Goezot in’t Hofke – Oud-Turnhout (B) – Blues- Festival

22 05 2012

Goezot Bluesfestival





Oli Brown – Here I am – CD Rezension

15 03 2012

Da ist er also. Oli Brown legt seine dritte CD vor. Sie kommt frisch aus dem Presswerk und erst in einem Monat offiziell auf den Markt. Gespannt zerre ich den Silberling aus der Hülle, die Lade des CD- Players verschluckt die Scheibe und mich trifft der erste Akkord des Titelsongs.

Genau bei diesem und seinen drei Wiederholungen, die mich an Glockenschläge erinnern, ahne ich schon, dass hier nicht ein Album vorliegt, das der Kategorie „Easy Listening“ anheim fällt.

Das ist schon mal positiv. Und ich sage es gleich: Dieses Album ist kein Album zum Nur- Einmal- Hören. Es ist ein Album, das den Hörer fordert. So wie es alle an der Produktion Beteiligten auch gefordert haben muss.

Hier ist nichts locker – flockig, eben mal – ich sage es bewusst so – so dahin gerotzt, hier ist alles durchdacht und unterliegt gewissen Schwierigkeitsgraden, die zu meistern nicht jedem in die Wiege gelegt ist. Und dennoch ist es nicht auf Hochglanz poliert, wir erleben hier Musik mit Ecken und Kanten und diversen Überraschungen.

Einige Gitarrenlicks reichen in den Fusionbereich, vom klassischen 12- Takter im Namen des Blues ist Oli Brown meilenweit entfernt.

Und das ist, was das Album wieder interessant macht. Unwillkürlich bin ich damit beschäftigt, die Roots herauszuhören. Diese lassen sich immer wieder finden.

Gleich beim zweiten Titel „Thinking About Her“ treffen wir auf einen laid- back im Rhythmus verschleppten Song, der im Sound und im Charakter ein wenig an Stevie Ray Vaughan erinnert. Aber nur ein wenig. Aber klassischer 12- Takter? Fehlanzeige.

Oli Brown löst sich bei seinen Tracks deutlich von der Blues- Klassik. Das geht auch völlig in Ordnung so. Er ist weiter auf einem eigenen Weg, was die beiden Vorgängeralben bereits andeuteten.

Dabei hat er sehr gute Gefährten: Wayne Proctor, der auch als Produzent fungiert,  an den Drums, Scott Barnes am Bass, Joel White an den Tasten und je für einen Titel bieten Dani Wilde ihre Stimme im Background und der große Paul Jones, ja, der von der Blues Band, seine Harmonica zur Unterstützung an.

Zehn Songs sind Eigenkompositionen, zwei sind Interpretationen anderer Songschreiber.

Dass „I Love You More Than You’ll Ever Know“ geschrieben von Al Kooper mit auf der Liste ist, ließ meine Spannung doch ein wenig steigern. Und dann „Wow“! Oli Brown und seinen Mitstreitern ist hier eine weitere unter die Haut gehende Version dieses Klassikers gelungen, toll in der Dynamik, toll in der Instrumentierung, toll im Gitarrenspiel, toll im Gesang.

Apropos Gesang: Mehrmals habe ich mich gefragt, ob es sich bei dem Album um ein Album eines Gitarristen, der auch singt oder um eins eines Sängers, der auch Gitarre spielt, handelt. Oli Brown meistert beide Disziplinen hervorragend.

Spätestens beim Al Kooper Song wird einem seine Stimmgewalt bewusst.

Weitere Anspieltipps: „Devil In Me“ und das Up-Tempo Stück „Solid Ground“, veredelt durch Paul Jones’ Harmonikaspiel.

Insgesamt liegt hier eine Produktion vor, die beim ersten Durchhören soundmäßig eher etwas schwer und düster daherkommt. Es ist sicher keine Scheibe, die einen beim ersten Mal freudig anspringt, aber sie gewinnt bei jedem weiteren Durchlauf. Man sollte ihr die Gelegenheit geben, mehrmals gehört zu werden und bei jeder weiteren Umdrehung wird sich dem geneigten Ohr ihre Vielfalt und Tiefe erschließen.

Klasse Arbeit, Mr. Brown. Weiter so!

Offizielles Erscheinungsdatum: 09.04.2012





Oli Brown am 21.04.2010 in der Harmonie, Bonn

14 11 2010

Oli Brown

What a difference a year makes…” Genau dieser Satz geistert mir durchs Hirn, nachdem ich die ersten drei, vier Titel von Oli Brown gehört habe. Der Unterschied oder besser die Unterschiede zu meiner ersten Konzerterfahrung mit dem sympathischen jungen Briten ist/sind schnell ausgemacht: Sein Gitarrenspiel hat immens gewonnen, seine Stimme ist um einiges „nachgedunkelt“, seine Bühnenpräsenz kommt an die von den ganz alten Hasen heran.

