Till Bennewitz – Meeting in the Night – CD Besprechung

13 05 2015

10955055_842971415796679_8849231868178449042_o Es ist Montag. Ich muss zur Arbeit. Ich bin spät dran, sogar der Postbote war schon da. Im Briefkasten finde ich ein einen Umschlag, der stark darauf schließen lässt, dass er eine CD enthält. Die Verpackung ist schnell entfernt und siehe da – ich halte das erste Studioalbum von Till Bennewitz in der Hand. Schnell ins Auto und schon ist der Silberling im Player. Noch während ich rückwärts vom Hof rolle, erreichen mich die ersten Töne von „Henry Boy“, dem Opener des Albums. Und da ist es wieder Schlag für Schlag, Takt für Takt: Das alte Feeling, das sich schon bei meinem ersten Live- Konzert – Erlebnis mit Till Bennewitz und seiner Band einstellte. So fühle ich mich sofort zurückkatapultiert in die Mitte der siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts. Und zwar auf die „gute“ Seite der Mittsiebziger, in der zugegebenermaßen auch eine Menge akustischer Müll produziert wurde. Doch die Retter aus dieser Misere damals waren für mich unter anderem Bob Seeger, Jackson Browne, die Eagles, Southside Johnny & The Asbury Jukes und last but not least –  – Bruce Springsteen. Und Till’s Album weist genau die damalige Frische und Stimmung der beiden letztgenannten auf. Für meine Ohren wird das brillant von Aynsley Lister in den Superfly Studios produzierte Werk zu einem Hörgenuss, der mich gleichzeitig vor eine nicht lösbare Aufgabe stellt: Es gibt ihn nicht, diesen einen oder zumindest anderen Track, die man als Anspieltipps besonders hervorheben kann. Alle 10 Titel sind von gleichbleibender Qualität und das auf höchsten Niveau. Das gilt für das Songwriting, den Gesang, die Interpretation, die beteiligten Musiker – Wayne Proctor (Dums) und Bob Frizdema (Keyboards) – hinlänglich bekannt vor allem durch ihre Arbeit mit King King, James Hartley, der schon für Danny Bryant den Bass zupfte und natürlich hat es sich Aynley Lister nicht nehmen lassen, seine gitarristischen Fähigkeiten mit einzubringen. Knackige Bläsersätze werten das Soundbild nochmals auf. Ich schüttele den Kopf. Es gibt einfach nichts zu meckern. Außer vielleicht, dass mein Weg zur Arbeit zu kurz ist, um in den Genuss der gesamten CD (ca. 48 Minuten) zu kommen. So freue ich mich heute noch mehr auf den Feierabend und auf den Heimweg. Fazit: Eins ist sicher: Till Bennewitz und alle seine musikalischen Mittäter liefern mir den Soundtrack für mindestens diesen Sommer in immer wieder 48- minütigen Dosen, zwischendurch kommt allenfalls noch seine EP „The New York Sessions“  zum Einsatz. Das Urteil „Gut gemacht“ wäre eine schamlose Untertreibung. „Bestens gemacht“ kommt der Wahrheit schon näher. Die CD erscheint offiziell erst am 22.06.2015. ist aber bereits bei den Live- Konzerten und über die Web- Seite – www.tillbennewitz.de – erhältlich. Tour Dates:

Till Bennewitz (19) Till Bennewitz (27) Till Bennewitz (14)





Ben Poole – Live At The Royal Albert Hall – CD Review

31 10 2014

1957642_582380415225138_1718567815337088560_o

Großbritannien braucht sich wirklich keine Sorgen zu machen um den Nachwuchs in Sachen Blues. Leute wie Ben Poole sind durchaus in der Lage, der britischen Tradition zu folgen und ihr zusätzlich und gleichzeitig eine Frischzellenkur zu verabreichen.

Ben Poole beweist dies eindrucksvoll auf seiner neuen CD, für die acht Titel in der altehrwürdigen Royal Albert Hall von der BBC aufgenommen wurden. Zusätzlich zu diesen gibt es noch einen Bonus- Studiotrack „Starting All Over Again“, bei dem mit Wayne Proctor an den Drums und Bob Fridzema an den Keybooards gleich 50% der mit zahlreichen in verschiedenen Kategorien British Blues Awards überhäuften Band King King beteiligt sind, den Bass spielt hier Steve Amadeo, der zur Zeit mit Aynsley Lister auf Tour ist.

