Maurizio Pugno Band feat Mark DuFresne & Sugar Ray Norcia am 23.01.2010 im Razzoo, Uden (NL)

14 11 2010

Maurizio Pugno

Maurizios Einladung zur Release- Party der neuen CD «Kill The Coffee» steht schon eine ganze Zeit, meine freudige Zusage so ziemlich eben so lange. So mache ich mich an diesem Samstagspätnachmittag auf ins niederländische Uden, das etwa 40 km von Eindhoven entfernt liegt. Für mich eine Strecke von etwa 180 km. Also zirka zwei Stunden winterliche Fahrt. Sei’s drum. Was mich erwartet, hat garantierten Seltenheitswert: Zwei ehemalige Mitglieder von «Roomful Of Blues» auf einer gemeinsamen Bühne zu erleben und das gestützt von einer Band unter Leitung des grandiosen „Maestro“ Maurizio Pugno, die sich im internationalen Vergleich, nirgends, aber wirklich nirgendwo, verstecken muss.

Das Wiedersehen mit Maurizio und der Band ist äußerst herzlich, ebenso das mit Sugar Ray, den ich vor eineinhalb Jahren zum ersten Mal getroffen habe.

Als Opener spielt ab 20:30 Uhr das niederländische Trio Danny’s Rock & Roll Acoustics. Bestzung: Gesang, akustische Gitarre, Kontrabass und Schlagzeug. Geboten werden hier Rock’n‘ Roll, Blues und Rockabilly Klassiker à la Elvis, Carl Perkins, Stray Cats. Die drei Jungs machen ihre Sache sehr gut. Die Stimmung ist vorgeheizt, der Saal des Razzoo füllt sich zusehends.

Kurz nach 22Uhr ist es dann so weit: Mit «Tronfy, The Weeper», einem swingendem, jazzig angehauchten Instrumental, eröffnet die Maurizio Pugno Band ihr Set. Für Maurizio die erste Gelegenheit, das Beste aus seiner Telecaster herauszuholen. Und wie er hier diese Gelegenheit nutzt!Schon jetzt ist klar, dass sich jeder der 180 Kilometer gelohnt hat. Und auch die für die Rückfahrt.

Mark DuFresne betritt die Bühne. Ein nicht nur musikalisches Schwergewicht. Ausdrucksvoll im Gesang und im Harmonikaspiel gleichermaßen. Der erste Titel ist «Lion’s Den», gleichzeitig auch der Opener auf dem neuen Silberling.

Es folgt die erste Stunde allerfeinsten und reinen Musikgenusses. Man wähnt sich in Chicago in einem dieser legendären Bluesschuppen. Ich lehne mich innerlich zurück und lasse das zu Gehör Gebrachte auf mich einwirken. Diese Musik ist authentisch und weiß mich fortzureißen und mitzunehmen.

Es ist das Geheimnis einer hohen Kunst, und Kunst kommt bekanntlich von Können und davon haben alle Musiker auf dieser Bühne reichlich.

Am Schlagzeug Gio Rossi, ein ausgefuchster Drummer, der beinahe unauffällig alles das bietet, was ein Schlagwerker auf höchstem Niveau bieten muss.

Lucio Villani spielt den Kontrabass. Konzentriert und immer auf der Höhe des Geschehens.

Statt des Pianisten/Organisten Alberto Marsico, der auf der CD die Tasten bedient, sitzt heute Marco Meucci am Keyboard. Auch er hat sein (Tasten)Handwerk gelernt und brilliert immer wieder durch wunderschöne Sololäufe.

von links nach rechts: Sugar Ray Norcia, Maurizio Pugno, Mark DuFresne & Sugar Ray Norcia

Nach Mark’s Auftritt geht es ohne Pause weiter: Sugar Ray Norcia übernimmt den Gesangs- und Harppart.

Es ist, als gäbe es jetzt noch eins obendrauf. Jedenfalls kommt es mir so vor. Vielleicht ist es aber einfach nur das Verlangen nach Mehr, was mir diesen Eindruck vorgaukelt. Sugar Ray ist ein weiterer absoluter Meister seines Fachs.

«Rocking Sugar Daddy», «I Like It Like That» oder «Big Party At My House» nehmen uns mit auf die facettenreiche Reise durch die bunten Stilarten des Blues. Es ist ein Trip, von dem man sich wünscht, das niemals aufhören mag.

Aber auch die besten Dinge kommen mal zu einem Ende. Und das Ende dieses Abends hat es dann noch einmal in sich: Mark DuFresne und Sugar Ray Norcia stehen nun gemeinsam auf der Bühne und wechseln sich im Lead- Gesang und im Harpspiel ab. Sie spornen sich, ja feuern sich gegenseitig an. Es wird improvisiert, was das Zeug hält. Es ist gnadenlos gut und frisch und unverbraucht. Ein akustischer Taumel in schier unendliche Weiten.

Jetzt, knapp 48 Stunden nach dem Erlebten, in dem Moment, in dem ich das hier niederschreibe, kommt mir der gesamte wunderbare Abend noch einmal ins Bewusstsein. Und mir wird schmerzhaft klar, dass ich das Gehörte und Gesehene nur annähernd in Worte fassen kann.

So etwas kann man nicht wiederholen. So etwas ist einmalig. Ich werde noch lange an diesen Abend zurückdenken.
Deshalb auch ein Riesendanke an alle, die dieses unvergessliche Erlebnis möglich gemacht haben: Grazie. Thanks. Bedankt.

Fazit: Sollte dieser feine Blueszirkus oder auch nur irgendwelche Teil- oder Untermengen hiervon in eine irgendwie erreichbare Nähe zu euch kommen: Unbedingt nicht verpassen. Denn das wäre eine Sünde.

(C) Text und Fotos 2010 Tony Mentzel


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