Erja Lyytinen – The Sky Is Crying

24 03 2014

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Ein erstes Mal gehört, dann gleich ein zweites und drittes Mal. Was? Erja Lyytinen’s neue CD natürlich. Das Album ist eine Hommage an den großen Vater des Slidegitarrenspiels: Elmore James. Genau aus dessen Feder stammen die meisten Tracks des gerade erschienenen neuen Silberlings der finnischen Gitarristin und Sängerin.

Erja Lyytinen hat sich seit jeher dem Slidespiel verschrieben. Dabei braucht sie sich im Standardspiel in Bezug zu anderen Bluesladies beileibe nicht zu verstecken.

Elmore James …. das bedeutet Blues, Blues und nochmals Blues. Mich macht es schier glücklich, dass Erja wieder zu 100 Prozent zum Blues zurückgefunden hat, nachdem sie auf den beiden letzten Studioalben für meinen Geschmack stellenweise doch etwas zu sehr mit der doch eher dünnflüssigen Popmusik geliebäugelt hatte.

Vergeben und auch schon fast vergessen, nachdem man das neue Werk gehört hat. Mit von der Partie sind ihre regulären Bandmitglieder: Miri Miettinen am Schlagzeug, Roger Inniss am Bass und Davide Floreno an einer weiteren Gitarre , aber auch einige Gäste bereichern das Geschehen mit ihren Künsten: Harri Taittonen (Piano und Hammond) Jukka Eskola (Trompete), Petri Puolitaival (Saxofone) and Assefa Abdissa (Percussion). Mike Hightower flog eigens aus Los Angeles ein, um das Album zu produzieren.

Und das Produkt ist kein auf Hochglanz poliertes Werk, von denen es zum Leidwesen meiner Ohren Hunderte gibt. Viel wichtiger ist die Authentizität im Sound und in der instrumentalen Besetzung. Hier ist nichts überproduziert. Nichts zu viel und nichts zu wenig. Das Ganze verzichtet auf große technische Spielereien. Und das wiederum tut (nicht nur) meinen Ohren gut.

11 Titel befinden sich auf dem Album, wobei ein etwa neuneinhalb minütiger Livemitschnitt von „Dust My Broom“ den Abschluss bildet.

Neben den bekannten Klassikern „It Hurts Me Too“, „Got To Move“ und „The Sky Is Crying“ fiel Erjas Songauswahl auch auf weniger bekannte Elmore James Titel wie: „Sho Enough I Do“ oder „Hand In Hand“.

Zwei weitere (eigene) Songs hat sie dem großen Vorbild Elmore James gewidmet: „Erja’s Contribution To Jazz“, ein Instrumental und „The King Of The Slide Guitar“.

Wie schon am Anfang gesagt, dieses Album kann man immer wieder anhören, es gibt meinerseits nichts zu meckern, außer dass „Dust My Broom“ am Ende ausgeblendet wird….

Produktion, Spiellaune, Stimme, Songauswahl und deren Interpretation … alles zu bester Zufriedenheit, keine Wünsche offen.

Und deshalb von mir eine uneingeschränkte Empfehlung für diese CD.

Weitere Fotos von Erja Lyytinen hier oder durch Klick auf das Foto oben …

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The Sky Is Crying





Erja Lyytinen

31 03 2012

Artist of the day …

Erja Lyytinen

… check out this great Finnish musician by clicking on the photo ..





Meena & Erja Lyytinen, Double Trouble Tour, 11.10.2011, Harmonie in Bonn – Review

14 10 2011

Double Trouble Tour 2011

Es ist Dienstagabend in Bonn- Endenich, in dem ich mich dank einer halbstündigen wie verzweifelten Parkplatzsuche mittlerweile sehr gut zurecht finde. Aber mein Ziel heißt ja nicht umsonst „Harmonie“, so dass sich kurz nach deren Betreten so etwas wie der sanfte Mantel des Vergessens um die frustrierende Odyssee nach einer Abstellmöglichkeit für mein Bluesmobil legt.

Dieser Ort ist eine Kulturoase, an der regelmäßig auch die von Thomas Ruf initiierte Blueskarawane einen Stopp einlegt.

So kommt auch so etwas wie Blues Caravan Feeling light auf, denn die beiden Hauptakteurinnen der „Double Trouble“ Tour sind ehemalige Mitreisende der Karawane in Sachen Blues.

Meena und ihren Gitarristen Chris Fillmore sah ich zuletzt beim grandiosen Festival in Schöppingen, Erja habe ich mittlerweile seit zwei Jahren nicht mehr gesehen.

Das erste Set heute Abend bestreitet die stimmgewaltige Meena, an ihrer Seite stehen, wie schon gesagt, der fantastische Chris Fillmore an der Gitarre, am Bass der Brite Roger Inniss, einer der großartigsten Spieler im Tieftonsektor und immer wieder gern angeheuerter Sideman zum Beispiel bei Joanne Shaw Taylor, Shakura S’Aida, Oli Brown oder Deborah Coleman. An den Drums sehen wir heute Abend Miri Miettinen aus Finland, den ich letztes Jahr schon mit Ben Granfelt ebenfalls in Schöppingen bewundern durfte.

„You Can Have My Husband, But Please Don’t Take My Man“ ist Meena’s Opener.  Schnörkellos und sofort auf dem Punkt. Die Kapelle rockt, die Harmonie gleich mit und Meena überstrahlt all dies mit ihrer kräftigen, variantenreichen Stimme. In einigen Momenten erinnert ihre Stimme leicht an das Timbre von Janis Joplin.