Bleiben wir bei den Namen der Mitwirkenden: Neben Ben Poole, der hervorragend und stilsicher seine Gitarre zu bedienen weiß und darüber hinaus noch mit einer tief- souligen Stimme gesegnet ist, sitzt am Schlagzeug Craig Bacon, den ich beispielsweise schon mit King King gesehen habe und am Bass Mat Beable, der auch bei den Nimmo Brothers den Bass zupft. Sam Mason ist der unbestrittene Herr über die weißen und schwarzen Tasten und last but not least hören wir die wunderbare Stimme von Amy Eftekhari als Backgroundsängerin.

Zur Musik. Auf dem Album finden wir einen gelungenen Mix aus Klassikern und von Mr. Poole selbst verfasstem Material. Das Intro geht gleich über in das leicht funkige „Let’s Go Upstairs“, etwas verhaltener geht’s dann weiter mit „Love Nobody No More“. Bei diesem Titel werde ich unwillkürlich an die Stimme und an den musikalischen Stil von Ian Parker erinnert. Und ich sage euch, das ist eine durchaus gute Erinnerung. Eine tolle Ballade mit einem hinreißenden Gitarrensolo.

Die nächsten knapp 10 Minuten sind dem alten Temptations Song „(I Know) I’m losing you“ gewidmet. Das ist es, was ich schon immer an Live- Aufnahmen geschätzt habe: Die Wiedergabe der vollen Bandbreite mit sämtlichen Spannungsbögen, Dynamiken, dem Raum zur Entfaltung eines Songs. Hier wabert die Orgel, brüllt oder flüstert die Gitarre. Beim ersten Hördurchgang deklariere ich diesen Titel gleich zum Favoriten dieser formidablen CD. Es hört sich an „wie früher“ und ist doch modernen Hörgewohnheiten gewachsen. Um genau dies zu unterstreichen beendet die Band den Song mit einem Zitat von Deep Purple’s „Black Night“.

Otis Redding’s „Mr. Pitiful“ ist gleich das nächste Highlight. Hier finden wir im Mittelteil ein perlendes Pianosolo von Sam Mason, das ruhig noch ein wenig Raum mehr verdient hätte.

Ein weiteres Highlight dieses Albums ist die 11- minütige Version von Freddy King’s „Have You Ever Loved A Woman“. Hier zeigt Ben Poole, dass und wie er in der Lage ist, seiner Gitarre tief im Blues verwurzelte Töne zu entlocken. Sam Mason bekommt auch reichlich Gelegenheit für ein geniales Pianosolo. Und wer es bisher nur nebenbei und unbewusst mitbekommen hat, der erfährt spätestens hier die perfekte ergänzende Leistung von Mat Beable und Craig Bacon, ohne die diese mehr als empfehlenswerte Aufnahme nicht das wäre, was sie ist: Eine Bereicherung für jede ür jede gut sortierte Musiksammlung.

Unbedingte Kaufempfehlung !

Erschienen 2014 auf Manhaton Records.

1625550_734749766543721_1644727644_nBen Poole in Schöppingen beim Grolsch Blues Festival 2012.





Hot Dog Taylor – Back in Business

19 05 2014

Bild

Nee, was habe ich einen Spaß! Immer, wenn ich diese CD in den Player schiebe, egal ob zu Hause oder unterwegs im Auto, verfliegt gleich vom ersten Titel an „Rock With Me“ (Kim Wilson) alles, was unter die Kategorie „Schlechte Laune“ fällt. Und ich garantiere, sie wird so schnell nicht wieder auftauchen. Jedenfalls solange diese CD rotiert. Und danach? Sollte sich wieder leiseste Anzeichen von Missmut einschleichen, einfach auf den Repeat- Button drücken! Das hilft. Und wieder garantiert!

Wovon schwärme ich also in diesen gut gelaunten Tönen (… die CD läuft im Hintergrund) ? Zufälle gibt es nicht und Schweden als das Mutterland des Blues zu bezeichnen wäre kulturhistorisch gesehen sicher mehr als ein kleiner Fauxpas.

