf der Bühne, was er bei früheren Konzerten nicht getan hat, von nun an begnügt er sich mit der Rolle des Rhythmusgitarristen.

Johnny Winter greift seine bereitliegende weiße Erlewine Lazer Gitarre, sein erster Titel ist wie gewohnt Freddy King’s «Hideaway».

«Sugar Coated Love» und «Boogie Real Low» folgen. Auf mich macht Johnny einen weitaus fitteren Eindruck als vor zwei Jahren, als ich ihn das letzte Mal sah. Klar, er wird nie mehr die Power vergangener Tage erreichen, wer dies erwartet, erwartet Wunder. Doch trotz allem freut es mich, ihn wieder zu sehen und auch zu wieder live zu hören. Die paar kleinen Patzer in seinem Spiel sind verzeihlich.

Johnny Winter bleibt für mich eine unantastbare Institution und als solche werde ich ihn auch in Erinnerung behalten.

Was mir so gar nicht gefallen will, ist der Sound bei diesem Konzert. Teilweise matscht er enorm, der Bass dröhnt alles zu. Zunächst schiebe ich dies auf meinen Platz direkt an der Bühne. Aber Leute, mit denen ich nachher spreche und die ganz wo anders im Saal standen, haben denselben Eindruck.

Schade eigentlich, denn bei Henrik Freischlader, der das Vorprogramm bestritt,  konnte man sich über den Sound nicht beklagen.

Wie dem auch sei: Johnny spielt sein Set gespickt mit Titeln, die wir von ihm erwarten, es gibt nichts Neues unter der Sonne, äh, den Bühnenscheinwerfern. Besonders gefallen hat mir seine Version des Hendrix– Klassikers «Red House».

Als Johnny seine berühmte Gibson Firebird gereicht bekommt, weiß der geneigte Fan, dass es Zeit wird für die Slide Titel. Und so ist es dann auch J.B. Lenoir’s «Mojo Boogie» und Bob Dylan’s «Highway 61» sind an der Reihe und bieten damit die Schlusspunkte eines Konzertes eines der besten musikalischen Vertreters einer Zeit, die ihren festen Platz in der Musikgeschichte hat. Diese Zeit ist nun einmal vorbei, was bleibt, sind Erinnerungen, die immer wieder aufblitzen, wenn man Konzerte der Heroen von damals erleben kann, ohne dass das Ganze zu einem Nostalgietrip wird.

Dafür danken kann man Künstlern wie Johnny Winter nicht genug, dass sie sich immer noch den Strapazen einer ausgiebigen Tour aussetzen, um uns, den Fans, weiterhin ihre Musik zu schenken.

So bin ich froh, dieses Konzert miterlebt zu haben und einer der zirka 800 Zuschauer in der der ausverkauften Wuppertaler Börse gewesen zu sein. Der Beifall ist laut und die Zugabe- wie „Johnny. Johnny“- Rufe ebenfalls, aber Johnny kommt nicht mehr zurück auf die Bühne. Die Stagehands beginnen mit dem Abbau der Mikrofone, das Saallicht geht an. Die meisten Zuschauer verlassen den Saal.

Ich bleibe noch etwas, hier und da ein Gespräch mit Bekannten und Unbekannten. Paul Nelson durchquert die Halle. Ich spreche ihn kurzerhand an, ob es möglich ist, Johnny für einen Gruß ans Mikrofon zu bekommen. Es ist möglich! Johnny signiert in seinem Nightliner fleißig CDs und LP- Cover, gruppenweise werden Fans bis vor die Tür des Busses vorgelassen.

Als Letzter darf ich sogar den Bus betreten. Die Band sitzt auf bequemen Sesseln, Johnny sitzt an einem Tisch und unterschreibt noch einige Autogrammkarten.

Ich stelle das Radio und mich kurz vor. Dann spricht er mir „Hi, this is Johnny Winter, you’re listening to Juke Joint Bluesradio.“ in den Recorder. Und da ich seit ein paar Minuten Geburtstag habe, bedanke ich mich für das schöne Geburtstagsgeschenk, einmal mit Johnny Winter gesprochen zu haben. Spontan greift er meine Hand, drückt sie kräftig: „Happy birthday, Tony.“ Die Band schließt sich den Wünschen an.

Ein schöner und wohl unvergesslicher Einstieg in das neue Lebensjahr.

Danke an Johnny Winter für diesen Moment und für seine Musik, die mich schon lange in meinem Leben begleitet. Und so wird es auch weiter sein…

Text und Fotos © 2009 Tony Joe Gardner





Hookrock Indoor am 25.02.2012 in Diepenbeek (B)

29 02 2012


The Hairy Mushrooms

aus Belgien eröffnen das Festival. In der Besetzung 2 mal Gitarre, Bass und Schlagzeug bieten die vier jungen Herrn einen soliden Mix aus eigenen Titeln und aus Songs, die aus anderen Federn stammen (z. B. Kinks: «You Really Got Me» oder Jimi Hendrix: «Foxy Lady».


