Till Bennewitz am 28.02.2015 im Topos, Leverkusen – Konzertbericht

2 03 2015

Till Bennewitz (10)

Es war 1979 und Sommer und dieser Urlaub in Frankreich. Und es waren diese beiden Kassetten, die während der Autofahrt abwechselnd, aber permanent ihre Runden im Player drehten. Auf beiden Etiketten stand der gleiche Name. Bruce Springsteen. Die Musik von seinen Alben: „Born to Run“, „Darkness on the Edge of Town“ ,“The Wild, the Innocent & the E Street Shuffle” und „Greetings from Asbury Park, N.J.” war damals ziemlich frisch für meine Ohren. Und ich liebte diesen neuen Wind, diese ungebremste Power, diese außergewöhnliche Poesie.

Und heute – gute 35 Jahre später – sitze ich im alt- ehrwürdigen Topos in Leverkusen und erfreue mich einer fulminanten Reise zurück in diese Zeit. Das Reiseziel ist nach wenigen Akkorden bereits erreicht. Denn was Till Bennewitz und seine zum Teil erst vor kurzem zusammengestellte Band an meine Ohren schickt, hat genau diese unverblümte Frische der frühen Springsteen- Phase.

Nicht dass wir uns falsch verstehen. Wir haben es keineswegs mit einer Coverband zu tun. Till Bennewitz versteht es mit seinen 22 Jahren perfekt, dieses vertraute, gute, alte Gefühl in mir wiederzubeleben und genau dies tut er mit seinen selbstgeschriebenen Songs. So etwas wie eine Atempause zwischen den Titeln gibt es nicht. Diese Band „brennt“ und die Spielfreude der vier Herren und der einen Dame zieht mich sofort in ihren Bann.

Neben Till Bennewitz – Gitarre, Vocals – sind das Daniela Kruger – Bass Marc Egloff – Drums, Daniel Gräupner – Keyboards und Sebastian Schweyer – Gitarre.

Till ist gesegnet mit eben dieser ausdrucksstarken, kräftigen Stimme, die verdammt nahe an die des jungen Springsteens herankommt. Dazu noch die klassische Telecaster in Butterscotch Blonde und die fast ebenso klassische weitere Besetzung: 2. Gitarre, Keyboards, Drums und Bass runden das Klangbild ab. Ab und zu fehlt mir nur eine Saxofon- Einlage à la Clarence Clemons und das akustische Mosaik wäre komplett. Aber diese Kritik ist Luxus- Jammern auf höchstem Niveau. Ein Saxofonist hätte zudem eh keinen Platz mehr auf der kleinen Topos- Bühne gefunden.

Nein, diese junge Band rockt als gäbe es kein morgen mehr. Und das wäre nur zu schade. Denn schon am nächsten Tag sollen sie in Nancy in einem Studio stehen und ein Konzert für www.nancy-webtv.com geben. Das wird live gestreamt, in den nächsten Wochen mehrmals wiederholt und später als Podcast in der Reihe „3 J Vision“ (http://www.nancy-webtv.fr/index.php/3-j-vision) zur Verfügung stehen.

Das an alle die, die sich gerne selbst einen Eindruck von der Qualität dieses klasse Musikers und Songschreibers und seiner Band überzeugen wollen. Ich bin bereits überzeugt davon und die 3-Track CD mit dem Titel „New York Sessions“ tut ein Weiteres hinzu. Ich höre sie auf der Heimfahrt im Auto gleich mehrfach und mit breitem Grinsen und tierischem Vergnügen stelle ich fest, dass das Saxofon bei diesen Aufnahmen auch seinen Platz gefunden hat. Man darf also gespannt sein auf die erste „Voll“- Cd, die noch im Laufe des März 2015 erscheinen soll. Produziert wurde diese von keinem geringeren als Aynsley Lister, der einige prominente Gastmusiker mit in die Produktion eingeschleust hat. Mehr davon, sobald ich die CD in Händen habe.

