Tommy Schneller – „Cream Of The Crop”

23 03 2014

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Cream Of The Crop“ ist der Titel des neuesten Werkes des Osnabrücker Saxofonisten und Sängers Tommy Schneller. Übersetzt heißt das: „Allererste Sahne“ und damit erübrigt sich eigentlich, dass ich hier noch weiter schreibe. Denn der Titel beschreibt in der Tat – ich nehme es gleich vorweg – die hervorragende Qualität dieses Silberlings. Er ist schlicht gesagt die ersehnte und konsequente Fortsetzung der CD „Smiling For A Reason“ aus dem Jahr 2011. Und wieder ist Tausendsassa Henrik Freischlader als Produzent, Gitarrist, Bassist, Drummer, Backgroundsänger und Songschreiber zu erwähnen. Zudem erscheint das Album auf seinem Label „Cable Car Records“. Die göttlich- knackigen Bläsersätze wurden vom Trompeter Gary Winters, dem Posaunisten Dieter Kuhlmann und Tommy Schneller selbst arrangiert. Zu erwähnen ist noch Gregory Barrett, der neben Lyrics natürlich noch die Arbeit an an den schwarz- weißen Tasten beisteuert. An den Reglern, die den Sound bedeuten saß wieder einmal Martin Meinschäfer.
Stilistisch bewegt sich die Musik wieder zwischen Blues, R&B, Funk, Soul und Jazz und allen möglichen Zwischentönen. Als Anti- Schubladendenker ist mir sowieso ganz subjektiv nur wichtig, ob die Musik bei mir ankommt, mich in ihren Bann zieht, mich eventuell nicht mehr los lässt, zündet und mich zum Wiederhören verführt. Genau dieser Verführung erliege ich immer wieder (und das sowas von gerne), seitdem diese CD erstmals in meinem CD- Player rotiert ist. Bluesig, relaxt, laid- back der erste Titel „Hands In The Air“. Der perfekte Einstieg, der die Lust auf mehr gleich anstachelt. Genau diese Lust wird im Folgenden Schlag auf Schlag befriedigt. Musik, die man zu jeder Gelegenheit hören kann: In der Hängematte, auf der Tanzfläche, bei Autofahrten, was weiß ich …

Der Titel, der sich beim ersten Hören gleich als einschmeichelnder Ohrwurm entpuppt hat, ist „Isn’t It New“. Ein fürchterlich schöner Lovesong. Aber neu, auf keinen Fall. Jedenfalls stilistisch nicht. Was aber absolut nicht schadet, denn er nimmt uns mit zurück in selige Motown- Zeiten. Und dieser Bläsersatz. Zum Dahinschmelzen. Und Henrik Freischladers Gitarrensolo. Und Tommy’s Stimme. Perfekter Song. Leider mit über 6 Minuten Spieldauer mal wieder nicht sendefähig für die gängigen Formatradios. Dabei könnte der Song von mir aus unendlich weiter gehen und die Radios (hallo, Musikredakteure!!) hätten mal einen wirklich guten Song im Programm.

Der Anschlusstitel :“Your Somebody Else“ zieht wieder in bluesige Tiefen und besticht durch ein Gänsehaut- Sax- Solo. Augen zu und einfach genießen.

Beim ersten Durchlauf der CD ist mir noch das feine Solo von Trompeter Gary Winters aus dem letzten Track „You Don’t Seem To Care“ im Ohr hängen geblieben.

Beim zweiten Hören waren es noch ganz andere kleine und große Mosaikstücke, die diese CD zu einem (immer wieder aufs Neue) hörenswerten Erlebnis werden lassen. Das geht sicher nicht nur mir so, wenn man mit offenem Ohr und offenem Herz dieses Album genießt.

Wer Tommy Schneller und seine Band auf der aktuellen Konzerttour sehen kann, sollte nicht versäumen, nach dem Gig einen dieser Silberlinge zu erstehen und ihn sich gleich signieren zu lassen. Eine gute Geldanlage, völlig legal und ohne steuerrechtliche Folgen. Dafür mit Genuss pur. Das Album gibt es zudem auch auf Vinyl.

Und für die, die die Tour verpassen, gibt es eine Reihe Online- Wege, das Werk käuflich zu erwerben. Auf Tommy Schnellers Webseite zum Beispiel. Also… mit bester Empfehlung: „Cream Of The Crop“ !!