Aber die vier Herren stammen nun mal genau dorther. Peter Gustavsson, (Gitarre, Harmonika, Stimme), Lars Andersson (Bass, Backing Vocals), Mikael Kähäri (Gitarre, Backing Vocals) und Lennart Karlsson (Drums, Backing Vocals). Getroffen habe ich sie – und hier kommt der Nicht- Zufall ins Spiel beim diesjährigen Moulin Blues Festival im niederländischen Ospel. Sie waren da, nur so. Einfach auf Besuch.

Hör da mal rein.“ Und schon hatte die CD ihren Besitzer gewechselt. Der erste Hörgenuss stellte sich auf der Heimfahrt von Ospel am folgenden Tag ein. Man stelle sich vor: Die Gehörgänge waren noch reichlich gefüllt mit den tollen Darbietungen von Leuten wie Sugar Ray Norcia und seinen Bluetones, Johnny Lang, Tedeschi Trucks Band, Layla Zoe, Kenny Wayne Shepard oder Sugaray Rayford und seinem Wahnsinnsgitarristen Gino Matteo. Eigentlich genug Hörimpressionen für den Rest des Monats.

Aber dann: Was ist das jetzt? Hot Dog Taylor , der Name der Band verrät gleich eine Affinität zum genialen Hound Dog Taylor. Und so ist es dann auch. Alle 13 Tracks der CD sind stilistisch verdammt nah an dem, was Theodore Roosevelt Taylor – so sein bürgerlicher Name musikalisch ausmachte.

Und Hound Dog Taylor wurde wiederum beeinflusst von Elmore James. Genau dieser Einfluss wird auch bei den Schweden hörbar: Elmore James‘ Klassiker „Shake Your Moneymaker“ ist mit dem bandeigenen „Hot Dog Boogie“ verwoben Teil des Albums. Wir finden zudem noch Songs von Jimmy Reed (Honest I Do), Fats Domino (Hello Josephine). Von Hound Dog Taylor selbst stammen die Songs: „Sun Is Shining“ und „See Me In The Evening“. Der Rest wie „Anna Lee“, „Criss Cross“ oder „Waiting For Me“ sind Eigenkompositionen von Hot Dog Taylor.

Sie bezeichnen sich selbst als „Juke Joint Band“ und das glaube ich sofort aufs Wort. Ihre Einflüsse neben denen von Hound Dog Taylor geben sie mit Lazy Lester, Jimmy Reed, John Lee Hooker oder Muddy Waters an.

Und wer sich unter der Musik von den gerade zitierten Blueser etwas vorstellen kann, kann sich auch vorstellen, wie diese Band klingt. Und wer das nicht vermag, sollte sich unbedingt das grandiose Album „Back in Business“ anhören oder besser noch eins ihrer Live- Konzerte ansehen (Moulin Blues 2015 bietet sich förmlich hierfür an).

Genau das werde ich sicher bei nächster Gelegenheit machen.

Ach ja, Kenny Wayne Shepard hat auch eine neue CD auf dem Markt. Die ist auch gut. Nein, sehr gut. Aber bisher lief sie nur einmal in meinem Player.





Erja Lyytinen – The Sky Is Crying

24 03 2014

Bild

Ein erstes Mal gehört, dann gleich ein zweites und drittes Mal. Was? Erja Lyytinen’s neue CD natürlich. Das Album ist eine Hommage an den großen Vater des Slidegitarrenspiels: Elmore James. Genau aus dessen Feder stammen die meisten Tracks des gerade erschienenen neuen Silberlings der finnischen Gitarristin und Sängerin.

Erja Lyytinen hat sich seit jeher dem Slidespiel verschrieben. Dabei braucht sie sich im Standardspiel in Bezug zu anderen Bluesladies beileibe nicht zu verstecken.

Elmore James …. das bedeutet Blues, Blues und nochmals Blues. Mich macht es schier glücklich, dass Erja wieder zu 100 Prozent zum Blues zurückgefunden hat, nachdem sie auf den beiden letzten Studioalben für meinen Geschmack stellenweise doch etwas zu sehr mit der doch eher dünnflüssigen Popmusik geliebäugelt hatte.

Vergeben und auch schon fast vergessen, nachdem man das neue Werk gehört hat. Mit von der Partie sind ihre regulären Bandmitglieder: Miri Miettinen am Schlagzeug, Roger Inniss am Bass und Davide Floreno an einer weiteren Gitarre , aber auch einige Gäste bereichern das Geschehen mit ihren Künsten: Harri Taittonen (Piano und Hammond) Jukka Eskola (Trompete), Petri Puolitaival (Saxofone) and Assefa Abdissa (Percussion). Mike Hightower flog eigens aus Los Angeles ein, um das Album zu produzieren.

