Clare Free am 06.04.2013 im Topos Leverkusen

8 04 2013

Clare Free 450

An diesem immer noch recht kalten Aprilsamstagabend ist das Topos recht gut gefüllt, um einer Premiere beizuwohnen. Denn der erste Auftritt der britischen Sängerin, Gitarristin und Songschreiberin Clare Free in Deutschland steht heute bevor.

Clare Free hat es in ihrem Mutterland schon zu einigen Nominierungen und Auszeichnungen für ihre Arbeit gebracht.

Ich habe sie zum ersten Mal etwa vor einem Jahr bei einem Konzert in Belgien erlebt. Dass darauf etliche weitere Begegnungen folgten, liegt natürlich an Clare’s erstklassigen Performance und das zusammen mit ihrer „Festland“- Band, den belgischen Musikern Gilles Droixhe (Gitarre), Hen Monreau  (Schlagzeug) und Jack Thysen (Bass).

Das Konzert besteht aus einer Mischung aus überwiegend eigenen Songs und einigen Klassikern, zu denen  beispielsweise B.B. King’s „The Thrill Is Gone“ oder auch Stevie Ray Vaughan’s „Pride And Joy“ gehören. An Bandbreite herrscht keinerlei Mangel.

Zwei CDs gibt es bereits, eine Dritte ist in Arbeit:

Ich nehme es gerne vorweg, der Abend im Topos wird für die vier Musiker ein großer Erfolg.

Die Frontfrau weiß, ein Publikum in den Bann zu schlagen und es auch dort zu halten. Die Titel, ob nun „My Perfect Man“, „Little Miss Jealousy“ oder „Tempted“ sind in der Reihenfolge gut gewählt und sind in der Lage einen musikalischen Spannungsbogen aufzubauen und auch zu halten.

Blues Is My Business“ sang einst schon die wunderbare Etta James. Clare Free tut es ihr gleich und lässt keinen Zweifel am Wahrheitsgehalt der Folgezeile „…and business is good“.

Begeisternde Gitarrensoli der Britin, aber auch von Gilles Droixhe, der keineswegs nur der Rhythmus spielende Begleitmusiker ist. Wahre gitarristische „Rededuelle“ liefern sich die Beiden und das Publikum wird immer wieder davon mitgerissen, was sich in heftigem Szenenapplaus niederschlägt..

Auch für die auf den Punkt treibende Rhythmussektion von Bass und Schlagzeug gibt es immer wieder Platz und Gelegenheit für solistische Eskapaden. Jack Thysen pegelt bei einem  seiner vortrefflichen Soli den Lautstärkepegel soweit herunter, so dass es im Raum  mucksmäuschenstill wird. Die legendäre fallende Stecknadel wäre zweifellos zu hören gewesen.

Mit zwei Zugaben beschließt die Band dann nach etwa 2,5 Stunden Spielzeit das Konzert. Chuck Berry’s „Johnny B. Goode“ und  das durch B. B. King bekannt gewordene „Everyday I Have The Blues“ runden perfekt einen perfekten Abend ab.

Der erste Schritt für Clare Free nach Deutschland ist gemacht. Hoffen wir also, dass noch viele weitere folgen.

Wir hier im Topos jedenfalls haben einen ebenso wunderbaren wie abwechslungsreichen Samstagabend verbracht, der so schnell nicht vergessen sein wird. Überall nichts als zufriedene Gesichter und Kommentare. Und das vollkommen zurecht.

Fazit: Unbedingt nicht verpassen. Man sieht sich.

 





Morblus @ Topos, Leverkusen, 2012-03-23 – Slideshow

29 03 2012

Mrblus

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Richie Arndt & The Bluenatics feat. Kellie Rucker am 04.09.2009 im Topos, Leverkusen

18 02 2012

Artist of the day …
Review clasics…

Richie Arndt & Kellie Rucker

«Train Stories» heißt das aktuelle Album von Richie Arndt, das er ja selbst vor einiger Zeit schon in einer Sendung bei JJBR vorgestellt hat.

Diese Zuggeschichten ziehen sich auch durch diesen Freitagabend im Topos in Leverkusen. Das Zugpersonal besteht heute aus: Richie Arndt – Gitarre, Frank Boestfleisch – Schlagzeug, Jens-Ulrich Handreka – Bass und der Amerikanerin Kellie Rucker – Harp & Vocals. Mit auf die Reise im Bluenatic- Express ca. 40 Zuschauer, darunter auch Peter Rüchel, der Vater des Rockpalasts, ohne Zweifel ein Mann, der gute Musik zu schätzen weiß.

