Meena & Erja Lyytinen, Double Trouble Tour, 11.10.2011, Harmonie in Bonn – Diashow

13 10 2011

Meena & Erja Lyytinen

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Blues Caravan 2011 am 30.01.2011 in der Harmonie, Bonn

2 02 2011
 

Blues Caravan 2011

Blues Caravan 2011: Cassie Taylor-Samantha Fish-Denis Palatin-Dani Wilde

Es ist Ende Januar. Wie mittlerweile üblich zieht sie wieder durch die Lande: Die Blues Karawane, initiiert von Ruf Records. Heute macht sie ihren alljährlichen Stopp in der Bonner Harmonie.Blues Caravan 2011 besteht aus Samantha Fish, Cassie Taylor und Dani Wilde. Der einzige Mann auf der Bühne ist der französische Drummer Denis Palatin.

Das diesjährige Motto lautet «Girls With Guitars». So ist es dann auch: Frau Fish und Frau Wilde bedienen die Sechsaiter, während Frau Taylor den Bass spielt.

Außerdem teilen sich die drei Damen die Gesangsparts, mal sind sie in der Rolle der Lead-, dann wieder in der Backgroundsängerin.

Ums gleich vorweg zu sagen: Auch das aktuelle Konzept des Blues Caravan geht auf. Mit dem Stones- Klassiker «Bitch» gibt es gleich zu Beginn des Konzerts eins auf die berühmte Zwölf. Die musikalische Marschrichtung ist klar: Gradliniger, moderner, elektrischer Blues(rock).

Dani Wilde habe ich schon auf der Blues Caravan– Tour 2009 erlebt. Festzustellen ist eine Weiterentwicklung im Gitarrenspiel, aber auch gesanglich. Mit ihrem Gesang auf den beiden von ihr vorliegenden CDs habe ich bzw. haben meine Ohren so meine/ihre Probleme bei bestimmten höheren Frequenzen. Live klingt das Ganze für mich und meine Ohren dann doch schon um einiges verträglicher.

Gesanglich für meine Lauscher unbedenklich sind die beiden anderen Ladys.

Beachtlich finde ich, wie cool und professionell die Drei sich trotz ihrer jungen Jahre (Samantha Fish feiert heute ihren 22. Geburtstag) auf der Bühne zu Werke gehen.

Vor allem Frau Fish’s Gitarrenarbeit lässt mich staunen. Facettenreiches und sauberes Spiel. Samantha ist bereits mit vielen Wassern gewaschen, längst noch nicht mit allen, in der Altersklasse verständlich. Da ist noch eine Menge Platz nach oben, den sie allerdings sehr schnell ausfüllen wird.

Ähnliches habe ich vor zwei Jahren bei Joanne Shaw Taylor prognostiziert. Ihr derzeitiger Erfolg vor allen in den USA gibt mir Recht.

Cassie Taylor ist „A Bluesman’s Daughter“ und zwar die von Otis Taylor. Auch sie konnte ich schon vor einigen Jahren live sehen, damals eben mit ihrem Vater und dessen Band. Auch bei Cassie ist eine Weiterentwicklung zu attestieren. Ihre Stimme hat eine ziemliche Bandbreite und beim Bassspiel ist sie mittlerweile weit über das Stadium des Grundtonzupfens (so noch mein Eindruck vor ein paar Jahren) hinausgewachsen.

Über Denis Palatin brauche ich nicht viel zu sagen. Er ist der Schlagzeuger, den ich in den letzten Jahren am häufigsten – und das in den verschiedensten Formationen – erleben konnte, meist im kongenialen Zusammenspiel mit Roger Inniss, den nicht nur ich vermisse, obwohl Cassie ihre Sache gut macht. Denis ist Garant für druckvolles, präzises Schlagwerk und somit immer eine sehr gute Wahl

Das Konzept des Konzerts sieht vor, dass alle drei Künstlerinnen mit eigenen Titeln gefeatured werden. So kann es sein, dass das Quartett zeitweilig zum Trio schrumpft. Aber auch als Powertrio weiß jede der möglichen Kombinationen zu überzeugen.

Wir hören Titel von der aktuellen CD «Girls With Guitars», die übrigens in Berlin von Mike Zito produziert wurde: «Wait A Minute», «Are You Ready», «Mr. Loving Man», «Leaving Chicago» oder das durch Steve Miller bekannt gewordene «Jet Airliner.

Die Titel „sitzen“.

Die Bonner Harmonie ist sehr gut gefüllt, die Resonanz im Publikum auf die Darbietungen auf der Bühne ist teilweise überschwänglich. Von den Leuten in meinem direkten Umfeld höre ich nur positive Kritik. Und die ist dann auch durchaus berechtigt.

