Blues au Château, La Chèze (F)

7 08 2013

http://www.bluesauchateau.com/, La Chèze





Meena – Feel Me – CD Rezension

9 03 2012

Meena- Feel Me

Wie geht das? Man liest seit Monaten über den Entwicklungsprozess einer neuen CD. Es bauen sich Erwartungen auf, naja zumindest eine gewisse Neugierde, auf das, was dann irgendwann kommen soll, um sich im heimischen CD- Player zu drehen und diese Erwartungen zu erfüllen oder auch nicht, damit wäre dann auch endlich die Neugierde gestillt und würde somit endlich den Eindrücken weichen, die das Werk beim ersten Hören hinterlässt.

Geben wir es doch zu… In dieser verrückten, hektischen und von Reizen jeglicher Art geprägten Welt nimmt sich doch kaum jemand die Muße, eine CD mehrmals hinter einander zu hören. Wenn es überhaupt zum gänzlichen Erstdurchhörgang kommt.

Bei der Flut der täglich über einen herein brechenden Neuerscheinungen geht auf die Art sicher mancher Juwel verloren. Und das ist schade.

Und gerade jetzt habe ich einen dieser Juwelen für mich entdeckt. Und wenn dieser auch in Scheibenform daherkommt: Hier haben sich das Warten, die Geduld und die entfachte Neugier gelohnt. Gestern war die Scheibe in meinem Briefkasten und seitdem hat sie schon fünf komplette Abspielvorgänge (ohne Schaden zu nehmen) hinter sich.

Die aus Österreich stammenden Meena Cryle und ihr langjähriger Partner an den sechs Saiten, Chris Fillmore legen ihr neues Werk ‚“Feel Me“ vor.

12 Songs sind darauf enthalten, 10 Eigenkompositionen und zwei Titel aus fremder Feder.

Stilistisch sind die Tracks breit gestreut, Blues, Bluesrock, Soul, Balladen etc. Alle diese Genres werden stilsicher umgesetzt.

Über Meenas großartige Stimme ist viel geschrieben und gesagt worden, Vergleiche zu den ganz Großen wurden bemüht. Aber Meena singt eben wie Meena und das ist gut so und bedarf keinerlei Vergleiche. Die Stimme hat hohen Wiedererkennungsgrad. In ihr liegt eine Facettenvielfalt gepaart mit einem Gefühl für Dynamik und Einfühlungsvermögen.

Bei dieser Produktion ist es sehr gut gelungen, viel von dem aufzufangen, was eine Live- Performance der Sängerin ausmacht.
Kongeniale musikalisch- partnerschaftliche Unterstützung und Ergänzung erhält sie im famosen Gitarrenspiel von Chris Fillmore. Ob Slide- oder Standardspiel, ob akustisch oder elektrisch: Es passt. Und das überall.

Eingespielt wurde das Album im Berliner Studio „erde“ im September 2011. Produziert wurde es von Jamie Little, der auch die Drums spielt.

Die Basstracks teilen sich Marlene Lacherstorfer und Roger Inniss, Keyboards wurden beigesteuert von Markus Marageter. Die Hornsection besteht aus: Werner Wurm (Posaune), Sebastian Grimus (Saxofon) und Manfred Holzacker (Trompete).

Und das Zusammenspiel all dieser Menschen hat ein Album hervorgebracht, dass ich gerne und uneingeschränkt weiterempfehlen kann.

Mit „I Was Made for Loving You “ bringen Meena und Co den Rockklassiker von Kiss in völlig neuem Gewand, „Come to Mama “ ist eine Referenz an die kürzlich verstorbene Etta James.
Meine weiteren Anspieltipps sind „Lord Have Mercy“ und „My Performance Is Over“.

Das heißt nicht, dass die anderen Songs dahinter zurückstecken müssen, hier ist ein Album gelungen, dass in keinem Moment durchhängt, sondern in jedem seiner Momente pure Freude bereitet.





Meena & Erja Lyytinen, Double Trouble Tour, 11.10.2011, Harmonie in Bonn – Review

14 10 2011

Double Trouble Tour 2011

Es ist Dienstagabend in Bonn- Endenich, in dem ich mich dank einer halbstündigen wie verzweifelten Parkplatzsuche mittlerweile sehr gut zurecht finde. Aber mein Ziel heißt ja nicht umsonst „Harmonie“, so dass sich kurz nach deren Betreten so etwas wie der sanfte Mantel des Vergessens um die frustrierende Odyssee nach einer Abstellmöglichkeit für mein Bluesmobil legt.

Dieser Ort ist eine Kulturoase, an der regelmäßig auch die von Thomas Ruf initiierte Blueskarawane einen Stopp einlegt.