Und das Produkt ist kein auf Hochglanz poliertes Werk, von denen es zum Leidwesen meiner Ohren Hunderte gibt. Viel wichtiger ist die Authentizität im Sound und in der instrumentalen Besetzung. Hier ist nichts überproduziert. Nichts zu viel und nichts zu wenig. Das Ganze verzichtet auf große technische Spielereien. Und das wiederum tut (nicht nur) meinen Ohren gut.

11 Titel befinden sich auf dem Album, wobei ein etwa neuneinhalb minütiger Livemitschnitt von „Dust My Broom“ den Abschluss bildet.

Neben den bekannten Klassikern „It Hurts Me Too“, „Got To Move“ und „The Sky Is Crying“ fiel Erjas Songauswahl auch auf weniger bekannte Elmore James Titel wie: „Sho Enough I Do“ oder „Hand In Hand“.

Zwei weitere (eigene) Songs hat sie dem großen Vorbild Elmore James gewidmet: „Erja’s Contribution To Jazz“, ein Instrumental und „The King Of The Slide Guitar“.

Wie schon am Anfang gesagt, dieses Album kann man immer wieder anhören, es gibt meinerseits nichts zu meckern, außer dass „Dust My Broom“ am Ende ausgeblendet wird….

Produktion, Spiellaune, Stimme, Songauswahl und deren Interpretation … alles zu bester Zufriedenheit, keine Wünsche offen.

Und deshalb von mir eine uneingeschränkte Empfehlung für diese CD.

Weitere Fotos von Erja Lyytinen hier oder durch Klick auf das Foto oben …

241724_480293041989396_1111242271_o


The Sky Is Crying





Tommy Schneller – „Cream Of The Crop“

23 03 2014

Bild

Cream Of The Crop“ ist der Titel des neuesten Werkes des Osnabrücker Saxofonisten und Sängers Tommy Schneller. Übersetzt heißt das: „Allererste Sahne“ und damit erübrigt sich eigentlich, dass ich hier noch weiter schreibe. Denn der Titel beschreibt in der Tat – ich nehme es gleich vorweg – die hervorragende Qualität dieses Silberlings. Er ist schlicht gesagt die ersehnte und konsequente Fortsetzung der CD „Smiling For A Reason“ aus dem Jahr 2011. Und wieder ist Tausendsassa Henrik Freischlader als Produzent, Gitarrist, Bassist, Drummer, Backgroundsänger und Songschreiber zu erwähnen. Zudem erscheint das Album auf seinem Label „Cable Car Records“. Die göttlich- knackigen Bläsersätze wurden vom Trompeter Gary Winters, dem Posaunisten Dieter Kuhlmann und Tommy Schneller selbst arrangiert. Zu erwähnen ist noch Gregory Barrett, der neben Lyrics natürlich noch die Arbeit an an den schwarz- weißen Tasten beisteuert. An den Reglern, die den Sound bedeuten saß wieder einmal Martin Meinschäfer.
Stilistisch bewegt sich die Musik wieder zwischen Blues, R&B, Funk, Soul und Jazz und allen möglichen Zwischentönen. Als Anti- Schubladendenker ist mir sowieso ganz subjektiv nur wichtig, ob die Musik bei mir ankommt, mich in ihren Bann zieht, mich eventuell nicht mehr los lässt, zündet und mich zum Wiederhören verführt. Genau dieser Verführung erliege ich immer wieder (und das sowas von gerne), seitdem diese CD erstmals in meinem CD- Player rotiert ist. Bluesig, relaxt, laid- back der erste Titel „Hands In The Air“. Der perfekte Einstieg, der die Lust auf mehr gleich anstachelt. Genau diese Lust wird im Folgenden Schlag auf Schlag befriedigt. Musik, die man zu jeder Gelegenheit hören kann: In der Hängematte, auf der Tanzfläche, bei Autofahrten, was weiß ich …

Der Titel, der sich beim ersten Hören gleich als einschmeichelnder Ohrwurm entpuppt hat, ist „Isn’t It New“. Ein fürchterlich schöner Lovesong. Aber neu, auf keinen Fall. Jedenfalls stilistisch nicht. Was aber absolut nicht schadet, denn er nimmt uns mit zurück in selige Motown- Zeiten. Und dieser Bläsersatz. Zum Dahinschmelzen. Und Henrik Freischladers Gitarrensolo. Und Tommy’s Stimme. Perfekter Song. Leider mit über 6 Minuten Spieldauer mal wieder nicht sendefähig für die gängigen Formatradios. Dabei könnte der Song von mir aus unendlich weiter gehen und die Radios (hallo, Musikredakteure!!) hätten mal einen wirklich guten Song im Programm.