So ist der Ruf nach Zugabe dann auch unvermeidbar. Und diese folgt dann auch und zwar mit dem ACDC—Titel «Highway To Hell». Hut ab vor dieser gelungen Interpretation.

Den runden Abschluss findet das Ganze mit einer „unplugged“ Version des Beatles– Klassikers «With A Little Help From My Friends». Feiner Chorgesang und feine Solostimmen, begleitet durch Dani Wilde’s Akustikgitarre.

Fazit: Die Karawane zieht weiter. Wo immer sie auch Halt macht, sollte man sich die Gelegenheit auf gute zwei Stunden bester Unterhaltung nicht nehmen lassen.

Text & Fotos © 2011 Tony Mentzel





Oli Brown am 21.04.2010 in der Harmonie, Bonn

14 11 2010

Oli Brown

What a difference a year makes…” Genau dieser Satz geistert mir durchs Hirn, nachdem ich die ersten drei, vier Titel von Oli Brown gehört habe. Der Unterschied oder besser die Unterschiede zu meiner ersten Konzerterfahrung mit dem sympathischen jungen Briten ist/sind schnell ausgemacht: Sein Gitarrenspiel hat immens gewonnen, seine Stimme ist um einiges „nachgedunkelt“, seine Bühnenpräsenz kommt an die von den ganz alten Hasen heran.

Dass der Junge seinen Weg gehen wird, war mir nach seiner Performance im Rahmen des Blues Caravan 2009 an gleicher Stelle vor zirka einem Jahr schon klar geworden. «Fresh Blues» war damals das Motto. Und der frische Wind hält nach wie vor an.

Immer wieder vergisst man, dass dort oben auf der Bühne ein nur Zwanzigjähriger steht. Es ist schier verblüffend, was dieser schlaksige Bursche, hier zum Start seiner Deutschlandtour abliefert.

Im Gepäck hat Oli seine ganz pressfrische CD «Heads I Win, Tails You Lose». Dieses Motto ist wohl Programm: Egal wie die Münze fällt, er wird wohl – so souverän wie er sich hier zeigt – immer gewinnen.

Schon beim Hören der neuen Scheibe konnte ich einen gewissen Reifungsprozess gegenüber dem Erstwerk feststellen. Oli Brown ist ein sehr ambitionierter Mensch, der sehr viel Zeit und Liebe in seine Musik investiert.

Eben das spürt man in jeder Phase dieser hoch musikalischen Aufführung, die natürlich nicht alleine auf das Brown’sche Konto geht, denn er wird tatkräftig unterstützt von Simon Dring an den Drums und Roger Inniss (!) am sechssaitigen Bass.

Bei Roger Inniss frage ich mich immer, wie der es schafft, im Zusammenspiel mit so verschiedenen Künstlern (Blues Caravan 2010, Deborah Coleman, Snowy White etc.) immer wieder eine perfekte und hochkarätige Leistung abzuliefern. Für mich ist dieser Mann ein absolutes Phänomen, das in der Lage zu sein scheint, beliebig viele Songs und deren Abläufe speichern zu können.

Am heutigen Abend sind dies Songs wie «Evil Soul», «Fever», «Love’s Gone Cold» vom aktuellen Album oder «Played By The Devil» und «Black Betty» vom ersten Album.

Zur Eröffnung des zweiten Sets kommen eine Oli Brown typische Version von «Hoochie Coochie Man» und ein weiters Glanzstück: Die Interpretation von «Every Day I Have The Blues».

Das muss einfach wahr sein, denn jemand der nicht jeden Tag den Blues hat, wird einen Titel wie diesen niemals so intensiv auf die Bühne bringen können.

Erstaunlich auch ist die professionelle Kondition der drei Agierenden: Gegen zwei Uhr in der Früh ist man in Großbritannien mit dem Van aufgebrochen, der Kanal wurde per Fähre überquert und von Dünkirchen ging es dann nach Bonn, wo man dann trotz Stau um Brüssel gerade rechtzeitig zum Soundcheck eintraf.

Oli spielt eine Signature Gitarre aus der britischen Edelgitarrenschmiede «Vanquish». Dieses Instrument ist reine Handarbeit und zusammengebaut nach Oli’s Wünschen und Vorstellungen.