Solltet ihr den Namen Till Bennewitz auf einem Plakat oder bei einem Veranstaltungshinweis lesen: Unbedingt nicht verpassen!

Und den Veranstaltern sei dieser Name ebenfalls ans Herz gelegt. Musiker können nur weiter wachsen und reifen, wenn sie Gelegenheiten haben zu spielen und sich dem Publikum zu stellen. Anyway: Ich bin sicher, dass Till Bennewitz seinen Weg gehen wird. Man sieht sich….

Till Bennewitz (26)

Links: Till Bennewitz Homepage
Slideshow: Fotos vom Konzert

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Hat Fitz & Cara, Cultuurhuis Heerlen, 27.05.2014

29 05 2014

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Man kann nicht alles mögen oder gar lieben. Das Gleiche gilt fürs Hassen. Und ich hasse Schubladen. Nicht die im Schrank, auch wenn diese manchmal fürchterlich klemmen. Es sind die Schubladen im Kopf, die bei mir seit ewigen Zeiten in Ungnade gefallen sind. Was ist denn nun Blues? Eine Frage, die sich von allein mir nicht stellt, aber mir immer wieder von anderen gestellt wird. Die Bluespolizei will es nun mal genau wissen.

Ach was soll’s, kommen wir zu etwas völlig anderem. Hat Fitz and Cara Robinson kommen aus Australien, was wiederum nur zur Hälfte stimmt, denn Cara stammt aus Irland. Aber ihr Lebensmittelpunkt, um es mal deutsch – bürokratisch auszudrücken, liegt in Sydney.

Und genau dieses bedingt, warum ich Fitzpatrick kaum verstehe. Sein Akzent ist wirklich gewöhnungsbedürftig und so muss die Gattin auch immer wieder als Dolmetscherin eingreifen und das nicht nur für mich, sondern auch für das geneigte Publikum.

Doch sobald die Musik spricht, sind wieder alle Verständnisbarrieren überwunden. Fitz an seinen beiden Gitarren, Dobro und Elektro zudem gesegnet mit einer Stimme – wollt ihr dennoch ein paar Schubladen? -, die irgendwo zwischen Tom Waits, Guy Davis oder Watermelon Slim anzusiedeln ist.

Cara Robinson bedient Schlagzeug, Washboard, diverse Whistles (hier kommt ihr Ursprungsland Irland ins Spiel) zudem ist sie auch gesegntet mit einer sehr kraftvollen, facettenreichen Stimme, die nun mal wirklich ihrer Gleichen sucht. (Hier biete ich dann mal keine Schubladen an, doch bei dem Gospel ähnlichen Titel „Power“ kommt mir gleich Aretha Franlklin in den Sinn.

Ich habe schon manche Duos gesehen, vielleicht noch zum Trio um einen weiteren Musiker aufgestockt und das in dem wahrscheinlichen Wissen, dass der Sound so nicht reicht. Zudem verkamen diese Performances für mein subjektives Ich schnell zur gähnenden Langeweile.

Leute, ich sage euch was: Das ist heute Abend das totale Gegenteil!

Die Songs der Beiden haben es in sich, sie sind einfach klasse. Und die Performance lässt keine Wünsche offen. Die Conference zwischen den Titeln ist gewürzt mit einer riesigen Portion Humor.

Und die Songs selbst? Wenn man die beiden letzten Alben kennt, ist man bestens eingestimmt auf das, was die Beiden auf der Bühne spielen. Ist man das nicht, tut das auch nichts zur Sache, denn man wird vom ersten Song mitgerissen. Ja, man hat keine Chance gegen dieses Feuer von Musik, die einfach auf den Punkt gebracht wird.

Minimalismus ist Trumpf und zwingt den Zuhörer zum intensiven Lauschen. Von der Bühne strahlt eine beispiellose Intensität auf das Publikum herab. Zirka 50 Leute haben sich hier im Cultuurhuis in Heerlen eingefunden.

