21. Grolsch Blues Festival in Schöppingen – Review – Tag 2

24 06 2012

Tag 2, Sonntag, 27.05.2012

Ben Poole

Ben Poole & Band
Großbritannien ist ein Land, aus dem schon viele Bluesgitarristen hervorgegangen sind, die später zur Weltelite gehörten. Um den Nachwuchs braucht man sich dort auch keinerlei Sorgen zu machen. Namen wie Clare Free, Chantel McGregor, Joanne Shaw Taylor, Markus Bonfanti, Oli Brown, Danny Bryant, Aynsley Lister oder Ian Parker und noch etliche mehr belegen dies.

Den Namen Ben Poole sollte man unverzüglich ebenfalls in diese Liste einreihen. 2011 wurde er für drei British Blues Awards nominiert und war der Vertreter seines Landes bei der 2.European Blues Challenge in Berlin am 17.März 2012.

Soeben ist seine erste CD „Everything I Want“ auf den Markt gekommen. Von dieser präsentiert er heute live eine Reihe Titel. Erstaunlich wie stilsicher und wie gewandt der 25- jährige Ben Poole mit Gitarre und Stimme umzugehen weiß. Gespielt wird in Powertrio- Art mit Alan Taylor am Schlagzeug und Barry Pethers am Bass. Tolle Vorstellung einer sympathischen Band an diesem frühen Pfingstsonntagnachmittag.

The Hackensaw Boys
The Hackensaw Boys
Who the hell are The Hackensaw Boys? Zugegebenermaßen hatte ich von dieser Formation noch nie zuvor gehört, bis sie im Line-up von Schöppingen auftauchten. Banjo, Fiddle, Gitarren, Kontrabass und ein aus Konservendosen zusammengestelltes Schlagwerk.

Wenn mich nach der konzertanten Live- Performance dieser Band nun nach Stilrichtung oder Ähnlichem fragt, kann ich nach wie vor nur mit den Schultern zucken, denn einfach zu beschreiben ist dies nicht. Roots Music, Country Music, Americana, Blues, Cajun? Irgendwie von allem etwas und auch wiederum nicht. Aber lässt man das Schubladendenken aus dem Hirn und lässt die Musik einfach auf den Körper wirken, wird man nach kurzer Zeit feststellen, dass man unwillkürlich angefangen hat zu „zappeln“. Es ist Musik, de einfach gute Laune macht, in die Beine geht und die sechs Interpreten könnte man so wie sie dort auf der Bühne stehen ohne größere Umschweife in einen Westernfilm stecken. Alles in allem wieder ein neuer und bunter Farbtupfer bei diesem Festival.

Delta Moon
Delta Moon
Vielen ist diese Band aus Atlanta, Georgia noch vom 2010er Festival in Schöppingen im Ohr. Das Typische an dieser Formation ist, dass gleich zwei hochwertige Slidegitarristen am Werk sind. Tom Gray und Mark Johnson ergänzen sich hier perfekt in ihrem Spiel. Unterstützung finden die Beiden durch Darren Stanley am Schlagzeug und Franher Joseph am Bass. Geboten wird heute eine Reise durch das Gesamtrepertoire der Band, darunter natürlich auch einige Songs der neuen CD „Black Cat Oil“. Im Großen und Ganzen wieder einmal ein gelungener Auftritt dieser Band, bei deren relaxter Musik und dem ein oder anderen kühlen Bierchen es sich auf der weitläufigen Wiese sicher gut aushalten lässt. Denn es steht uns noch so einiges in Haus und das wird es in sich haben.

Kenny Neal

Kenny Neal
Was bisher bloße Vermutung war, stellt sich alsbald als die erste Stufe zum puren (positiv gemeinten) Wahnsinn dar. Denn was der Mann aus Baton Rouge, jetzt ansässig in Palo Alto vom ersten Ton an auf die Schöppinger Bühne zaubert, ist wieder einer dieser Kracher, die man so schnell nicht vergisst. Unterstützt wird er hierbei von seinen Brüdern
Frederick Neal an den Keyboards und Darnell Neal am Bass. Am Schlagzeug sitzt Bryan Morris. Allesamt sind das vollblütige musikalische Powerpakete, die ihre Instrumente sicher auch im Schlaf beherrschen.