Tommy Schneller (2)
Weitere Fotos zu Tommy Schneller und seine Band hier oder durch Klick auf das Foto oben ..


Cream of the crop





Layla Zoe – The Return of The Firegirl

8 05 2012

Layla Zoe

Layla Zoe, die großartige Blues- Sängerin aus Kanada, ist wieder in Europa unterwegs.
Begleitet wird sie von Hardy Fischötter an den Drums, Kai Warszus am Bass und Jens Filser an der Gitarre. Power Trio meets Power Voice.

Das Eröffnungskonzert der Tour findet am 07.05.2012 im Spirit of 66 in Verviers statt.

Das erste Set besteht aus Bluesklassikern wie „Walking Blues“, „Little Red Rooster“ oder „Hoochie Coochie Woman“, aber auch Songs ihrer früheren Alben z. B. „Leave You For Good“ oder „Someday“.
Das alles macht schon mal eine ganze Menge Spaß, denn Layla Zoe wäre nicht Layla Zoe, wenn sie nicht völlig n ihren Songs aufgehen würde. Und genau das tut sie. Und zwar von Anfang an. Sie lebt jedes Wort, das über ihre Lippen kommt. Genau das macht ihre Performance authentisch.

Nach ihrer fulminanten Tour im November 2011 zusammen mit Tommy Schneller war ich natürlich gespannt auf dieses Wiedertreffen. Enttäuscht werde ich hier keine Sekunde lang, denn auch im zweiten Set, in dem sie Titel ihrer aktuellen CD „Sleep Little Girl“ präsentiert, gibt sie wieder alles. Ein Versprechen, das sie den Zuhörern gleich zu Beginn des Konzerts gegeben hat, findet in jedem Song seine Erfüllung.

Francis Geron hat gut daran getan, ihr die Chance zum Auftritt in seinem mittlerweile legendären Club „Spirit of 66“ zu geben. Wenn sich auch heute noch nicht die Massen vor der Bühne drängen, so kann das beim nächsten Mal schon ganz anders aussehen.

Ein Anfang jedenfalls ist gemacht und ich kann nur jedem empfehlen, einen der mitreißenden Gigs wahrzunehmen. Für mich ist Layla Zoe bereits eine der ganz Großen und sie hat es verdient, dass ein großes Publikum sie wahrnimmt. Denn sie ist mit einer Stimme gesegnet, die in der Lage ist, ihrer Seele tiefen Ausdruck zu verleihen. Zudem wird sie auf dieser Tour von Musikern begleitet, die genau dies zu unterstützen wissen.

You’ll get the real deal…

Unbedingt nicht verpassen, hier die weiteren Tourdaten:
10.05.2012 – L’Inoui, Redange, Luxemburg
11.05.2012 – L’Inoui, Redange, Luxemburg
12.05.2012 – L’Inoui, Redange, Luxemburg
16.05.2012 – Museumskeller Erfurt
17.05.2012 – Jazzclub Bielefeld
18.05.2012 – Garbaty, Berlin
19.05.2012 – Räucherei, Kiel
20.05.2012 – Downtown Bluesclub, Hamburg
22.05.2012 – Spectrum, Augsburg
23.05.2012 – Colos-Saal, Aschaffenburg
24.05.2012 – Jubez, Karlsruhe
25.05.2012 – Live Club Barmen, Wuppertal
26.05.2012 – Musiktheater Piano, Dortmund





Tommy Schneller & Band am 15.03.2012 in der Kornbrennerei in Bröleck – Konzertbericht

21 03 2012

Tommy Schneller & Band

Nach der fulminanten November- Tournee, bei der die aktuelle CD «Smiling For A Reason» vorgestellt wurde, also wieder ein Live- Zeichen des in Osnabrück beheimateten Sängers und Saxofonisten.

Am Schlagzeug sitzt jetzt Bernhard Weichinger, den Bass zupft nun Maik Reishaus und an der Gitarre erleben wir wieder Jens Filser, der auch schon auf der letzten Tour für die sechs Saiten zuständig war.

Gregory Barrett an den Tasten (u.a.heute an einer wunderschönen Hammond aus dem Jahr 1955), Gary Winters an der Trompete und Dieter Kuhlmann an der Posaune waren auch schon auf der CD vertreten und runden somit das Septett ab.