Das Ambiente des kleinen Saals stimmt, man ist ganz nah dran am Geschehen. Genau dieses tut sein Übriges für das Wohlbefinden an diesem Abend. Für mich sind diese beiden Ausnahmemusiker eine wahre Offenbarung. Gut ist es, immer Neues kennen lernen zu dürfen.

Absent Eyes“, „Eliza Blue“, „Sister Sister“ sind Titel, die wirklich in keine Schublade passen. Blues meets Irish Tradition, oder irgendwas dazwischen oder völlig anders. Wen schert’s? Mich jedenfalls nicht!

So freue ich mich auf ein Wiedersehen in Geldrop beim „Blues Open“.
See ya there !!

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JJ Grey & Mofro … Tedeschi Trucks Band, 23.04.2014, E- Werk in Köln

13 05 2014

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Sie heizen ein, JJ Grey und seine Mannen auf der der Bühne. Die Qualität dieser Band um Multiinstrumentalist JJ Grey ist keine Überraschung für mich. Schon auf dem Schöppinger Grolsch Blues Festival 2013 legten sie einen furiosen und überzeugenden Auftritt hin. Soulig, funky, rockig, bluesig … so der musikalische Mix. Alles auf sehr hohem Niveau.

Der ideale Opener für ein Konzert von einer Band, über die ich eine Menge Vorurteile habe. Und die sind sehr hoch angesiedelt. Schon in ihren Einzelprojekten haben mich Susan Tedeschi und Derek Trucks immer wieder überzeugt. Zudem bildete Derek Trucks neben Warren Haynes eine Weile das gitarristische Rückgrat der Allman Brothers der Neuzeit.

Seit dem Zusammenschluss der Bands um Susan Tedeschi und um Derek Trucks kennt meine Begeisterung einfach keine Grenzen mehr.

In einer Welt der Millionen von Gitarren und deren Spielern einen eigenen, unverkennbaren Sound zu entwickeln gelingt heute nur wenigen. Natürlich haben diejenigen recht, die sagen Mr. Trucks Slide- Sound stütze sich auf den des unvergessenen Duane Allman. Aber so wie ihn Trucks auf seiner weinroten Gibson SG spielt, ist er zu seinem ureigenen Markenzeichen geworden. Singende Soli, erfrischende Miniaturlicks hinein getupft ins Songgefüge, Lautmalerei der allerhöchsten Güte.

Trucks‘ Ehefrau Susan Tedeschi besitzt eine Gesangsstimme, die ihrer Gleichen sucht: rau, tief- schwarz soulig, facettenreich, immer auf dem Punkt und voller Dynamik. Dass sie zudem eine ausgezeichnete Gitarristin ist, zeigt sie in ihren weit ausholenden, ideerenreichen Soli.

Allein um die Power dieses Musikerpaares zu erleben, hätte den Weg ins altehrwürdige Kölner E- Werk gelohnt. Aber es sind noch weitere neun (!) Musiker mit auf der Bühne, das heißt zwei sitzen hinter ihren Drumkits, einer spielt Bass, einer Keyboards, zwei singen im Background und drei bilden die Hornsection.

Das Schöne ist: Hier kommt sich trotz der schon fast orchestralen Bandstärke nichts und niemand ins Gehege, der Sound ist wuchtig, aber immer transparent. Ja, es ist eine Freude dieser hoch intelligenten Musikmaschinerie bei ihrem Werken zuzusehen und zuzuhören.

Für mich der (erwartete) Höhepunkt ist natürlich der Titel „Midnight in Harlem“. Eingeleitet durch ein Slide- Solo der feinsten Truck’schen Art, entfaltet sich der Song zu einem wahren-Gänsehaut-und-Augen-schließen-und-wegdriften-Anlass.

Das darauf folgende zappaeske Kakophonie Getöse sei verziehen. Netter Versuch, mich aus dem Schwebezustand von „Midnight in Harlem“ wieder auf die Erde zu beamen, der allerdings scheitert.

