Hundred Seventy Split am 22.10.2011 in der Harmonie, Bonn

1 11 2011

Hundred Seventy Split - Leo Lyons & Joe Gooch

Wie aus der Hälfte der einen Band zwei Drittel einer anderen Band werden, zeigen Leo Lyons und Joe Gooch, denn sie bilden einerseits 50 Prozent der altehrwürdigen und Woodstock erprobten Truppe mit Namen «Ten Years After» und 66,66 Periode Prozent von «Hundred Seventy Split».

Heute erlebe ich die letztere Formation bereits zum zweiten Mal in der Bonner Harmonie. Der «Rockpalast» ist mit von der Partie. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe «Crossroads» wird das Konzert aufgezeichnet. Der voraussichtliche Sendetermin ist Montag, 28. November 2011, 00.15 – 02.15 Uhr. Hier werden allerdings lediglich „Highlights“ aus den gesamten vier Veranstaltungstagen gezeigt werden.

Wer also das volle Programm will, tut besser daran, die Band auf einem ihrer Konzerte zu besuchen.

So viel soll schon verraten sein. Es lohnt sich.

Denn was die beiden Herrn in Zusammenarbeit mit ihrem Drummer Damon Sawyer auf die Bühne zaubern ist von allererster Güte.

Der musikalische Focus steht selbstredend auf ihrem CD- Erstling, der etwa vor einem Jahr auf den Markt kam.

Zur Einstimmung habe ich eben diesen Silberling auf der Fahrt nach Bonn noch einmal durchgehört. Die CD ist durchweg klasse, doch sie wird nicht (und das kann sie auch nicht) dem gerecht, was die Drei live präsentieren. Das wahre Musikerleben spielt sich auf der Bühne ab, davon kann das Studiomaterial – auch wenn noch so gut produziert – nur einen müden Abklatsch geben, denn die Titel entwickeln sich weiter mit jedem Mal, das sie gespielt werden.

Einer meiner Favoriten von der CD ist der von Bert Jansch geschriebene Titel «Poison». Musikalisch versetzt dieser Song in die endsechziger Jahre zurück, das Schlagzeug erinnert an frühe Pink Floyd- Zeiten. Bert Jansch – man muss leider sagen – war (er starb vor ein paar Wochen) einer der führenden britischen Folkgitarristen. So beginnt der Song auch sehr folkmäßig und ruhig, führt in einem immensen Spannungsbogen immer weiter hin zu einer Klangwucht, der man sich nicht mehr entziehen kann.

Die drei Herren wissen eben, wie man einen Song arrangiert, um sich selbst zu fordern und das Publikum mitzureißen.

Der Sound ist gleichermaßen aktuell, erinnert aber immer wieder an selige (Blues-) Rockzeiten, als bei den Titellängen nicht auf die Uhr geschaut wurde. Ausschweifende Improvisationen waren damals gefragt und werden heute von Hundred Seventy Split wieder geliefert.

Das erstaunt einerseits natürlich nicht, denn Leo Lyons ist ein alter Hase und er hat genau diese Zeit miterlebt und auch mitgeprägt. Joe Gooch ist allerdings gerade mal 34 Jahre alt. Aber er ist in der Lage, diesen alten Zeitgeist aufzunehmen und ihm gleichermaßen ein modernes Gesicht zu verpassen.

Das Zuhören allein macht schon Freude, aber zu sehen, mit welchem Spaß die Musizierenden auf der Bühne bei der Sache sind, verleiht dem Ganzen noch das gewisse Extra (und genau das findet man auf keiner CD).

Eher schon auf dem Medium DVD, ein solche wird in den nächsten Tagen eingespielt werden. Ebenfalls in Planung ist eine weitere CD, genug neues Material ist bereits vorhanden.

Übrigens und zur Beruhigung: «Ten Years After» bestehen parallel weiter. Dafür gibt es während des gesamten Konzerts auch nicht den Hauch eines TYA- Titels zu hören.

Warum auch? Songs wie: «Where The Blues Began», «The Smoke», «All My Yesterdays», «A Promise Is Forever» haben genug Substanz, um die Setlist von Hundred Seventy Split zu füllen.

Und der feine Song «Going Home» hat nun rein gar nichts mit dem TYA- Track «I’m Going Home» zu tun. Und ein Helikopter kommt darin ebenfalls nicht vor.

Dass es auch mit anderer Leute Musikmaterial geht, beweisen die Drei in der Zugabe, als sie ZZ Top’s «La Grange» anstimmen. Gelegenheit für das dankbare Publikum, angesichts dieses grandios gespielten Boogies nochmals „aufzukochen“.

Fazit: Wer bodenständige, handgemachte, schnörkellose Musik mag, ist bei «Hundred Seventy Split» bestens aufgehoben.

Also: Unbedingt nicht verpassen!!! Life is live!!!

Text und Foto: © 2011 Tony Mentzel


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