Seit zwei Tagen ist man zum Proben bereits hier in diesem tollen Ambiente der früheren Kornbrennerei. An den Songs wurde noch mal mächtig gefeilt, denn das Konzert wird akustisch wie optisch mitgeschnitten. Auf die Ergebnisse kann man gespannt sein.

Wer also die CD kennt, kann sich heute auf eine 1:1 Live- Umsetzung plus einiger Zusatztitel freuen. Genau diese Freude stellt sich auch sofort bei den ersten Takten ein und ich verrate es lieber gleich: Mich (und wohl auch die zahlreich erschienenen anderen Zuhörer) wird diese Freude das gesamte Konzert über begleiten.

Die Spielfreude dieser Band reißt einfach mit, Partystimmung kommt auf. Gründe zum Lächeln gibt es mehr als genug. Mich beeindruckt vor allem der Bläsersatz, der dem Sound den absoluten Groove- Stempel aufsetzt.

Soloeinlagen aller Beteiligten unterstreichen deren musikalisches Können, das auch im Bandgefüge jederzeit spürbar ist.

Über allem dann noch Tommy Schnellers unverkennbare Stimme, die den Songs schließlich das berühmte I- Tüpfelchen aufsetzt. Der Sound ist erste Sahne, hier matscht nichts, jedes Instrument ist klar zu vernehmen.

Für die Studio –CD hat Tommy bekanntlich inzwischen den Preis der deutschen Schallplattenkritik bekommen. Und das zu Recht. Aber: There is no music like live- music. Ja, genau diesen Satz kann ich heute wieder einmal unterstreichen: An Live- Musik kommt keine Tonkonserve heran. Das gilt auch für diesen Abend: «Cleaning Lady Blues», «Dog’s Life» oder Henrik Freischladers wunderbare Ballade «Get Closer» und all die anderen Titel klingen frischer als je zuvor.

Warum verfliegen gute Zeiten eigentlich gefühlt immer schneller als schlechte? Heute Abend habe ich das Gefühl die Uhr tickt mindestens dreimal so schnell wie sonst. Und irgendwann ist Zugabenzeit und irgendwann ist wirklich Schluss. So ist der Lauf der Zeit, eben auch der guten.

Und es ist Zeit für Glückwünsche zu dieser gelungenen Aktion, Zeit für Gespräche, Zeit zu lachen, Zeit, diesen herrlichen Abend bei dem einen oder anderen Getränk ausklingen zu lassen. Es ist aber auch Zeit für die Erkenntnis, wieder einmal einer Band begegnet zu sein, die ihresgleichen sucht. Macht weiter so und gebt uns die Möglichkeit, euch noch oft auf den verschiedensten Bühnen zu erleben.

Den letzten Appell richte ich auch an die Veranstalter: Mit dieser Band kann man einfach nichts falsch machen.

Und den potenziellen Zuschauern sage ich: Unbedingt nicht verpassen!! Man sieht sich also…





Tommy Schneller & Band am 15.03.2012 , Kornbrennerei in Bröleck – Slideshow

17 03 2012

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Tommy Schneller & Layla Zoe @ Schwarzer Adler in Rheinberg, 2011-11-25

27 11 2011

Tommy Schneller & Layla Zoe

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Tommy Schneller – Smiling For A Reason – CD Kritik

18 11 2011

Tommy Schneller - Smiling For A Reason

„Smiling For A Reason“…so heißt die neue Scheibe des aus Osnabrück stammenden Saxofonisten und Sänger Tommy Schneller. Beim Lesen des Titels stellte sich bei mir sofort und insgeheim die Frage, warum es denn etwas zu lächeln gibt.

Auf diese Frage gibt es gleich mehrere Antworten: Das optisch gelungene Cover, das wohl geratene Booklet, die stimmige Produzentenarbeit von Henrik Freischlader, der auch als Musiker, Komponist und Textschreiber für einige Titel verantwortlich zeichnet, die übrigen Musiker, die ihr Handwerk verstehen und last but not least der Protagonist Tommy Schneller selbst.

Klar, eine CD ist rund, das wissen alle. Doch diese CD ist rund im doppelten Sinne: Hier findet sich eine gelungene Songauswahl, die schlicht und einfach von allen Beteiligten wunderbar akustisch umgesetzt wird.

Wer die musikalischen Schubladen braucht, der wird die Etiketten Funk, Soul, Blues oder R’n’B auf diese kleben. Das geht auch so in Ordnung.  Man kann aber auch darauf verzichten und sich einfach treiben lassen von einem Titel zum anderen. Vielfalt ist geboten, für jede Stimmungslage ist etwas dabei.