Beim Etta James Klassiker „I’d Rather Go Blind“, von dem es bereits  viele hervorragende Interpretationen gibt, hat Meena  schon bei ihrem ersten Silberling bewiesen, dass sie hier durchaus mithalten kann, doch die heutige Live- Version setzt dem noch ein Sahnehäubchen auf.

Chris Fillmore tut das Seinige an der Gitarre, um dem Ganzen zum  Hörgenuss zu verhelfen. Ob im Rhythmus- oder im Solospiel, ob an der Fender Stratocaster oder an der Dobro – hier wird nicht an Facettenreichtum gespart, technisch auf sehr hohem Niveau und dennoch versehen mit einer gehörigen Portion an Feeling. Das ist es eben, was einen perfekten Sideman wie Chris Fillmore auszeichnet.

Über das Soundfundament braucht man sich auch keine Sorgen zu machen: Roger Inniss und Miri Miettinen harmonieren aufs Beste. Was will man also mehr?

Das erste Set vergeht im Fluge, keine Sekunde Langeweile, dem Publikum, das ruhig etwas größer hätte sein dürfen, gefällt’s.  So sollen sich die ärgern, die dann doch lieber zu Hause geblieben sind. Denn allein schon bis hierher hat sich der Weg nebst und trotz  nerviger Parkplatzsuche gelohnt.

Kurze Pause.

Das „Drum ’n’ Bass“- Fundament bleibt das Gleiche, dazu betreten nun der Gitarrist Davide Floreno und Erja Lyytinen die Bühne.

Natürlich hat Erja ihre aktuelle CD „Voracious Love“ im Gepäck, die mir persönlich in der Produktion ein wenig zu poppig geschliffen geraten ist. Naja.

Was soll’s? Im Live- Gewand klingen „Can’t Fall In Love“ oder „Birds“ um einiges rauer und ungeschliffener. Und das ist auch gut so.

Dass Erja eine ausgezeichnete Slidegitarristin ist, konnte ich schon oft feststellen. Mittlerweile hat sie allerdings auch im Standardspiel mächtig zugelegt. In den Soli dieser Spielart verblüfft sie mich mit vielen gelungenen Ideen, die mit ihren nicht erwarteten Wendungen immer wieder in ihren Bann ziehen. Hats off,  Mylady.

Es macht einfach Freude, ihrem Spiel zuzusehen. Der Nachteil vom Ganzen: Auch hier rauscht die Zeit wie nichts vorbei und schon sehen wir uns am Ende ihres Sets. Nicht unerwähnt lassen möchte ich Davide Floreno’s solide Rhythmusarbeit auf der Telecaster. Sein wahres Können allerdings blitzt in einem brillanten Solo auf, für das er in einem Titel den nötigen Raum bekommt.

Wie auch beim Blues Caravan gewohnt versammeln sich alle Beteiligten zum grande Finale auf der Bühne.

„Soul Of A Man“ ist einer der Songs, die alle gemeinsam interpretieren. Die Unterschiedlichkeit der einzelnen Künstler fügt sich hier zu einer eigenen Einheit zusammen. Zugaberufe, die mehr als berechtigt sind, werden erhört.

Nach dem Konzert trifft man sich am zum Smalltalk am Merchandisingstand. Zufriedene Gesichter bei den Zuschauern aber auch bei den MusikerInnen.

So hoffe ich, dass es keine weitern zwei Jahre dauert, bis es das nächste Wiedersehen und –hören mit Erja gibt.

Dass doppelter Ärger in Form von „Double Trouble“ überhaupt und dann auch gleich doppelt Spaß macht, ist eine wohltuende neue Erfahrung für mich.

So begebe ich mich nach einem herzlichen Abschied hinaus in die herbstliche Bonner Nacht zu meinem Auto, da irgendwo in einer Seitenstraße, den Kopf voll mit guter Musik und in dem Wissen, dass ich sicher etwas verpasst hätte, wenn ich diesen Abend daheim geblieben wäre.





Meena & Erja Lyytinen, Double Trouble Tour, 11.10.2011, Harmonie in Bonn – Diashow

13 10 2011

Meena & Erja Lyytinen

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19. Grolsch Blues Festival am 22.05. und 23.05.2010 in Schöppingen

14 11 2010

Boots

Als ich mich gegen 14:15 Uhr am Samstag dem Festivalgelände nähere, höre ich bereits das „Einstampfen“ der Bassdrum für den optimalen Wumm. Der Soundcheck für Eric Steckel und die Band um Bas Paardekooper ist im vollen Gange.

Sie werden den insgesamt 10 Konzerte über zwei Tage beinhaltenden Bluesmarathon im Münsterland beginnen.

Tag 1, Samstag

Eric Steckel & Bas Paardekooper and Blew Crue

Pünktlich um 15 Uhr fällt dann der Startschuss, Richard Hölscher, Hauptorganisator des Festivals, tritt ans Mikro und erklärt mit dem Konzert von Eric Steckel den Reigen für eröffnet.

Eric Steckel und Bas Paardekooper wurden vor ein paar Wochen das erste Mal auf „einander los gelassen“. Ein lohnendes Unterfangen, wie sich heute zeigt. Die beiden spielfreudigen Gitarristen stehen sich nicht gegenseitig auf den Füßen, nein, sie ergänzen sich tadellos. Man wechselt sich in Solo- und Rhythmusspiel ab. Dann gibt es feine Unterhaltungen der beiden Stratocasterkünstler im Sinne von Call & Response, der Erste gibt einen Lick vor, der Zweite antwortet. Dabei belauert man sich gegenseitig. All das immer mit einem gespannten Lächeln. Hier und da entwickelt sich der eine oder andere solistische, harmonische Doppellauf, wie man es von den Allman Brothers oder auch Thin Lizzy kennt. Klasse.