Sehr gut gefallen mir auch die Fronteinsätze der beiden Backgroundsänger Mike Mattison und Mark Rivers. Beide verfügen über derart grandiose Stimmen, denen zu Recht größere Aufmerksamkeit gebührt.

Mann, was für ein musikalisches Highlight! Unter den den Gästen erkenne ich auf dem Balkon des E-Werks u.a. Julian Sas, Henrik Freischlader und Layla Zoe. Auch sie werden ihren Spaß an diesen Ausnahmemusikern gehabt haben.

TTB

Vielen Dank an Ernst Ludwig Hartz und NOISENOW für die Unterstützung.

PS.
Julian Sas bildet am Samstag, 14.06.2014 zusammen mit Joe Bonamassa, Joe Satriani, Bernie Marsden, The Brew und Krissy Matthews das Line- up für die Classic Rocknacht auf der Loreley.





King King – live im Rockpalast

31 03 2014

One Moment In Time

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Das war’s also. Und es war gut. Oder nein, es war einmalig ! Wunderbar ! Eine klasse Show von einer klasse Band. Die Bonner „Harmonie“ ausverkauft und voll gepackt mit Leuten, die sich dem Zauber, der von der Bühne prasselte, keine Sekunde entziehen konnten. Alan Nimmo, Lindsay Coulson, Bob Fridzema und Wayne Proctor spielten Songs von ihren beiden bisher erschienenen Alben „Take My Hand“ und „Standing In The Shadows“. Darunter natürlich die beiden Balladen „Old Love“ und „The Long History Of Love“, bei Alan’s Gitarrensoli in diesen beiden Titeln krabbelte mir wohlige Gänsehaut die Arme hoch. X- mal gehört schon und doch: Es war neu so, in noch nie gefühlter Intensität. Die glorreichen Vier da oben auf der Bühne genossen all diese wunderbaren Momente mit sichtlicher Freude. Und genau diese Freude, dieser hoch musikalische Spaß fand im Publikum aller herzliche Aufnahme.

Klasse! Klasse! Klasse!

Schon im Vorfeld, am Nachmittag nämlich, gibt es eine unplugged Einlage auf einem Trümmer-/ Baustellengrundstück gegenüber der „Harmonie“. Das WDR- Rockpalast Team filmt die Akustikversion von „The Long History Of Love“, Alan Nimmo Gitarre und wie immer mächtige Stimme, die restliche Band ist für den Backgroundgesang zuständig. Das Publikum bilden Leute der WDR- Crew und einige Fans’n‘ Friends. Es ist kurz nach 16:30 Uhr. Ein kleiner Soundcheck und los geht’s. Der erste Take scheint im Kasten. Doch irgendwas stimmt nicht mit dem Ton. Also Take 2. Der Zeiger an der Kirchturmuhr von St. Maria – Magdalena im Hintergrund rückt von allen Beteiligten unbeachtet auf die 16:45 Uhr Marke zu. Und so passiert es, dass diese Uhr um Punkt 16:45 Uhr drei Glockenschläge vom Stapel lässt. Mitten in die Aufnahme hinein. Es gibt kein Halten mehr. Lautes Lachen aller Beteiligten und der zweite Take ist im Eimer. Die Sonne wird in wenigen Minuten hinter einem der Häuser verschwinden, so ist Eile angesagt und Take 3 sitzt dann endlich und ist hier zu betrachten.

King King

 

Der Spaß, den dieses Unterfangen gemacht hat, ist wohl nicht zu übersehen. Ein Tag, der in die Geschichte eingehen wird und ich bin glücklich, dabei gewesen zu sein

Der Sendetermin des Abendkonzerts ist am 05.05.2014 auf 3Sat.