Sein Vater Graham Brown, der als sein Manager fungiert, drückt mir vor dem Konzert stolz ein Exemplar in die Hand: „Hier teste sie mal und sag mal, was du davon hältst.“ Das Instrument ist trotz Solid Body erstaunlich leicht, optisch eine Schönheit, allerdings ist mir der Hals etwas zu dick. „Das wäre kein Problem, die Jungs bauen dir den Hals ein, der für deine Finger ok ist.“, lacht Graham. „Was kostet so ein Schätzchen?“ – „Je mach Ausstattung etwas mehr als 3000 Euro, hier das Vorführmodell kannst du für 2700 Euro haben.“ „Oh, ja ok. Aber du weißt ja der Hals…“, bedanke ich mich lachend.

Die Gitarre tut auch dann brav ihre Arbeit, wenn Oli Brown sie in den Händen hält und ihr Höchstleistung abverlangt. Mit seinen jungen Jahren ist Mr. Brown Junior bereits ein ausgebuffter Sechssaitenspieler, der die feinsten Licks nur so aus dem Ärmel schüttelt.

Das weiß das zahlenmäßig nicht gering erschienene Publikum – es werden um die 100 Leute sein – auch zu schätzen. Nach so manchem Solo des Youngsters gibt es verdientermaßen heftig, lautstarken Szenenapplaus.

Ein wenig verwundert war ich darüber, dass man im Saal Tische und Stühle belassen hatte, offensichtlich hatte man seitens der Betreiber der „Harmonie“ nicht mit solch großem Zuspruch gerechnet.

Wie dem auch sei…

Fazit: Wie schon bei Danny Bryant ist im Laufe der Zeit bei Oli Brown eine konsequente Weiterentwicklung festzustellen. Es macht Laune, ihn auf der Bühne erleben zu dürfen. Oli Brown ist ein Künstler, der im Blueszirkus sicherlich eine große Zukunft hat, wenn er sich treu bleibt. Und so freue ich mich bereits jetzt auf die nächste Begegnung mit ihm und seiner Band. Irgendwo. Irgendwann. Darum meine uneingeschränkte Empfehlung: Unbedingt nicht verpassen!! See you there…

Text und Fotos © 2010 Tony Mentzel





Dana Fuchs am 18.03.2010 in der Harmonie, Bonn

14 11 2010

Dana Fuchs

Naturgewalten kann man sich entgegen stellen, meist ist man ihnen jedoch hilflos ausgeliefert. Sie reißen dich mit und du hast keinen Einfluss darauf wohin. Du ergibst dich in dein Schicksal. Meist ist dieses Schicksal dann ein Tragisches, wohl aber kaum, wenn diese Naturgewalt auf den Namen Dana Fuchs hört.

Sich diesem wahr- und leibhaftigen energiegeladenen Wirbelwind auszusetzen, wird binnen einiger Minuten zum reinsten Vergnügen, dem man sich so schnell auch gar nicht mehr entziehen möchte.

Die Power, die von dieser Lady ausgeht, die mit behändem Leib, tiefer Seele und gewaltiger Stimme dabei ist, schlägt dich derart in ihren den Bann, dass du Gefahr läufst, für so manchen Moment das überlebenswichtige Atmen zu vergessen.

Diese Frau hat eine Bühnenpräsenz wie kaum eine andere. Sie springt, lässt sich fallen, verbiegt sich, steht kaum eine Sekunde still, rennt, schreitet.
Ihre Songs tragen Freude, Leid und Hoffnung in sich. Diese Stimmungen weiß Dana Fuchs schlafwandlerisch in jeder Sekunde authentisch umzusetzen. Dabei ist sie über jeden Zweifel erhaben, irgendetwas oberflächlich abzuhandeln oder selbst aufgesetzt zu wirken.

Ihre Musik, ihre Stimme treffen genau ihre Ziele. In die Beine wie mitten ins Herz, egal ob sie flüstert. faucht oder schreit.

Am heutigen Abend in der Bonner Harmonie, die recht gut gefüllt ist, wird sie unterstützt von Jon Diamond, mit dem sie die meisten Songs geschrieben hat, – Gitarre, Harmonika, Walter Latupeirissa – Bass und Carter McLean – Drums.

Die Songauswahl ist an sich schon grandios, aber das Sahnehäubchen, nein, die fette Sahnehaube, ist für mich das Medley zum Schluss: «Helter Skelter» von den Beatles wird zu Don Nix‘ «Goin‘ Down», welches sich wiederum zu einer Knallerversion von Led Zeppelin’s «Whole Lotta Love» mit einer kurzen Schlusshommage an Willie Dixon’s ursprünglichen Bluestitel «You Need Love» wandelt.

Mehr geht nicht, besser geht nicht.

