Duvel Blues, 28.05.2011 in Puurs (B)

19 06 2011

Das Duvel Bluesfestival wartet in diesem Jahr mit vier Hauptacts auf, die es mir allemal wert sind die knapp 200 km bis nach Puurs bei Antwerpen auf sich zu nehmen.

Gleich mit der Ankunft bietet sich das einzige Problem, dem ich bei diesem ansonsten sehr gut organisierten Event begegne: Parken wird hier zum Abenteuer. Letztendlich tue ich es den vielen anderen gleich und holpere mit meinem Wagen auf den Rasenstreifen zwischen Straße und Fahrrad- bzw. Gehweg.

Eine riesige Menge Leute hat sich bereits eingefunden, als ich das Gelände betrete.

Als erstes auf dem Programm steht Malted Milk. Dies ist eine junge Band aus dem französischen Nantes.

Stilistisch liegen sie eher im Rhythm and Blues Bereich. Die fünf Musiker präsentieren ihr Repertoire mit großem Können und einer Stil sicheren Leidenschaft.

Im Gepäck haben sie Titel ihrer aktuellen CD Soul Of A Woman.

Das macht Laune, das macht Spaß und als Opner dieses tollen Festivals setzt diese Band schon einmal klare Eckpunkte.

Charlie Musselwhite
, der große Charlie Musselwhite, seit seinem legendären Konzert im Kölner Pfandhaus am 26.03.2007 zusammen mit Richard Bargel habe ich ihn nicht mehr gesehen, auch er steht heute auf der Bühne, der Alukoffer für seine Harps und versehen mit diversen Stickern ist wohl noch der selbe.

Genau wie Mr. Musselwhite. Mit gewohnter Nonchalance führt er durch sein Programm. Einer der Höhepunkte für mich hier «Church Is Out» von seinem Album «Delta Hardware» aus dem Jahr 2006. Klasse auch Tony Joe White’s «When The Crow Flies» und natürlich wieder einmal «Christo Redentor».

Mit ihm auf der Bühne sind der fantastische Matthew Stubbs an der Gitarre, Mike Phillips am Bass und June Core an den Drums.

Die klasse Performance auch von dieser Band und ein gut gelaunter und spielfreudiger Charlie Musselwhite werden mich noch lange an dieses Konzert denken lassen.

Die Umbaupausen sind professionell kurz, so können wir schon bald das nächste Hammerkonzert erleben: Rod Piazza And The Mighty Flyers.

Live erlebt habe ich sie bislang noch nicht, aber so viel sei schon einmal verraten, ich werde hier gerne zum Zuschauerwiederholungstäter.

In der Besetzung Rod Piazza, Gesang und Harmonikas, Honey Piazza, Piano Henry Carvajal, Gitarre und David Kida, Drums kommen die Mighty Flyers völlig ohne Bassisten aus.

Fürs Tieftonsegment sorgt die linke Hand von Honey Piazza auf dem Klavier.

Und sonst? Ich drohe, mich in meiner Wortfindung zu diesem Konzert auf Grund meiner immer noch anhaltenden Begeisterung zu überschlagen. Wo soll ich anfangen? Wo aufhören? Ach, ich mach’s einfach: Ich komme ja mittlerweile schon viel herum und erlebe wirklich tolle Konzerte, aber dieses hat mich glatt umgehauen.

Hier stimmt einfach alles. Das ist pure Energie, die da von der Bühne kommt. Rod’s Mundharmonika und/oder seine Stimme, das wuchtige Pianospiel seiner Frau, die ausgefeilten Gitarrenlicks von Henry Carvajal, der mir später schrieb „Had a blast“ oder die punktgenaue Trommelarbeit von David Kida.

So manches Mal klappt mir schier die Kinnlade nach unten. Was für eine Band. Wie machen die das? Ich weiß, dass, wenn alles so leicht aussieht, was Musiker bewerkstelligen, sicher das Gegenteil der Fall ist.

Wirklich, ich will keinen der anderen Acts als „schlechter“ bezeichnen, das wäre ungerecht und auch nicht richtig, aber hier zündet die Rakete sofort und das auf höchster Brennstufe. Der Oberknaller wird das Duett zwischen Honey Piazza und David Kida. Ich bin mir nicht sicher, ob es der bekannte Titel «The Stinger» ist, aber Elemente aus diesem Boogie- Woogie Stück sind sicher dabei. Ein wahrhaft traumhaftes Zusammenspiel zwischen Tasten, Trommeln und Becken, da bleibt kein Fuß ruhig, was beim Fotografieren kürzere Verschlusszeiten fordert, weil sonst alles verwackelt.

Zum Schluss des Auftritts räumt Honey Piazza den Klavierhocker für Leon Blue. Der 78 jährige Bluesveteran (spielte u.a. mit B.B. und Albert King und mit Ike & Tina Turner) räumt hier noch mal extra ab.

Rod Piazza & The Mighty Flyers; Ganz großes Blueskino. Danke dafür.

Wie oft ich Morblus in den letzten 12 Monaten gesehen und gehört habe, weiß ich gar nicht so recht. Es spielt aber auch keine Rolle, denn Qualität auf höchster Stufe kann man auch bei dieser Formation immer erwarten.

Gespannt bin ich auf den heutigen Abend, da die vier Italiener a) durch Didier Marty (Tenor Saxofon) und Christophe Dutray (Trompete) und b)die beiden Backgroundsängerinnen Fannie Klein und Kristle Raynaud ergänzt werden.

Das Ganze dient c) der musikalischen Unterstützung einer der Grandes Dames des Soul: Martha High. Diese war lange Zeit Backgroundsängerin bei niemand Geringeren als Mr. Sex Machine James Brown.

Und genau dies merkt man an ihren Songs. Das Gesamtkonzept geht auf. Morblus treten nach zwei Eröffnungstiteln in den Hintergrund und fingieren als wohl geölte Begleitband. Das allerdings mit einer hohen Professionalität, wie es auch kaum anders zu erwarten gewesen wäre.

Martha High hat und ist gleichzeitig die geborene Soulstimme. Darüber hinaus ist Martha eine tolle Performerin. «W.O.M.A.N.», «Mama Feelgood» oder «Cold Sweat» sind Titel die sofort in die Beine gehen.

Hier der absolute Höhepunkt: Eine gefühlt mehr als 10- minütige Version von «I’d Rather Go Blind». Martha’s gefühlvolle Stimme wird diesem wunderbaren Titel ebenso gerecht wie das feinfühlige Gitarrensolo von Roberto Morbioli. Hier stockt mir bisweilen ebenfalls der Atem.

Danke auch hier für die neue Erfahrung, die ich heute hier sammeln kann.

«The party is overRoberto bringt es auf dem Punkt, als wir backstage noch ein paar Worte wechseln.

Und es war eine berauschende Party in Punkto Musik auf jeden Fall.

Gegen fünf Uhr am frühen Morgen bin ich dann völlig ermattet, aber auch best gelaunt wieder daheim.

Ich freue mich jetzt schon auf Duvel Blues 2012.

Einen kleinen Nachtrag habe ich noch: Wie so oft auf Festival gibt es noch ein Zusatzprogramm: Leon Blue, Kozmic Blue (D), Kostas Chaz (B) und PopLawSky (B) spielen in der Scheune während der Umbaupausen.

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich diese Künstler nicht oder nur kurz gesehen habe, da es in den Pausen immer wieder zu interessanten Gesprächen kam. Sorry for that. Beim nächsten Mal dann.

Text & Fotos © 2011 Tony Mentzel


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