Duke Robillard am 01.03.2010 im Spirit of 66, Verviers (B)

14 11 2010

Duke Robillard

1948 wurde “Duke” Michael Robillard in Woonsocket (Rhode Island) geboren. Bereits 1967 gründete er zusammen mit dem Pianisten Al Copley die Band „Roomful Of Blues“, die er dann 1980 verließ. Von 1990 bis 1992 ersetzte er Jimmy Vaughan bei den Fabulous Thunderbirds.

Neben zahlreichen Soloaufnahmen mit eigener Band arbeitete Duke Robillard mit Künstlern wir Bob Dylan, Jimmy Witherspoon, Snooky Prior oder Pintop Perkins zusammen.

Mit Tom Waits ging er auf Tournee.

Im den Jahren 2000 und 2001 erhielt er jeweils den Handy Award als „Bester Gitarrist“. Im Moment ist sein aktuelles Album «Stomp! The Blues Tonight» als “Bestes Traditional Blues Album“ für einen Grammy nominiert.

Duke Robillard ist bei diesen Referenzen also beileibe nicht „irgendwer“ im Blueszirkus.

Gefreut habe ich mich auf sein Konzert schon seit Tagen. Jetzt ist es soweit. Duke und seine drei Mitmusiker betreten die Bühne. Doug James (Tenor-, Baritonsaxofon und Harp), Jesse Williams am Bass und Mark Teixeira am Schlagzeug.

Einstöpseln. Ein kurzes „Hello“. Anzählen. Und das Konzert ist eröffnet.

Der erste Titel ist «Stoned», ziemlich jazzig angehaucht geht es hier zur Sache. In den Soli wechseln sich Doug und Duke meisterlich ab.

Was will man mehr? Es ist gleich der erste Funke, der zündet. Und zwar ein Feuerwerk von Perlen der Stilrichtungen: Jump, Jive, Blues, Swing, Rock’n’Roll, Memphis Soul. Und alles, was dazwischen liegt und so gar nicht in eine Schublade will.

Aber das ist auch nicht nötig. Jeder Titel hat seinen eigenen Charme und seinen eigenen Charakter. Und jeder dieser Titel ist ein Kind des Könnens und der Spielfreude. Improvisationen, die, wenn auch weitläufig, nie im Selbstzweck ertrinken. Stetig akustische Leckerbissen. Und das Schlag auf Schlag. Beim Schauen auf die Greifhand des Meisters bleibt mir nur das mundoffene Staunen, Es sieht alles so lässig leicht aus, wie sich die Finger virtuos über sie Saiten bewegen, um sie zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle auf dem Griffbrett niederzudrücken.

Duke hat zwei Gitarren im Gepäck: Eine sichtlich schon ältere Gibson Les Paul Goldtiop mit einem Bigsby Tremolo und eine Epiphone ES 335. Verstärkt wird das Tonsignal über einen Fender Twin Amp.

Musikalisch nimmt uns Duke Robillard mit auf eine Zeitreise durch seine diversnen Schaffensperioden. Auch der allererste selbst geschriebene Song ist dabei: «I Think You Know»

Und natürlich auch einige der Titel aus dem aktuellen Album «Stomp! The Blues Tonight.». «Three Hours Past Midnight» oder «Frankie And Johnny» beisspielsweise.

T- Bone Walker’ s «Hard Way» ist ebenfalls auf der Setlist. Auch ein Titel des Saxofonisten Doug James ist dabei: «Goin‘ Back To California».
Langweilig wird das Konzert keine Sekunde, für den Spannungsbogen scheint es kein Ende zu geben. Ebenso ist für Aha- Effekte gesorgt: In den Song «Just Because», der aus den Zwanzigern stammt, webt Duke das durch Marilyn Monroe bekannt gewordene «Diamonds Are The Girl’s Best Friend» als Improvisationsthema ein.

Sehr schön auch die Hommage an Les Paul und seine Musik mit dem Titel «I’m Confessin‘ That I Love You» vom in Europa bisher noch nicht erschienenen Album «Tales From The Tiki Lounge», das er mit der Sängerin Sunny Crownover eingespielt hat.

Insgesamt werden wir, die etwa 80 Zuschauer, mit knapp 2,5 Stunden feinster Musik verwöhnt.

Fazit: Ich bin dankbar für einen solch tollen Bluesabend mit einem der wohl besten Gitarristen des Genres, die die Welt momentan zu bieten hat. Einem solchen Mann mit seiner Band bei der Arbeit zuzuschauen, bringt so viel neue und freudige Farbe ins Leben, wie sie mit Geld nicht bezahlbar ist. Da muss es auch nicht immer „Wumm“ machen.

Hier spielt jemand, der die Musik in sich aufgesogen hat und sie lebt und auch liebt. Und das mit jedem Ton. Authentisch bis auf die Knochen. Voller Seele und Gefühl. Herzöglich, aber auch mit einer ihm innewohnenden Bescheidenheit, die nur hohen Könnern vorbehalten ist. Denn diese haben effekthascherischen Firlefanz und Stargehabe bei Gott nicht nötig.

Darum meine uneingeschränkte und nicht weg zu diskutierende Empfehlung: Für jeden wahr- und ernsthaften Bluesenthusiasten ein Muss und deswegen unbedingt nicht zu verpassen.

Text und Fotos © 2010 Tony Mentzel


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