Oli Brown – Here I am – CD Rezension

15 03 2012

Da ist er also. Oli Brown legt seine dritte CD vor. Sie kommt frisch aus dem Presswerk und erst in einem Monat offiziell auf den Markt. Gespannt zerre ich den Silberling aus der Hülle, die Lade des CD- Players verschluckt die Scheibe und mich trifft der erste Akkord des Titelsongs.

Genau bei diesem und seinen drei Wiederholungen, die mich an Glockenschläge erinnern, ahne ich schon, dass hier nicht ein Album vorliegt, das der Kategorie „Easy Listening“ anheim fällt.

Das ist schon mal positiv. Und ich sage es gleich: Dieses Album ist kein Album zum Nur- Einmal- Hören. Es ist ein Album, das den Hörer fordert. So wie es alle an der Produktion Beteiligten auch gefordert haben muss.

Hier ist nichts locker – flockig, eben mal – ich sage es bewusst so – so dahin gerotzt, hier ist alles durchdacht und unterliegt gewissen Schwierigkeitsgraden, die zu meistern nicht jedem in die Wiege gelegt ist. Und dennoch ist es nicht auf Hochglanz poliert, wir erleben hier Musik mit Ecken und Kanten und diversen Überraschungen.

Einige Gitarrenlicks reichen in den Fusionbereich, vom klassischen 12- Takter im Namen des Blues ist Oli Brown meilenweit entfernt.

Und das ist, was das Album wieder interessant macht. Unwillkürlich bin ich damit beschäftigt, die Roots herauszuhören. Diese lassen sich immer wieder finden.

Gleich beim zweiten Titel „Thinking About Her“ treffen wir auf einen laid- back im Rhythmus verschleppten Song, der im Sound und im Charakter ein wenig an Stevie Ray Vaughan erinnert. Aber nur ein wenig. Aber klassischer 12- Takter? Fehlanzeige.

Oli Brown löst sich bei seinen Tracks deutlich von der Blues- Klassik. Das geht auch völlig in Ordnung so. Er ist weiter auf einem eigenen Weg, was die beiden Vorgängeralben bereits andeuteten.

Dabei hat er sehr gute Gefährten: Wayne Proctor, der auch als Produzent fungiert,  an den Drums, Scott Barnes am Bass, Joel White an den Tasten und je für einen Titel bieten Dani Wilde ihre Stimme im Background und der große Paul Jones, ja, der von der Blues Band, seine Harmonica zur Unterstützung an.

Zehn Songs sind Eigenkompositionen, zwei sind Interpretationen anderer Songschreiber.

Dass „I Love You More Than You’ll Ever Know“ geschrieben von Al Kooper mit auf der Liste ist, ließ meine Spannung doch ein wenig steigern. Und dann „Wow“! Oli Brown und seinen Mitstreitern ist hier eine weitere unter die Haut gehende Version dieses Klassikers gelungen, toll in der Dynamik, toll in der Instrumentierung, toll im Gitarrenspiel, toll im Gesang.

Apropos Gesang: Mehrmals habe ich mich gefragt, ob es sich bei dem Album um ein Album eines Gitarristen, der auch singt oder um eins eines Sängers, der auch Gitarre spielt, handelt. Oli Brown meistert beide Disziplinen hervorragend.

Spätestens beim Al Kooper Song wird einem seine Stimmgewalt bewusst.

Weitere Anspieltipps: „Devil In Me“ und das Up-Tempo Stück „Solid Ground“, veredelt durch Paul Jones’ Harmonikaspiel.

Insgesamt liegt hier eine Produktion vor, die beim ersten Durchhören soundmäßig eher etwas schwer und düster daherkommt. Es ist sicher keine Scheibe, die einen beim ersten Mal freudig anspringt, aber sie gewinnt bei jedem weiteren Durchlauf. Man sollte ihr die Gelegenheit geben, mehrmals gehört zu werden und bei jeder weiteren Umdrehung wird sich dem geneigten Ohr ihre Vielfalt und Tiefe erschließen.

Klasse Arbeit, Mr. Brown. Weiter so!

Offizielles Erscheinungsdatum: 09.04.2012





The Blues Band

12 02 2012

Paul Jones (The Blues Band)

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The Blues Band am 13.05.2010 im Yard Club, Köln

14 11 2010

Paul Jones & Tom McGuinness

Bei mehreren Bands, die ich mit gegründet habe, stand am Anfang immer das Problem der Namensgebung. Lange Diskussionen im Proberaum oder in der Kneipe unseres Vertrauens waren die Folge. Eine Band so zu taufen, dass der Name schon alles sagt, also quasi Programm ist, oder zumindest einen zu kreieren, der so richtig einprägsam ist und neugierig macht zugleich, ist in einem halbwegs demokratischen Verbund eben nicht ganz leicht.

