Raphael Wressnig Organ Combo – It’s Your Thing

7 01 2013

Raphael Wressnig

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Neal Black im April in Verviers, Roermond & Zottegem

1 05 2011

Neal Black

Mal wieder hatte ich das große Glück, Neal Black & The Healers live zu erleben. Und das Ganze gleich an drei verschiedenen Terminen: Am 06.04.2011 im Spirit of 66 in Verviers, am 09.04.2011 im Café de Weegbrug in Roermond und am 23.04.2011 in De Blauwe Wolk in Zottegem.

Neben Neal waren mit von der Partie: Vincent Daune, der schon mit Luther und Bernard Allison auf Tour war und neu Kris Jefferson, der langjährige Bassist von Popa Chubby.

Die Premiere vor Publikum hatte das Trio in Verviers. Hier hatte Kris Jefferson noch einen Stapel mit Songsheets neben dem Bassverstärker liegen, die ihm den Weg durch das reichhaltige und bisweilen trickreiche Bühnenprogramm Neal Black’s weisen sollte.

Bis auf ein paar kleine Irrläufer und Missverständnisse klappte das Zusammenspiel doch schon recht gut an diesem ersten Abend, und das nach nur ein paar Stunden proben am Vortag in Paris, wahrlich nicht schlecht.

Neal fängt jedes seiner Konzerte mit einem Akustikpart an, bevor es dann auf elektrischen Pfaden weiter geht. Hier hören wir dann Titel wie den von Tom T. Hall geschriebenen Song «On My Way Back To Menmphis» oder «Black Mountain Rag».

Bereits an diesem ersten Abend im Spirit of 66, spiegelt die Band beste Spielfreude wider. Im Gepäck hat die Band natürlich die brandneue und überaus gelungene CD «Sometimes The Truth», auf der Popa Chubby, Mason Casey, Nico Wayne Toussaint und Fred Chapellier als musikalische Gäste verzeichnet sind. Von diesem Silberling gibt es einige Songs zu hören: «Chicken Shack Cognac» oder «Goodbye Baby» zum Beispiel.

Natürlich sind auch Dauerbrenner wie «Who Do You Love», «Call Mama», «Steppin’ Out», «Handful Of Rain» oder «Poor Boy» auf der Setlist, die Neal neben seinen Effektpedalen liegen hat. Die Setlist ist jeden Abend anders, das bringt Abwechslung in das Geschehen.

Immer wieder zu Herzen geht «I Don’t Have The Blues (When I’m Stoned)».

Genau zwei Wochen liegen zwischen den Gigs in Roermond und Zottegem, wo sich das für meine Ohren das Beste der drei von mir besuchten Konzerte abspielt.

Von Abstimmungsproblemen ist nun überhaupt keine Spur mehr zu hören. Der Papierstapel neben Mr. Jefferson’s Amp ist verschwunden. Das Powertrio marschiert ohne Wenn und ohne Aber durch das Programm, als gäbe es kein Morgen mehr.

Für alle drei Beteiligten bietet sich genügend Platz, sich auch solistisch auszutoben. Neals’s Gitarrenspiel gehört mittlerweile mit zum Besten, was ich je live erleben konnte. Vincent Daune ist eine Rhythmusmaschine, die sich durch nichts beirren lässt und Kris Jefferson, der Sunnyboy aus New York City mit derzeitigem Hauptwohnsitz in Wien, lässt keinerlei Zweifel an seinem facettenreichen Bassspiel aufkommen.

Die knapp 40 Zuhörer freut dies. Die Uhr lassen wir außer Acht. So werden es am Ende gefühlte zweieinhalb Stunden sein, als der letzte Akkord erklingt.

Für mich persönlich gab es noch ein Highlight an diesem Abend in De Blauwe Wolk: Ich hatte das große Vergnügen und die ebenso große Ehre beim Titel «Did You Ever ?» mit dieser tollen Band auf der Bühne zu stehen und die Harp zu spielen, eine Sache, die so richtig Spaß gemacht hat.

