Dana Fuchs am 18.03.2010 in der Harmonie, Bonn

14 11 2010

Dana Fuchs

Naturgewalten kann man sich entgegen stellen, meist ist man ihnen jedoch hilflos ausgeliefert. Sie reißen dich mit und du hast keinen Einfluss darauf wohin. Du ergibst dich in dein Schicksal. Meist ist dieses Schicksal dann ein Tragisches, wohl aber kaum, wenn diese Naturgewalt auf den Namen Dana Fuchs hört.

Sich diesem wahr- und leibhaftigen energiegeladenen Wirbelwind auszusetzen, wird binnen einiger Minuten zum reinsten Vergnügen, dem man sich so schnell auch gar nicht mehr entziehen möchte.

Die Power, die von dieser Lady ausgeht, die mit behändem Leib, tiefer Seele und gewaltiger Stimme dabei ist, schlägt dich derart in ihren den Bann, dass du Gefahr läufst, für so manchen Moment das überlebenswichtige Atmen zu vergessen.

Diese Frau hat eine Bühnenpräsenz wie kaum eine andere. Sie springt, lässt sich fallen, verbiegt sich, steht kaum eine Sekunde still, rennt, schreitet.
Ihre Songs tragen Freude, Leid und Hoffnung in sich. Diese Stimmungen weiß Dana Fuchs schlafwandlerisch in jeder Sekunde authentisch umzusetzen. Dabei ist sie über jeden Zweifel erhaben, irgendetwas oberflächlich abzuhandeln oder selbst aufgesetzt zu wirken.

Ihre Musik, ihre Stimme treffen genau ihre Ziele. In die Beine wie mitten ins Herz, egal ob sie flüstert. faucht oder schreit.

Am heutigen Abend in der Bonner Harmonie, die recht gut gefüllt ist, wird sie unterstützt von Jon Diamond, mit dem sie die meisten Songs geschrieben hat, – Gitarre, Harmonika, Walter Latupeirissa – Bass und Carter McLean – Drums.

Die Songauswahl ist an sich schon grandios, aber das Sahnehäubchen, nein, die fette Sahnehaube, ist für mich das Medley zum Schluss: «Helter Skelter» von den Beatles wird zu Don Nix‘ «Goin‘ Down», welches sich wiederum zu einer Knallerversion von Led Zeppelin’s «Whole Lotta Love» mit einer kurzen Schlusshommage an Willie Dixon’s ursprünglichen Bluestitel «You Need Love» wandelt.

Mehr geht nicht, besser geht nicht.

Das Konzert wird von den WDR Kameraleuten für den «Rockpalast» aufgezeichnet und wird am frühen Morgen des 09.05.2010 im Rahmen der Sendereihe «Crossroads» ausgestrahlt.

Eine gute Gelegenheit, einen Eindruck von diesem Konzert und dieser New Yorker Lady zu bekommen, die demnächst wieder in Bonn, dann an der Museumsmeile, am 29.06.2010 im Vorprogramm von Joe Cocker auftritt. Den Alt- Woodstocker kennt sie seit iher gemeinsamen schauspielerischen und gesanglichen Arbeit für den Film «Across The Universe» aus dem Jahre 2007.

Die Bühne wird bereits abgebaut, Instrumente, Zubehör, etc. werden verstaut, da stehen Jon Diamond und Dana Fuchs noch am Merchandisingstand geben Autogramme und plauschen mit den Fans.

Jon fragt mich, ob ich mit dem Gitarrensound zufrieden war. War ich nicht, da für meine Ohren zu leise. „Ich hab’s gewusst, aber hier darf man nicht über 99 Dezibel spielen. Der Soundmensch hatte was dagegen, normalerweise bin ich gewiss nicht zu leise. Aber man muss halt Kompromisse machen.“

Dana spricht mir noch einen lieben Gruß für die Hörer von Juke Joint Bluesradio ins Mikrofon. Beim nächsten Mal werden wir uns etwas ausführlicher unterhalten. Das ist bereits abgesprochen. Darauf bin ich gespannt und freue mich schon jetzt.