Robert Johnson’s «Come On In My Kitchen» oder ZZ Top’s «Tush» finden ebenso Platz in der Setlist wie Eric Steckel’s eigener Song «Feels Like Home».

Es ist eine wahre Freude, den beiden jungen Gitarristen bei ihrem Spiel zuzusehen. Diese niederländisch- amerikanische Formation unter Mitwirkung von Rene Mijnten am Bass und Roel van Leeuwen an den Drums wirkt sehr gut auf einander eingespielt, entbehrt aber auch nicht einer gewissen unverbrauchten dynamischen Frische und lässigen Unbekümmertheit. Genau dieses ist was die brodelnde Chemie auf der Bühne ausmacht.

Eric‘s Stimme ist mittlerweile um einiges „nachgedunkelt“, sprich erwachsener geworden. Der Gesang ist somit Meilen weit entfernt von dem der ersten Aufnahmen.

Ein perfekter Opener für dieses – so viel sei schon jetzt verraten – im weiteren Verlauf gnadenlos gute Festival. Einige der Zuschauer werden am Ende sagen, dass dieser Formation das meiste Lob gebührt und man sie an einer günstigeren Startposition hätte spielen lassen sollen. Nun denn, einer muss immer den Anfang machen. Manchmal ist das undankbar, aber ich wüsste beileibe auch im Nachhinein nicht, wie man den Programmablauf anders oder sogar besser hätte gestalten können bei all den Größen, die dort zu erwarten waren.

Mark Selby

Es geht Schlag auf Schlag. Backstage treffe ich Mark Selby, seinen Drummer Darryl „BB“ Burgess und seinen Bassisten Charles „Chopper“ Anderson. Viel Zeit zum Reden bleibt nicht, denn die Umbaupause ist kurz. Das letzte Treffen mit diesen tollen Musikern war im September im Kölner Pfandhaus bei recht dürftiger Zuschauerkulisse.

Das ist hier und heute Gott sei Dank völlig anders. Mark Selby ist gleichermaßen ein begnadeter Songschreiber wie ein ausgezeichneter Musiker und Interpret. Er gibt seinen Songs immer die Prise Seele, die sie brauchen, um ihren Weg über das Ohr in das Herz des geneigten Zuhörers zu bringen. Dann diese Stimme, rau und einschmeichelnd zugleich. Nuancenreich, ehrlich und authentisch.

Seine Gitarrenarbeit, gleich ob Slide- oder Standardspiel, ist von höchster Güte. Das zeigt sich in allen seinen heute gespielten Titeln wie «Baby, I Do», «Don’t You Throw That Mojo On Me», «More Storms Coming» oder auch «Blue On Black», das auch Kenny Wayne Sheppard aufgenommen hat.

Mark Selby und seine ebenso großartigen Bandkollegen sind immer Garanten für erstklassige, tief gehende, Hand gemachte Musik. So passen diese drei Musiker nahtlos in das diesjährige Festivalprogramm.

Michelle Malone & Band

In Europa noch ein recht unbeschriebenes Blatt ist die in Atlanta, Georgia, beheimatete Songschreiberin, Sängerin und Gitarristin. So bin ich gespannt auf ihren allerersten Auftritt in «Old Europe».

Sie tritt an mit einer vierköpfigen Band, die aus Jon Daly (Gitarre), Trish Land (Background Gesang & Percussion), Lee Kennedy (Bass) und Katie Herron (Drums) besteht.
Musikalisch einzuordnen ist Michelle Malone in dem, was man im weitesten Sinne Americana oder Roots Music nennt. Sie steht also tief in der Tradition amerikanischer Musik beeinflusst durch Folk, Country und natürlich auch Blues. Manchmal blitzt ein Stones- Riff durch, kein Wunder, denn Michelle nennt immer wieder die Dinosaurier der
Rockgeschichte als ihre Vorbilder.

Michelle selbst ist eine ausgezeichnete Slide- Spielerin, stilistisch nicht allzu weit von Bonnie Raitt. Ihre Stimme hat einen immensen Wiedererkennungswert.

Die Band marschiert durch die Titel, die in der Hauptsache vom neuen Album «Debris» stammen. Hervorheben möchte ich vor allem die Schlagzeugerin Katie Herron, die noch sehr jung erscheint. Aber die Drums beherrscht sie, wie sie auch in einem beachtenswerten Solo zeigt. Zeitweise legt sie die Trommelstöcke bei Seite und traktiert die Trommelfelle mit bloßen Händen. Dafür erntet sie beim Publikum sehr viel Zuneigung und ist später beim Signieren der CDs am Merchandisingstand heftig umringt.

Alles in allem eine klasse Performance dieser Band, wir dürfen gespannt sein, denn im August sind wohl weitere Gigs in Deutschland geplant. Ich denke, dass sie heute eine Reihe neuer Fans gewonnen hat, eingeschlossen, den, der dies hier schreibt und der während des Gigs nach Trish Land’s grinsender und Augen funkelnder Aussage „Mindestens tausend Fotos vor allem von mir geschossen hat“. Hm, da muss ich doch glatt mal nachzählen.

Tommy Castro

Vierfacher Blues Award Gewinner und zwar in den Kategorien «B.B. King Entertainer», «Band of the Year», «Contemporary Blues Album» für «Hard Believer» und «Contemporary Blues Male Artist» und heute zum Greifen nah auf der Bühne in Schöppingen. Was für ein Glücksgriff, denn seine Verpflichtung wurde bereits vor der Bekanntgabe der diesjährigen Preisträger unter Dach und Fach gebracht.