Dave Kelly (Gitarre, Vocals), Paul Jones (Harp, Vocals), Tom McGuinness (Gitarre, Mandoline, Vocals), Gary Fletcher(Bass,Vocals) und Hughie Flint(Drums) ist mit dem Namen “The Blues Band” ein Namen gelungen, der so simpel wie charakterisierend für die stilistische Gangart ist.

Seit 1979 gibt es diese Formation, bei der es im Vergleich zu heute nur einen Wechsel gegeben hat: Statt Mr. Flint, der vorher 5 Jahre bei John Mayall getrommelt hat, sitzt nun Rob Townsend am Schlagzeug. Dieser schwang einst die Schlagstöcke für Roger Chapman’s Band „Family“ und später für „Medicine Head“.

Die beiden Herrn Jones und McGuinness gehörten in den Sechzigern der Band um Manfred Mann an.

Dave Kelly ist auch kein unbeschriebenes Blatt: Seine Stationen vorher waren „John Dummer Blues Band“ und „Tramp“, er zog mit Howling Wolf oder John Lee Hooker von Bühne zu Bühne, nur um ein paar wenige zu nennen.

Alle haben/hatten obendrein noch einige Solo oder Seitenprojekte.

Die Fünf heute Abend hier auf der Bühne im Kölner Yard Club haben also schon eine Menge Musikgeschichte geschrieben, gleich in welcher Konstellation.

Als sie am 19. April 1980 in der Grugahalle in Essen für den Rockpalast auftraten, war ich sofort hellauf begeistert. Paul Jones’ Übersetzung zu „Boom Boom – Out Go The Lights” gleich “Aus gehen die Lickter“ ist mir unvergessen so wie der Gesamteindruck der Band.

Im selben Jahr habe ich sie dann auch noch live erlebt, da dauerte das Set nur schlappe 60 Minuten, ich war ziemlich sauer deswegen.

Ihre erste LP „The Official Bootleg Album“ bevölkert auch noch heute neben einigen Solo- LPs von Dave Kelly mein Plattenregal.

So ganz aus den Augen geraten ist mir die Band innerhalb der letzten 30 (!!!) Jahre nie. So war ich froh, als ich von dem Konzerttermin in Köln las.

Happy father’s day!“, wünscht Dave Kelly dem erwartungsfrohen Publikum, während er sich seine Fender Stratocaster umhängt.

Los geht’s dann mit «Goin’ Home». Vom ersten Takt wird die enorme Spiellaune klar, hier wird heute Abend nichts mehr anbrennen. Ein Titel jagt den anderen, immer mit netten Erläuterungen von Paul Jones, Dave Kelly oder auch Tom McGuinness versehen. Sie wechseln sich im Lead- Gesang ab, sogar Gary Fletcher erhebt für einige Titel die Stimme.

Das Repertoire ist abwechslungsreich: «You Gotta Move», «Walking Blues», «Hallelujah I Love Her So», «Lonely Avenue», «Talkin’ Woman Blues» oder auch «Green Stuff».

Dave Kelly ist ein begnadeter Slide- Gitarrist, das beweist er mit einer offensichtlichen Leichtigkeit, sowohl auf der Strat oder der Gibson SG. Aber auch sein Standard- Spiel legt er Präzision und Feeling gleichermaßen in die Saiten.

Letzteres gilt auch für Tom McGuinness, der sich mit Dave im Solospiel abwechselt. Ein einziges Mal, nämlich bei «You Gotta Move» setzt er seine Mandoline ein, die eine klangliche Bereicherung darstellt. Insgeheim hoffe ich, da jeder auch Titel seiner Nebenprojekte zum Besten gibt, vielleicht «When I’m Dead And Gone» von McGuinness Flint. Leider bleibt es bei der Hoffnung.

Wie dem auch sei, die Songauswahl ist gelungen, obwohl ich so den einen oder anderen persönlichen Favoriten vermisse.

Nun denn, in den 31 Jahren der Bandhistorie haben sich so viele klasse Songs angesammelt, dass es schier unmöglich erscheint, in zwei Stunden auch nur einen annähernd „gerechten“ Querschnitt zu präsentieren.

Es macht einfach Spaß einer so mit den Jahren gewachsenen Truppe bei der fröhlichen Arbeit zuzuschauen und zuzuhören.

Leider gehen die beiden Sets herum wie im Fluge, von mir aus hätte es auch noch gut und gerne zwei weitere Sets geben können.

Nach unserem kurzen Gespräch ruft mir Paul auf Deutsch nach: „Gute Nacht.“ Ich antworte mit: „Ja, aus gehen die Lichter…“, womit ich dann die Lacher auf meiner Seite habe.

Fazit: Auch die „Alten“ bringen es noch. Und wie! Tolle Gesamtleistung bei fünf ausgewiesenen Vollprofis. Und dazu British Sense Of Humor trifft auf British Sense Of Blues. Das möchte man niemandem vorenthalten. Darum volle Punktzahl für die Altherrnriege von der Insel. Unbedingt nicht verpassen!

Text und Fotos 2010 (c) Tony Mentzel








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