Allen voran natürlich Kenny, der neben Gesang und seinem phänomenalen Gitarrenspiel ebenso auf der Mundharmonika zu überzeugen weiß. Swamp Boogie, Swamp Blues… here we go!!

Begeistert bin ich und zwar absolut. Der absolute Höhepunkt an diesem Pfingstsonntag. Denke ich jetzt erst einmal.

Die letzte Umbaupause.

Lucky Peterson

Lucky Peterson & Kenny Neal
Kann das vorherige Konzert von Kenny Neal noch getoppt werden. Bei Lucky Peterson kann man sich nicht unbedingt sicher sein. Ich habe diverse Berichte über seine Konzerte gelesen und gehört und das Meinungsspektrum lief weit auseinander.

Ich nehme es gleich vorweg: An diesem Abend werden noch ganze drei Raketenstufen gezündet werden, die uns Zuschauer ganz tief in das Bluesall katapultieren werden.

Stufe eins: Ein langer, hagerer, kahlköpfiger Typ spaziert mit einer lässig umgehängten Telecaster ebenso lässig auf die Bühne. Der Schlagzeuger nimmt hinter seiner Schießbude Platz, der Bassman stöpselt das Kabel ein. Irgendwie wissen alle Drei, wann es los geht. Und es geht los. So richtig. Kein geringerer als Shawn Kellerman greift hier in die sechs Saiten und knallt uns seinen elektrisierenden Blues um die Ohren.

Und wieder die Frage: Wenn das schon so klasse anfängt, kann das denn noch gesteigert werden?

Leute, wahrlich ich sage euch: Es kann.

Und zwar mit Stufe zwei.

Lucky Peterson betritt die Bühne und begibt sich schnurstracks zu seinem Arbeitsplatz hinter der Hammondorgel. Die dort bereit gestellte Sitzbank gefällt dem Meister nicht, ein galanter Fußtritt gegen das Möbel, welches smart nach hinten wegkippt und das Problem ist gelöst.

Lucky scheint in Bestform zu sein, er traktiert die Tasten, röhrt in das Mikrofon. Wer jetzt noch nicht bescheid weiß, dem ist nicht mehr zu helfen. Dieser Mann strahlt eine Energie aus, die ausreicht, uns alle wieder aufzuladen, die nach fast zwei Festivaltagen etwas ausgepowert sind.

Plötzlich – mitten im Spiel – springt er vom Orgelpodest auf die Bühne und schnappt sich seine schwarze Gibson SG. Ohne Umschweife beginnt er einen neuen Titel, die Band scheint das zu kennen und stellt sich sofort darauf ein. Wenn man bei Lucky Peterson mitspielt, muss man flexibel sein. Äußerst flexibel. So geht es weiter. Ein Titel nach dem anderen. Wir erleben ein gigantisches Bluesmedley., das zwischenzeitlich seitens Mr. Peterson’s auch im Bad in der Menge vollführt wird.

Dann Stufe drei. Lucky Peterson sagt Kenny Neal an. Der erscheint mit einer Harmonika in der Hand. Die Session kann starten. Und ab jetzt ist alles eben mehr als perfekt. Was die fünf Musiker uns nun bieten, verdient das Prädikat „besonders wertvoll“. Blues vom Allerfeinsten. Von mir aus braucht das jetzt gar nicht mehr aufzuhören. Die meisten vor der Bühne denken sicher so wie ich.

**********

Doch irgendwann ist dann doch Schluss. Ein krönender Abschluss für ein wieder einmal gelungenes Festival. Jetzt erst einmal nach Luft schnappen, nachdem dieser Bluesorkan vorüber gezogen ist. Davon gibt es reichlich in dieser lauen Nacht.

Das Festivalgelände leert sich allmählich, man trifft sich wieder zum Abschlussplausch auf dem Campinggelände, das eine oder andere Bier wartet. Und dann heißt es Abschied nehmen. Bis zum nächsten Jahr. Bis zum 22. Grolsch Bluesfestival in Scöppingen.