Fazit: Ich bin wie man sicher meinen voran gegangenen Worten entnehmen konnte restlos begeistert und immer noch – immerhin bereits 48 Stunden nach dem „Hurricane Dana“ – hin- und weggerissen von diesem Konzert und dieser Performance der Extraklasse. Dana Fuchs und Band sind oft in Europa unterwegs, so wird es sicherlich für jeden die Möglichkeit geben, sie unbedingt nicht zu verpassen.

Vielleicht dann sogar zusammen mit Joe Cocker. Allerdings liegen da die Ticketpreise um die 60 Euronen.

Hier noch die gesamte Setlist:
1. Almost Home
2. Not For Me
3. Lonely For A Lifetime
4. Songbird
5. Bible Baby
6. Misery
7. Nothing That I Cry For
8. Drive
9. Moment Away
10. Medley: Helter Skelter / Goin‘ Down / Whole Lotta Love

Text und Fotos (c) 2010 Tony Mentzel





Blues Caravan 2010 am 24.01.2010 in der Harmonie, Bonn

14 11 2010

Shakura & Meena

Der Blues Caravan, ins Leben gerufen durch Thomas Ruf, hat mittlerweile einen gewissen Kultstatus erreicht. Man ist jedes Jahr aufs Neue gespannt, wen Herr Ruf mit auf die Karawanenpiste schickt und wie sich die drei Hauptheroen zu einander fügen.

Das glückliche Händchen, das Thomas Ruf bereits bei den vorigen Tourneebesetzungen bewiesen hat, winkt auch in diesem Jahr das geneigte Publikum vor die Bühnen.
19:15 Uhr Der Saal ist gewiss nicht überfüllt oder gar ausverkauft. Die musikalische „Backline“ betritt die Bühne in der Harmonie. Denis Palatin setzt sich hinter sein Drumset, Johnny Dyke nimmt hinter den Keyboards Platz, Roger Inniss schnallt den sechsaitigen Bass um und Donna Grantis ihre PRS Gitarre. Der Opener dieses Quartetts ist ein Warmspiel- Instrumental. Und das geht gleich auf die Zwölf, gleich wird klar, dass diese Band auch schon beim erst vierten Gig der Serie ein dicht geschnürtes Paket bildet. Kein Wunder, denn Denis Palatin und Roger Inniss arbeiten schon längere Zeit zusammen, bei Deborah Coleman beispielsweise. «Une belle équipe…», so sagte mir Denis vorher. Ja, das ist sie, diese Band, eine tolle Mannschaft.

Meena, die ebenso charmante wie stimmgewaltige Blueslady aus Österreich ergreift das Mikro. Und da sind sie gleich, die ersten Schauer, die wohlig über den Rücken laufen. Wenn Meena singt, durchlebt sie jede Faser eines Songs, man sieht deutlich, wie sie förmlich in der Musik aufgeht. Ihre Stimme setzt sie dynamisch, gefühls- und variantenreich ein. „Irgendein Mitschüler hat einmal eine Platte von Janis Joplin mit in die Schule gebracht, so bin ich zum Blues gekommen.“, hat sie mir vor dem Konzert verraten. Den Titelsong ihrer CD «Try Me», im Original von James Brown, hatte sie im Vorfeld zu den Aufnahmen nur ein einziges Mal gehört. „So bin ich relativ unvoreingenommen an die Sache herangegangen.“ Und das Resultat ist auf der CD als auch live schlichtweg beeindruckend. Während bei der CD- Version Joanne Shaw-Taylor, Teilnehmerin des letztjährigen Blues Caravan das Solo spielt, tut es ihr hier Donna Grantis nicht minder feinfühlig nach.

Für einen Titel, nämlich «I Shoot You Down» begleitet sich Meena auf der Dobro, auch das gelingt ihr prächtig, ein feines Slide- Intro und im weiteren Songverlauf weiß sich im musikalischen Gesamtgefüge mit der Band auch gitarristisch Gehör zu verschaffen.