Stimme und Saxofon streichen bisweilen sanft über die von ihnen verursachte Gänsehaut. Wer dies nachempfinden möchte, dem empfehle ich als Anspieltipp „ Blues for the Ladies“ oder „ Get Closer“.

Wer es ein weniger fetziger braucht, dem seien „ Cleaninglady Blues“ oder „ Shaky Lies“ ans Herz oder besser in die Beine gelegt.

Leute, Weihnachten steht vor der Tür. Diese CD ist ein tolles Geschenk für alle die, denen die Glocken sonst immer zu süß klingen.

Mein Tipp: Am Heiligen Abend in den Player legen, diesen auf Endloswiederholung  einstellen und ruhig bis zur Silvesterparty durchlaufen lassen.

Und: Ihr werdet dann sicher noch mehr Gründe finden zu lächeln. Die Angelächelten werden es euch danken.

Tony Joe Gardner





Layla Zoe & Tommy Schneller feat. Henrik Freischlader am 04.11.2011, LCB in Wuppertal – Konzertbericht

7 11 2011

Zwei hervorragende Künstler bringen je eine neue CD auf den Markt, die von ein und demselben Produzenten stammen, der darüber hinaus selbst ein hervorragender Musiker ist und dies auf beiden Produktionen zudem eindrucksvoll unter Beweis stellt.

Henrik Freischlader – gleich in mehreren Funktionen: Gitarrist, Bassist, Schlagzeuger,  Backgroundsänger, Komponist, Textschreiber und Produzent – zeichnet verantwortlich für Layla Zoe’s CD „Sleep, Little Girl“ und Tommy Schneller’s „Smiling For a Reason“.

Was liegt näher, als das Ganze dann dem geneigten Publikum auch live zu präsentieren? So wurde eine Tour zusammengestellt, die 16 Termine umfasst und quer durch de Republik führt und auch zwei Stationen in der Schweiz vorsieht.

Den Anfang macht das Konzert im proppenvollen LCB in Wuppertal.

Die Besetzungsliste ist illuster und ebenso interessant. Neben den beiden Hauptakteueren Layla Zoe und Tommy Schneller stehen Jens Filser – Gitarre & Vocals, Henrik Freischlader – Bass & Vocals, Hardy Fischötter – Drums und Gregory Barrett – Keyboard & Vocals mit im Scheinwerferlicht.

Das Konzert ist in zwei Sets aufgeteilt, Tommy Schneller bestreitet den ersten Part.

Opener ist wie auf dem Album „Cleaning Lady Blues“. Damit fahren Tommy und die Band gleich die ersten vollen Punkte ein. Viele im Publikum sind sicher gespannt auf Henrik Freischladers neue Rolle als Bassist. Wenn man’s nicht wüsste, dass er sonst den Sechssaitern sehr verpflichtet ist, würde es sicher nicht weiter auffallen, dass er heute in fremden Gewässern fischt. Genau das tut er unauffällig, aber gekonnt und immer präsent.

Tommy Schnellers gesangliche oder Saxofon spielerische Qualitäten sind hinlänglich bekannt, was er auf unzähligen Konzerten und Studioaufnahmen sei es mit eigener Band oder als Gastmusiker stets beweisen konnte.

So auch auf der aktuellen CD, deren Titel wir heute Abend in leicht geänderter Reihenfolge präsentiert bekommen.

Auch ohne die auf dem Silberling in einigen Titeln eingesetzte komplette Hornsection, klingen die Songs, so wie Songs aus dem R’n’B, Soul- und Bluesbereich klingen sollen. Schlicht gesagt: Es groovt wie die sprichwörtliche Sau.

Es macht Freude, den fünf Musikern zuzuhören und zuzusehen. Hier sind Vollblutprofis am Werk, die trotz aller Professionalität eins nicht vermissen lassen: Den eigenen Spaß an ihrem Tun.

Eben dies setzt sich dann auch nach der kurzen Pause fort, als die aus Kanada stammende Layla Zoe den Platz am Mikrofon übernimmt.

Was dieses und damit wir im Publikum von nun an zu hören bekommen, ist eine Stimme, die ohne Zweifel in der Lage ist, die Grundfesten so mancher Konzerthalle zum Beben zu bringen.

