Flash- Back des Tages: The Kinks – Live at Kelvin Hall – 1967

1 02 2014

Kinks

Die Kelvin Hall steht in Glasgow, Schottland. Am 1. April 1967 muss da wohl die Hölle los gewesen sein. Denn da stand die britische Formation The Kinks für zwei Shows auf der Bühne. Das Ganze wurde mitgeschnitten. Auch das Fangekreische, das teilweise die Musik überlagert. So entstand ein authentisches Tondokument aus jenen Tagen.

Dieses Album war meine erste selbst finanzierte LP. Zu Weihnachten hatte ich endlich meinen lang ersehnten ersten Plattenspieler geschenkt bekommen. So ein Teil der Firma Dual. Der Deckel war gleichzeitig der Lautsprecher. Mono. Versteht sich. Meine Eltern müssen wohl schon Schlimmes geahnt haben. Dem Gerät wurde auch Ton- Futter beigelegt. Die „Nussknacker Suite“ von Tschaikowsky,auf der Rückseite war, so meine ich „Schwanensee“, eine LP mit den schönsten deutschen Traditionsmärschen (!) und zwei Hörspielaufnahmen: Karl May’s „Der Schatz im Silbersee“ und Jürgen von Mangers alias Adolf Tegtmeiers „Die Fahrschulprüfung“, A- Seite und „Der Schwiegermuttermörder“, B- Seite. Oder umgekehrt.

Ehrlich gesagt war ich von dem gelieferten Tonmaterial nicht gerade hellauf begeistert. Aber zumindest war die Grundlage gelegt für meine Plattensammlung, die noch riesige Ausmaße annehmen sollte. Allerdings dann so ganz nach meinem Geschmack.

Aus der LP- Kiste bei Elektro Müller kramte ich ein paar Monate später besagte Kinks LP. Dort hatte man derzeit wohl nicht so die richtige Ahnung, was für einen Tonschatz sie hier für 3 DM verschleuderten. Neue LPs kosteten damals so um die 20 DM. Heutzutage kann man ja auch wieder LPs kaufen. Nach neuestem Stand der Technik gefertigt. Die Preise liegen wieder um die 20, Euro allerdings.

Ray Davies war, ist und bleibt für mich einer der begnadetsten Songschreiber der Rockgeschichte. Titel wie „Sunny Afternoon“ oder „Waterloo Sunset“ heben sich schon allein textlich von dem ab, was sonst üblich war und bis heute noch ist.

Ich habe diese Live- LP geliebt und tue es immer noch. Obwohl zum Gekreische der Fans noch einige Knackster hinzugekommen sind, die das Hörvergnügen dann doch ein wenig trüben.

Aber ich bin froh, dass ich sie noch im Regal habe. Ein Souvenir an die Tage, als Musikgenuss noch etwas ganz Besonderes war und nicht so beliebig wie heute

Die Kinks spielten damals in folgender Besetzung:
Ray Davies (Gitarre und Stimme), Dave Davies (Gitarre und Stimme), Pete Quaife (Bass und Stimme)und Mick Avory (Schlagzeug).

Die Tracklist:

1. Till The End Of The Day
2. A Well Respected Man
3. You’re Looking Fine
4. Sunny Afternoon
5. Dandy
6. I’m On A Island
7. Come On Now
8. You Really Got Me
9. Medley: Milk Cow Blues/Batman Theme/Tired of Waiting/Milk Cow

Kleine Anmerkung noch: Der “Milk Cow Blues“ stammt nicht von Sleepy John Estes wie auf der LP vermerkt, sondern von Kokomo Arnold aus dem Jahre 1934.

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Flash- Back des Tages: Rufus Zuphall – Phallobst – 1971

31 01 2014

Rufus Zuphall
Zum Titel „Makröjel“ geht es per Klick aufs Foto …

In einer losen Reihe werde ich ab heute immer mal wieder in mein LP – Regal greifen und eins dieser Vinyl Schmuckstücke vorstellen. Und dabei wird es nicht nur um Blues gehen, sondern um alles, wa mich musikalisch beeinflusst hat. Es geht um persönliche  Erinnerungen, die ich mit den meist schwarzen Scheiben verbinde.

Andere schreiben nur ihre Memoiren, meine kann man auch hören.

Als diese LP „Phallobst“  1971 erauskam, war ich schon in der Oberstufe unseres Gymnasiums. Zum großen Entsetzen vieler Lehrer und Eltern hatte es die Schülermitverwaltung (SMV) wohl zusammen mit ein paar progressiv eingestellten Teilen des Lehrkörpers durchbekommen, ab und zu mal ein Rockkonzert in der altehrwürdigen Aula des Alsdorfer Gymnasiums veranstalten zu können. Später dann wurden diese Konzerte wieder abgesetzt, angeblich war die Statik der Musik nicht gewachsen.

Und so stand dann eines Tages diese Aachener Band mit dem Namen Rufus Zuphall auf der Bühne. „Das ist ja wie Jethro Tull!“ Tatsächlich waren Jethro Tull die bis dahin uns einzig bekannte Band, in der die Querflöte eines der hauptsächlichen Instrumente war.

Beeindruckend! Damals fasste ich den Entschluss , irgendwann auch mal Querflöte zu lernen. Dazu ist es dann leider nie gekommen. Ich war wirklich fasziniert von diesem Instrument, das nach gängiger Lehrmeinung nur in der klassischen Musik zu Hause war.

Damals hörte ich alles, was mir vor die Ohren kam und mit Schubladenhören hatte ich nichts am Hut. Rock, Blues, Psychedelic, Folk. Egal! Es gab nur Gut und Böse. Und die Musik von Rufus Zuphall gehörtt(e) ganz klar in die Kategorie „Gut“.

Die LP „Phallobst“ habe ich erst Jahre später in einem Aachener Plattenladen aus der Ramschkiste gefischt. Niegelnagelneu. Ein Glücksmoment ungeahnten Ausmaßes, als ich sie erblickte. Und wieder ein Glücksmoment, als sie das erste Mal auf meinem Plattenteller rotierte. Und wieder ein Glücksmoment, als ich sie heute aus der Hülle nahm nach langer Zeit, um sie wieder einmal zu hören.

Und wenn ich diese LP heute höre, nach alledem, was ich in der Zwischenzeit gehört habe, und glaubt mir, da kommt eine Menge zusammen, kann ich mühelos feststellen, wie frisch diese Musik auch jetzt noch klingt. Zeitlos, nennt man das, glaube ich. Staub angesetzt hat hier nichts, auch wenn die LP ab und zu mal knistert und knackt. Aber das gehört halt dazu …

Die Band ist immer noch aktiv, so gab es 1999 ein fulminantes Reunion- Konzert auf der Burg Wilhelmstein in Würselen, das ich mir natürlich nicht entgehen ließ.

Weitere Infos auf der Band- Webseite.