So kommt auch so etwas wie Blues Caravan Feeling light auf, denn die beiden Hauptakteurinnen der „Double Trouble“ Tour sind ehemalige Mitreisende der Karawane in Sachen Blues.

Meena und ihren Gitarristen Chris Fillmore sah ich zuletzt beim grandiosen Festival in Schöppingen, Erja habe ich mittlerweile seit zwei Jahren nicht mehr gesehen.

Das erste Set heute Abend bestreitet die stimmgewaltige Meena, an ihrer Seite stehen, wie schon gesagt, der fantastische Chris Fillmore an der Gitarre, am Bass der Brite Roger Inniss, einer der großartigsten Spieler im Tieftonsektor und immer wieder gern angeheuerter Sideman zum Beispiel bei Joanne Shaw Taylor, Shakura S’Aida, Oli Brown oder Deborah Coleman. An den Drums sehen wir heute Abend Miri Miettinen aus Finland, den ich letztes Jahr schon mit Ben Granfelt ebenfalls in Schöppingen bewundern durfte.

„You Can Have My Husband, But Please Don’t Take My Man“ ist Meena’s Opener.  Schnörkellos und sofort auf dem Punkt. Die Kapelle rockt, die Harmonie gleich mit und Meena überstrahlt all dies mit ihrer kräftigen, variantenreichen Stimme. In einigen Momenten erinnert ihre Stimme leicht an das Timbre von Janis Joplin.

Beim Etta James Klassiker „I’d Rather Go Blind“, von dem es bereits  viele hervorragende Interpretationen gibt, hat Meena  schon bei ihrem ersten Silberling bewiesen, dass sie hier durchaus mithalten kann, doch die heutige Live- Version setzt dem noch ein Sahnehäubchen auf.

Chris Fillmore tut das Seinige an der Gitarre, um dem Ganzen zum  Hörgenuss zu verhelfen. Ob im Rhythmus- oder im Solospiel, ob an der Fender Stratocaster oder an der Dobro – hier wird nicht an Facettenreichtum gespart, technisch auf sehr hohem Niveau und dennoch versehen mit einer gehörigen Portion an Feeling. Das ist es eben, was einen perfekten Sideman wie Chris Fillmore auszeichnet.

Über das Soundfundament braucht man sich auch keine Sorgen zu machen: Roger Inniss und Miri Miettinen harmonieren aufs Beste. Was will man also mehr?

Das erste Set vergeht im Fluge, keine Sekunde Langeweile, dem Publikum, das ruhig etwas größer hätte sein dürfen, gefällt’s.  So sollen sich die ärgern, die dann doch lieber zu Hause geblieben sind. Denn allein schon bis hierher hat sich der Weg nebst und trotz  nerviger Parkplatzsuche gelohnt.

Kurze Pause.

Das „Drum ’n’ Bass“- Fundament bleibt das Gleiche, dazu betreten nun der Gitarrist Davide Floreno und Erja Lyytinen die Bühne.

Natürlich hat Erja ihre aktuelle CD „Voracious Love“ im Gepäck, die mir persönlich in der Produktion ein wenig zu poppig geschliffen geraten ist. Naja.

Was soll’s? Im Live- Gewand klingen „Can’t Fall In Love“ oder „Birds“ um einiges rauer und ungeschliffener. Und das ist auch gut so.

Dass Erja eine ausgezeichnete Slidegitarristin ist, konnte ich schon oft feststellen. Mittlerweile hat sie allerdings auch im Standardspiel mächtig zugelegt. In den Soli dieser Spielart verblüfft sie mich mit vielen gelungenen Ideen, die mit ihren nicht erwarteten Wendungen immer wieder in ihren Bann ziehen. Hats off,  Mylady.

Es macht einfach Freude, ihrem Spiel zuzusehen. Der Nachteil vom Ganzen: Auch hier rauscht die Zeit wie nichts vorbei und schon sehen wir uns am Ende ihres Sets. Nicht unerwähnt lassen möchte ich Davide Floreno’s solide Rhythmusarbeit auf der Telecaster. Sein wahres Können allerdings blitzt in einem brillanten Solo auf, für das er in einem Titel den nötigen Raum bekommt.

Wie auch beim Blues Caravan gewohnt versammeln sich alle Beteiligten zum grande Finale auf der Bühne.

„Soul Of A Man“ ist einer der Songs, die alle gemeinsam interpretieren. Die Unterschiedlichkeit der einzelnen Künstler fügt sich hier zu einer eigenen Einheit zusammen. Zugaberufe, die mehr als berechtigt sind, werden erhört.

Nach dem Konzert trifft man sich am zum Smalltalk am Merchandisingstand. Zufriedene Gesichter bei den Zuschauern aber auch bei den MusikerInnen.

So hoffe ich, dass es keine weitern zwei Jahre dauert, bis es das nächste Wiedersehen und –hören mit Erja gibt.