Den Titel «Band Of The Year» versteht man vom ersten Lautgeben der Formation. Mir kommt es vor, als stünde ich vor einer riesigen Wand, die mit tausend (schon wieder diese Zahl) Lautsprechern bestückt ist, aus denen verschiedene Töne in verschiedenen Farben allesamt gleichzeitig auf mich einströmen. Im Geiste taste ich nach einem Halt, damit mich diese «Wall Of Sounds» nicht gegen das hinter mir befindliche Absperrgitter drückt.

Diese wohl geölte Soundmachine besteht aus: Tommy Castro (Gitarre & Gesang), Keith Crossan (Sax), Ronnie Smith (Drums), Tony Stead (Keyboards), Scot Sutherland (Bass) und Tom Poole (Trompete).

Was uns ab jetzt um die Ohren fliegt, ist R&B aller höchster Gütestufe. Jeder dieser Musiker für sich spielt, was sein Instrument angeht, in einer eigenen Liga. Zusammen jedoch ist das, was dort von der Bühne kommt, kaum noch zu beschreiben. Da greift alles in einander, voll professionell, ohne Schick und ohne Schnack, immer auf den Punkt und immer auf die Zwölf. Selbst als Herrn Castro mal eine Saite zu Bruch geht, weiß die Band die Lücke mit prächtigen Soli von Trompete, Sax oder Orgel zu füllen, während der Meister selbst in Seelenruhe einen neuen Draht aufzieht. Die Blues Foundation hat hier mit der Wahl «Band des Jahres» einen absoluten Volltreffer gelandet.

Ob mit Wilson Pickett’s «Ninety-Nine And A Half (Won’t Do)» oder mit John Lee Hooker’s «It Serves Me Right To Suffer» und anschließender Boogie- Improvisation im Stile des Altmeisters all den eigenen Titeln und als Krönung einer mitreißenden Version von James Brown’s «Sex Machine», der gefühlt gute 10 Minuten dauert, gleich, welcher Titel dort von der Bühne prasselt, es reißt einen mit wie ein gewaltiger Hurricane.

Da passt alles, selbst die Movings der Musiker. Obwohl alle, ich wiederhole, alle Spitzenmusiker sind, möchte ich Scot Sutherland, den Bassisten, eigens hervorheben. Er gibt dem ganzen nicht nur das nötige Tieftonfundament, in seinem Solo zeigt er sein wahres Können. Ich würde ihn glatt zum Bassisten des Jahres wählen.

Ist das alles hier noch zu toppen?

Eric Sardinas

Vier tolle Konzerte liegen schon hinter uns. In der Umbaupause ertappe ich mich bei dem einen oder anderen Gähnen, was gewiss weder an der den Darbietungen noch an der Atmosphäre hier liegen.

Eigens eingeflogen für diesen Gig sind Eric Sardinas & Big Motor. Das sind neben Eric Sardinas die Herren Levell Price am Bass und Bernie Pershey an den Drums.
Als die Band die Bühne betritt, ist es bereits nach 22 Uhr. Die Bühne ist eingenebelt und in blutendes Rot getaucht. Erkennen kann man zuerst außer ein paar vage Gestalten nichts. Aber zu hören ist dann relativ schnell etwas. Der „Große Motor“ wird angeworfen und ist sofort auf voller Umdrehung.

Titel wie «I Wonder Who», «I Can’t Be Satisfied», «8, Down South» oder «As The Crow Flies» bringen das Publikum schier zum Rasen. Meine eben aufflackernde Müdigkeit einfach nicht mehr vorhanden.

Eric tobt in gewohnter Manier über die Bühne. Gerade in diesem Licht bestätigt sich mein damaliger Eindruck vom Magier, Zauberer, ja, Hexer. Was für eine Bühnenshow! Hiermit wird ein weiter Mosaikstein in dieses musikalisch farbenfrohe Festival gesetzt. Eric verstärkt seine beiden Dobros über einen Marshall Stack. Für die Balladen dreht er die Lautstärke erheblich nach unten und singt reichlich entfernt vom Mikrofon. Gegen Mitternacht ist dieser herrliche und wie immer gekonnte und in der Hauptsache Phon- lastige Spuk zu Ende.

Überwältigt, beindruckt von dem Gesehenen und dem Gehörten und somit voller bester Laune mache ich mich auf den etwa 5 minütigen Weg zurück ins Camp, wo mein Zelt auf mich wartet.

Tag 2

Ben Granfelt

Der Mann aus Finnland hat auch schon eine bewegte musikalische Vergangenheit. In den Neunzigern war er Mitglied der legendären «Leningrad Cowboys». Von 2001 bis 2004 spielte er bei «Wishbone Ash». Außerdem hatte er immer eigene Projekte wie die «Guitar Slingers» und eben jetzt die «Ben Granfelt Band».

Ben macht es gleich per Eröffnungsansage klar: Seine Musik ist nicht direkt dem Blues zuzuordnen, aber lässt sich in gewissen Belangen durchaus von ihm ableiten.

Mit Miri Miettinen an den Drums, Kasper Mårtenson an den Keyboards und John Vihervä am Bass führt uns Ben durch sein vielseitiges Programm, das dominiert wird von seinem exzellenten Gitarrenspiel. Mit den Titeln «Soul Searching» und «This Soul Of Mine» von seiner aktuellen CD « Kaleidoscope» schlägt er gar Pink Floyd’sche Töne an, David Gilmour lässt aller herzlichst grüßen.

Seine Muisk ist schwer zu beschreiben. Rockig mit einem leichten Touch in den Jazzrock wie in «Because We Can..», einem Instrumental, dessen Titel auf einem Zitat von Hank Marvin, dem Gitarristen der Shadows beruht, der auf die Frage, warum er so viele Gitarren auf der Bühne habe und warum er sie andauernd wechsle, grinsend und lapidar gesagt hat: „Because I can…“.

