Todd Wolfe am 01.04.2010 im Topos, Leverkusen

14 11 2010

Todd Wolfe

Dass ihn keiner kennt, will ich ja gar nicht sagen. Aber es sind weitaus zu wenige. Jedenfalls derzeit. Dabei hat er mehr verdient. Mehr an Aufmerksamkeit. Mehr an Wertschätzung. Mehr an Publikum. Obwohl das wird im Leverkusener Topos schnell zum Problem. Nicht das Publikum, sondern das „Mehr“. Denn dann wird’s zur Sauna, in der man sich kaum noch bewegen kann.

Wie dem auch sei. An diesem ersten Donnerstagabend im April 2010 haben wir es wieder einmal zu tun mit einem Gitarristen, der auch diese „Berufsbezeichnung“ verdient. Ich kannte ihn bislang nur von seinen auf CD gebannten Werken.

Und ich sage es immer wieder und das auch immer wieder gerne: Tonkonserven sind etwas Feines, aber sie ersetzen niemals das Live- Erlebnis. Letztes ist und bleibt einmalig.

So bin ich jetzt mehr als froh, dass ich dem Live- Erlebnis eines Todd Wolfe Konzertes beiwohnen kann.

Mit ihm auf der Bühne sind: Suavek Zaniesienko am Bass und Roger Voss an den Drums. Ich ag’s lieber gleich: Die drei Herren sind genial auf einander eingespielt. So gibt es gleich vom ersten Titel die Power, die ein Powertrio eben zu geben vermag.

Todd ist beileibe kein selbst verliebter Egomane, der nur sich sieht und sich somit ins absolutistische Zentrum spielt. Das Trio ist eine gewachsene, musikalische Einheit. „Einer für alle, alle für einen!“ Dieser musketierische Grundsatz schiebt sich während des gesamten Konzertes immer wieder durch meine Hirnwindungen. Jeder kann sich da auf jeden verlassen. Ein solches Team bei der Arbeit zu sehen, macht so richtig Spaß.

Stilistische Schubladen interessieren Todd Wolfe herzlich wenig. „Ich mache mein Ding, das ist mal mehr Blues, mal mehr Rock, mal mehr egal was. Da lasse ich mir nicht hineinreden.“ Vor dem Konzert haben wir eine Stunde zusammen gesessen und geplaudert. Über Todd’s musikalische Wurzeln, seine Arbeit im Allgemeinen, seine fünf Jahre als Lead- Gitarrist in der Band von Sherryl Crow, über das Damals und vor allem über das Jetzt.

Konzerte in der ganzen Welt. Fernsehauftritte, große Hallen, Ehrungen. Todd kennt den Erfolg, kennt das Gefühl, Mitwirkender in einer Top -Ten Produktion zu sein, weiß um die Bedeutung eines mit Platin ausgezeichneten Albums. Er hat die ganz hohen Weihen des Musikgeschäfts erfahren.

Trotzdem tourt er aktuell mit zwei Kollegen durch die Klubs. Und das Hierzulande. „Deutschland war immer etwas Besonderes für mich. Das sage ich ganz ohne Anbiederei. Das kannst du mir glauben. Ich dachte, die Deutschen seien ganz anders. Was du in den USA so an Filmen gezeigt bekommst, Zweiter Weltkrieg usw. Ach, vergiss es. Es ist wirklich einfach, mit den Leuten hier zu arbeiten. Ich dachte, das ginge alles weniger locker zu. Die Deutschen sind gar nicht so rigide, das findet man eher in England.

Das Konzert selbst? Es ist wieder eines jener, bei denen man nicht merkt, wie die Zeit vergeht. Ein Song folgt dem anderen und nimmt dich mit auf eine wunderbare Zeitreise, stilistisch zurück in die Zeit, die für so viele der zentrale Punkt der Rock- und Bluesgeschichte ist: Den Zeitraum der Endsechziger bis in die Frühsiebziger.

Ausgiebige Gitarren-, Bass- oder Schlagzeugsoli waren damals an der Tagesordnung und gehören somit auch zum heutigen Abend. Gut so!

Ja, und es macht Spaß, jede einzelne Minute dieses Konzerts zu genießen. Am Ende werden es derer knapp 180 sein. Ein tonaler Marathon, wie man ihn heutzutage nur noch selten geboten bekommt. Egal, ob Todd Wolfe einen seiner vielen aus eigener Feder stammenden Titel spielt oder Fremdwerke adaptiert, es ist eine wahre Freude, dieser Band zuzuschauen und zuzuhören.

Ein kleiner Auszug aus der nicht in Papierform existierenden Setliste: «Got To Get Better In A Little While», Chester Burnett’s «Wreck My Life», Peter Green’s «Oh Well», Leslie West’s «Mississippi Queen» oder Bobby Womack’s «It’s All Over Now».

Todd Wolfe besitzt eine kräftige durchsetzungsfähige Stimme, die mich manchmal an Eric Clapton erinnert. Sein Gitarrenspiel ist schlichtweg makellos, gleich ob im Standard- oder im Sildespiel. Seine Soli bestückt er gerne hier und da mit Zitaten aus der moderneren Musikhistorie. Hier blitzt «Spoonful» durch, dort «Voodoo Chile» oder «Laundromat». Immer wieder eine Verneigung vor den Leuten, die ihn beeinflusst haben und immer noch beeinflussen.

Den etwa 40 Leuten im Publikum gefällt’s. Drei Zugaben gibt es.

Fazit: Ein klasse Konzert mit einer sympathischen Band, die Spielwitz und Können gleichermaßen an den Tag legt. Geführt von einem Bandleader, der sein Hand- und Mundwerk versteht. So gebe ich 100 von 100 Punkten oder 21!! Für die gesamte Dauer des Konzerts. Und jetzt schon freue ich mich auf ein Wiedersehen. Vieleicht sind ja dann auch einige von euch dabei. Lohnt sich. Garantiert und auf jeden Fall. Darum uneingeschränkt: Unbedingt nicht verpassen! Unterstützt Leute wie Todd Wolfe. Leute, die es einfach und mehrfach drauf haben. Geht in die Konzerte! Denn: Life is live.

Text und Fotos: (c) 2010 Tony Mentzel


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