Dass doppelter Ärger in Form von „Double Trouble“ überhaupt und dann auch gleich doppelt Spaß macht, ist eine wohltuende neue Erfahrung für mich.

So begebe ich mich nach einem herzlichen Abschied hinaus in die herbstliche Bonner Nacht zu meinem Auto, da irgendwo in einer Seitenstraße, den Kopf voll mit guter Musik und in dem Wissen, dass ich sicher etwas verpasst hätte, wenn ich diesen Abend daheim geblieben wäre.





Meena & Erja Lyytinen, Double Trouble Tour, 11.10.2011, Harmonie in Bonn – Diashow

13 10 2011

Meena & Erja Lyytinen

Zur Diashow auf das Foto klicken…





20. Grolsch Bluesfestival, 11.06. & 12.06.2011 in Schöppingen – Bericht

21 06 2011

Tag 1, Pfingstsamstag

Von überall sind sie hergekommen, die Autokennzeichen auf dem Campingplatz verraten dies: Aus der gesamten Republik, aber auch aus dem Ausland: Niederlande, Belgien, Schweiz, Dänemark.

Das Schöppinger Grolsch Bluesfestival ist zu einer festen Institution geworden. Was vor 20 Jahren mit einer selbst gebastelten Bühne begann, genießt mittlerweile in der Blueswelt auch international gesehen einen mehr als guten Ruf.

Für die Künstler bietet die Bühne in Schöppingen eine gute Gelegenheit, sich auch einmal in Deutschland einem großen Publikum zu stellen.

Leider schaffe ich es nicht den Opener, das deutsche Blues- Urgestein Tom Vieth & Frinds zu sehen. Als ich das Festivalgelände erreiche ist bereits Roland Tchakounté auf der Bühne. Mit seiner hypnotisch wirkenden Art, afrikanische Wurzeln mit amerikanischem Blues zu verweben, schafft der in Kamerun geborene und jetzt in Frankreich lebende Musiker mit seinen beiden Begleitern Mick Ravassat (Gitarre) und Mathias Bernheim (Drums und Percussion)gleich zu Beginn des Festivals eine magische Atmosphäre, der man sich nicht mehr entziehen möchte.

Der nächste Künstler ist Ryan McGarvey. Der aus Albuquerque, New Mexico, stammende Gitarrist und Sänger ist Europaneuling. Seine erste CD „Forward In Reverse” erschien bereits vor vier Jahren und wurde hierzulande lange als Geheimtipp gehandelt. Aus diesem äußerst gelungenem Debüt hören wir an diesem Samstagnachmittag eine Reihe Songs.

Ryan McGarvey ist nicht nur ein begnadeter Gitarrist und Sänger, er weiß auch, wie er seinen ausgetüftelten Sound in den Griff bekommt und ihn auch dort hält. Stilistisch schimmern immer wieder Stevie Ray Vaughan oder Jimi Hendrix durch. „Joyride“ ist eine Spritztour durch die Gefilde des Texasblues und „Mystic Dream“ bietet den Soundcollagentrack mit der Lizenz zum Abdriften, na, wohin du willst. Authentischer Blues? Nicht unbedingt bei diesen Titeln.

Aber Mr. McGarvey schüttelt dann mal eben „Cryin’ Over You“ aus dem Ärmel und bringt schon mit den ersten Takten auch den letzten Zweifler auf seine Seite. Immerhin wurde dieser Song in New Mexico zum „Bluessong Of The Year“ erkoren.

In dem Flitzefingertitel „Texas Special“ zieht Ryan seinen imaginären Stetson vor seinen texanischen Heroen wie Stevie Ray Vaughan und Freddy King.

Ein erstklassiges Europadebüt.

Nach diesem mitreißenden Soundgewitter geht es dann weiter mit John Nemeth und seiner Band. Stilistisch der perfekte Kontrapunkt zum Vorgänger. Soulig angehaucht, in Gefilden des R & B angesiedelt, aber auch im klassischen Chicagoblues zu Hause, John Nemeth’s klare Stimme, sein grandioses Harpspiel, das Ganze unterstützt durch eine brillante Band, was will man mehr?

Von den Qualitäten dieser Formation konnte ich mich dieses Jahr schon zwei Mal auf anderen Festivals überzeugen.

Persönlich hätte ich mir allerdings mehr Freiräume für John Nemeth’s Gitarristen, A. C. Myles gewünscht, der weiß Gott einer der Besten (für mich Neuen) ist, die mir in letzter Zeit begegnet sind. Mit sehr hoher Präzision und mit einzigartigem Feeling spielt er seine Begleitlicks und lässt in den (viel zu) kurzen Soli seine wahre Bestimmung immer wieder durchschimmern.