Den Hühnerdraht brauchte der Veranstalter nicht herunter zu lassen, so war wohl auch alles für das Publikum ok .

Tony Joe Gardner

Tony Joe Gardner @ De Blauwe Wolk

Nach den Konzerten gab es immer noch Gelegenheit zu einem Plausch über dies und über das. Kris ist ein äußerst humorvoller Mensch und immer für einen Joke gut.

In Verviers saßen wir noch lange im „Downstage“- Bereich, also im Raum unter der Bühne, im Café de Weegbrug noch lange an der Theke und in Zottegem in der lauen Aprilnacht draußen auf der Bank im Hof von De Blauwe Wolk.

Damit endet die April- Tour von Neal Black & The Healers. Der Abschied ist herzlich und die Vorfreude auf das Wiedersehen groß.

Fazit: Neal Black und seine Band sind Garanten für tolle Bluesabende und sie hätten eine Menge mehr an Zuhörern verdient. Darum beim nächsten Mal unbedingt nicht verpassen. Man sieht sich also. Denke ich mal…

Text und Fotos © Tony Mentzel





Neal Black & The Healers, April 2011

22 04 2011





Enrico Crivellaro am 19.11.2010 im Café de Weegbrug, Roermond (NL)

22 11 2010

Enrico Crivellaro

In manchen US- Plattenläden findet man seine Werke nicht mehr unter dem Buchstaben „C“, sondern in der Rubrk „Guitar Heros“. So steht es auf seiner Homepage in seiner Biographie. In meinem CD- Regal gibt es diese Einteilung nicht, aber meiner bescheidenen Ansicht nach gehört er mittlerweile ganz unzweifelhaft zu den wirklich großen Gitarristen unserer Zeit: Enrico Crivellaro aus Italien.

Janiva Magness, James Harman, Jason Ricci, Lester Butler Tribute Band sind einige der vielen Stationen seines musikalischen Schaffens.

Dazu kommt die überaus geniale Zusammenarbeit mit dem aus Graz stammenden Hammondspieler Raphael Wressing. Eine Live- Performance dieser beiden Giganten im Bereich des modernen Instrumentalblues/-jazz durfte ich bereits im letzten Jahr beim Bluesfestival in La Chèze in der Bretagne erleben.

Und heute Abend steht er auf der kleinen Bühne des Café de Weegbrug in Roermond. Auf seine Begleitband bin ich gespannt. Neben Schlagzeug Bass- und Gitarrenverstärkern sind eine veritable Hammondorgel und das unvermeidliche dazu gehörige Leslie- Kabinett aufgebaut.

Ich will es fast nicht glauben, aber es ist tatsächlich der schon oben erwähnte Raphael Wressing, den ich im Übrigen auch schon an der Seite von Larry Garner sehen und hören durfte, der sich auf den Hocker vor der Orgel setzt und in die Tasten greift.

Die auch so schon riesige Vorfreude auf dieses Konzert erfährt so richtig Nahrung, als die vier Musiker zwei Titel als Soundcheck zum Besten geben. Insgesamt sind das schon einmal 15 Minuten erlebter bester Musik.

Am Bass steht Simone Serafini, der den Tieftöner auch schon auf Enrico’s aktuellem Silberling «Mojo Zone» beisteuerte. Das Schlagzeug bedient Carmine Bloisi, der wiederum für meinen Freund J. Sintoni auf dessen geklungener CD «The Red Suit» die Trommelstöcke rührte.

It’s a small blues world…“. So ist es wohl. Irgendwann und irgendwo kreuzen sich die Wege des Blues. Crossroads.

Ich will es kurz machen: Wir erleben ca. drei Stunden Instrumentalmusik aus den Bereichen Blues (hauptsächlich), Jazz, Funk und Mischungen aus allen drei der eben genannten Richtungen. Die Grenzen sind hier schwimmend. Eine Gesamtleistung und –vorstellung auf Weltklasseniveau.