Das Konzert wird von den WDR Kameraleuten für den «Rockpalast» aufgezeichnet und wird am frühen Morgen des 09.05.2010 im Rahmen der Sendereihe «Crossroads» ausgestrahlt.

Eine gute Gelegenheit, einen Eindruck von diesem Konzert und dieser New Yorker Lady zu bekommen, die demnächst wieder in Bonn, dann an der Museumsmeile, am 29.06.2010 im Vorprogramm von Joe Cocker auftritt. Den Alt- Woodstocker kennt sie seit iher gemeinsamen schauspielerischen und gesanglichen Arbeit für den Film «Across The Universe» aus dem Jahre 2007.

Die Bühne wird bereits abgebaut, Instrumente, Zubehör, etc. werden verstaut, da stehen Jon Diamond und Dana Fuchs noch am Merchandisingstand geben Autogramme und plauschen mit den Fans.

Jon fragt mich, ob ich mit dem Gitarrensound zufrieden war. War ich nicht, da für meine Ohren zu leise. „Ich hab’s gewusst, aber hier darf man nicht über 99 Dezibel spielen. Der Soundmensch hatte was dagegen, normalerweise bin ich gewiss nicht zu leise. Aber man muss halt Kompromisse machen.“

Dana spricht mir noch einen lieben Gruß für die Hörer von Juke Joint Bluesradio ins Mikrofon. Beim nächsten Mal werden wir uns etwas ausführlicher unterhalten. Das ist bereits abgesprochen. Darauf bin ich gespannt und freue mich schon jetzt.

Fazit: Ich bin wie man sicher meinen voran gegangenen Worten entnehmen konnte restlos begeistert und immer noch – immerhin bereits 48 Stunden nach dem „Hurricane Dana“ – hin- und weggerissen von diesem Konzert und dieser Performance der Extraklasse. Dana Fuchs und Band sind oft in Europa unterwegs, so wird es sicherlich für jeden die Möglichkeit geben, sie unbedingt nicht zu verpassen.

Vielleicht dann sogar zusammen mit Joe Cocker. Allerdings liegen da die Ticketpreise um die 60 Euronen.

Hier noch die gesamte Setlist:
1. Almost Home
2. Not For Me
3. Lonely For A Lifetime
4. Songbird
5. Bible Baby
6. Misery
7. Nothing That I Cry For
8. Drive
9. Moment Away
10. Medley: Helter Skelter / Goin‘ Down / Whole Lotta Love

Text und Fotos (c) 2010 Tony Mentzel





Blues Caravan 2010 am 24.01.2010 in der Harmonie, Bonn

14 11 2010

Shakura & Meena

Der Blues Caravan, ins Leben gerufen durch Thomas Ruf, hat mittlerweile einen gewissen Kultstatus erreicht. Man ist jedes Jahr aufs Neue gespannt, wen Herr Ruf mit auf die Karawanenpiste schickt und wie sich die drei Hauptheroen zu einander fügen.

Das glückliche Händchen, das Thomas Ruf bereits bei den vorigen Tourneebesetzungen bewiesen hat, winkt auch in diesem Jahr das geneigte Publikum vor die Bühnen.
19:15 Uhr Der Saal ist gewiss nicht überfüllt oder gar ausverkauft. Die musikalische „Backline“ betritt die Bühne in der Harmonie. Denis Palatin setzt sich hinter sein Drumset, Johnny Dyke nimmt hinter den Keyboards Platz, Roger Inniss schnallt den sechsaitigen Bass um und Donna Grantis ihre PRS Gitarre. Der Opener dieses Quartetts ist ein Warmspiel- Instrumental. Und das geht gleich auf die Zwölf, gleich wird klar, dass diese Band auch schon beim erst vierten Gig der Serie ein dicht geschnürtes Paket bildet. Kein Wunder, denn Denis Palatin und Roger Inniss arbeiten schon längere Zeit zusammen, bei Deborah Coleman beispielsweise. «Une belle équipe…», so sagte mir Denis vorher. Ja, das ist sie, diese Band, eine tolle Mannschaft.

Meena, die ebenso charmante wie stimmgewaltige Blueslady aus Österreich ergreift das Mikro. Und da sind sie gleich, die ersten Schauer, die wohlig über den Rücken laufen. Wenn Meena singt, durchlebt sie jede Faser eines Songs, man sieht deutlich, wie sie förmlich in der Musik aufgeht. Ihre Stimme setzt sie dynamisch, gefühls- und variantenreich ein. „Irgendein Mitschüler hat einmal eine Platte von Janis Joplin mit in die Schule gebracht, so bin ich zum Blues gekommen.“, hat sie mir vor dem Konzert verraten. Den Titelsong ihrer CD «Try Me», im Original von James Brown, hatte sie im Vorfeld zu den Aufnahmen nur ein einziges Mal gehört. „So bin ich relativ unvoreingenommen an die Sache herangegangen.“ Und das Resultat ist auf der CD als auch live schlichtweg beeindruckend. Während bei der CD- Version Joanne Shaw-Taylor, Teilnehmerin des letztjährigen Blues Caravan das Solo spielt, tut es ihr hier Donna Grantis nicht minder feinfühlig nach.

