Meena – Feel Me – CD Rezension

9 03 2012

Meena- Feel Me

Wie geht das? Man liest seit Monaten über den Entwicklungsprozess einer neuen CD. Es bauen sich Erwartungen auf, naja zumindest eine gewisse Neugierde, auf das, was dann irgendwann kommen soll, um sich im heimischen CD- Player zu drehen und diese Erwartungen zu erfüllen oder auch nicht, damit wäre dann auch endlich die Neugierde gestillt und würde somit endlich den Eindrücken weichen, die das Werk beim ersten Hören hinterlässt.

Geben wir es doch zu… In dieser verrückten, hektischen und von Reizen jeglicher Art geprägten Welt nimmt sich doch kaum jemand die Muße, eine CD mehrmals hinter einander zu hören. Wenn es überhaupt zum gänzlichen Erstdurchhörgang kommt.

Bei der Flut der täglich über einen herein brechenden Neuerscheinungen geht auf die Art sicher mancher Juwel verloren. Und das ist schade.

Und gerade jetzt habe ich einen dieser Juwelen für mich entdeckt. Und wenn dieser auch in Scheibenform daherkommt: Hier haben sich das Warten, die Geduld und die entfachte Neugier gelohnt. Gestern war die Scheibe in meinem Briefkasten und seitdem hat sie schon fünf komplette Abspielvorgänge (ohne Schaden zu nehmen) hinter sich.

Die aus Österreich stammenden Meena Cryle und ihr langjähriger Partner an den sechs Saiten, Chris Fillmore legen ihr neues Werk ‚“Feel Me“ vor.

12 Songs sind darauf enthalten, 10 Eigenkompositionen und zwei Titel aus fremder Feder.

Stilistisch sind die Tracks breit gestreut, Blues, Bluesrock, Soul, Balladen etc. Alle diese Genres werden stilsicher umgesetzt.

Über Meenas großartige Stimme ist viel geschrieben und gesagt worden, Vergleiche zu den ganz Großen wurden bemüht. Aber Meena singt eben wie Meena und das ist gut so und bedarf keinerlei Vergleiche. Die Stimme hat hohen Wiedererkennungsgrad. In ihr liegt eine Facettenvielfalt gepaart mit einem Gefühl für Dynamik und Einfühlungsvermögen.

Bei dieser Produktion ist es sehr gut gelungen, viel von dem aufzufangen, was eine Live- Performance der Sängerin ausmacht.
Kongeniale musikalisch- partnerschaftliche Unterstützung und Ergänzung erhält sie im famosen Gitarrenspiel von Chris Fillmore. Ob Slide- oder Standardspiel, ob akustisch oder elektrisch: Es passt. Und das überall.

Eingespielt wurde das Album im Berliner Studio „erde“ im September 2011. Produziert wurde es von Jamie Little, der auch die Drums spielt.

Die Basstracks teilen sich Marlene Lacherstorfer und Roger Inniss, Keyboards wurden beigesteuert von Markus Marageter. Die Hornsection besteht aus: Werner Wurm (Posaune), Sebastian Grimus (Saxofon) und Manfred Holzacker (Trompete).

Und das Zusammenspiel all dieser Menschen hat ein Album hervorgebracht, dass ich gerne und uneingeschränkt weiterempfehlen kann.

Mit „I Was Made for Loving You “ bringen Meena und Co den Rockklassiker von Kiss in völlig neuem Gewand, „Come to Mama “ ist eine Referenz an die kürzlich verstorbene Etta James.
Meine weiteren Anspieltipps sind „Lord Have Mercy“ und „My Performance Is Over“.

Das heißt nicht, dass die anderen Songs dahinter zurückstecken müssen, hier ist ein Album gelungen, dass in keinem Moment durchhängt, sondern in jedem seiner Momente pure Freude bereitet.





Meena & Erja Lyytinen, Double Trouble Tour, 11.10.2011, Harmonie in Bonn – Review

14 10 2011

Double Trouble Tour 2011

Es ist Dienstagabend in Bonn- Endenich, in dem ich mich dank einer halbstündigen wie verzweifelten Parkplatzsuche mittlerweile sehr gut zurecht finde. Aber mein Ziel heißt ja nicht umsonst „Harmonie“, so dass sich kurz nach deren Betreten so etwas wie der sanfte Mantel des Vergessens um die frustrierende Odyssee nach einer Abstellmöglichkeit für mein Bluesmobil legt.

Dieser Ort ist eine Kulturoase, an der regelmäßig auch die von Thomas Ruf initiierte Blueskarawane einen Stopp einlegt.

So kommt auch so etwas wie Blues Caravan Feeling light auf, denn die beiden Hauptakteurinnen der „Double Trouble“ Tour sind ehemalige Mitreisende der Karawane in Sachen Blues.