Klar, dass Enrico Crivellaro und Raphael Wressing solistisch im Vordergrund stehen, aber auch die beiden anderen Bandmitglieder bekommen den Raum, ihr musikalisches Können als Solist zu zeigen.

Ein kleines I-Tüpfelchen ist der Gastauftritt eines 12- jährigen Gitarristen mit dem Namen Guy Smeets, der für zwei Bluestitel jammend ins Geschehen eingreift.
Wenn der Kleine so weiter macht, kann aus ihm noch ein ganz Großer werden. Denn was er heute schon an Feeling und Technik aufweisen kann, ist enorm.

Das Einzige, das weh tut an diesem gelungenen Freitagabend/Samstagmorgen (gegen zwei Uhr morgens verklang der letzte Akkord), ist die geringe Zuschauerzahl, die sich bei ca. 20 bis 25 einpendelt.

Und das bei nur 5(!) Euro Eintritt. Wer mutwillig solch hochgradigen Musikgenuss auslässt, ist selber schuld und dem ist nur noch zu helfen, wenn er beim nächsten Mal dabei ist, denn das sollte man dann unbedingt nicht (schon wieder) verpassen.

Text & Fotos (c) 2010 Tony Mentzel





Jason Ricci & New Blood am 07.06.2009 im Café de Weegbrug, Roermond (NL)

14 11 2010

Jaoson Ricci

Die Harp oder auch Mundharmonika ist ein zierliches Instrument, einst gedacht als Begleiter für unterwegs, um auf der Wanderschaft oder im Feld ein gar fröhlich Liedlein erklingen zu lassen, sozusagen das Akkordeon des kleinen Mannes. Da handlich und vor allem erschwinglich und relativ leicht erlernbar.

Dass eben diese Mundharmonika ihren Weg über den großen Teich gemacht hat und dort als „mouthhrp“ weiter lebt und neben dem Blues auch in anderen Musilstilen (Country, Rock, Jazz) zu einem unverzichtbaren Instrument avancierte, dürfte hinlänglich bekannt sein.

Ebenso, dass es eine Menge gestandener Virtuosen auf diesem Instrument gibt. Little Walter gilt für viele als das große Vorbild. Recht so.

Heute stehe ich einem Vertreter der jüngeren Generation Harper gegenüber: Jason Ricci. Der Name seiner Band «New Blood» ist Programm.

Jason Ricci gibt äußerlich so etwas wie den wilden Punker mit halbseitiger, roter Pumuckelfrisur. Musikalisch ist er ein Tausendsassa allerbester Güte: Stilistisch deckt er die Bereiche, ja, eben von Punk über Rock, diversen Bluesarten bis zum Jazz ab. Und das tut der junge Mann mit solcher Überzeugung und Inbrunst, als gäbe es kein Morgen.

Was Jason Ricci dem kleinen Instrument Harp an Tönen entlockt, ist für einen Normalsterblichen kaum nachvollziehbar.

Ok, die Instrumente mögen modifiziert sein, eine Batterie Effektgeräte für ungewöhnliche Sounds sorgen, am Ende steht aber die Person, die „spielerisch“ damit umgeht. Jason lässt die Harmonika singen, winseln, jaulen, zerren, brachial laut, zerbrechlich leise: Ein Meister der Variation im Ausdruck. Hier klingt das unerhört frisch und neu, dort wieder archaisch und klassisch, zurück zu den Wurzeln eines Little Walters eben. Oder darf’s ein wenig Chopin, «Mache Funèbre» oder Beethovens «Für Elise» sein? Oder die akustische Wandlung der kleinen Harmonika in ein ausgewachsenes Akkordeon für ein instrumental im Walzertakt? Alles das ist möglich dank der Technik und Jason Ricci’s Spielfertigkeit.

