Ana Popovic am 12.03.2010 im Spirit Of 66, Verviers (B)

14 11 2010

Ana Popovic

Irgendwie hatte es bisher nie geklappt mit Ana und mir, besser gesagt mit einem Besuch meinerseits auf einem ihrer doch zahlreichen Konzerten. Vielleicht waren es auch innere Widerstände, da mich ihr auf Tonträgern gebanntes Werk bislang nicht sonderlich vom Hocker riss. Aber da kannte ich Ana Popovic’s «Ana! Live In Amsterdam» CD noch nicht. Doch dies hat sich mittlerweile geändert, wie auch meine Abstinenz bei ihren Bühnenpräsentationen.

Und so bewahrheitet sich Bo Diddley’s Aussage im Titel «You Can’t Judge A Book By Looking At The Cover…» und ich bin versucht anzufügen: «You Can’t Judge A Musician By Listening To His/Her CDs». Oder grob auf Deutsch zu sagen: “Wat dr Buur nit kennt…dat frisst er nit.”

Es ist Freitagabend, die Stresswoche liegt hinter mir und ich habe Lust, mir noch etwas zu gönnen. Mein Terminkalender schlägt mir das „Spirit Of 66» vor, in dem heute eben besagte Frau Popovic nebst Band einen Auftritt hinzulegen plant.

Warum eigentlich nicht? „Also mehr Mut zur Toleranz und zum eigenen Eindruck verschaffen!“, das sage ich mir. Hinein ins Auto und ab durchs Hohe Venn nach Verviers.

Der Saal ist schon eine Stunde vor Beginn reichlich gefüllt, das lässt darauf schließen, dass er später proppenvoll sein wird. Ich werde Recht behalten mit meiner Vermutung. Jetzt gilt es, vor der Bühne noch einen günstigen Platz zum Fotografieren zu bekommen. Heute ist das nicht so ganz einfach, aber es gelingt mir doch.

Gegen 22Uhr betreten der Drummer Stéphane Avellaneda, der Keyboarder Michele Papadia und der Bassist Ronald Jonker die Szene.

Einzählen, die Bandmaschine läuft funkig an. Einheizen, Ronald Jonker kündigt lautstark ähnlich wie bei einer Boxveranstaltung die fantastische Ana Popovic an. Diese lässt nicht auf sich warten. Sie greift sich einer ihrer drei bereitstehenden Stratocaster. Und gleich bei den ersten Takten, macht sie klar, dass sie ein solches Instrument nicht zum ersten Mal in Händen hält.

Dass die Lady Gitarre spielen kann, damit hatte ich gerechnet. Dass sie allerdings mit einer so einer klasse Stimme aufwartet, das hatte ich nach Hören ihrer Titel von den Silberlingen nicht erwartet. Umso besser. Sie liefert hier eine ziemliche Bandbreite ab: Von mädchenhaft klar bis tiefschürfend schwarz. Alle Achtung! Kompliment.

Musikalisch bewegt sich das Spektrum von funkigen über rockige, jazzige bis hin zu bluesigen Tönen. Und mal ganz ehrlich: Bei letzteren, da liegt sie ganz richtig. Man möchte schreien: „Ja, mehr davon!“ Das erste Mal sticht sie in dieser Sparte mit dem Song «Blues For M» von ihrer aktuellen CD « Blind For Love». Wie bei den meisten Titeln heute Abend überschreitet sie hier die noch fürs Radio taugliche und grenzwertige Länge von etwa fünf Minuten, wie sie auf der CD vorgegeben ist.

So gibt es genügend Raum für Improvisationen, den Ana nicht nur für sich beansprucht, sondern auch ihren Mitmusikern einräumt.

«Bigtown Playboy» ist auch so ein Knaller. Klasse Slidespiel mit nicht übertriebenem Wah-Wah Einsatz. Es passt, es ist gut, es ist mehr als das. Feine Orgeltupfer.

Fundierendes Bassspiel. Treibende Drums. Auf die Uhr schaue ich nicht. Doch gefühlt geht wohl kaum ein Titel unter die acht bis zehn Minuten Grenze.

Ebenfalls ein Highlight Big Mama Thornton’s «You Don’t Move Me No More»

Da oben auf der Bühne steht eine Band, die weiß, was sie tut, was sie zu tun hat, um den Fans das zu geben, was diese erwarten. Schlicht gesagt: Das volle Brett!
Für mich das wahre I- Tüpfelchen bei der Songauswahl ist das einem Ana’s größten Einflussgeber, nämlich Stevie Ray Vaughan, gewidmete Instrumental: «Navajo Moon». Leichte Anleihen bei Stevie’s «Reveira Paradise» oder «Lenny». Sehr viel Feeling legt sie in diesen Song, eine Wonne, ihr beim Spiel zuzusehen und zuzuhören.

Ganz erfreut war ich, als ich in der Pause sah, dass dieser Titel auch Bestandteil der CD «Ana! Live In Amsterdam» ist. Anlass für mich genug, mir das 2005 erschienene Album zuzulegen. Außerdem trommelt dort noch Denis Palatin. Ein grund mehr. Ein Kauf ohne Reue, wie sich schon später auf der Heimfahrt dokumentiert.

Was will man mehr an einem eiskalten immer noch winterlichen Freitagabend im März als zirka 150 Minuten beste Unterhaltung wie diese! Und das mit vier Musikern, die alle ihr Handwerk verstehen. Klasse Show, klasse Musik, klasse Sound, klasse Stimmung.

Wenn die nächsten CD- Produktionen sich mehr an dem Livegeschehen orientieren und die hier aufs Nötigste reduzierte Instrumentierung, dann werde ich sicher zu deren Käufer gehören.

Nach der Show signiert Ana geduldig CDs und posiert mit Fans für deren Fotosammlung. Dabei wertet sie sicher jedes einzelne dieser Fotos mit ihrem Lächeln auf.

Fazit: Mir hat es gereicht. Mehr als das. Und ich werde sicher wieder dabei sein. Wenn sie wieder in der Nähe ist. Irgendwann. Demnächst. Und vielleicht sieht man sich ja. Unbedingt. Nicht verpassen.

Text und Fotos © 2010 Tony Mentzel


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