Rico Blues Combo am 02.11.2007, Burg Satzvey

2 11 2013

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Auf den Tag genau sechs Jahre her, dieser legendäre Auftritt der Rico Blues Combo auf der Burg Satzvey. Und da gerade eine Reunion der Formation  stattfindet, bietet es sich an dieser Stelle an, sich noch einmal die Eindrücke von damals ins Gedächtnis zu rufen.
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Rico Blues Combo am 02.11.2007, Burg Satzvey

Juke Joint Feeling made in Italy im Bourbonen Saal der altehrwürdigen Burg Satzvey in der Eifel. Hier kommt etwas zusammen, was auf den ersten Blick ein zumindest schräges Bild zu geben scheint.

Bourbonen Lilien zieren die roten Vorhänge, mit denen der gesamte Saal behängt ist. Hier ist eine kleine Bühne aufgebaut. Das Gesangsmikrofon steht aus Platzgründen vor der Bühne. Eine KeyB Organ, daneben ein Leslie- Kabinett mit einem abenteuerlich aussehenden Röhrenamp darauf, ein elektrifizierter Kontrabass lehnt an einen Ampeg Kofferverstärker. Das Drumset zeigt an der Bassdrum ein Ludwig Resonanzfell. Auf einem Hocker befindet sich ein Koffer mit diversen Harps und obendrauf liegt die berühmte Fahrradlampe, das Shure 520DX, d a s Mikrofon für Harps überhaupt. Zwei Fender Bassman Amps stehen links, einer für die Harmonikas, der andere für die Gitarre. Davon ruhen zwei im Ständer. Eine Fender Stratocaster in Fiesta Red, die heute einen freien Abend haben wird, wie sich später herausstellt und eine cremefarbene Telecaster, die heute einen arbeitsreichen Abend haben wird. Dann noch ein paar Bodeneffekte für die Gitarre. That’s all.

20:30 Uhr
Rico und seine Blues Combo betreten die Bühne. Dies sind Rico Migliarini (Voc; Harp), Maurizio Pugno (Gitarre), Mirco Capecci (Bass), Giuliano Bei (Drums) und als Special Guest Alberto Marsico (Orgel).

Der erste Titel zum Anwärmen ist «Down To The Village», das ist ok, aber noch lange nicht das, was die Combo später spielen wird. Es dauert einige Titel, bis die Band sich warm gespielt hat. Aber als der Punkt erreicht ist, geht es wahrhaft in die Vollen. Quer durch sämtliche Stilrichtungen des Blues, teils mit einer gehörigen Prise Be- Bop oder Jump- Blues. Brilliante Soloeinlagen von Harp, Orgel und…ja, hier schlägt natürlich das Gitarristenherz höher … einer gut aufgelegten Telecaster, meisterlich behandelt durch Maurizio Pugno. Der Junge hat’s einfach drauf. Ich verrate sicher kein Geheimnis, wenn ich sage, dass ich ein absoluter Fan der Telecaster bin. Was der ganz in Schwarz gekleidete Chitarrista ihr an Klängen entlockt, ist schon phänomenal. Für mich die absolute Offenbarung an diesem Abend. Damit möchte ich keineswegs das Können der anderen Comboleute abwerten. Alles tadellos. Die Combo funktioniert wie eine Dampfmaschine, einmal angeworfen strotzt sie vor Energie und Musikalität. Meine selektive Wahrnehmung sei mir hier verziehen.

Das Repertoire besteht aus vielen eigenen Titeln, ein Großteil findet sich auf der aktuellen CD «House of Blue Rags», die ich als „Special Offer“ in der Pause für dieci Euro bei Rico erstehe. «Don’t Say No», «Going Down Slow», eins der absoluten Hammerstücke ist «Watch Your Step», zu finden auf der CD «Live At Murphy’s». Es stammt aus der Feder von Maurizio Pugno.

Natürlich fehlen auch einige Klassiker wie der Junior Wells Titel «Messin’ with the Kid» oder «Stormy Monday» oder «What you want me to do» nicht.

Die Fünf auf der Bühne haben ihren Spaß und der springt ohne Umschweife auf das Publikum über, das allerdings nur etwa die siebenfache Personalstärke der Combo aufbringt. Das ist sehr schade, jedem, der sich eine wirklich geballte Ladung von Blues vom allerfeinsten abholen möchte, sei wärmstens ans Herz gelegt, sich die Truppe anzuschauen und anzuhören.