Gesanglich verfügt Jason über ein mächtiges Volumen, auch her ist er absolut stil- und treffsicher. Im Timbre erinnert er mich immer wieder an Jim Morrison selig. Vor allem beim Song «As Long As I Have You», der durchaus ein bislang unentdeckter Doors Song sein könnte.

Um noch ein paar weitere Titel des heutigen Abends zu nennen: Little Walter’s Klassiker «Mellow Down Easy», «Broken Toy», das etwas punkige «I Turned To A Martian», «Hip Shake» oder «Drifting Blues».

Unterstützt wird Jason von seiner Spitzenband, allen voran Shawn Starsky aka „Guitarski“ an der Fender Stratocaster. Wieder eins dieser riesigen Talente an den sechs Saiten aus dem schier unerschöpflich scheinenden Pool US- amerikanischer Gitarristen. Im Rhythmus- wie im Solospiel sicher und äußerst varianten- wie ideenreich.

Am Fender Jazz Bass Todd „Buck Weed“ Edmunds, ein Bassmann allererster Güte, das beweist er im Begleitspiel wie in den drei bis vier Soloeinlagen, für die er seine Zeit und seinen Raum bekommt.

Last but not least: Ed Michaels am Schlagwerk. Er trommelte bereits für Alvin Youngblood Hart. Mit ihm komplettiert sich diese Viererbande, sein Spiel sorgt für den nötigen Drive, immer mit guten Ideen und präzise pulsend wie ein gut geöltes Uhrwerk.

Diese Band ist keine Glamour- Showtruppe und nur auf Effekte und Gimmicks aus, sie arbeitet körperlich hart für ihre Musik. Das hörbare Ergebnis trägt dem Rechnung. Kein Titel ist hier unter zehn Minuten, die Jungs geben alles und alles, was und wie sie es geben, ist schlichtweg klasse. Großes Konzertkino.

Zirka 2, 5 Stunden reine Spielzeit, das volle Programm, die volle Breitseite, die investierten 10 Euro Eintritt sind jeden ihrer Cents wert.

Das weiß auch das Publikum und klatscht und johlt noch eine Zugabe herbei, die kommt auch prompt: «Loving Eyes». Der beste Schlusspunkt zu einem rundum mehr als gelungenen Konzert allererster Güte. Und in übervoller Länge.

Fazit: Jason Ricci & New Blood ist immer eine kleinere, mittlere oder auch längere Reise wert, darum unbedingt nicht verpassen.

Text und Fotos 2009 Tony Mentzel





Morblus am 16.10.2010 im Café de Weegbrug, Roermond (NL)

14 11 2010

Roberto Morbioli

Als wir gegen 20:30Uhr das Café de Weegbrug betreten, ist die Band gerade beim Soundcheck. Die Vorbereitungen für das zweite Konzert der Truppe um Roberto Morbioli an diesem Samstag sind schnell abgeschlossen. Sie kommen direkt aus Amsterdam, wo sie vor etwa 100 Zuschauern ein Radiokonzert gegeben haben.

So ist das im Showbusiness, da muss man mitnehmen, was sich bietet. Auch wenn es dann zwei Mal am Tag heißt: Anreisen, auspacken, aufbauen, Soundcheck, Showtime, abbauen, einpacken. Die Oktobertour von Morblus dauert ca. drei Wochen und führt durch Deutschland, Frankreich, Belgien und die Niederlande.

Es ist ein Wiedersehen mit vier sympathischen Menschen, die zudem alle ihr musikalisches Handwerk aufs Beste verstehen: Roberto Morbioli, Gitarre, Vocals, Daniele Scala, Hammond & Keyboards, Stefano Dallaporta: Bass und Diego Pozzan: Drums.

Der Beginn des Konzerts ist für 22 Uhr angesetzt, nur tröpfchenweise stellen sich die Zuschauer ein. Es bleibt Zeit für den einen oder anderen Plausch mit den Musikern, die ich im August dieses Jahres beim Festival «Blues au Château» im bretonischen La Chèze bereits kennen und schätzen lernen durfte.