Musikalisch sehe ich die Band eher im Bereich Rock als im Blues. Eigens für diesen Abend haben sie sich ACDC’s «She’s Got The Jack» drauf geschafft, um „auch mal einen Bluestitel zu präsentieren“ (eigene Aussage des Sängers).

Die Titel sind alle sauber gespielt, aber sie reißen mich und einen Großteil des restlichen Publikums nicht gerade vom Hocker. Sicher gibt es für die „Haarigen Pilze“ noch genug Platz nach oben und Spielpraxis tut bekanntlich allen Bands gut.


Black Top

Anders wird dies allerdings gleich nach der kurzen Umbaupause, als sich «Black Top» aus den Niederlanden auf der Bühne eingefunden haben.

Hier geht es Schlag auf Schlag, ein Titel geht quasi in den anderen über. Wer hier reinen Blues erwartet, ist fehl geleitet.

«Black Top» liegen stilistisch eher bei ACDC oder bei ZZ Top, wenn man es denn unbedingt vergleichen will. Sie fahren ihren eigenen Sound, der einem Powertrio alle Ehre macht.
Klasse gespielter Bluesrock. Den Gesang teilen sich Gitarrist Mick Hup und Bassist Anne-Maarten van Heuvelen. Und das machen Beide hervorragend. Am Schlagzeug sitzt Theo Thumper.

Dieses Trio funktioniert wie eine gut geölte Maschine. Tolle Gitarrenriffs und Bassläufe, mit Feeling gespielt und angetrieben von einer präzisen ,„in-takten“ menschlichen Drummachine. Zwei Alben haben sie auf dem Markt. Die heute Abend gespielten Titel stammen meistens aus der 2011 erschienenen CD «Sour Milk».

Sicher nichts für Bluespuristen, sondern eher etwas für Freunde der etwas härteren Gangart.

Wie bei den meisten im Publikum macht dieser Auftritt auch bei mir Laune und zwar einfach gute. Professionell gespielte, handgemachte Musik, die aber immer noch Ecken und Kanten und die nötige dreckige Erdung hat. Für mich die Neuentdeckung des Abends.

Eddie Martin


Zum guten Schluss tritt Eddie Martin mit seinen beiden Musikern Danny Cox (Drums) und John- Paul Gard KeyB- Organ auf die Bühne.

Wer jetzt nach einem Bassisten sucht, sucht vergebens. Den gibt es schlicht nicht. Die Tieftonarbeit erledigt Mr. Gard mit den Basspedalen und seinem linken Fuß.

Eddie Martin erweist sich einerseits als hervorragender Gitarrist, weiß aber durchaus auch als Sänger und Mundharmonikaspieler zu punkten.

Harp- und Gitarrenspiel gleichzeitig werden möglich, da er mit Gaffa- Tape das Mikrofon für die Harp, die berühmte „Fahrradlampe“, einfach an den Mundharmonikahalter geklebt hat.

Eddie Martin hat ein neues Album produziert, das er mit einer siebenköpfigen Band eingespielt hat. Ein kompletter Bläsersatz verstärkt dort das Soundbild der Titel, die heute nur in der Trioversion gespielt werden. Als Gastmusiker konnte man für die CD Pee Wee Ellis gewinnen.

«Looking Forward Looking Back» heißt Eddie’s neuer Silberling und soll erst im Mai herauskommen. Nichtdestotrotz hat einige Exemplare im heutigen Verkauf.

Eddie Martin ist ein sehr versierter Gitarrist, das zeigt er sowohl im Standard als auch im Slidespiel. Bestens Zuhause in den Gefilden Boogie, Chicago Blues, aber auch British Blues.

John- Paul Gard ist ein hervorragender Orgelspieler und Danny Cox wirkt spielerisch weitaus ausgereifter, als das seine gerade mal 25 Jahre vermuten lassen.

Dies ist eine Darbietung ganz nach meinem Herzen, hier finden zitatmäßige Verneigungen vor den ganz Großen des Blues statt, Elmore James, John Lee Hooker oder Muddy Waters, um nur einige zu nennen.

Zwei Tage später habe ich mir diese drei Musiker bei einem weiteren Konzert und geänderter Setlist im «Spirit of 66» in Verviers nochmals angesehen. Und wurde nochmals mit einem grandiosen Konzert belohnt.

Von nun werde ich ein Auge auf die Tourplanungen von Mr. Martin & Co haben, der versichert hat, später im Jahr die britische Insel nochmals zu verlassen wieder für einige Gigs aufs europäische Festland zu kommen.

Und genau dies sollte man unbedingt nicht verpassen!

Abschließend lässt sich sagen, das «Hookrock Indoor Festival» war wieder einmal eine gelungene Sache und hat mir einen Abend beschert, von dem ich noch lange zehren werde.