Diese Frau ist beseelt von einer stimmlichen Power, die ihres Gleichen sucht. Da Vergleiche mit anderen lebenden oder leider schon von uns gegangenen Sängerinnen im Genre Rock oder Blues eigentlich nur hinken können, möchte ich an dieser Stelle einfach darauf verzichten, obwohl Layla Zoe sich sicherlich hier ohne jeglichen Punktabzug einreihen kann. Die Beurteilung möchte ich dem geneigten Zuhörer gerne selbst überlassen. Also nichts wie hin in die folgenden Konzerte.

Mich jedenfalls überzeugt Layla Zoe in jeder Sekunde.

Dazu kommt die Auswahl hochklassiger Songs. Mein Lieblingstrack «Black Oil» vom Album ist auch heute Abend mein Favorit. Blues vom Allerfeinsten.

Die Zugaberufe am Schluss des Sets sind laut und äußerst berechtigt.

Dem wird dann auch mit zwei weiteren Songs Rechnung getragen. Von Tommy Schneller gibt es zusammen mit Layla den Marvin Gaye Klassiker «How Sweet It Is» und das Sahnehäubchen am Schluss bildet der Titelsong von Layla Zoe’s CD «Sleep, Little Girl». Diesen bringt sie zusammen mit Jens Filser an der Akustikgitarre zu Gehör.

Fazit: Die Tour geht noch bis Ende November. Sicherlich ist eins der Konzerte für euch in erreichbarer Nähe. Darum also unbedingt nicht verpassen!

Text und Fotos © 2011 Tony Mentzel





Layla Zoe & Tommy Schneller am 04.11.2011, LCB in Wuppertal – Diashow

6 11 2011

Layla Zoe & Tommy Schneller

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Morblus, 20th Anniversary Concert, 2011-09-09, Teatro Romano, Verona (I) – Review

3 10 2011

Im Angesicht der heutigen Plastik- Wegwerf- Eintagsfliegen- Musik ist es schon erstaunlich, dass es (zum Glück) noch Bands gibt, die von sich behaupten können, seit 20 Jahren die Bühnen dieses Globus zu bespielen.

Leider ist es aber so, dass deren (Über-)Leben abseits, der Mega- Events à la Lady Gaga, Robbie Williams und Konsorten verläuft.

Oder ist es auch vielleicht dieses Nischendasein, das den Hunger nicht abebben lässt auf ein Weiter und Weiter?

Morblus ist so eine Band, die die Hauptverbindungsstraßen in Mitteleuropa bald blind fahren könnte. Kein Weg ist zu weit, keine Bühne zu klein. Spielen. Spielen. Spielen,

Mag sein, dass die vier aktuellen Mitglieder dieser Formation Getriebene sind. Was soll’s? Egal, wo sie auftreten: Sie finden stets offene Ohren und der Beifall ist gewiss.

Die Fangemeinde wächst stetig und das ist gut so und hart verdient. Mittlerweile weiß ich nicht mehr, wie oft ich diese Italiener bereits auf irgendwelchen Bühnen gesehen habe. Es waren Konzerte in Frankreich, in den Niederlanden, in Belgien, in Luxemburg (nass bis auf die Knochen), in Deutschland und jetzt in ihrem Heimatland Italien.

Schon beim Verlassen des Fliegers weht uns ein herzlich warmer Wind entgegen. Ein gutes Omen. Denn im Verlaufe des Tages und des Abends soll es uns noch ein bisschen heißer werden.

Das Teatro Romano in Verona wird im doppelten Sinne zum historischen Ort der fälligen Geburtstagsparty.

Der Nachmittag dieses neunten September des Jahres Zweitausendundelf ist dem peniblen Soundcheck gewidmet. Alles läuft streng nach Plan. Schließlich soll das Spektakel mitgeschnitten werden.

Alle sind hoch konzentriert bei der Arbeit, die Musiker, die Tontechniker, die Beleuchter und alle die, die ihre Aufgaben mehr oder weniger im Verborgenen verrichten. Aber der Spaß kommt auch nicht zu kurz. Beste Arbeitsbedingungen für alle.