Gegen 22:30Uhr ist dann endlich Showtime. Die Band ist sofort und auf den Punkt genau da. Und von den ersten Takten an weiß man, dass da nichts anbrennen wird, ja, nichts anbrennen kann.

Das Repertoire der Italiener ist so breit gefächert, dass es jede Sekunde in sich hat. Und diese Sekunden werden ca. drei Stunden füllen müssen. . Heute Abend hören wir Songs wie:«Everyday I Have The Blues», «My Shoes», «I Play The Blues For You» oder «Hallelujh, I Love Her So».

Daniele Scala & Diego PozzanStefano Dallaporta & Roberto MorbioliRoberto Morbioli

Natürlich brillieren wieder einmal die Soloinstrumente, Gitarre und die Hammond, denn beide sind besetzt mit hervorragenden Musikern. Aber auch das beinahe unauffällige Grundlagenspiel von Schlagzeug und Bass – abgeliefert von zwei ebenfalls absoluten Könnern ihres jeweiligen Fachs – ist stets auf der Höhe des Geschehens, stützt das gesamte Bandgefüge und treibt es immer wieder zu neuen Höhenflügen an.

Darüber hinaus erhalten Stefano und Diego immer wieder Freiräume für solistische Einlagen.

Und über allem thront Robertos sichere, kräftige und vielseitige Stimme

Morblus ist eine Band, die schweißtreibend arbeitet und trotzdem niemals ihre Spiellaune oder ihren Spielwitz verliert. Das inzwischen auf ein manierliches Maß angewachsene Publikum weiß das zu schätzen.

Morblus ist ein geschlossenes Ganzes, eine Maschine, die permanent unter Dampf steht. Die einzelnen Titel gehen fast ohne Unterbrechung in einander über und überspringen häufig die zehn Minuten Grenze. Wir erleben feinsten Blues à la Albert King, bisweilen swingt ein wenig Jazziges durch. Alles wird immer wieder gewürzt mit feinsten Hammond- Klängen und treffsicheren Gitarrenlicks.

Morblus ist eine Band, die man gesehen und gehört haben muss, denn in Sachen Blues gehört sie meiner bescheidenen Meinung nach zweifellos zum Besten, was unser alter Kontinent augenblicklich zu bieten hat.

Und dennoch sieht sich diese Band leider noch in einem Stadium, in dem sie kämpfen muss, um überhaupt Auftrittsgelegenheiten zu erhalten. So wird sie weiter touren und touren und ich bin sicher, dass es immer mehr Menschen geben wird, die sich meinem Fazit „unbedingt nicht verpassen“ bedingungslos anschließen werden. Veranstalter, die heute noch zögern, werden spätestens dann auf den Morblus– Zug aufspringen (müssen).

Wer es dieses Mal nicht geschafft hat, eins der Konzerte zu besuchen, dem kann ich ebenfalls uneingeschränkt die gerade frisch erschienene CD «On The Way Back…» ans Herz legen. Sie macht die Pause bis zur nächsten Tour Anfang März 2011 um einiges erträglicher.

Text und Fotos (c) 2010 Tony Mentzel





Doug MacLeod am 07.03.2010 im Café de Weegbrug, Roermond (NL)

14 11 2010

Doug McLeod

1946 wurde Doug MacLeod in New York geboren, sein aktueller Wohnsitz ist in Kalifornien, doch heute, an diesem Sonntag im März 2010, weilt er im niederländischen Roermond im beliebten Café de Weegbrug, um uns mit seiner Kunst zu erfreuen.

Das erste Mal getroffen haben wir uns vor einem halben Jahr in La Chèze beim dortigen Festival «Blues au Château».

Die Begrüßung ist herzlich. Doug MacLeod gehört für mich zu den imponierendsten Menschen im Blueszirkus.

Er strahlt eine Gelassenheit und innere Ruhe aus. Und das im sowohl persönlichen Gespräch als auch auf der Bühne.