Dass sich Ben Granfelt an keinerlei Stilvorgaben gebunden fühlt, wird in seiner Interpretation von J. J. Cale’s Titel «Cocaine» deutlich. Er spielt es im Sinne von Jimi Hendrix Komposition «Fire», was den aufmerksamen Zuhörer ziemlich verwirrt, denn im Prinzip hört er so zwei Songs gleichzeitig, quasi über einander gelegt. Aber wahrlich, ich sage euch: Es funktioniert! Wer sich davon überzeugen möchte, es gibt den Titel auf Ben’s CD «Notes From The Road», ebenso wie «Check Up From The Neck Up», das sich irgendwo zwischen Van Halen und good old Jimi befindet.

Ach was soll die ganze Schubladeneinsortiererei, der Mann da oben auf der Bühne macht seinen Job und den macht er mehr als gut, ja, verdammt gut, mir gefällt’s und den anderen Zuschauern auch, die sich bereits heute Nachmittag vor der Bühne eingefunden haben.

Ben geht seinen eigenen Weg am etwas härteren Rand des Blues-, Jazzrockspektrums. Und da ist er ebenso authentisch wie konsequent.

Shakura S’Aida

Noch während der Zugabe von Ben und seiner Band begebe ich mich vom Fotografengraben in den Backstagebereich, wo mir als Erster Denis Palatin über den Weg läuft. Wir haben uns bereits auf so vielen Konzerten getroffen, dementsprechend herzlich ist die Begrüßung. „Wer spielt Bass?“, frage ich Denis. Der lacht und meint: „Schau mal da hinten, Überraschung!“.

Die Überraschung ist mal wieder Roger Inniss, zuletzt sah ich ihn mit Oli Brown. So ist mein derzeitiges Favoritenteam an Bass und Schlagzeug wieder gemeinsam tätig, was mich sehr freut. Nach und nach entpuppt sich die Band um Shakura als Blues Caravan minus Meena und Coco Montoya, denn auch Keyboarder Johnny Dyke ist vor Ort, wie auch Donna Grantis, die junge kanadische Gitarristin aus Toronto, mit der Shakura die meisten Songs ihrer aktuellen CD «Brown Sugar» geschrieben hat.

Mit dieser erlesenen Personalauswahl ist der Begleitrahmen für Shakura S’ Aida bestens gesteckt.

Da kann und wird nichts anbrennen. Der erste Titel ist ein Instrumental, dann kündigt Roger die Ausnahmesängerin an.

Auf der Bühne ist Shakura eine Erscheinung, die einem sofort Respekt einflößt, wenn sie dann noch ihre Stimme erhebt, verfängt man sich völlig in ihrem Bann. Was für eine Ausstrahlung! What a voice!

Wir bekommen unter anderem «Mr. Right» oder «Brown Sugar» geboten, live bieten sich innerhalb der Songs wunderbare Gelegenheiten für Solopassagen, die von den überragenden Instrumentalisten Johnny Dyke und Donna Grantis auch gerne in Anspruch genommen und in Höchstform ausgenutzt werden.

Gerade die Kanadierin kann sich hier endlich frei entfalten. Beim Blues Caravan hatte ich das Gefühl, dass sie mit angezogener Handbremse spielte, zumal, wenn der allmächtige Coco Montoya mit auf der Bühne stand.

Die junge Frau hat ein Riesenpotenzial und ich bin gespannt, was wir von ihr in der Zukunft noch hören werden.

Der Höhepunkt des Auftritts von Shakura und ihrer bestens gelaunten Band ist wieder einmal die ergreifende Ballade «Angels On High», bei dem das Publikum andächtig lauscht und ebenso andächtig den Refrain mitsingt.

Der offizielle Auftritt ist beendet, die Band kommt von der Bühne. Das Publikum will mehr, will die Zugabe. Shakura fragt mich: „Was it ok?“ Ich grinse: „More than that.“ – „Ok, I trust you.“, ruft sie mir noch lachend zu, als sie sich wieder auf die Bühne begibt.

Delta Moon

Die Band aus Atlanta, Georgia, hat vor kurzem ihre CD «Hellbound Train» veröffentlicht, die von der Kritik zurecht begeistert aufgenommen wurde.
Neben Mastermind und Lapsteel Gitarrist und Sänger Tom Gray besteht die Band aus Mark Johnson, Slide Gitarre und Hintergrundstimme, Franher Joseph an Bass und Hintergrundstimme und Darren Stanley am Schlagwerk.

Das akustisch Eigenwillige dieser Band besteht in der Doppelbesetzung im Slidespiel. Dieses und Tom Gray’s markante Stimme setzen einen typischen Stempel und garantieren somit den hohen Wiedererkennungswert dieser Truppe, die sich heute an diesem herrlich warmen Sonntagnachmittag in bester Spiellaune gibt.

Die Musik passt zu diesem wunderbaren Wetter, sie ist die geeignete akustische Untermalung für diesen Maitag.

Die Sonne strahlt vom Himmel und Tom Gray tut selbiges von der Bühne. Man sieht ihm förmlich an, wie er die begeisterte Resonanz aus dem Publikum genießt.

Die beiden Gitarristen ergänzen sich bestens in ihrem Spiel. Präsentiert werden natürlich Titel des neuen Silberlings: «You Gotta Move» oder auch der Titeltrack «(You Never Get To Heaven On A) Hellbound Train», in «Ain’t No Train» wird Tom Gray’s Vorbild R.L. Burnside deutlich.

