Sugar Ray Norcia and the Bluetones feat. „Monster“ Mike Welch, am 12.11.2010, Manege in Ratingen

16 11 2010

Sugar Ray Norcia & The Bluertones

Das in Pineto am Rande der Abruzzen zum Abschied ausgesprochene „Hope to see you soon“ Anfang Februar dieses Jahres bewahrheitete sich nun ganze neun Monate später. Soon hin oder soon her, es ist ein äußerst herzliches Wiedersehen mit einer der bekanntesten, weißen Blueslegenden, die dieser Orbit zu bieten hat: Sugar Ray Norcia.

Und dieses Mal steht er mit drei weiteren US- amerikanischen Musikern auf der Bühne, die allesamt nun auch nicht gerade zu den No-Names gehören: „Monster“ Mike Welch an der schon reichlich im Finish ramponierten Telecaster, Michael „Mudcat“ Ward am Bass (wahlweise Kontra- oder Telecasterbass) und Neil Gouvin an den Drums.

Zusammen sind dies die famosen «Bluetones», die weitaus mehr sind als eine Begleitcombo für den Ex- Roomful of Blues Sänger und Mundharmonikaspieler Sugar Ray Norcia.

Die Bluetones alleine wären schon Reise und Eintrittsgeld (13€ Vorverkauf) bzw. 15€ Abendkasse wert gewesen.

Punkt 20:45Uhr stehen die Vier auf der Bühne, Sugar Ray kommt quasi direkt aus Norwegen, wo er mit einer lokalen Band durch die Clubs getingelt ist.

Doch wir hier in der Ratinger Manege haben das große Glück des Real Deal. Und das wird deutlich gleich von der ersten Sekunde an.

Man hat sofort das gute und sichere Gefühl, dass hier eine Band aufspielt, die auf lange gemeinsame Spielpraxis zurückblicken kann.

Fest eingespielt scheint de Truppe im Moment allerdings nicht zu sein, das tut der Gesamtsache allerdings keinerlei Abbruch, es ist eher das Gegenteil: So werden all die Bluesklassiker völlig frisch und lebendig serviert.

Und davon bekommen wir einige zu hören: «Rockin’ Sugar Daddy» zum Beispiel oder eine wunderbare, herzzerreißende Version des Otis Rush Titels «My Love Will Never Die».

Auf Soli und deren Länge verständigt man sich während der Titel per Handzeichen oder Kopfnicken, die stets begleitet sind von einem Lächeln, denn der Spielspaß bei den Musikern ist unverkennbar.

Sugar Ray ist in Topform, er weiß sowohl mit seiner Stimme als auch mit seinem Harpspiel (wie immer) zu überzeugen. Er besitzt bei beiden Instrumenten eine beachtliche Bandbreite an Modulationsmöglichkeiten und Sugar Ray klingt wieder einmal so, wie nur Sugar Ray klingen kann.

Dann macht er das, was sonst häufig Gitarristen machen: Er begibt sich von der Bühne mitten ins erfreute Publikum und singt und harpt kabellos munter weiter.

Gespannt war ich vor dem Konzert auf „Monster“ Mike Wekch, mit dem ich noch nie das Live- Vergnügen hatte.

Jetzt steht er da, keinen Meter von mir und „quält“ aufs Vorbildlichste und Gefühlvollste die sechs Saiten seiner Telecaster. Aus Erfahrung weiß ich: Immer, wenn es so locker, leicht und lässig aussieht, wenn die Greifhand nur so und das beinahe unmerklich über das Griffbrett huscht, steckt der Teufel namens Virtuosität im Detail. Ganze Passagen seines Spiels lang ertappe ich mich da stehend mit dem offenen Mund des stummen und manchmal ungläubigen Bewunderers. Dabei sind es nicht nur diese wahnsinnigen Soli, nein, die Rhythm- Licks haben es ebenfalls in sich. Und wie!!

Mike’s Mimik gibt die von ihm der Gitarre entlockten Töne visuell wieder, er verzeiht die Saiten und gleichzeitig die Mundwinkel, schließt die Augen voll aufs Geschehen konzentriert und dann lacht er wieder, nachdem er wieder einmal über die berühmten 12 Takte eine kleine solistische Meisterleistung abgeliefert hat..

Für ein zwei Songs übernimmt Mike dann auch den Leadgesang. Dieser Mensch ist bei der Verteilung göttlicher Talente gleich zweimal gesegnet worden. Die Stimme des „Monsters“ ist in der Tat monströs. Wow. Facettenreich, erdig und gut. Das, was man von einem Bluesman erwartet. We want it – we got it.

Es ist leider so: Meistens stehen bzw. sitzen Drummer und Bassmann im Schatten der Solisten. Aber ohne sie wäre eine Band meist nicht komplett. Sie schaffen die Fundamente für alle anderen musikalischen Oberbauten.

Und die Beiden am heutigen Abend sind hierin sprichwörtliche Meister ihrer Fächer.

Das wussten auch Ronnie Earl, Walter Horton und Hubert Sumlin, mit denen beispielsweise Michael „Mudcat“ Ward spielte und Tonträger aufnahm.

Mit Neil Gouvin, der auch schon mal für die Otis Grand Allstar Blues Band trommelte, ist er seit Jahren estes Mitglied der Bluetones. Neil spielt beinahe unauffällig und unaufgeregt seinen Part, dessen Qualität bei genauerem Hinhören erst deutlich wird.

Gespielt werden zwei Sets unterbrochen durch eine wirklich kurze Pause.

Auf die Uhr schaue ich nicht, aber dieses Konzert ist ein sehr langes, allerdings ohne jedwede Längen. Es ist abwechslungsreich und von allerhöchster musikalischer Qualität. Dargeboten von vier Profis, die jeder Zeit hinter dem stehen, was sie tun. Authentisch eben.

Wer ein erstklassiges Blueskonzert erleben will, ist bei den Bluetones an der richtigen Adresse. Vielleicht geht es stilistisch anders, aber besser sicher nicht.

Fazit: Meine uneingeschränkte Empfehlung: Unbedingt nicht verpassen.

Text und Fotos: © 2010 Tony Mentzel
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Hier noch die Tourdaten der 2010 Europe tour:

12.11. Ratingen (D) / Manege
13.11. Stuttgart (D) / Merlin
15.11. Wien (A) / Reigen
16.11. Frauenthal (A) / Bluegarage
19.11. Hannover (D) / Jazzclub
21.11. Diest (B) / The Borderline
22.11. Detmold (D) / Kaiserkeller
24.11. Hildesheim (D) / Cyclus 66
25.11. Menen (B) / CC De Steiger
26.11. Tamines (B) / Maison de Jeunes
27.11. Calais (F) / Beautiful Swamp Festivalam Dienstag


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