Rory Gallagher ist für ihn das Nonplusultra, wie er mir bei einem Bier nach dem Gig erzählt. „Bist du dann hier in der richtigen Band?“, frage ich etwas ungläubig. „Na ja, hier kann ich eine Menge lernen, es war außerdem mal wieder Zeit für etwas anders.“, lacht A.C. Ich bin gespannt, ob wir ihn irgendwann mit einem eigenen Projekt erleben werden.

Backstage rollt ein Van mit niederländischen Kennzeichen heran. Ana Popovic und Band sind angekommen. Sie werden hier und heute mit Mike Zito auf der Bühne stehen. Die von vielen zur Göttin erhobene Ana lässt einen Gott neben sich agieren. Ich bin gespannt auf das Zusammenwirken der Beiden.

Beide sind ausgewiesen sehr gute Gitarristen. Das steht außer Frage. Die Band wird verstärkt durch einen Saxofonisten und einen Posaunisten.

Ich will nicht lange drumherum reden: Bei mir (und vielen anderen, mit denen ich nachher spreche) kommt der erhoffte zündende Funke nicht an. Technisch läuft die Show bis auf ein paar kleine Abstimmungsschwierigkeiten sauber ab. Die Band pusht ihren Mix aus Soul, Funk und Blues ins Publikum. Ana und Mike teilen sich die Gesangs- und die Gitarrensoloparts. Alles sicher und volltrefflich, doch Herr Gardner ist vielleicht zu verwöhnt und etwas zu kritisch, als dass er nun in Jubelstürme ausbricht.

Mike Zito habe ich mit seiner Band vor ein paar Monaten live erleben können. Für mich eins der tollsten Konzerte in diesem Jahr. Da klangen seine Songs weitaus wuchtiger und authentischer. Für mich eine gern gegebene Weiterempfehlung.

Lil’ Ed (Williams), ein Neffe des großen J.B. Hutto, ist ein Mann der gerne lacht. Das tut er schon bei seiner Ankunft am Nachmittag.

Selbst auf der Bühne lacht er. Warum? Der Mann hat Spaß. Einen Riesenspaß und der schwappt nach den ersten Riffs auf seiner betagten mit „Pamela“ beschrifteten Gitarre direkt ins Mark der geneigten Zuhörerschaft.

Wahrlich, ich sage euch: Hier steht jemand, der den Blues lebt und spielt. „Compact Man“ ist einer seiner Titel. Eine treffendere Selbstbeschreibung hätte man nicht finden können. Ein kompakter, kleiner Mann mit einem riesigen Feeling für die Musik und einem Sound, der schmutziger wohl komm geht. Hach, so etwas Labsal für meine Ohren.

Mit seinen drei Begleitern, den Blues Imperials spielt sich der kleine Ed locker auf meine persönliche Nummer Eins an diesem ersten Festivaltag. Hier stimmt alles: Sound, Songauswahl, Groove. Es ist die richtige Musik, um mit einem tollen Gefühl und bester Laune das Festivalgelände zu verlassen.

Auf dem Campingplatz steigen noch diverse „Aftershowparties“. Hundemüde, aber glücklich, krabbele ich gegen drei Uhr ins Zelt und träume mich dem zweiten Festivaltag entgegen.

Tag 2, Pfingstsonntag

Der Generationenkonflikt ist wichtig. Die Jugend sucht und geht eigene Wege, um sich von der Tradition der Altvorderen abzusetzen. Gut so. Hätten wir heutigen 50plusler sonst jemals Jimi Hendrix, die Rolling Stones oder Deep Purple (um nur ein paar zu nennen) zu unseren Göttern erhoben?

So sehe ich mich heute mit einer jungen Truppe von Musikern um die charmante, 19- jährige, französische Sängerin Nina Attal konfrontiert.

Das Handwerk stimmt bei allen auf der Bühne. Die Stimme ist mir persönlich ein wenig zu piepsig (das kann ja noch werden, aber wieso muss ich immer an „Joe, Le Taxi“ von Vanessa Paradis denken?) und die Bühnenschow erinnert eher an die frühe Madonna. Generationenkonflikt eben. Die Stilrichtung geht ins Funkige. Durchaus tanzbare Musik. Es ist aber nicht mein Ding. Man sieht es mir an. Und ich sage es frei heraus. Aber andere sehen und hören das anders und das ist auch gut so.

Nina Attal wird vom Publikum gefeiert, der Applaus ist riesig. Das gibt auch den Programmverantwortlichen Recht, einmal etwas gewagtere, neue Wege zu gehen.

Wie um meine ganze Theorie um den Generationenkonflikt sofort wieder über den Haufen zu werfen schicken mir die Veranstalter gleich danach die niederländische Band DeWolff auf die Bühnenbretter.