Dank nochmal an die Veranstalter und wie immer ganz besonders an Richard Hölscher, der auch dieses Jahr wieder ein tolles Händchen bei der Programmgestaltung bewiesen hat. Bis denne dann.

all rights (c) 2012 Tony Joe Gardner





21. Grolsch Blues Festival in Schöppingen – Slideshow

22 06 2012

Richard Hölscher… zur Diashow aufs Foto klicken …
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21. Grolsch Blues Festival in Schöppingen – Review – Tag 1

19 06 2012

21. Grolsch Blues Festival11 Acts in 2 Tagen. Das Programm des 12. Grolsch Bluesfestivals hat es in sich. Am Ende werden alle wieder einmal begeistert sein von diesem Programm, den Künstlern, der Organisation und der tollen Atmosphäre auf einem der mittlerweile wichtigsten Bluesfestivals der Republik.

Außerdem scheint der Sommer 2012 ausgerechnet an diesem Pfingstwochenende stattzufinden. Die Sonne lacht, die Temperaturen sind angenehm, selbst bis in die Nacht hinein, wenn der letzte Ton verklungen ist.

Tag 1, Samstag, 26.05.2012

Tinez Roots Club

Koen Schouten & Martijn 'Tinez' van Toor


Punkt 14 Uhr tritt Richard Hölscher, der Hauptverantwortliche des Festivals, ans Mikrofon und erklärt mit der Ankündigung des Tinez Roots Club das Spektakel für eröffnet.

Die niederländisch – deutsche Formation gibt gleich Vollgas und die für diesen Zeitpunkt bereits beträchtliche Zuschauermenge ist dankbarer Abnehmer für die Musik des Quartetts, die sofort in die Beine geht. 2 Saxofone, eine Hammond und ein Schlagzeug: Martijn `Tinez´van Toor an Tenorsaxofon und Gesang, Shouting“ Koen Schouten, am Baritonsaxofon, Wolfgang Roggenkamp an der Orgel und Alex Lex am Schlagwerk.

Cee Cee James


So fängt es groovig gut an und so kann es dann auch weitergehen. Und tut’s auch: Mit Cee Cee James.“Blood red Blues“ heißt ihre frisch aus der presse gekommene neue CD. Aus dieser finden sich einige Tracks auf der Setliste. Cee Cee James vermag es sehr nah an die Stimme der seligen Janis Joplin heranzukommen. Sie ist eine ausgezeichnete Bluessängerin, die zudem völlig in ihren Songs aufzugehen scheint. Begleitet wird sie von einer Band, die sie und ihre Interpretationen zu tragen weiß und bei der jeder Musiker für sich genommen ein Ass an seinem Instrument ist.

Keith B. Brown

Keith B. Brown
Etwas ruhiger wird es mit Keith B. Brown und seinen beiden Begleitern. Der aus Memphis, Tennessee stammende und mittlerweile in Paris ansässige Musiker führt uns zurück zum traditionellen, akustischen Blues. In dem Film „The Soul Of The Man“, den Martin Scorsese und Wim Wenders 203 drehten, spielte er die Rolle des Skip James. Auch heute erfüllt er seine Rolle als Bluesman aufs Beste.

Mason Rack Band

Mason Rack
Mit der nächsten Band erfolgt dann gleich ein genialer Stilbruch. Mason Rack, der Sänger, Gitarrist und Schlagzeuger aus Gold Coast, Queensland (Australien) liefert zusammen mit seiner Band für mich den ersten Höhepunkt mit gleich mehreren Ausrufezeichen bei diesem Festival ab. Bisher kannte ich ihn, seine Band und seine Musik nur von diversen Videoclips, die im WWW herumschwirren. Aber das, was sich jetzt vor meinen Augen und Ohren auftut, verdient schlicht den Ausdruck: Grandios.

