The Steepwater Band am 22.03.2010 im Spirit Of 66, Verviers(B)

14 11 2010

Steepwater Band

Mein Blick fällt auf die weinrote Gibson SG, die neben einer ziemlich abgeschrammelten Gibson Les Paul Gold Top im Gitarrenständer vor einem VOX AC 30 Amp „geparkt“ ist.

Das wird keine Party für Zartbesaitete. Wer eine solche Kombination wählt, hat sicher nicht allzu Leises im Sinn.

Das sind so meine Gedanken vor dem Konzertbeginn der aus Chicago stammenden Steepwater Band.

Der Saal füllt sich nur zögerlich. Nun ja, es ist schließlich Montagabend. Am Ende werden es etwa 30 bis 40 Zuschauer sein und diese werden – wie meine oben gemachte Vermutung schon anklingen ließ – ordentlich etwas auf die Ohren bekommen.

Der Begriff «Power Trio» ist bei Jeff Massey (Gitarren, Stimme), Tod Bowers (Bass) und Joe Winters (Schlagzeug) mehr als richtig.

Diese Power stellen sie gleich mit dem Opener «Fire Away» unter Beweis, was die Song- und Spielqualität, aber auch die von mir bereits prognostizierte Lautstärke angeht.

Spontan fällt mir Michael Katon ein, den ich an gleicher Stelle vor einigen Monaten erleben konnte. Der arbeitete jedoch mit einem Schallschutz vor dem Verstärker, hier hat der VOX AC 30 freies Streufeld, aus dem man sich ohne Gehörschutz tunlichst schnell wieder entfernen sollte.

Was für eine Art Musik spielt denn nun die Steepwater Band? Die Antwort darauf ist nicht so ganz einfach. Im ersten Set haben wir es vornehmlich mit sehr ruppigen und rockigen Titeln zu tun, die man teils auch dem Bluesrock zuordnen kann. Ok, das kann man machen, ist gewiss auch nicht schlecht, trifft aber nicht zu hundert Prozent meinen Geschmack. Als Beispiele seien «Indiana Line» oder «Lord Knows» genannt.

Kaum habe ich mich genau damit abgefunden, kündigt Jeff Massey den Sonny Boy Williamson Titel «Ckeckin‘ On My Baby» an.

Und siehe, nein höre, da: Auch das kann diese Band. Sie geht hierbei natürlich eigene Wege und liefert eine ebenso moderne wie eigenwillige Version ab. Klasse.

Nach der 15 minütigen Pause geht’s mit dem Instrumental «What‘ s This» in die zweite Runde. Dieser Titel ist gleich ein Leckerbissen und derer gibt es dann noch mehrere: «You Don’t Love Me», «Hard As Stone», «Rude», oder «The Stars Look Good Tonight». Letzeren Song hat die Band frisch eingespielt und soeben auf einer Maxi- Single CD veröffentlicht.

Für einen Bluesliebhaber, dem noch die CREAM- Version des Robert Johnson Songs «Crossroads» in den Ohren klingt, kommt die Slide- Alternative, wie sie von Jeff Massey und seinen beiden Mitmusikern geboten wird, wie gerufen. Das Thema erfährt hierbei ein weiteres Update, was den Drive und die Intensität angeht. Ausgefeilte Spannungsbögen, tolles Slidespiel und das gefühlte acht bis zehn Minuten.

Überhaupt sind die drei Musiker allesamt Könner auf ihren Instrumenten. Da gibt es nichts zu mäkeln. Rein gar michts.

Fazit. Danke. Das reicht. Es reicht um zu sagen: Wieder eine tolle Band, die ihr eigenes Ding macht, wie auch zum Beispiel «The Perpetrators» oder «The Mighty Orq». Willie Dixon’s Satz «The blues are the roots, everything Else Is The Fruits» bekommt von der Steepwater Band neue Nahrung. Junge Leute, die den Blues ihrer Musik zugrunde legen. Und daraus etwas Eigenständiges schaffen. So geht die Saat wieder einmal auf und bei fortgesetzter sorgsamer Pflege wird sie immer wieder richtig nahrhafte Früchte tragen.
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Nach dem Konzert habe ich Gelegenheit mit Joe Winters, dem Drummer zu sprechen. Das Gespräch beginnt so; „Hi, my name is Joe.“ „I’m Tony. Hey Joe, where are you goin‘ with that drum in your hand?“ Lachen auf beiden Seiten. Ich sage: „Klasse Konzert, das hat mir richtig gut gefallen, auch wenn es sehr laut war.“ Joe lacht wieder: „Mit 15 habe ich hauptsächlich Metallica gehört. Kinder hören fast nie das, was die Eltern hören. Aber dann bin ich auf Aufnahmen gestoßen von Leuten wie Johnny Cash, Willie Nelson, Neil Young, Tom Petty oder auch Muddy Waters. Das hat mein ganzes musikalisches Weltbild geändert. Mit den Jungs hier, das macht richtig Spaß. Genau diese Musik zu spielen, mit all den verschiedenen Einflüssen. Wir sind gerne auf Tour. Hier kennen uns nur wenige Leute, aber sie kommen einfach mal so vorbei. Und dann haben sie ihren Spaß. Und wir wieder unseren. Das ist es, worauf es ankommt. Spaß, Musik und am Leben zu bleiben. Dabei lernst du eine Menge Leute kennen. An viele erinnere ich mich und da können fünf oder mehr Jahre dazwischen liegen. Man trifft sich irgendwann wieder und feiert eine Party. Das ist doch cool, Mann, oder? Und Tony, wenn wir uns tatsächlich erst wieder in fünf Jahren treffen, werden wir uns noch an diesen Abend erinnern.“ – „Das werden wir! Wir bleiben in Kontakt.“- „Ja, schreib mir, hier nimm meine Karte.“

Text und Fotos (c) 2010 Tony Mentzel


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