„Alla prossima volta“, ruft mir Maurizio noch hinterher, als wir uns nach einem kurzen Gespräch verabschieden. Ja klar, ich werde wieder dabei sein, das nächste Mal, wenn Rico und seine Blues Combo in unserer Gegend wieder aufspielen.





Gerry McAvoy’s Band Of Friends @ Spirit of 66

26 10 2013

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zur Musik … Klick aufs Foto

Es ist der 23. Oktober 2013. Die Bühne des Spirit of 66 in Verviers steht bereit für die Band of Friends, mit der Marcel Scherpenzeel, Gerry McAvoy und Ted McKenna die Musik des 1995 verstorbenen Rory Gallagher feiern.

Scherpenzeel, der heute seinen 43sten Geburtstag feiert, weiß mit Rory’s Songs bestens umzugehen. Es ist keineswegs ein purer Abklatsch, wie manche Kritiker meinen. Und bei dieser Gruppe handelt es sich auch nicht um eine der vielen Tribute Bands, sondern um eine legitime Nachfolgeformation, schließlich waren Gerry McAvoy und Ted McKenna Wegbegleiter der irischen Bluesrock- Legende.

Nein, hier ist mehr drin. Hier flammt das alte musikalische Fieber längst vergangen geglaubter Tage wieder auf. Rory’s Musik lebt weiter und dank dieser Band auch wieder live auf den Bühnen dieser Welt und wir somit auch der nachrückenden Generation nahe gebracht, die niemals die Gelegenheit hatte, Rory Gallagher im Konzert hautnah zu erleben.

Diese Musik zählt für mich genauso zu Weltkulturerbe wie der Kölner Dom oder der Tower von London.

Und wenn sie dann von der Bühne schallt, direkt in Ohr und Seele, dann ist sie so frisch wie eh und je. Nostalgie? Von mir aus auch das. „They don’t make them like you anymore, that’s for sure“, so ein Song von Mr. Gallagher. Und es ist wahr, so einen wie Rory gibt’s nicht noch einmal. Bis auf Marcel Scherpenzeel, denn der ist verdammt nah am Original.

Fazit: Wer Titel wie „Calling Card“, „Philby“, „Shadow Play“ oder „Tattoo’d Lady“ (noch) mal live erleben möchte, nix wie hin zum nächsten Konzert der Band of Friends. Somit: Unbedingt nicht verpassen!

Zur Fotostrecke … Klick aufs Bild…

Erinnerung an Rory Gallagher:
Rory Gallagher – Live at Rockpalast [3 DVDs]





King King @ Troisdorfer Bluesclub am 15.02.2013

17 02 2013

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Tatort: die Aula der Realschule Am Heimbach, Heimbachstr. 10, 53840 Troisdorf. Zeit: gegen 19 Uhr.

Die Halle ist schon gut gefüllt. Die Stühle an den Tischreihen werden nach und nach in Beschlag genommen. Der Getränkeverkauf ist in vollem Gange. Liebe Freunde haben mir einen Platz in der ersten Reihe direkt vor der Bühne frei gehalten.

Pünktlich entern BB’s Bluesmile die Bühne. Die Band um den Bassisten und Sänger Bob Bresser greift tief ins Repertoire zeitgenössischer Bluestitel. Songs des viel zu früh verstorbenen Sean Costello finden neben Tracks von Ian Parker, Henrik Freischlader oder den Rolling Stones Platz auf der Setlist. Der Abend ist somit stilsicher eingeläutet.

In der kurzen Umbaupause wird mir klar, dass der Saal sich inzwischen komplett gefüllt hat. Schön zu sehen , wie sich die Hoffnung über eine Ahnung zur Wirklichkeit gewandelt hat. Ein Lächeln huscht über mein Gesicht.