Mason’s Art, die Lapsteelgitarre zu bedienen, ist wahrlich meisterlich. Vom Sound her durchaus an manchen stellen als brachial zu bezeichnen (in manchen Momenten klingt Schwermetall an), löst er sich von der ursprünglichen Spielweise, bleibt jedoch immer den Bluesroots treu. Er scheut sich nicht davor, die blues- klassischen Gefilde mit seiner Art der Interpretation zu verlassen und eine eigene Klangwelt zu schaffen, das erreicht er zudem mit seiner tiefschürfenden Stimme, die einem bisweilen Mark und Bein erschaudern lassen.

Begleitet wird Mason von Nathan Lee Archer am Bass und von Joel Purkess an den Drums. Die Show- Choreographie sieht es zudem vor, dass bei einem Titel ein Ringtausch an den Instrumenten erfolgt. Das geht fließend und reibungslos und wenn man es nicht sehen würde, eine akustische Beeinträchtigung findet nicht statt. Überhaupt Show: Hier bekommt der geneigte Zuschauer neben der musikalischen Darbietung auch etwas fürs Auge: Percussioneinlage auf Bierfässern, bei der dann die Trommelstöcke fliegend die „Betreiber“ wechseln zum Beispiel. Großes Unterhaltungskino. Ende gut, alles gut. Mason Rack und Band sind der (vorläufige) Abräumer auf diesem Festival.

Shane Dwight Band

Shane Dwight

Shane Dwight stammt aus Nashville, Tennesee. Er war schon mehrfach auf der auf der Legendary Rhythm & Blues Cruise zu Gast. Nun steht er mit seiner Band auf der Bühne hier in Schöppingen. Wir hören Songs aus seinem reichhaltigen Repertoire, so natürlich auch aus seinem aktuellen Album „A Hundred White Lies“. Immer auf dem Punkt, immer nach vorne treibend: Blues, Bluesrock vom Feinsten. Mehrmals erweist er seinem Idol Stevie Ray Vaughan mit einem von dessen Titeln Referenz. Klasse Perormance.

Henrik Freischlader & Gary Moore’s Blues Line Up

Henrik Freischlader

Tja…

Gary Moore wäre im April diesen Jahres 60 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass fand am 06.April in Budapest ein Memorial Konzert statt. Und zwar mit Gary’s ehemaligen Mitstreitern Pete Rees (Bass), Vic Martin (Keyboard) und Darin Mooney (Drums). Einer der eingeladenen Gitarristen war Henrik Freischlader, der Gary Moore als einen seiner wichtigsten Einflüsse nennt.

Für das 21. Grolsch Bluesfestival in Schöppingen gibt es nun eine Neuauflage dieses Konzertes. Und tatsächlich ist kaum zu glauben, was als Abschlusspunkt des ersten Festivaltages auf uns, das gespannte Publikum herunter schallt.

Henrik habe ich über die Jahre schon auf einigen Konzerten mit verschiedenen Formationen live erleben können. Und immer war ich begeistert von seinem Tun. Doch hier? Begeisterung? Dieses Wort ist für diesen exklusiven Fall die glatte Untertreibung. Ich stehe vor der Bühne und mir stockt schier immer wieder der Atem bei einigen Passagen. Da sind vier Musiker am Werk, die ein Publikum in ihren Bann zu ziehen wissen.

Für mich der Gänsehauttitel des Tages: „The Messiah Will Come Again“, ursprünglich von einem der Großmeister des modernen Gitarrenspiels, nämlich Roy Buchanan und später auch von Gary Moore aufgegriffen. Hats off to Mr. Freischlader. Diese Interpretation hat ganz tiefe Seele und weiß auch genau dort zu berühren. Natürlich tut diese fantastische Band das ihrige, um dem Ganzen dieses hohe musikalische Niveau zu verleihen. Für mich ist das für heute der krönende Abschluss eines wunderbaren Konzerttages, auf dem wir eine ganze Reihe großartige Musiker hören durften.

Nach dem Konzert geht’s wie immer zur Aftershowparty mit den Freunden auf den Campingplatz, aber das ist eine völlig andere Geschichte…

all rights (c) 2012 Tony Joe Gardner








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