Allesamt sind die Drei aus Geleen jeweils unter 20 Jahren: Pablo van de Poel (Gitarre, Gesang), sein Bruder Luka van de Poel (Schlagzeug) und Robin Piso (Orgel, Bass, Theremin, Gesang).

Theremin? Die Jungs haben ein komplettes Vintage Equipment auf der Bühne. Amps, Hammondorgel und eben ein Theremin. Das ist wohl das einzige Musikinstrument, das man spielen kann, ohne es zu berühren. Für den Laien mag es aussehen wie ein Radio mit einer Antenne. Auf Bühnen sieht man es auch kaum. Aber wer einmal „Good Vibrations“ von den Beach Boys gehört har oder „Whole Lotta Love“ von Led Zeppelin, kennt zumindest den singenden Sound. Mehr Infos hier…

Leute, die im Vorfeld noch nie etwas von DeWolff gehört haben, sind überrascht. Ich kenne zumindest 2 CDs von ihnen. Dennoch bin ich überrollt von dem Soundgewitter, das die Drei von der Bühne auf uns hernieder prasseln lassen. „Das ist ja Musik wie früher!“, jubele ich. In der Tat, die Jungs spielen die Musik, die ich gehört habe, als ich so alt war wie sie jetzt.

Generationenkonflikt? Den tragen die Youngsters höchstens mit ihrer eigenen Lady -Gaga -Generation aus, nicht aber mit der meinen.

Wow! Das sitzt! Die Hammond wummert, der Leslie dreht seine Runden. Jaulende Gitarre, ein hämmerndes Schlagzeug. Es ist als hätten sich Led Zeppelin, Deep Purple, Uriah Heep mit den Doors und Pink Floyd vereint.

Baff bin ich und wahrhaft begeistert. Der absolute Bluespurist wird sicherlich im Falle von DeWolff die Nase rümpfen, allerdings müsste er dies durchaus auch bei anderen Acts dieses Festivals tun.

Wieder mehr der Bluestradition zugewandt sind Meena Cryle & The Chris Filmore Band. Chris ist ein ausgezeichneter Gitarrist und arbeitet seit 20 Jahren bereits mit Meena zusammen. Komplettiert wird die Band durch Marianne Lacherstorfer am Bass, Jonny Dyke an den Keyboards und Johannes Pinkelnig am Schlagzeug.

Seit ihrer Tour mit dem Bluescaravan hat sich die Österreicherin Meena auch in Deutschland einen Namen gemacht. Ihre Stimme ist heute wieder in Hochform und ihre Version von „I’d Rather Go Blind“ ist wieder einmal schlichtweg der Hammer.

Die Soli von Chris Filmore haben es in sich. Sie sind ebenso facettenreiche Leckerbissen wie die von Jonny Dyke auf den weißen und schwarzen Tasten.

Kleine Randnotiz:
Jonny Dyke (Sideman von Larry Garner, Elkie Brooks oder auch Patricia Kaas) schickt sich gerade an, mit dem Gitarristen Matt Taylor, dem Snowy White Drummer Roy Martin und dem Bassisten Andy Graham aus Ian Siegel’s Band in der Formation The Motives auf Tour zu gehen. Das bereits zur (gratis) zur Verfügung stehende Tonmaterial macht äußerst neugierig.

Meena kommt mit „Empty Pockets“, wie sie selbst sagt, das heißt, sie hat ihren ganzen CD- Vorrat bereits am Vorabend in Fürth verkauft.

Diese Band macht einfach Spaß und zeigt, dass Blues made in Europe durchaus seinen Stellenwert hat.

Sonny Landreth. Auf ihn, einem der Meister der Slide- Gitarre bin ich sehr gespannt. Sein Sound ist unverkennbar, zudem hat er einen eigenen Stil entwickelt. Durch mein Teleobjektiv kann ich ihm gehörig auf die außerordentlich lang gewachsenen Finger schauen. Mr. Landreth verfügt über eine ausgefeilte Spieltechnik. Atemberaubend. Klasse. Toll. Aber.

Entweder schwächele ich nach der hohen Dosis der feinen Klänge während der letzten beiden Tage oder es ist tatsächlich so, wie ich es im Gespräch direkt neben mir zufällig höre: „Auf die Dauer etwas langweilig.“

Naja, 90 Minuten Slidegitarre sind zumindest schon etwas anstrengend. Und so brauche ich einfach mal eine Pause und lege mich etwas abseits ins grüne Gras mische den Sound von Sonny Landreth weit nach hinten und verschnaufe ein wenig – irgendwie ahnend, dass ich meine Aufmerksamkeitskräfte heute noch brauchen werde.

Otis Taylor & Co. sind eingetroffen. Otis’ wie immer etwas brummeligen Miene ist s nicht anzusehen, wie er nun wirklich gelaunt ist. Der Schirm von seiner Basecap wirft einen dunkeln Schatten über die Augenpartie. Also auch von dorther kein Signal.

