Michael Katon am 30.11.2009 im Spirit of 66, Verviers (B)

14 11 2010

Michael Katon

Michael Katon, der Boogie Man From Hell, ist ein äußerst sympathischer Mann. Hell ist eine Kleinstadt im US- Staat Michigan und Michael Katon’s Heimatstadt.

Es ist meine erste Realbegegnung mit diesem Mann, seinen Gitarren, seiner Band und seiner Musik. Man hat mich gewarnt, es könne sehr, sehr laut werden.

Der Blick auf die beiden Marshall- Stacks kann aber schon im Vorfeld beruhigen: Vor beiden Verstärkern steht eine Art Schallschutz.

Gleich der erste Akkord auf Michael’s Strat bescheinigt eine gewisse Lautstärke, die für mein Empfinden noch im tolerierbaren Rahmen liegt. Und so wird es dann auch bleiben.

Um einen bestimmten Sound zu erreichen, braucht es halt die entsprechende Phonstärke. Und Michael Katon’s Art, den Boogie zu spielen braucht eben diesen gewissen Sound.

Love it or leave it. Man mag’s. Oder eben auch nicht.

Um ehrlich zu sein: Ich mag es nicht. Nicht aufgrund der Lautstärke. Irgendwie finden die Songs keinen Zugang zu mir oder auch ich nicht zu ihnen. Ich ertappe mich bei dem Gedanken, die Pause zu nutzen und zu verschwinden.

Aber so weit kommt es dann gar nicht. Und das hat zwei einfache und triftige Gründe: 1. Michael denkt überhaupt nicht daran, eine Pause einzulegen (wir erleben ein nonstop Konzert von 165 mit Boogie- geballten Minuten) und 2. Mr. Katon’s Version von John Lee Hooker’s «Crawling Kingsnake» hat etwas derart magisch Mystisches, dass mir alle Abwanderungsgedanken auf einen Schlag abhanden kommen.

Von nun an bin ich Gefangener der Katon’schen Boogiephilosophie. Wie soll man das bezeichnen, was da größten Teils von der Bühne in meine Ohren dringt? Begriffe wie „Speed Boogie“, „Metal Boogie“ oder „Death Boogie“ geistern durch meinen Kopf.

Egal. Wie auch immer: Es gibt die volle Breitseite. Michael Katon und seine beiden Begleiter, der Australier R. J. Davis am Bass und der Niederländer Erwin Gielen an den Drums sind in bester Spiellaune.

Die Setliste wird kurzer Hand über den Haufen geworfen. Michael spielt jetzt die Titel auf Zuruf aus dem Publikum: «Two Angels Flyin’» oder «Rip It Hard» zum Beispiel.

Dann erzählt er die Story von den Cowboy- Stiefeln, die er in einem Kaufhaus seiner Heimatstadt erstanden hat. Diese packt er zuhause aus und muss feststellen, dass sie „Made in China“ sind. Unfassbar: „Cowboy- boots made in China“. Und weil dies eben so unfassbar ist, hat er eben einen Song daraus gemacht, den gibt’s nur hier im Konzert und noch nicht auf CD.

So richtig gefallen kann mir Katon’s Slidespiel. Reminiszenzen werden dabei wach an seinen Bruder im Geiste und in der Lautstärke: Eric Sardinas, mit dem er bereits zusammen 1988 die CD «Proud To Be Loud» (der Titel ist Programm) aufgenommen hat. Hiervon stammt auch der Titel «Boogie Is My Business», den Michael Katon heute auch live bringt.

Irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem keiner im Publikum mehr ruhig stehen kann, der Autor dieser Zeilen nicht ausgeschlossen. Was zu Beginn des Konzerts unmöglich schien, geht letztendlich auf. Hats off to Mr. Katon!!

Das Sahnehäubchen kommt dann zum Schluss und als Zugabe: «Boogie Man». Und das über lockere 15 Minuten, keine Sekunde ist hiervon verschenkt. „Das macht so richtig Spaß heute Abend, ich habe gar keine Lust aufzuhören.“ Das sind Michael’s Worte etwa auf der Hälfte des Songs. Schöne dynamische Bögen, der Dialog mit der Band, lauter, leiser, heftiger, ruhiger, schneller, langsamer, Slide- und Standardspiel. Mr. Katon hat das alles im Griff.

Und doch hat der pausenlose Boogiemarathon nach 165 Minuten ein Ende. Und um jetzt auch wieder ehrlich zu sein: Ich bedauere es. Das Ende.

Das Publikum ist mehr als zufrieden. Der Meister und die Band ebenfalls.

Fazit: Wer Michael Katon noch nicht gesehen hat, sollte ihn unbedingt nicht verpassen. Er ist ein Konzerterlebnis wert. Eventuell Ohrstöpsel nicht vergessen.

Text und Fotos: © Tony Mentzel


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