Das Konzert wird eine musikalische Revue der letzten 20 Jahre Bandbestehens. So sind auch einige der ehemaligen Mitglieder vor Ort. Lele Zamperini zum Beispiel, der mittlerweile die Trommelstöcke für Rudy Rotta wirbelt oder der Gitarrist Luca Boscagin, der zurzeit in London wohnt und sich dem Jazz widmet. Auch der ehemalige Drummer Matteo Breoni und der ehemalige Bassist Gianni Sabbioni und der zweite Keyboarder Giancarlo Zucchi sind anwesend. Abgerundet wird das Ensemble durch die drei Damen von Hillbilly Soul, Simonetta Basile, Marie Claire Dubost und Stefania Targa, die für den Backgroundgesang verantwortlich sind.

Dann noch die illustren Gäste: Enrico Crivellaro, für mich einer der herausragendsten Gitarristen der Szene, Marco Pandolfi, ein erstklassiger Harmonikaspieler, davon konnte ich mich schon vor zwei Jahren beim Bluesfestival in La Chèze  überzeugen, Tommy Schneller, großartiger Saxofonspieler (schreibt man das wirklich jetzt mit „f“ statt „ph“?) und Sänger, sowie Olli Gee, als langjähriges Mitglied der Blues Company gestandener und ausgezeichneter Bassmann.

Die Stimmung ist gut an diesem sonnigen Nachmittag. Immer wieder betreten Touristen das Halbrund des antiken Teatro Romano. Manche verharren eine geraume Weile und beobachten das Geschehen, bevor sie weiterziehen.

Es macht Spaß, den Proben zuzusehen und zuzuhören.  Einsätze, Solopassagen werden verabredet. Alles läuft wie am sprichwörtlichen Schnürchen.

Gegen 18 Uhr beschließe ich, noch kurz ins Hotel zu fahren, einchecken und schleunigst unter die Dusche und die angeschwitzten Klamotten gegen frische tauschen.

Gegen 20 Uhr bin ich zurück. Im Backstagebereich stehen ein paar Pizzahäppchen bereit, die eine oder andere Flasche Amarone findet sich plötzlich nur noch mit Luft gefüllt.

Pünktlich um 21 Uhr heißt es dann: „Showtime!“.

Und es wird eine Show der Extraklasse: Drei Stunden werden die Zuhörer im altwürdigen Theaterhalbrund verwöhnt mit Titeln aus der Geschichte des Blues, die unweigerlich auch ein Teil der Geschichte dieser famosen Band ist.

Harmonika-, Orgel-, Gitarren-, Saxofonsoli geben sich die Notenschlüssel in die Hand.

Und das alles vom Allerfeinsten.

Auch heute, da das Ganze schon über drei Wochen Geschichte ist, überläuft mich noch der ein oder andere Wonneschauer, wenn ich an dieses Konzert denke.

Ja, ich bin Fan auch dieser Band, aber ich bin auch Musikkenner genug, um zu behaupten (völlig subjektiv natürlich), dass dies eins der besten Konzerte war, die ich bisher die Freude hatte, mitzuerleben.

Hier stimmt wirklich und einfach alles: Die Musik, die Interpreten, das Ambiente, das Publikum.

Der alte Titel von Albert King: „ I’ll Play The Blues For You“ wird zum unausgesprochenen Motto des Abends. Roberto Morbioli und alle auf der Bühne Versammelten geben ihr Bestes, um eben diesem Motto gerecht zu werden, was sie sprichwörtlich „spielend“ schaffen. Klar!

Nach drei Stunden ist dieser einzigartig angenehme Spuk vorbei. Man liegt sich in den Armen, Ausdruck der Freude über dieses gelungene Musikfest.

Zeit zum Essenfassen, es gibt ein äußerst schmackhaftes Risotto, dazu noch das eine oder andere Bier oder ein Glas Vino Rosso. Begeisterte Gespräche.

Irgendwann gegen drei Uhr bin ich auf dem Weg ins Hotel, es sind immer noch 27 Grad Celsius. Genauso müde wie zufrieden bin ich, diesen zweiten Bluestrip über die Alpen gemacht zu haben.

Wieder etwas, von dem ich noch lange zehren werde. Wie alle anderen Beteiligten wohl auch. Ein Erlebnis, aus dem großartige Erinnerungen entstehen werden, bis Alzheimer uns scheidet.

So bin ich auf die nächsten 20 Jahre von Morblus gespannt.

Gilt der Frühbucherrabatt denn auch jetzt schon für einen Flug nach Verona?





Morblus, 20th Anniversary Concert, 2011-09-09, Verona (I)

2 10 2011

Morblus & Guests...

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