Der Anschlusstitel :“Your Somebody Else“ zieht wieder in bluesige Tiefen und besticht durch ein Gänsehaut- Sax- Solo. Augen zu und einfach genießen.

Beim ersten Durchlauf der CD ist mir noch das feine Solo von Trompeter Gary Winters aus dem letzten Track „You Don’t Seem To Care“ im Ohr hängen geblieben.

Beim zweiten Hören waren es noch ganz andere kleine und große Mosaikstücke, die diese CD zu einem (immer wieder aufs Neue) hörenswerten Erlebnis werden lassen. Das geht sicher nicht nur mir so, wenn man mit offenem Ohr und offenem Herz dieses Album genießt.

Wer Tommy Schneller und seine Band auf der aktuellen Konzerttour sehen kann, sollte nicht versäumen, nach dem Gig einen dieser Silberlinge zu erstehen und ihn sich gleich signieren zu lassen. Eine gute Geldanlage, völlig legal und ohne steuerrechtliche Folgen. Dafür mit Genuss pur. Das Album gibt es zudem auch auf Vinyl.

Und für die, die die Tour verpassen, gibt es eine Reihe Online- Wege, das Werk käuflich zu erwerben. Auf Tommy Schnellers Webseite zum Beispiel. Also… mit bester Empfehlung: „Cream Of The Crop“ !!

Tommy Schneller (2)
Weitere Fotos zu Tommy Schneller und seine Band hier oder durch Klick auf das Foto oben ..


Cream of the crop





Humble Pie – Performance: Rockin‘ The Fillmore – The Complete Recordings (1971) [4CD Box Set, 2013]

30 10 2013

 61-cen2IgPL

Es ist einfach so, in den Archiven der Plattenfirmen schlummern noch wahre Schätze, die immer dann gehoben werden, wenn gute Aussichten bestehen, dass gerade eingefleischte Fans bereit sind, dieses zusätzliche und bisher unveröffentlichte Material selbst dann käuflich zu erwerben, wenn das Originalalbum bereits die Sammlung ziert.

Das hat beispielsweise bei den Rolling Stones schon funktioniert mit ihren Alben „Exile On Main Street“ oder „Some Girls“.

Und da das Weihnachtsfest naht und die Ideen für Geschenke genährt werden müssen, bringt nun A & M Records eine Viererbox der Humble Pie Konzerte vom 28. und 29. Mai 1971 aus Bill Graham’s legendären Fillmore East auf den Markt.

Neben den Originaltracks von damals befinden sich weitere 15 Songs in der Box, die nun alle vier an den beiden Tagen gespielten Sets der Band beinhalten.

War die Original- Doppel LP aus dem Jahr 1971 schon ein Muss für jeden Bluesrock- Fan dieser und auch späterer Epochen, so ist die erweiterte Neuauflage eine wahre Offenbarung.

Performance: Rocking The Filmore“ gehört seit eh und je zu den Alben, die ich mit auf die berühmte einsame Insel nehmen würde (Stromanschluss vorausgesetzt!).

Und nun stand ich, der geneigte Fan mal wieder vor der Entscheidung, den Coup der Plattenfirma als Beutelschneiderei abzutun oder als genialen Streich zu lobpreisen.

Ich habe mich dennoch zum Kauf entschieden und werde seitdem beim Hören dieses Meisterwerks aus den Anfängen der 70-ger Jahre mit jeder Sekunde der insgesamt über 5 Stunden Musik- Hochgenuss aufs Beste entschädigt.

Der Sound ist klasse, die Band in Hochform, auch wenn sich die Songtitel wiederholen, erleben wir in den 22 Titeln jedesmal Unikate.

Gelebte Musikgeschichte, die ihre Magie bis heute nicht verloren hat.