Egal, wo diese Formation auftritt, sie wird immer ihr Publikum finden und ich bin sicher, jeder wird leicht zum Wiederholungszuhörertäter werden.

Café R&B

Diese Band macht wie die von Michelle Malone ihre erste Stippvisite in Europa. Und gleich werden Roach und ihre Band hier oben direkt vor meinen Augen auf der Bühne stehen. In den letzten Jahren war wohl selten so gespannt auf eine Erstlingsbegegnung wie bei dieser Formation.

Ihre Doppel- Live CD dreht seit Wochen immer wieder atemberaubende Runden im CD- Spieler in meinem Auto.

Ich weiß, um Enttäuschungen möglichst gering zu halten, sollte man die Erwartungen nicht allzu hoch schrauben. Doch schon während des Soundchecks wird mir klar, wie hoch diese meine Vorfreude bereits ist, aber auch dass diese wohl kaum getrübt werden wird.

Als dann das Spektakel beginnt, gibt es keine Millisekunde auch nur den leisesten Hauch eines dünnen Zweifels an dem, was uns Zuschauer von nun an erwartet.

Es wird eine Show, wie ich sie noch nie erlebt habe: Byl Carruthers , Gitarre, Bobby Pickett, Bass, Don Swanson , Drums und Steve Utstein, Keyboards bilden die Band und damit das Rückgrat für die sängerischen Eskapaden von Roach.

Keine Sekunde weiß man, was in der Nächsten passieren wird. Frau Roach ist immer in Bewegung, egal, ob sie singt oder tänzerisch einem Gitarren- oder Keyboardsolo lauscht.

Die Band bricht über die Zuschauermenge herein wie ein Orkan, ein äußerst Freundlicher allerdings, der in einem wahren Taumel der Begeisterung alles und alle mit sich reißt.

Immer, wenn ich mich kurz umblicke, um die Reaktionen der hinter mir Stehenden aufzufangen, sehe ich in verblüffte Gesichter, manchmal noch unterstrichen durch ein Achselzucken oder ein Kopfschütteln oder gleich beides als Ausdruck der Machtlosigkeit gegen das Überrolltwerden von der Power, die da von der Bühne auf uns alle wirkt.
Ja, wir alle sind dem hilflos ausgesetzt, dies aber freiwillig und gerne und haben dem nichts entgegen zu setzen außer beispielloses Entzücken und Freude, solches erleben zu dürfen.

Roach ist die Frontfrau, gesegnet mit einer Stimme, die stufenlos die stimmliche Bandbreite zwischen Aretha Franklin und Tina Turner (Wer ist noch einmal Tina Turner?) abdeckt. Dazu fegt sie wie ein Derwisch über die Bühne, kommt nie außer Atem, trifft immer den guten Ton und ist immer Herrin der Lage.

Was für eine Kapelle! «Snatch It Back And Hold It», «Born Under A Bad Sign», «Since I Fell For You».

Shakura hat sich zu mir in den Fotografengraben gesetzt. Auch sie schmilzt dahin, wie alle anderen. In einer der seltenen kurzen Luftholpausen äußere ich ihr gegenüber den Wunsch: „Ihr müsst unbedingt ein Duett singen!“ – „Ja, gerne, aber nicht in den Klamotten!“, lacht Shakura zurück, die sich nach ihrem Auftritt längst schon wieder „weltlich“ gekleidet hat.

Bei einer Show wie dieser vergesse ich glatt das Fotografieren und das Notieren der gespielten Titel. Das mag unprofessionell sein, ist aber hier und jetzt einfach unvermeidbar.

Dieses Konzert alleine wäre schon die Investition wert gewesen hierher nach Schöppingen zu kommen.

Nach dem Gig habe ich noch ein längeres Gespräch mit Bobby Pickett -„Wie der Nachname von Wilson!“, wie er ganz stolz betont. Und dann ist auch schon Zeit für das zehnte und damit letzte Highlight des Festivals.

Jason Ricci & The New Blood

Ich habe Jason Ricci und seine Band New Blood schon live erlebt und kenne ihre CDs und damit alle ihre Qualitäten. Ehrlich gesagt, nach dem Auftritt von Café R&B und all denen davor bin ich kaum noch in der Lage, diesem Konzert zu folgen.

«As Long As I Have You» klingt heute noch intensiver nach Jim Morrison und den Doors als ich es im Ohr hatte.

Durch Experimentieren mit den Harmonikas und entsprechenden Effektgeräten bringt es Jason in einem Song zu einem fast orgelgetreuen Sound. Dann auf einmal klingt alles nach Frank Zappa, rhythmisch wie harmonisch heben die Musiker vom Gewohnten ab.

«Broken Toy» holt aber alles wieder auf den Boden zurück.

Nicht unerwähnt möchte ich Jason Ricci’s Mitstreiter allen voran Shawn Starsky an der Gitarre, ein ebenbürtiger Instrumentalist zu Jason. Am Bass Todd “Buck Weed” Edmunds ebenfalls ein absoluter Könner auf seinem Instrument genauso wie Drummer Byron Cage.

Die Band groovt und macht alles richtig, um hier bei diesem Festival einen glänzenden Schlussakzent zu setzen .

Für mich das absolute Highlight: Die Version von Lou Reed’s «Walk On The Wild Side».

Irgendwann gegen Mitternacht ist dann der letzte Ton verklungen. Grüppchenweise stehen noch Zuschauer beisammen, diskutieren darüber, wer nun der Beste oder Beeindruckendste war bei diesem Festival der Superlative.

Diese Frage stellt sich für mich nicht. Jeder, aber auch jeder der zehn Acts hatte es in sich, jeder hat höchstes Lob verdient.