Auf deren Boden liegt ein DIN A 4 Blatt, im Querformat stehen Titel darauf, einige sind gelb unterlegt. Aber es sind zu viele, als dass sie in ein einziges Konzert passen würden. Die Aufzeichnungen dienen Doug lediglich als Auswahlhilfe für das Neuerfinden der Songabfolge. Bei einem Gesamtfundus von weit über 300 selbst geschriebenen Songs sicher eine hilfreiche Sache.

Ich spiele niemals das gleiche Set und jeder einzelne Song klingt jedes Mal wiederum ein wenig anders. Also seid ihr hier und heute Abend die einzigen, die jemals das Konzert in dieser Form hören werden. Und der nächste Song klingt dann heute genau so…Excactly like this…

Bei etwas Einzigartigem dabei zu sein, ist für ein Publikum immer wieder ein nettes Feature.

„Ich spiele nur eigene Songs. Ich bin weniger ein Bluesman, ich bin mehr ein Singer/Songwriter. Wenn jemand «Sweet Home Chicago» hören möchte, dann ist er bei mir falsch. Ich werde diesen Song nicht spielen, ok, wenn er mir 100 Euro hier auf die Bühne legt, spiele ich ihn doch.“ Das Publikum versteht, lacht und klatscht. Doug grinst über beide Backen.

Die Moderationen zwischen den Titeln sind absolut hörenswert. Doug präsentiert sie mit Wortwitz und Charme, die einen in ihren Bann ziehen. Man muss sich nur darauf einlassen, ihm zuzuhören. Und das tun leider nicht alle im Raum, bisweilen ist die Geräuschkulisse der sich munter unterhaltenden Menschen doch ziemlich störend. Doug scheint das zu ignorieren, er lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Ein wenig mehr Respekt ihm gegenüber wäre hier wünschenswert.

Im einzigartigen Programm des heutigen Spätsonntagnachmittags finden sich Titel wie «The Devil Is Beating His Wife», «Brand New Eyes», «The Long Black Train», «Horse With No Rider» oder «Come To Find».

Nach einer guten Stunde gönnt sich Doug eine Pause. Die nutzt er zum Verkaufen seiner CDs, zum Autogramme geben und zum Plausch mit dem Publikum.

Ich spreche ihn auf einen Song an, der es mir in La Chèze sehr angetan hatte, an dessen Titel ich mich aber nicht mehr erinnern kann. Aber ich habe ihn wohl treffend beschrieben, denn Doug meint: „Das ist sicher „The Sun Shine Down My Way“, wenn du magst, spiele ich ihn gleich für dich.“ Natürlich mag ich.

Und Doug macht sein Versprechen wahr. Es ist einfach ein wunderbarer Song. Und dazu noch genau der, den ich im Sinn hatte. Dieses Mal genieße ich ihn doppelt.

Nach einer weiteren Stunde und weiteren Songs und weiteren dazugehörenden Stories, beendet Doug MacLeod seinen Gig im Café de Weegbrug.

Und ich weiß, dass ich wieder etwas mitnehmen werde an Gefühlen und Denkanstößen aus diesem Konzert und der Begegnung mit einem Menschen, der viel zu sagen und zu geben hat, das auch tut, auf seine Weise, immer mit einer Prise Humor und einer Menge Lebensweisheit, aber niemals mit erhobenen Zeigefinger.

Und genau das ist es, was mich sicher wieder in eins seiner Konzerte führen wird, sobald er sich wieder in meine näheren Gefilde begibt.

Fazit: Gäbe es mehr Menschen auf dieser Welt wie Doug MacLeod, wäre unser Globus um einiges friedlicher und gleichsam wohnlicher. Darum unbedingt nicht verpassen, zuhören und sich von Doug’s Art gefangen nehmen lassen. „Excactly like this…
Ein Bereuen ist auszuschließen.

Text und Fotos © 2010 Tony Mentzel