Gleich werden wir es ja erleben…

Es wird ein Erlebnis! Und was für eins! Es wird eins von diesen Konzerten, nach dem hunderte Menschen sich fragen: „Wow, was war das denn? So etwas habe ich noch nie erlebt.“

Otis Taylor ist ein Magier, ein Hypnotiseur. Seine Musik wird nicht umsonst als Trance- Blues bezeichnet. Er und seine Band sind in der Lage, ein Publikum in Nullkommanix in ihren Bann zu ziehen. Und zwar voll und ganz.

In seiner Musik setzt Mr. Taylor bewusst auf monotone , sich wiederholende Licks , die aber vor Dynamik sprühen. Dazu noch „His Master’s Voice“ und der Zauber hat bereits begonnen.

Das Ganze hat etwas, das einen tief berührt und nicht mehr los lässt. Voodoo auf höchstem Niveau. Hier ist das Gegenstück zur technisierten Musik, hier spricht die Seele der Musik.

Larry Thompson an den Drums: Ein wahres rhythmisches Feuerwerk, Todd Edmunds (beim letzten Grolsch Bluesfestival noch mit Jason Ricci auf der Bühne) zupft den Bass und bläst die Tuba, dann die beiden Gitarristen Jon Paul Johnson und Tierro Lee, die sich in den Soli und in der Rhythmusarbeit wunderbar ergänzen und schließlich Otis Taylor selbst, der mit 5 String Banjo, Tele- und Stratocaster, aber auch mit der Harp umzugehen weiß.

Live Your Life Before You Die“, einer von Otis’ Songs heute Abend geht ebenso unter die Haut wie all die anderen. Das Leben mit einem solchem Soundtrack macht einfach und gleich mehrfach Spaß.

Nach den Zugaben ist dann Schluss. Ich schlendere noch etwas freudig benommen über den (leider) mit leeren Plastikbechern übersäten Rasen. Viele Zuschauer stehen noch wie angewurzelt da und schauen auf die Bühne, auf der schon kräftig abgebaut wird. Die Scheinwerfer sind auf grell geschaltet und überstrahlen die Szene.

Das 20. Grolsch Bluesfestival in Schöppingen ist Geschichte und hat jetzt bereits Geschichte geschrieben.

Mein Dank geht an Richard Hoelscher und seinen Helfern für die gelungene Mischung im Programm und die volltreffliche Organisation und Durchführung.

Auch ein Dank an das fantastische Publikum, das eine tolle Atmosphäre herbeigezaubert hat.

Last but not least: Dank an all die Künstler, die diesem Festival musikalisches Leben eingehaucht haben.

Wenn mir nicht der Himmel auf den Kopf fällt, bin ich gerne nächstes Jahr wieder dabei. Wann ist da eigentlich Pfingsten?

Zu meiner Fotostrecke vom Festival: http://www.flickr.com/photos/tonyjoegardner/sets/72157626953014762/

Text und Fotos © 2011 Tony Mnetzel





20: Grolsch Bluesfestival in Schöppingen

19 06 2011

Zu meinem Bericht zu diesem grandiosen Festival geht es hier:

http://bluesfocus.net/2011/06/21/20-grolsch-bluesfestival-11-06-12-06-2011-in-schoppingen-bericht/





Blues & Jazz Rallye am 17.07.2010 in Luxemburg

14 11 2010

Meena

Die Welt ist ein Dorf. Sprachengewirr in allen Gassen. So wird die Hauptstadt eines der kleinsten Länder dieser Erde zu einem Mittelpunkt und gleichermaßen zum Symbol. Luxemburg Stadt hat mal wieder zur Blues & Jazz Rallye gerufen und ich bin wieder mittendrin. Teilweise ist kein Durchkommen mehr. Einer aus Großbritannien, einer aus Frankreich, zwei aus Österreich und einer aus Deutschland versuchen von einer Bühne zur anderen zu gelangen. Dies Unterfangen stellt sich als Geduldsprobe und schweißtreibende Schieberei heraus. „Ca, je n’ai jamais vu!”, sagt der Franzose und der Deutsche antwortet: „Moi non plus.“ Und die Österreicherin fügt hinzu: „It’s very intimate here.“ So ist es, gesehen haben wir alle einen derart dichten Menschenauflauf noch nicht und es ist sehr intim. Alle sind auf Tuchfühlung. Im Prinzip ein El Dorado für Taschendiebe. Am guten Ende wird es mir aber dann an nichts Materiellen fehlen.