Zur Erinnerung: Humble Pie war eine der sogenannten Supergroups dieser Zeit- Sie bestand aus den Gitarristen und Sängern Steve Marriott (ehmals Small Faces), Peter Frampton (ehemals The Herd) dem Bassisten Greg Ridley (Spooky Tooth) und dem Drummer Jerry Shirley (David Gilmour, Syd Barrett).

tahezq

PS: Unter den beiden Fotos befinden sich Videoclips— Klick genügt….

Hier eine Bezugsquelle dieser vorzüglichen CD- Box und viel Spaß beim Lauschen…. der ist garantiert:
Rockin‘ the Fillmore the Complete Recordings





J. J. Cale – The Silvertone Years – CD Review

3 05 2012

J.J. Cale - The Silvertone Years

Das ist immer so eine Sache mit Samplern. The Very Best Of… . The Ultimate Collection…

Für Einsteiger in das Werk eines Künstlers sicher nicht die verkehrteste Wahl. Sicher, auch viele denken sich: Ach, von dem oder der müsste ich auch mal etwas haben. Das war doch der / die, die ich bei Karl- Heinz oder Erika auf der Geburtstagsfete gehört habe. Da kommen Sampler gerade recht.

Der wahre Fan hingegen schwört auf die Einzelwerke und ist stets bemüht, seine Privatsammlung auf dem neuesten Stand und vollständig zu halten.

Aber da gibt es ja noch den CD- Player im Auto, der immer dann gefüttert werden will, wenn das Radiprogramm einen mal wieder in musikalische Sackgassen fährt. Wer will schon für derartige Fälle seine ganze Sammlung mitführen?

Von J. J. Cale, einem meiner ganz großen Favoriten, habe ich so ziemlich alles, was von ihm je auf die runden Silberdeckel gepresst wurde. Dazu auch noch etliche Vinylausgaben, deren Gebrauch im Auto völlig unwahrscheinlich ist.

Neulich im Supermarkt meines Vertrauens entdeckte ich „The Silvertone Years“ in einer Wühlbox. Ich staunte nicht schlecht: 25 Titel auf einer einzigen CD. Naja, J.J. Cale hat es ja nie auf ellenlange Titel angelegt.  Das Erstaunlichste war jedoch der Preis: Ganze Vier Komma Null Null Euro! Ab in den Einkaufswagen! (Bei Amazon kostet das gute Stück zur Zeit 6,99€, immer noch ein akzeptabler Preis für diese groovige CD.)

Und somit sind wir bereits beim Inhalt. Wer J.J. Cale kennt, weiß, was ihn erwartet. Laid Back Music vom Feinsten. Mal leicht rockig, bluesig oder jazzig. Oder irgendwas dazwischen. Aber immer mit dem Gütesiegel J.J. Cale. Die Zusammenstellung ist wirklich gelungen. Die Titelfolge sorgt für langeweilelose Abwechslung.

Drei Tracks haben es mir besonders angetan: „Lady Luck“, „Tijuana“ und „End Of The Line“. Doch das ist meine reine Willkür. Der Rest geht mehr als in Ordnung.

Selten habe ich eine CD in ihrer Gänze so oft gehört wie diese. Da ich oft und viel unterwegs bin, bekommt der hungrige CD- Player im Auto in letzter Zeit besonders bei Nachtfahrten dieses auch für die Ohren schmackhafte Futter. Eine Fahrt vom „Topos“  in Leverkusen bis zu mir nach Hause dauert exakt 21 Titel. Bleiben vier weitere für den Tag danach. Und die Vorfreude darauf.

Fazit: Für J.J. Cale Neulinge und für Langzeitautofahrer unbedingt zu empfehlen. Oder als Soundtrack zum Verfassen von Texten wie diesem hier. 5 Punkte von 5 möglichen.

J.J. Cale - The Silvertone Years





J. Sintoni – A Better Man – CD Review

17 04 2012

J. Sintoni - A Better Man

After his first cd „The Red Suit“ from 2007 the Italian guitarist, singer and songwriter presents his new cd „A Better Man“.

The cd contains 10 fresh, stylistically varied songs written by the musician himself.

J. Sintoni is one of the young Italian guitar players who could enrich the whole European Blues scene, if he only gets the attention he deserves.

His companions in the studio were Andrea Taravelli on the bass und Carmine Bloisi on the drums.

The title track was recorded in a classic trio line-up already showing J. Sintoni’s deep respects to Stevie Ray Vaughan and Jimi Hendrix. Later on we find the „Song For Stevie & Jimi“ dedicated to these immortal heroes.