Meena und ihren Gitarristen Chris Fillmore sah ich zuletzt beim grandiosen Festival in Schöppingen, Erja habe ich mittlerweile seit zwei Jahren nicht mehr gesehen.

Das erste Set heute Abend bestreitet die stimmgewaltige Meena, an ihrer Seite stehen, wie schon gesagt, der fantastische Chris Fillmore an der Gitarre, am Bass der Brite Roger Inniss, einer der großartigsten Spieler im Tieftonsektor und immer wieder gern angeheuerter Sideman zum Beispiel bei Joanne Shaw Taylor, Shakura S’Aida, Oli Brown oder Deborah Coleman. An den Drums sehen wir heute Abend Miri Miettinen aus Finland, den ich letztes Jahr schon mit Ben Granfelt ebenfalls in Schöppingen bewundern durfte.

„You Can Have My Husband, But Please Don’t Take My Man“ ist Meena’s Opener.  Schnörkellos und sofort auf dem Punkt. Die Kapelle rockt, die Harmonie gleich mit und Meena überstrahlt all dies mit ihrer kräftigen, variantenreichen Stimme. In einigen Momenten erinnert ihre Stimme leicht an das Timbre von Janis Joplin.

Beim Etta James Klassiker „I’d Rather Go Blind“, von dem es bereits  viele hervorragende Interpretationen gibt, hat Meena  schon bei ihrem ersten Silberling bewiesen, dass sie hier durchaus mithalten kann, doch die heutige Live- Version setzt dem noch ein Sahnehäubchen auf.

Chris Fillmore tut das Seinige an der Gitarre, um dem Ganzen zum  Hörgenuss zu verhelfen. Ob im Rhythmus- oder im Solospiel, ob an der Fender Stratocaster oder an der Dobro – hier wird nicht an Facettenreichtum gespart, technisch auf sehr hohem Niveau und dennoch versehen mit einer gehörigen Portion an Feeling. Das ist es eben, was einen perfekten Sideman wie Chris Fillmore auszeichnet.

Über das Soundfundament braucht man sich auch keine Sorgen zu machen: Roger Inniss und Miri Miettinen harmonieren aufs Beste. Was will man also mehr?

Das erste Set vergeht im Fluge, keine Sekunde Langeweile, dem Publikum, das ruhig etwas größer hätte sein dürfen, gefällt’s.  So sollen sich die ärgern, die dann doch lieber zu Hause geblieben sind. Denn allein schon bis hierher hat sich der Weg nebst und trotz  nerviger Parkplatzsuche gelohnt.

Kurze Pause.

Das „Drum ’n’ Bass“- Fundament bleibt das Gleiche, dazu betreten nun der Gitarrist Davide Floreno und Erja Lyytinen die Bühne.

Natürlich hat Erja ihre aktuelle CD „Voracious Love“ im Gepäck, die mir persönlich in der Produktion ein wenig zu poppig geschliffen geraten ist. Naja.

Was soll’s? Im Live- Gewand klingen „Can’t Fall In Love“ oder „Birds“ um einiges rauer und ungeschliffener. Und das ist auch gut so.

Dass Erja eine ausgezeichnete Slidegitarristin ist, konnte ich schon oft feststellen. Mittlerweile hat sie allerdings auch im Standardspiel mächtig zugelegt. In den Soli dieser Spielart verblüfft sie mich mit vielen gelungenen Ideen, die mit ihren nicht erwarteten Wendungen immer wieder in ihren Bann ziehen. Hats off,  Mylady.

Es macht einfach Freude, ihrem Spiel zuzusehen. Der Nachteil vom Ganzen: Auch hier rauscht die Zeit wie nichts vorbei und schon sehen wir uns am Ende ihres Sets. Nicht unerwähnt lassen möchte ich Davide Floreno’s solide Rhythmusarbeit auf der Telecaster. Sein wahres Können allerdings blitzt in einem brillanten Solo auf, für das er in einem Titel den nötigen Raum bekommt.

Wie auch beim Blues Caravan gewohnt versammeln sich alle Beteiligten zum grande Finale auf der Bühne.

„Soul Of A Man“ ist einer der Songs, die alle gemeinsam interpretieren. Die Unterschiedlichkeit der einzelnen Künstler fügt sich hier zu einer eigenen Einheit zusammen. Zugaberufe, die mehr als berechtigt sind, werden erhört.

Nach dem Konzert trifft man sich am zum Smalltalk am Merchandisingstand. Zufriedene Gesichter bei den Zuschauern aber auch bei den MusikerInnen.

So hoffe ich, dass es keine weitern zwei Jahre dauert, bis es das nächste Wiedersehen und –hören mit Erja gibt.

Dass doppelter Ärger in Form von „Double Trouble“ überhaupt und dann auch gleich doppelt Spaß macht, ist eine wohltuende neue Erfahrung für mich.