Diese Stadt, dieses Zusammentreffen von Hunderttausenden von Menschen verschiedenster Herkunft und Sprachen ist Sinnbild für ein friedliches Miteinander. Kulturen und deren Vertreter treffen aufeinander. Und jeder kann davon profitieren und seinen kleinen eigenen Horizont erweitern. Immer wieder und immer wieder aufs Neue. Das Angebot heute ist wieder äußerst vielfältig. So ist die Garantie gegeben, dass man natürlich wieder nicht alles erleben kann. Entscheidungen müssen her.

Meine fällt auf den Auftritt von Deborah Coleman und später Meena jeweils mit Roger Inniss und Denis Palatin. Ein Treffen mit lieben Menschen. Immer wieder kreuzen sich die Wege und die Freude des Wiedersehens ist mehr als herzlich. Deborah spielt sich nach und nach in Bestform. Sie ist in der Lage, Titel für Titel noch Qualität und Emotion nach zu legen. Ihre Stimme und vor allem ihr Gitarrenspiel, lässige Soli, die es vertrackt in sich haben. Es sieht aus, als schüttele sie all das wie nichts locker aus dem Ärmel. Der Spielspaß ist allen Akteuren anzusehen. Auch auf fremden Instrumenten, die man sich für heute Abend zusammen geliehen hat, weil die Eigenen irgendwo zwischen Balkan und Frankfurt hängen geblieben sind. Shit happens.

Von oben nach unten: Thierry Lopez & Deborah Coleman, Deborah Coleman, Denis Palatin

Und dann Meena. Das Energiebündel mit der Wahnsinnsstimme. Und gesegnet mit einem grandiosen Gitarristen, namens Chris Fillmore. Mit ihm arbeitet sie seit 17 Jahren zusammen. Vor dem Gig gibt es noch einige Absprachen mit Denis und Roger. Und los geht’s.

Schon vom ersten Song an lässt Meena keine Zweifel darüber aufkommen, dass sie eine der besten Bluesstimmen des alten Kontinents hat. Anfangs ist vor der Bühne noch Platz, aber viele Menschen, die eigentlich weiter gehen wollen, bleiben fasziniert stehen. „Incroyable“, sagt eine junge Frau hinter mir und starrt wie gebannt auf die junge Lady aus Österreich.

Von oben nach unten: Roger Inniss, Meena, Chris Fillmore

Als Meena «Let Your Sweet Love Shine On Me» gospelmäßig anstimmt, sehe ich neben mir eine verzückt dreinblickende Deborah Coleman.

Auch dieses ist ein wunderbares Konzert, dass gegen 01:30 nach einigen Zugaben sein Ende findet.

Ich sage noch schnell „Servus bye, bye, au revoir“ und mache mich bestens gelaunt auf die etwa zweistündige Heimfahrt durch Luxemburg, Belgien und durch die laue Julinachtauf die etwa zweistündige Heimfahrt durch Luxemburg, Belgien und durch die laue Julinacht.





Blues Caravan 2010 am 24.01.2010 in der Harmonie, Bonn

14 11 2010

Shakura & Meena

Der Blues Caravan, ins Leben gerufen durch Thomas Ruf, hat mittlerweile einen gewissen Kultstatus erreicht. Man ist jedes Jahr aufs Neue gespannt, wen Herr Ruf mit auf die Karawanenpiste schickt und wie sich die drei Hauptheroen zu einander fügen.

Das glückliche Händchen, das Thomas Ruf bereits bei den vorigen Tourneebesetzungen bewiesen hat, winkt auch in diesem Jahr das geneigte Publikum vor die Bühnen.
19:15 Uhr Der Saal ist gewiss nicht überfüllt oder gar ausverkauft. Die musikalische „Backline“ betritt die Bühne in der Harmonie. Denis Palatin setzt sich hinter sein Drumset, Johnny Dyke nimmt hinter den Keyboards Platz, Roger Inniss schnallt den sechsaitigen Bass um und Donna Grantis ihre PRS Gitarre. Der Opener dieses Quartetts ist ein Warmspiel- Instrumental. Und das geht gleich auf die Zwölf, gleich wird klar, dass diese Band auch schon beim erst vierten Gig der Serie ein dicht geschnürtes Paket bildet. Kein Wunder, denn Denis Palatin und Roger Inniss arbeiten schon längere Zeit zusammen, bei Deborah Coleman beispielsweise. «Une belle équipe…», so sagte mir Denis vorher. Ja, das ist sie, diese Band, eine tolle Mannschaft.