To make it short: This CD is well done, the author has taken great care for both the music and the lyrics as well. It was produced according to the principle of „Keep it simple“. So all the songs stay authentic throughout.

„Consequences“ for example is a fine ballad, and though we find several guitar overdubs, the song never feels overloaded.

All the guitar tracks are amazingly transparent and get you immediate goose bumps.

„Love Should Never Lose“ is a laid back blues number and „Two Feet“ is a perfect shuffle.

J. Sintoni’s CD„A Better Man“ is a modern, authentic album filled with hand- made music and you can „hear“ the labour and the sweat it took to make it real. It is a kind of rough diamond, which more and more reveals its brilliance with every further turn in the cd player.

Songwriting, instrumentation, arrangements and interpretations are convincing through and through.

The cd comes along in a elaborately designed  digipak.

By this stunning album J. Sintoni might finally gain attention also north of the Alps. Hopefully we can see him perform live here in the near future





J. Sintoni – A Better Man – CD Rezension

11 04 2012

J. Sintoni

Nach seinem Erstling „The Red Suit“ aus dem Jahre 2007 stellt der italienische Gitarrist, Sänger und Songschreiber seine neue CD „A Better Man“ vor.

10 frische Songs aus eigener Feder werden dem geneigten Bluesfreund zu Gehör gebracht. Wie schon bei der ersten CD finden wir stilistisch sehr abwechslungsreiches Songmaterial vor.

J. Sintoni gehört zu der Garde der jungen italienischen Gitarristen, die, wenn man ihnen die nötige, da verdiente Aufmerksamkeit schenkt, den europäischen Blues um einiges bereichern können.

Mit im Studio waren Andrea Taravelli am Bass und Carmine Bloisi am Schlagzeug.

Der Titeltrack ist ein im klassischen Trio eingespielter Song. Hier werden schon die Referenzen an Stevie Ray Vaughan deutlich, dem gegenüber J. Sintoni neben seinem zweiten Vorbild Jimi Hendrix mit dem Instrumentaltitel „Song For Stevie & Jimi“ ein weiteres Mal seinen musikalischen Hut zieht.

Schon bei diesem ersten Song bleibt dem aufmerksamen Zuhörer nicht verborgen, dass auch hinsichtlich der Texte weder Arbeit noch Mühen gescheut wurden. 08-15 Reimereien werden bewusst vermieden und sind somit auf der gesamten CD Fehlanzeige.

Eine wunderschöne Ballade mit diversen Gitarrensounds gespickt finden wir in „Consequences“. Obwohl hier mit reichlich Overdubs gearbeitet wurde, wirkt der Song in keiner Phase überladen oder gar tot produziert. Im Gegenteil jede Gitarrenschicht ist transparent erfahrbar und trägt mit zur wohlig angenehmen Gänsehautbildung bei.

Einen typischen getragenen Blues finden wir mit „Love Should Never Lose“ und mit „Two Feet“, einem stilsicheren Shuffle.

Über der gesamten Produktion steht das Motto „Keep It Simple“, das ist im Endprodukt auch durchaus nachvollziehbar. Was allerdings nicht heißt, dass hier mit Nachlässigkeit gearbeitet wurde. Das Gegenteil ist der Fall. Man beschränkt sich auf das Nötige und bleibt somit dem Kern der Songs nahe, was eine Kunst für sich ist.

Mit der CD „ABetter Man“ von J. Sintoni erhält man ein modernes, authentisches Album mit handgemachter Musik, in dem hörbar sehr viel Arbeit und Schweiß steckt, das zum Glück nicht zu Tode produziert wurde.

Obwohl rund, diese Scheibe hat Ecken und Kanten und erschließt sich bei jedem weiteren Hördurchgang immer weiter zu seiner vollen Pracht.

Songwriting, Instrumentierung, Arrangements und Interpretationen überzeugen auf ganzer Linie.

Auch für die Optik wurde einiges getan, die CD kommt in einem aufwendig gestalteten Digipack daher.

Fazit: Mit dem Album „A Better Man“ dürfte sich J. Sintoni auch endlich nördlich der Alpen Gehör verschaffen. Zu hoffen bleibt darüberhinaus, dass er sich auch hier einmal live präsentieren kann. Das unvergessene Vergnügen hatte ich bereits 2009 beim Festival «Blues au Château» in La Chèze in der Bretagne.