Dass der Junge seinen Weg gehen wird, war mir nach seiner Performance im Rahmen des Blues Caravan 2009 an gleicher Stelle vor zirka einem Jahr schon klar geworden. «Fresh Blues» war damals das Motto. Und der frische Wind hält nach wie vor an.

Immer wieder vergisst man, dass dort oben auf der Bühne ein nur Zwanzigjähriger steht. Es ist schier verblüffend, was dieser schlaksige Bursche, hier zum Start seiner Deutschlandtour abliefert.

Im Gepäck hat Oli seine ganz pressfrische CD «Heads I Win, Tails You Lose». Dieses Motto ist wohl Programm: Egal wie die Münze fällt, er wird wohl – so souverän wie er sich hier zeigt – immer gewinnen.

Schon beim Hören der neuen Scheibe konnte ich einen gewissen Reifungsprozess gegenüber dem Erstwerk feststellen. Oli Brown ist ein sehr ambitionierter Mensch, der sehr viel Zeit und Liebe in seine Musik investiert.

Eben das spürt man in jeder Phase dieser hoch musikalischen Aufführung, die natürlich nicht alleine auf das Brown’sche Konto geht, denn er wird tatkräftig unterstützt von Simon Dring an den Drums und Roger Inniss (!) am sechssaitigen Bass.

Bei Roger Inniss frage ich mich immer, wie der es schafft, im Zusammenspiel mit so verschiedenen Künstlern (Blues Caravan 2010, Deborah Coleman, Snowy White etc.) immer wieder eine perfekte und hochkarätige Leistung abzuliefern. Für mich ist dieser Mann ein absolutes Phänomen, das in der Lage zu sein scheint, beliebig viele Songs und deren Abläufe speichern zu können.

Am heutigen Abend sind dies Songs wie «Evil Soul», «Fever», «Love’s Gone Cold» vom aktuellen Album oder «Played By The Devil» und «Black Betty» vom ersten Album.

Zur Eröffnung des zweiten Sets kommen eine Oli Brown typische Version von «Hoochie Coochie Man» und ein weiters Glanzstück: Die Interpretation von «Every Day I Have The Blues».

Das muss einfach wahr sein, denn jemand der nicht jeden Tag den Blues hat, wird einen Titel wie diesen niemals so intensiv auf die Bühne bringen können.

Erstaunlich auch ist die professionelle Kondition der drei Agierenden: Gegen zwei Uhr in der Früh ist man in Großbritannien mit dem Van aufgebrochen, der Kanal wurde per Fähre überquert und von Dünkirchen ging es dann nach Bonn, wo man dann trotz Stau um Brüssel gerade rechtzeitig zum Soundcheck eintraf.

Oli spielt eine Signature Gitarre aus der britischen Edelgitarrenschmiede «Vanquish». Dieses Instrument ist reine Handarbeit und zusammengebaut nach Oli’s Wünschen und Vorstellungen.

Sein Vater Graham Brown, der als sein Manager fungiert, drückt mir vor dem Konzert stolz ein Exemplar in die Hand: „Hier teste sie mal und sag mal, was du davon hältst.“ Das Instrument ist trotz Solid Body erstaunlich leicht, optisch eine Schönheit, allerdings ist mir der Hals etwas zu dick. „Das wäre kein Problem, die Jungs bauen dir den Hals ein, der für deine Finger ok ist.“, lacht Graham. „Was kostet so ein Schätzchen?“ – „Je mach Ausstattung etwas mehr als 3000 Euro, hier das Vorführmodell kannst du für 2700 Euro haben.“ „Oh, ja ok. Aber du weißt ja der Hals…“, bedanke ich mich lachend.

Die Gitarre tut auch dann brav ihre Arbeit, wenn Oli Brown sie in den Händen hält und ihr Höchstleistung abverlangt. Mit seinen jungen Jahren ist Mr. Brown Junior bereits ein ausgebuffter Sechssaitenspieler, der die feinsten Licks nur so aus dem Ärmel schüttelt.

Das weiß das zahlenmäßig nicht gering erschienene Publikum – es werden um die 100 Leute sein – auch zu schätzen. Nach so manchem Solo des Youngsters gibt es verdientermaßen heftig, lautstarken Szenenapplaus.

Ein wenig verwundert war ich darüber, dass man im Saal Tische und Stühle belassen hatte, offensichtlich hatte man seitens der Betreiber der „Harmonie“ nicht mit solch großem Zuspruch gerechnet.

Wie dem auch sei…

Fazit: Wie schon bei Danny Bryant ist im Laufe der Zeit bei Oli Brown eine konsequente Weiterentwicklung festzustellen. Es macht Laune, ihn auf der Bühne erleben zu dürfen. Oli Brown ist ein Künstler, der im Blueszirkus sicherlich eine große Zukunft hat, wenn er sich treu bleibt. Und so freue ich mich bereits jetzt auf die nächste Begegnung mit ihm und seiner Band. Irgendwo. Irgendwann. Darum meine uneingeschränkte Empfehlung: Unbedingt nicht verpassen!! See you there…

Text und Fotos © 2010 Tony Mentzel








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