Machen wir’s kurz: Volle Punktzahl für Meena. Sie ist eine Frau, die auf die Bühnen dieser Welt gehört, denn sie hat dem staunenden Publikum eine Menge zu bieten.

Shakura S’Aida ist ein Vollprofi und gesegnet mit einer außerordentlichen Stimme. Sie weiß sich darüberhinaus durch Gestik und Mimik in Szene zusetzen. Sie spielt mit dem Publikum und hat dabei die Situation jederzeit im Griff. Mit Donna Grantis hat sie 10 der auf der CD «Brown Sugar» erschienenen Songs selbst geschrieben.

Ein Teil hiervon kommt an diesem Abend als musikalischer Hochgenuss live von der Bühne. Bei der Ballade «Angel On High» wird es zeitweise mucksmäuschen still im Saal, bis Shakura das Publikum auffordert, den Refrain mitzusingen. Und das Publikum singt mit, ein überaus feierlich- schöner Moment. Klar, dass auch Shakura weitere Titel aus ihrem Album präsentiert: Der Titeltrack darf ebenso wenig fehlen wie «Mr. Right» oder «Walk Out That Door».

Machen wir es auch hier kurz: Ebenfalls die volle Punktzahl. Ich bin sicher, der diesjährige Blues Caravan wird Shakura S’Aida‘s sicheren Platz im internationalen Blueszirkus weiter festigen und ihr einen wachsenden Fanstamm bescheren. Verdient hat sie es allemal.

Coco Montoya ist ein nicht nur musikalisches Schwergewicht. Dass er seinerzeit mit Walter Trout zusammen bei John Mayall’s Bluesbreakers gespielt hat, dürfte hinlänglich bekannt sein. Etliche CDs hat er inzwischen auf den Markt gebracht, aktuell ist sein Album «I Want It All Back». Eine Besprechung dieser CD findet ihr hier.

Schon beim Soundcheck am heutigen Abend war mir klar, wer gitarristisch hier das Heft in der Hand hat. Coco spielte ein paar Fingeraufwärmübungen, wenn du alleine das hörst, weißt du, was dieser Künstler für ein Potential hat.

«Hey Señorita», «Fannie Mae» stammen vom aktuellen Silberling, genauso wie der Titeltrack, bei dem Meena die Backing Vocals übernimmt, jedoch klingen diese Titel live um einiges frischer und weniger glatt als von der Konserve, die übrigens Keb‘ Mo produziert hat.

Als dann der gute Coco noch einen veritablen Slowblues feinster Machart vom Stapel lässt, stockt den meisten im Auditorium schier der Atem. Da perlen die Gitarrenläufe nur so vom Griffbrett, es ist die wahre und die reine Wonne, dem Meister dabei zuzusehen und zuzuhören. Auch stimmlich ist Coco auf der Höhe. Wow, was für eine Performance! Was wäre es schön, wenn man all das bisher Erlebte hier konservieren und mitnehmen könnte für Tage, wenn mal wieder nichts anderes als Tristesse angesagt ist. Doch vielleicht gibt es ja eines Tages die DVD zum 2010-er Blues Caravan und die kann nur gut werden.

Zum guten Schluss gibt es dann Meena, Shakura und Coco mit Titeln wie «Take Me To The River» und Luther Allisons Klassiker «Just As I Am» als Komplettpaket und Extra- Sahnehäubchen obendrauf. Klasse. Klasse. Klasse.

Fazit: Es besteht noch genügend Gelegenheit, diesen Blues Caravan zu erleben. Und für jeden sollte eine Bluesoase in der Nähe dabei sein, an dem diese bunte Karawane in irgendeiner grauen Steinwüste dann Halt macht. Also unbedingt nicht verpassen. Es wäre sträflich.

Text und Fotos © 2010 Tony Mentzel