Ciao. A presto…

PS
Mit einem Klick aufs Cover bekommt man einen sehr guten Einblick in die Albumproduktion…





Oli Brown – Here I am – CD Rezension

15 03 2012

Da ist er also. Oli Brown legt seine dritte CD vor. Sie kommt frisch aus dem Presswerk und erst in einem Monat offiziell auf den Markt. Gespannt zerre ich den Silberling aus der Hülle, die Lade des CD- Players verschluckt die Scheibe und mich trifft der erste Akkord des Titelsongs.

Genau bei diesem und seinen drei Wiederholungen, die mich an Glockenschläge erinnern, ahne ich schon, dass hier nicht ein Album vorliegt, das der Kategorie „Easy Listening“ anheim fällt.

Das ist schon mal positiv. Und ich sage es gleich: Dieses Album ist kein Album zum Nur- Einmal- Hören. Es ist ein Album, das den Hörer fordert. So wie es alle an der Produktion Beteiligten auch gefordert haben muss.

Hier ist nichts locker – flockig, eben mal – ich sage es bewusst so – so dahin gerotzt, hier ist alles durchdacht und unterliegt gewissen Schwierigkeitsgraden, die zu meistern nicht jedem in die Wiege gelegt ist. Und dennoch ist es nicht auf Hochglanz poliert, wir erleben hier Musik mit Ecken und Kanten und diversen Überraschungen.

Einige Gitarrenlicks reichen in den Fusionbereich, vom klassischen 12- Takter im Namen des Blues ist Oli Brown meilenweit entfernt.

Und das ist, was das Album wieder interessant macht. Unwillkürlich bin ich damit beschäftigt, die Roots herauszuhören. Diese lassen sich immer wieder finden.

Gleich beim zweiten Titel „Thinking About Her“ treffen wir auf einen laid- back im Rhythmus verschleppten Song, der im Sound und im Charakter ein wenig an Stevie Ray Vaughan erinnert. Aber nur ein wenig. Aber klassischer 12- Takter? Fehlanzeige.

Oli Brown löst sich bei seinen Tracks deutlich von der Blues- Klassik. Das geht auch völlig in Ordnung so. Er ist weiter auf einem eigenen Weg, was die beiden Vorgängeralben bereits andeuteten.

Dabei hat er sehr gute Gefährten: Wayne Proctor, der auch als Produzent fungiert,  an den Drums, Scott Barnes am Bass, Joel White an den Tasten und je für einen Titel bieten Dani Wilde ihre Stimme im Background und der große Paul Jones, ja, der von der Blues Band, seine Harmonica zur Unterstützung an.

Zehn Songs sind Eigenkompositionen, zwei sind Interpretationen anderer Songschreiber.

Dass „I Love You More Than You’ll Ever Know“ geschrieben von Al Kooper mit auf der Liste ist, ließ meine Spannung doch ein wenig steigern. Und dann „Wow“! Oli Brown und seinen Mitstreitern ist hier eine weitere unter die Haut gehende Version dieses Klassikers gelungen, toll in der Dynamik, toll in der Instrumentierung, toll im Gitarrenspiel, toll im Gesang.

Apropos Gesang: Mehrmals habe ich mich gefragt, ob es sich bei dem Album um ein Album eines Gitarristen, der auch singt oder um eins eines Sängers, der auch Gitarre spielt, handelt. Oli Brown meistert beide Disziplinen hervorragend.

Spätestens beim Al Kooper Song wird einem seine Stimmgewalt bewusst.

Weitere Anspieltipps: „Devil In Me“ und das Up-Tempo Stück „Solid Ground“, veredelt durch Paul Jones’ Harmonikaspiel.

Insgesamt liegt hier eine Produktion vor, die beim ersten Durchhören soundmäßig eher etwas schwer und düster daherkommt. Es ist sicher keine Scheibe, die einen beim ersten Mal freudig anspringt, aber sie gewinnt bei jedem weiteren Durchlauf. Man sollte ihr die Gelegenheit geben, mehrmals gehört zu werden und bei jeder weiteren Umdrehung wird sich dem geneigten Ohr ihre Vielfalt und Tiefe erschließen.

Klasse Arbeit, Mr. Brown. Weiter so!

Offizielles Erscheinungsdatum: 09.04.2012