Nachspann

Und wenn ich heute so nachdenke und dies alles hier niederschreibe, flackern so einige der Glücksmomente, die ich an diesen beiden Tagen hatte, wieder auf. Ich spüre, ja, ich weiß, wie gut es war, all das erlebt zu haben. Davon werde ich noch lange zehren und erzählen, von diesem 1. Grolsch Bluesfestival in Schöppingen, welches jetzt auch schon Geschichte ist. Gute Geschichte.

Mein Dank an dieser Stelle gilt neben allen Künstlern vor allem den Sponsoren und Organisatoren, hier lief alles wie am berühmten Schnürchen. Aber auch dem Publikum, das zahlreich erschien und dem Ganzen mit zu einem tollen und friedlichen Ereignis verhalf.

Für die Zweitageskarte wurden 41 Euro verlangt, das sind 4,10 Euro pro Band. Wenn man bedenkt, dass heutzutage für ein einzelnes Konzert schon Eintrittspreise von über 50 Euro und noch weitaus mehr gelten, bekommt man wohl eher selten soviel Qualität für so relativ wenig Geld.

Nach Hause bin ich gekommen mit einer Menge Fotos, neue Bekanntschaften und Begegnungen haben sich ergeben. Musik, die lange noch in Herz und Kopf bleibt. Was will man mehr?

Bis zum nächsten Mal dann, beim Zwanzigsten…man sieht sich…

Text und Fotos (c) 2010 Tony Mentzel





Oli Brown am 21.04.2010 in der Harmonie, Bonn

14 11 2010

Oli Brown

What a difference a year makes…” Genau dieser Satz geistert mir durchs Hirn, nachdem ich die ersten drei, vier Titel von Oli Brown gehört habe. Der Unterschied oder besser die Unterschiede zu meiner ersten Konzerterfahrung mit dem sympathischen jungen Briten ist/sind schnell ausgemacht: Sein Gitarrenspiel hat immens gewonnen, seine Stimme ist um einiges „nachgedunkelt“, seine Bühnenpräsenz kommt an die von den ganz alten Hasen heran.

Dass der Junge seinen Weg gehen wird, war mir nach seiner Performance im Rahmen des Blues Caravan 2009 an gleicher Stelle vor zirka einem Jahr schon klar geworden. «Fresh Blues» war damals das Motto. Und der frische Wind hält nach wie vor an.

Immer wieder vergisst man, dass dort oben auf der Bühne ein nur Zwanzigjähriger steht. Es ist schier verblüffend, was dieser schlaksige Bursche, hier zum Start seiner Deutschlandtour abliefert.

Im Gepäck hat Oli seine ganz pressfrische CD «Heads I Win, Tails You Lose». Dieses Motto ist wohl Programm: Egal wie die Münze fällt, er wird wohl – so souverän wie er sich hier zeigt – immer gewinnen.

Schon beim Hören der neuen Scheibe konnte ich einen gewissen Reifungsprozess gegenüber dem Erstwerk feststellen. Oli Brown ist ein sehr ambitionierter Mensch, der sehr viel Zeit und Liebe in seine Musik investiert.

Eben das spürt man in jeder Phase dieser hoch musikalischen Aufführung, die natürlich nicht alleine auf das Brown’sche Konto geht, denn er wird tatkräftig unterstützt von Simon Dring an den Drums und Roger Inniss (!) am sechssaitigen Bass.

Bei Roger Inniss frage ich mich immer, wie der es schafft, im Zusammenspiel mit so verschiedenen Künstlern (Blues Caravan 2010, Deborah Coleman, Snowy White etc.) immer wieder eine perfekte und hochkarätige Leistung abzuliefern. Für mich ist dieser Mann ein absolutes Phänomen, das in der Lage zu sein scheint, beliebig viele Songs und deren Abläufe speichern zu können.

Am heutigen Abend sind dies Songs wie «Evil Soul», «Fever», «Love’s Gone Cold» vom aktuellen Album oder «Played By The Devil» und «Black Betty» vom ersten Album.

Zur Eröffnung des zweiten Sets kommen eine Oli Brown typische Version von «Hoochie Coochie Man» und ein weiters Glanzstück: Die Interpretation von «Every Day I Have The Blues».

Das muss einfach wahr sein, denn jemand der nicht jeden Tag den Blues hat, wird einen Titel wie diesen niemals so intensiv auf die Bühne bringen können.

Erstaunlich auch ist die professionelle Kondition der drei Agierenden: Gegen zwei Uhr in der Früh ist man in Großbritannien mit dem Van aufgebrochen, der Kanal wurde per Fähre überquert und von Dünkirchen ging es dann nach Bonn, wo man dann trotz Stau um Brüssel gerade rechtzeitig zum Soundcheck eintraf.

Oli spielt eine Signature Gitarre aus der britischen Edelgitarrenschmiede «Vanquish». Dieses Instrument ist reine Handarbeit und zusammengebaut nach Oli’s Wünschen und Vorstellungen.

Sein Vater Graham Brown, der als sein Manager fungiert, drückt mir vor dem Konzert stolz ein Exemplar in die Hand: „Hier teste sie mal und sag mal, was du davon hältst.“ Das Instrument ist trotz Solid Body erstaunlich leicht, optisch eine Schönheit, allerdings ist mir der Hals etwas zu dick. „Das wäre kein Problem, die Jungs bauen dir den Hals ein, der für deine Finger ok ist.“, lacht Graham. „Was kostet so ein Schätzchen?“ – „Je mach Ausstattung etwas mehr als 3000 Euro, hier das Vorführmodell kannst du für 2700 Euro haben.“ „Oh, ja ok. Aber du weißt ja der Hals…“, bedanke ich mich lachend.

