Jason Ricci & New Blood am 07.06.2009 im Café de Weegbrug, Roermond (NL)

14 11 2010

Jaoson Ricci

Die Harp oder auch Mundharmonika ist ein zierliches Instrument, einst gedacht als Begleiter für unterwegs, um auf der Wanderschaft oder im Feld ein gar fröhlich Liedlein erklingen zu lassen, sozusagen das Akkordeon des kleinen Mannes. Da handlich und vor allem erschwinglich und relativ leicht erlernbar.

Dass eben diese Mundharmonika ihren Weg über den großen Teich gemacht hat und dort als „mouthhrp“ weiter lebt und neben dem Blues auch in anderen Musilstilen (Country, Rock, Jazz) zu einem unverzichtbaren Instrument avancierte, dürfte hinlänglich bekannt sein.

Ebenso, dass es eine Menge gestandener Virtuosen auf diesem Instrument gibt. Little Walter gilt für viele als das große Vorbild. Recht so.

Heute stehe ich einem Vertreter der jüngeren Generation Harper gegenüber: Jason Ricci. Der Name seiner Band «New Blood» ist Programm.

Jason Ricci gibt äußerlich so etwas wie den wilden Punker mit halbseitiger, roter Pumuckelfrisur. Musikalisch ist er ein Tausendsassa allerbester Güte: Stilistisch deckt er die Bereiche, ja, eben von Punk über Rock, diversen Bluesarten bis zum Jazz ab. Und das tut der junge Mann mit solcher Überzeugung und Inbrunst, als gäbe es kein Morgen.

Was Jason Ricci dem kleinen Instrument Harp an Tönen entlockt, ist für einen Normalsterblichen kaum nachvollziehbar.

Ok, die Instrumente mögen modifiziert sein, eine Batterie Effektgeräte für ungewöhnliche Sounds sorgen, am Ende steht aber die Person, die „spielerisch“ damit umgeht. Jason lässt die Harmonika singen, winseln, jaulen, zerren, brachial laut, zerbrechlich leise: Ein Meister der Variation im Ausdruck. Hier klingt das unerhört frisch und neu, dort wieder archaisch und klassisch, zurück zu den Wurzeln eines Little Walters eben. Oder darf’s ein wenig Chopin, «Mache Funèbre» oder Beethovens «Für Elise» sein? Oder die akustische Wandlung der kleinen Harmonika in ein ausgewachsenes Akkordeon für ein instrumental im Walzertakt? Alles das ist möglich dank der Technik und Jason Ricci’s Spielfertigkeit.

Gesanglich verfügt Jason über ein mächtiges Volumen, auch her ist er absolut stil- und treffsicher. Im Timbre erinnert er mich immer wieder an Jim Morrison selig. Vor allem beim Song «As Long As I Have You», der durchaus ein bislang unentdeckter Doors Song sein könnte.

Um noch ein paar weitere Titel des heutigen Abends zu nennen: Little Walter’s Klassiker «Mellow Down Easy», «Broken Toy», das etwas punkige «I Turned To A Martian», «Hip Shake» oder «Drifting Blues».

Unterstützt wird Jason von seiner Spitzenband, allen voran Shawn Starsky aka „Guitarski“ an der Fender Stratocaster. Wieder eins dieser riesigen Talente an den sechs Saiten aus dem schier unerschöpflich scheinenden Pool US- amerikanischer Gitarristen. Im Rhythmus- wie im Solospiel sicher und äußerst varianten- wie ideenreich.

Am Fender Jazz Bass Todd „Buck Weed“ Edmunds, ein Bassmann allererster Güte, das beweist er im Begleitspiel wie in den drei bis vier Soloeinlagen, für die er seine Zeit und seinen Raum bekommt.

Last but not least: Ed Michaels am Schlagwerk. Er trommelte bereits für Alvin Youngblood Hart. Mit ihm komplettiert sich diese Viererbande, sein Spiel sorgt für den nötigen Drive, immer mit guten Ideen und präzise pulsend wie ein gut geöltes Uhrwerk.

Diese Band ist keine Glamour- Showtruppe und nur auf Effekte und Gimmicks aus, sie arbeitet körperlich hart für ihre Musik. Das hörbare Ergebnis trägt dem Rechnung. Kein Titel ist hier unter zehn Minuten, die Jungs geben alles und alles, was und wie sie es geben, ist schlichtweg klasse. Großes Konzertkino.

Zirka 2, 5 Stunden reine Spielzeit, das volle Programm, die volle Breitseite, die investierten 10 Euro Eintritt sind jeden ihrer Cents wert.

Das weiß auch das Publikum und klatscht und johlt noch eine Zugabe herbei, die kommt auch prompt: «Loving Eyes». Der beste Schlusspunkt zu einem rundum mehr als gelungenen Konzert allererster Güte. Und in übervoller Länge.

Fazit: Jason Ricci & New Blood ist immer eine kleinere, mittlere oder auch längere Reise wert, darum unbedingt nicht verpassen.

Text und Fotos 2009 Tony Mentzel


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