Für einen Titel, nämlich «I Shoot You Down» begleitet sich Meena auf der Dobro, auch das gelingt ihr prächtig, ein feines Slide- Intro und im weiteren Songverlauf weiß sich im musikalischen Gesamtgefüge mit der Band auch gitarristisch Gehör zu verschaffen.

Machen wir’s kurz: Volle Punktzahl für Meena. Sie ist eine Frau, die auf die Bühnen dieser Welt gehört, denn sie hat dem staunenden Publikum eine Menge zu bieten.

Shakura S’Aida ist ein Vollprofi und gesegnet mit einer außerordentlichen Stimme. Sie weiß sich darüberhinaus durch Gestik und Mimik in Szene zusetzen. Sie spielt mit dem Publikum und hat dabei die Situation jederzeit im Griff. Mit Donna Grantis hat sie 10 der auf der CD «Brown Sugar» erschienenen Songs selbst geschrieben.

Ein Teil hiervon kommt an diesem Abend als musikalischer Hochgenuss live von der Bühne. Bei der Ballade «Angel On High» wird es zeitweise mucksmäuschen still im Saal, bis Shakura das Publikum auffordert, den Refrain mitzusingen. Und das Publikum singt mit, ein überaus feierlich- schöner Moment. Klar, dass auch Shakura weitere Titel aus ihrem Album präsentiert: Der Titeltrack darf ebenso wenig fehlen wie «Mr. Right» oder «Walk Out That Door».

Machen wir es auch hier kurz: Ebenfalls die volle Punktzahl. Ich bin sicher, der diesjährige Blues Caravan wird Shakura S’Aida‘s sicheren Platz im internationalen Blueszirkus weiter festigen und ihr einen wachsenden Fanstamm bescheren. Verdient hat sie es allemal.

Coco Montoya ist ein nicht nur musikalisches Schwergewicht. Dass er seinerzeit mit Walter Trout zusammen bei John Mayall’s Bluesbreakers gespielt hat, dürfte hinlänglich bekannt sein. Etliche CDs hat er inzwischen auf den Markt gebracht, aktuell ist sein Album «I Want It All Back». Eine Besprechung dieser CD findet ihr hier.

Schon beim Soundcheck am heutigen Abend war mir klar, wer gitarristisch hier das Heft in der Hand hat. Coco spielte ein paar Fingeraufwärmübungen, wenn du alleine das hörst, weißt du, was dieser Künstler für ein Potential hat.

«Hey Señorita», «Fannie Mae» stammen vom aktuellen Silberling, genauso wie der Titeltrack, bei dem Meena die Backing Vocals übernimmt, jedoch klingen diese Titel live um einiges frischer und weniger glatt als von der Konserve, die übrigens Keb‘ Mo produziert hat.

Als dann der gute Coco noch einen veritablen Slowblues feinster Machart vom Stapel lässt, stockt den meisten im Auditorium schier der Atem. Da perlen die Gitarrenläufe nur so vom Griffbrett, es ist die wahre und die reine Wonne, dem Meister dabei zuzusehen und zuzuhören. Auch stimmlich ist Coco auf der Höhe. Wow, was für eine Performance! Was wäre es schön, wenn man all das bisher Erlebte hier konservieren und mitnehmen könnte für Tage, wenn mal wieder nichts anderes als Tristesse angesagt ist. Doch vielleicht gibt es ja eines Tages die DVD zum 2010-er Blues Caravan und die kann nur gut werden.

Zum guten Schluss gibt es dann Meena, Shakura und Coco mit Titeln wie «Take Me To The River» und Luther Allisons Klassiker «Just As I Am» als Komplettpaket und Extra- Sahnehäubchen obendrauf. Klasse. Klasse. Klasse.

Fazit: Es besteht noch genügend Gelegenheit, diesen Blues Caravan zu erleben. Und für jeden sollte eine Bluesoase in der Nähe dabei sein, an dem diese bunte Karawane in irgendeiner grauen Steinwüste dann Halt macht. Also unbedingt nicht verpassen. Es wäre sträflich.

Text und Fotos © 2010 Tony Mentzel