Die Gitarre tut auch dann brav ihre Arbeit, wenn Oli Brown sie in den Händen hält und ihr Höchstleistung abverlangt. Mit seinen jungen Jahren ist Mr. Brown Junior bereits ein ausgebuffter Sechssaitenspieler, der die feinsten Licks nur so aus dem Ärmel schüttelt.

Das weiß das zahlenmäßig nicht gering erschienene Publikum – es werden um die 100 Leute sein – auch zu schätzen. Nach so manchem Solo des Youngsters gibt es verdientermaßen heftig, lautstarken Szenenapplaus.

Ein wenig verwundert war ich darüber, dass man im Saal Tische und Stühle belassen hatte, offensichtlich hatte man seitens der Betreiber der „Harmonie“ nicht mit solch großem Zuspruch gerechnet.

Wie dem auch sei…

Fazit: Wie schon bei Danny Bryant ist im Laufe der Zeit bei Oli Brown eine konsequente Weiterentwicklung festzustellen. Es macht Laune, ihn auf der Bühne erleben zu dürfen. Oli Brown ist ein Künstler, der im Blueszirkus sicherlich eine große Zukunft hat, wenn er sich treu bleibt. Und so freue ich mich bereits jetzt auf die nächste Begegnung mit ihm und seiner Band. Irgendwo. Irgendwann. Darum meine uneingeschränkte Empfehlung: Unbedingt nicht verpassen!! See you there…

Text und Fotos © 2010 Tony Mentzel





Blues & Jazz Rallye am 17.07.2010 in Luxemburg

14 11 2010

Meena

Die Welt ist ein Dorf. Sprachengewirr in allen Gassen. So wird die Hauptstadt eines der kleinsten Länder dieser Erde zu einem Mittelpunkt und gleichermaßen zum Symbol. Luxemburg Stadt hat mal wieder zur Blues & Jazz Rallye gerufen und ich bin wieder mittendrin. Teilweise ist kein Durchkommen mehr. Einer aus Großbritannien, einer aus Frankreich, zwei aus Österreich und einer aus Deutschland versuchen von einer Bühne zur anderen zu gelangen. Dies Unterfangen stellt sich als Geduldsprobe und schweißtreibende Schieberei heraus. „Ca, je n’ai jamais vu!”, sagt der Franzose und der Deutsche antwortet: „Moi non plus.“ Und die Österreicherin fügt hinzu: „It’s very intimate here.“ So ist es, gesehen haben wir alle einen derart dichten Menschenauflauf noch nicht und es ist sehr intim. Alle sind auf Tuchfühlung. Im Prinzip ein El Dorado für Taschendiebe. Am guten Ende wird es mir aber dann an nichts Materiellen fehlen.

Diese Stadt, dieses Zusammentreffen von Hunderttausenden von Menschen verschiedenster Herkunft und Sprachen ist Sinnbild für ein friedliches Miteinander. Kulturen und deren Vertreter treffen aufeinander. Und jeder kann davon profitieren und seinen kleinen eigenen Horizont erweitern. Immer wieder und immer wieder aufs Neue. Das Angebot heute ist wieder äußerst vielfältig. So ist die Garantie gegeben, dass man natürlich wieder nicht alles erleben kann. Entscheidungen müssen her.

Meine fällt auf den Auftritt von Deborah Coleman und später Meena jeweils mit Roger Inniss und Denis Palatin. Ein Treffen mit lieben Menschen. Immer wieder kreuzen sich die Wege und die Freude des Wiedersehens ist mehr als herzlich. Deborah spielt sich nach und nach in Bestform. Sie ist in der Lage, Titel für Titel noch Qualität und Emotion nach zu legen. Ihre Stimme und vor allem ihr Gitarrenspiel, lässige Soli, die es vertrackt in sich haben. Es sieht aus, als schüttele sie all das wie nichts locker aus dem Ärmel. Der Spielspaß ist allen Akteuren anzusehen. Auch auf fremden Instrumenten, die man sich für heute Abend zusammen geliehen hat, weil die Eigenen irgendwo zwischen Balkan und Frankfurt hängen geblieben sind. Shit happens.

Von oben nach unten: Thierry Lopez & Deborah Coleman, Deborah Coleman, Denis Palatin

Und dann Meena. Das Energiebündel mit der Wahnsinnsstimme. Und gesegnet mit einem grandiosen Gitarristen, namens Chris Fillmore. Mit ihm arbeitet sie seit 17 Jahren zusammen. Vor dem Gig gibt es noch einige Absprachen mit Denis und Roger. Und los geht’s.

Schon vom ersten Song an lässt Meena keine Zweifel darüber aufkommen, dass sie eine der besten Bluesstimmen des alten Kontinents hat. Anfangs ist vor der Bühne noch Platz, aber viele Menschen, die eigentlich weiter gehen wollen, bleiben fasziniert stehen. „Incroyable“, sagt eine junge Frau hinter mir und starrt wie gebannt auf die junge Lady aus Österreich.

Von oben nach unten: Roger Inniss, Meena, Chris Fillmore

Als Meena «Let Your Sweet Love Shine On Me» gospelmäßig anstimmt, sehe ich neben mir eine verzückt dreinblickende Deborah Coleman.

Auch dieses ist ein wunderbares Konzert, dass gegen 01:30 nach einigen Zugaben sein Ende findet.

Ich sage noch schnell „Servus bye, bye, au revoir“ und mache mich bestens gelaunt auf die etwa zweistündige Heimfahrt durch Luxemburg, Belgien und durch die laue Julinachtauf die etwa zweistündige Heimfahrt durch Luxemburg, Belgien und durch die laue Julinacht.








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