Meena, die ebenso charmante wie stimmgewaltige Blueslady aus Österreich ergreift das Mikro. Und da sind sie gleich, die ersten Schauer, die wohlig über den Rücken laufen. Wenn Meena singt, durchlebt sie jede Faser eines Songs, man sieht deutlich, wie sie förmlich in der Musik aufgeht. Ihre Stimme setzt sie dynamisch, gefühls- und variantenreich ein. „Irgendein Mitschüler hat einmal eine Platte von Janis Joplin mit in die Schule gebracht, so bin ich zum Blues gekommen.“, hat sie mir vor dem Konzert verraten. Den Titelsong ihrer CD «Try Me», im Original von James Brown, hatte sie im Vorfeld zu den Aufnahmen nur ein einziges Mal gehört. „So bin ich relativ unvoreingenommen an die Sache herangegangen.“ Und das Resultat ist auf der CD als auch live schlichtweg beeindruckend. Während bei der CD- Version Joanne Shaw-Taylor, Teilnehmerin des letztjährigen Blues Caravan das Solo spielt, tut es ihr hier Donna Grantis nicht minder feinfühlig nach.

Für einen Titel, nämlich «I Shoot You Down» begleitet sich Meena auf der Dobro, auch das gelingt ihr prächtig, ein feines Slide- Intro und im weiteren Songverlauf weiß sich im musikalischen Gesamtgefüge mit der Band auch gitarristisch Gehör zu verschaffen.

Machen wir’s kurz: Volle Punktzahl für Meena. Sie ist eine Frau, die auf die Bühnen dieser Welt gehört, denn sie hat dem staunenden Publikum eine Menge zu bieten.

Shakura S’Aida ist ein Vollprofi und gesegnet mit einer außerordentlichen Stimme. Sie weiß sich darüberhinaus durch Gestik und Mimik in Szene zusetzen. Sie spielt mit dem Publikum und hat dabei die Situation jederzeit im Griff. Mit Donna Grantis hat sie 10 der auf der CD «Brown Sugar» erschienenen Songs selbst geschrieben.

Ein Teil hiervon kommt an diesem Abend als musikalischer Hochgenuss live von der Bühne. Bei der Ballade «Angel On High» wird es zeitweise mucksmäuschen still im Saal, bis Shakura das Publikum auffordert, den Refrain mitzusingen. Und das Publikum singt mit, ein überaus feierlich- schöner Moment. Klar, dass auch Shakura weitere Titel aus ihrem Album präsentiert: Der Titeltrack darf ebenso wenig fehlen wie «Mr. Right» oder «Walk Out That Door».

Machen wir es auch hier kurz: Ebenfalls die volle Punktzahl. Ich bin sicher, der diesjährige Blues Caravan wird Shakura S’Aida‘s sicheren Platz im internationalen Blueszirkus weiter festigen und ihr einen wachsenden Fanstamm bescheren. Verdient hat sie es allemal.

Coco Montoya ist ein nicht nur musikalisches Schwergewicht. Dass er seinerzeit mit Walter Trout zusammen bei John Mayall’s Bluesbreakers gespielt hat, dürfte hinlänglich bekannt sein. Etliche CDs hat er inzwischen auf den Markt gebracht, aktuell ist sein Album «I Want It All Back». Eine Besprechung dieser CD findet ihr hier.

Schon beim Soundcheck am heutigen Abend war mir klar, wer gitarristisch hier das Heft in der Hand hat. Coco spielte ein paar Fingeraufwärmübungen, wenn du alleine das hörst, weißt du, was dieser Künstler für ein Potential hat.

«Hey Señorita», «Fannie Mae» stammen vom aktuellen Silberling, genauso wie der Titeltrack, bei dem Meena die Backing Vocals übernimmt, jedoch klingen diese Titel live um einiges frischer und weniger glatt als von der Konserve, die übrigens Keb‘ Mo produziert hat.

Als dann der gute Coco noch einen veritablen Slowblues feinster Machart vom Stapel lässt, stockt den meisten im Auditorium schier der Atem. Da perlen die Gitarrenläufe nur so vom Griffbrett, es ist die wahre und die reine Wonne, dem Meister dabei zuzusehen und zuzuhören. Auch stimmlich ist Coco auf der Höhe. Wow, was für eine Performance! Was wäre es schön, wenn man all das bisher Erlebte hier konservieren und mitnehmen könnte für Tage, wenn mal wieder nichts anderes als Tristesse angesagt ist. Doch vielleicht gibt es ja eines Tages die DVD zum 2010-er Blues Caravan und die kann nur gut werden.

Zum guten Schluss gibt es dann Meena, Shakura und Coco mit Titeln wie «Take Me To The River» und Luther Allisons Klassiker «Just As I Am» als Komplettpaket und Extra- Sahnehäubchen obendrauf. Klasse. Klasse. Klasse.

Fazit: Es besteht noch genügend Gelegenheit, diesen Blues Caravan zu erleben. Und für jeden sollte eine Bluesoase in der Nähe dabei sein, an dem diese bunte Karawane in irgendeiner grauen Steinwüste dann Halt macht. Also unbedingt nicht verpassen. Es wäre sträflich.

Text und Fotos © 2010 Tony Mentzel








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