Nach dem zu Recht umjubelten Konzert im November 2012 im Leverkusener Topos ist es King King‘s zweiter Auftritt in Good Old Germany überhaupt. Morgen geht’s nach Isernhagen in die „Blues Garage“.

Auf der Bühne stehen immerhin die Gewinner der letztjährigen British Blues Arwards. Ihre erste CD „Take My Hand“  wurde zudem zur besten britischen Bluesproduktion gekürt. Ihr zweiter Silberling „Standing In The Shadows“ kommt gerade frisch aus dem Presswerk und liegt heute Abend zum Kauf bereit auf dem Merchandising- Tisch.

Genug der einleitenden Worte. Was jetzt kommt; „Das hat Troisdorf noch nicht gesehen!“ Genau dies wird nach dem Konzert eine begeisterte Zuschauerin beim Verlassen der Aula laut ausrufen.

Ich zähle zu den Glücklichen, die die Band um Alan Nimmo schon mehrfach live gesehen haben. Und es war immer ein Genuss. Doch was heute Abend passiert, toppt alles Bisherige und wird zur reinen Magie.

Neben Alan Nimmo an der Gitarre und am Gesang bilden Lindsay Coulson am Bass, Daniel Bingham an den Tasten und Wayne Proctor am Schlagzeug das heutige Line-up. Nach einem Probetag am letzten Montag spielt Daniel erst seit Mittwoch in der Band. Das fällt niemandem auf, die Dialoge zwischen Piano- oder Orgelsounds und der Gitarre sind ein wahrer Leckerbissen.

More Than I Can Take“ oder „A Long History Of Love“ von der neuen CD harmonieren wunderbar mit den Songs des Erstwerks und bisher nicht auf CD erschienenem Material wie „Gravy Train“ oder „Good Time Charlie“ (schade eigentlich).

Und wie immer ist Clapton’s „Old Love“ der absolute Höhepunkt. DER Song um eine verflossene Liebe, die einen so lange nicht los lässt. Alan Nimmo webt dynamische Spannungsbögen auf seiner Fender Stratocaster. Wen das nicht tief berührt, der hat ein riesiges, schwarzes Loch auf der Seele. Die Gitarre wimmert, schreit und flüstert. Alan regelt die Lautstärke auf Null und spielt unverstärkt weiter. Es ist mucksmäuschenstill im Raum. Und diese Stille schmerzt. Und dieser Schmerz hält an, bis Mr. Nimmo die den Pegel wieder hochreißt und die Gitarre all die Pein herausbrüllen lässt. Ein Fall von Gänsehaut pur!

Schon lange hält es niemand mehr so recht auf den Stühlen, viele tanzen. Howlin‘ Wolf’s „Mr. Highway Man“ zum Beispiel oder das schon zitierte „Gravy Train“ laden dazu ein.

Bei diesem Konzertabend stimmt einfach alles: Die Band, die Musik, das Publikum und für mich als Fotografierendem sogar und selten genug das Licht.

Am Ende stehen Standing Ovations und das gute Gefühl, Teil der Geschichte geworden zu sein. Denn hier und heute wurde ein weiteres Kapitel geschrieben. Von und mit einer Band, die auf dem besten Weg ist, international musikalisch neue Akzente zu setzen. Hier lebt beste britische Bluesrock Tradition à la Free, Bad Company, Led Zeppelin etc. weiter fort und wieder auf, nicht ohne einen eigenen Stempel aufgesetzt zu bekommen: Den Stempel King King.

Fazit: King King werden noch weitere Konzerte im Verlauf dieses Jahres auch in Deutschland geben. Wer es bisher nicht geschafft hat, diese Ausnahmeband live zu erleben, bekommt hier weiter Gelegenheiten. Und wer sie schon gesehen hat, wird zum Wiederholungstäter und geht sowie so wieder hin.

Man sieht sich also…

Denn: King King rule!


Video by klemens2000

 Links:
King King
Trisdorfer Bluesclub
John Hurd’s review (in English)

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