So begebe ich mich nach einem herzlichen Abschied hinaus in die herbstliche Bonner Nacht zu meinem Auto, da irgendwo in einer Seitenstraße, den Kopf voll mit guter Musik und in dem Wissen, dass ich sicher etwas verpasst hätte, wenn ich diesen Abend daheim geblieben wäre.





Meena & Erja Lyytinen, Double Trouble Tour, 11.10.2011, Harmonie in Bonn – Diashow

13 10 2011

Meena & Erja Lyytinen

Zur Diashow auf das Foto klicken…





Blues & Jazz Rallye am 17.07.2010 in Luxemburg

14 11 2010

Meena

Die Welt ist ein Dorf. Sprachengewirr in allen Gassen. So wird die Hauptstadt eines der kleinsten Länder dieser Erde zu einem Mittelpunkt und gleichermaßen zum Symbol. Luxemburg Stadt hat mal wieder zur Blues & Jazz Rallye gerufen und ich bin wieder mittendrin. Teilweise ist kein Durchkommen mehr. Einer aus Großbritannien, einer aus Frankreich, zwei aus Österreich und einer aus Deutschland versuchen von einer Bühne zur anderen zu gelangen. Dies Unterfangen stellt sich als Geduldsprobe und schweißtreibende Schieberei heraus. „Ca, je n’ai jamais vu!”, sagt der Franzose und der Deutsche antwortet: „Moi non plus.“ Und die Österreicherin fügt hinzu: „It’s very intimate here.“ So ist es, gesehen haben wir alle einen derart dichten Menschenauflauf noch nicht und es ist sehr intim. Alle sind auf Tuchfühlung. Im Prinzip ein El Dorado für Taschendiebe. Am guten Ende wird es mir aber dann an nichts Materiellen fehlen.

Diese Stadt, dieses Zusammentreffen von Hunderttausenden von Menschen verschiedenster Herkunft und Sprachen ist Sinnbild für ein friedliches Miteinander. Kulturen und deren Vertreter treffen aufeinander. Und jeder kann davon profitieren und seinen kleinen eigenen Horizont erweitern. Immer wieder und immer wieder aufs Neue. Das Angebot heute ist wieder äußerst vielfältig. So ist die Garantie gegeben, dass man natürlich wieder nicht alles erleben kann. Entscheidungen müssen her.

Meine fällt auf den Auftritt von Deborah Coleman und später Meena jeweils mit Roger Inniss und Denis Palatin. Ein Treffen mit lieben Menschen. Immer wieder kreuzen sich die Wege und die Freude des Wiedersehens ist mehr als herzlich. Deborah spielt sich nach und nach in Bestform. Sie ist in der Lage, Titel für Titel noch Qualität und Emotion nach zu legen. Ihre Stimme und vor allem ihr Gitarrenspiel, lässige Soli, die es vertrackt in sich haben. Es sieht aus, als schüttele sie all das wie nichts locker aus dem Ärmel. Der Spielspaß ist allen Akteuren anzusehen. Auch auf fremden Instrumenten, die man sich für heute Abend zusammen geliehen hat, weil die Eigenen irgendwo zwischen Balkan und Frankfurt hängen geblieben sind. Shit happens.

Von oben nach unten: Thierry Lopez & Deborah Coleman, Deborah Coleman, Denis Palatin

Und dann Meena. Das Energiebündel mit der Wahnsinnsstimme. Und gesegnet mit einem grandiosen Gitarristen, namens Chris Fillmore. Mit ihm arbeitet sie seit 17 Jahren zusammen. Vor dem Gig gibt es noch einige Absprachen mit Denis und Roger. Und los geht’s.

Schon vom ersten Song an lässt Meena keine Zweifel darüber aufkommen, dass sie eine der besten Bluesstimmen des alten Kontinents hat. Anfangs ist vor der Bühne noch Platz, aber viele Menschen, die eigentlich weiter gehen wollen, bleiben fasziniert stehen. „Incroyable“, sagt eine junge Frau hinter mir und starrt wie gebannt auf die junge Lady aus Österreich.

Von oben nach unten: Roger Inniss, Meena, Chris Fillmore

Als Meena «Let Your Sweet Love Shine On Me» gospelmäßig anstimmt, sehe ich neben mir eine verzückt dreinblickende Deborah Coleman.

Auch dieses ist ein wunderbares Konzert, dass gegen 01:30 nach einigen Zugaben sein Ende findet.

Ich sage noch schnell „Servus bye, bye, au revoir“ und mache mich bestens gelaunt auf die etwa zweistündige Heimfahrt durch Luxemburg, Belgien und durch die laue Julinachtauf die etwa zweistündige Heimfahrt durch Luxemburg, Belgien und durch die laue Julinacht.








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