Und die bekommen er und alle Anwesenden gleich vom ersten Ton an.

Der Temperamentsbündel Kellie Rucker ist in Höchstform, ihre Stimme rau und kraftvoll, ihr famoses Harpspiel tut das Seinige zu dem, was eine klasse Frontfrau ausmacht.

Richie Arndt ist wieder einmal in allerbester Spiellaune, ihn habe ich nun bereits mehrfach erleben können, immer ist er Garant für feinfühliges Gitarrenspiel, ob in den Rhythmus- oder in den Leadpassagen. Heute ist es sein Solo in «That Evening Train», das mich schier umhaut.

Die Klasse der Bluenatics Frank Boestfleisch am Schlagzeug und Jens-Ulrich Handreka am Bass habe ich bereits an anderen Stellen beschrieben, dem ist nichts weiter hinzuzufügen.

Eigentlich könnte ich meinen Bericht vom 17.10.2008 in großen Teilen abschreiben, denn dieses Konzert ist mindestens von genau der selben Güte, doch das verkneife ich mir, wer möchte, möge dem Link dorthin folgen. LINK…

Ich begnüge mich damit zu sagen, dass sich der Weg nach Leverkusen ins Topos auf jeden Fall gelohnt hat und dass alle Anwesenden, ob auf der Bühne oder davor ihren Spaß hatten.

Fazit: Diese Combo, wenn in der Nähe, unbedingt nicht verpassen.

PS
Ich kann nur Kellie’s Schlussbemerkung unterstreichen: Leute, geht in die Konzerte, unterstützt die Musiker und die Clubs, die solche feine Musik anbieten.

Und:

Hatte ich schon mal angemerkt, dass das Topos ein kleiner, aber äußerst feiner Laden für gute Live- Musik ist?

Text und Fotos © 2009 Tony Mentzel





Demian Band

17 02 2012

Artist of the day …
Review classics …

Demian Dominguez

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Hier mein Konzertbericht vom 26.07.2009:

Sonntagabend 20:15 Uhr zur besten Tatortzeit. Tatort Leverkusen. Tatort Topos. Demian Dominguez, Lucia Del Campo und Gustavo Segura stehen von Anfang an als eindeutige Täter fest. Die Angaben zu den Personen und deren illustren “Vorstrafen” sind längst protokolliert. Das Trio bemüht sich erst gar nicht, Zweifel an seinem vorsätzlichen Tun aufkommen zu lassen. Das wäre auch schier unmöglich, da es zumindest eine kleine Schar von Zeugen gibt, die mit den Taten der Drei konfrontiert werden. Hier nun meine Zeugenaussage.

Durch einen Hinweis über MySpace bin ich an Vortrag auf Demian und seine Band aufmerksam gemacht worden. Der Termin im Topos passt zeitlich, also warum zögern? Um es ehrlich zu sagen, der 1979 in Buenos Aires geborene und zurzeit in Barcelona lebende Gitarrist, Sänger und Songschreiber Demian Dominguez ist mir bis dato völlig unbekannt. Die Kombination Argentinien und Spanien kommt mir indes bekannt vor. Gibt es Parallelwelten? Parallelbiografien? Scheinbar. Ähnlichkeiten zu einem anderen Gitarristen drängen sich auf: Zu Javier Vargas und seiner Band, der Vargas Blues Band. Forscht man auf dieser Seite weiter nach, tauchen auch die beiden Namen Lucia Del Campo (Keyboards, Bass) und Gustavo Segura (Schlagzeug) wieder auf. Zufälle? Wohl eher nicht.

Wer jetzt allerdings Musik mit Latino- Einschlag à la Señor Vargas erwartet, hat sich getäuscht. Demian lässt vom ersten Titel «Tatoo’d Fish» über die musikalische Marschrichtung keinerlei Missdeutung zu. Hier geht es nach vorne und punktgenau auf die Zwölf: Straighter, moderner Gitarren dominierter Blues und bisweilen auch Bluesrock, sauber gespielt aber nicht aalglatt, sondern mit der gehörigen Portion Dreck im Sound.

Ob auf der Squier Telecaster, die im open tuning für das Slidespiel bereit steht oder auf der Stratocaster, die er für die meisten anderen Titel nutzt, zeigt sich Demian als veritabler Meister der sechs Saiten. Seine Finger sind schnell, sehr schnell, sie fliegen förmlich über das Griffbrett. Doch gerät er niemals in eine spielerische Selbstverliebtheit, er belässt es bei einigen Ausrufezeichen in puncto Geschwindigkeit beim Abschlusstitel des ersten Sets zum Beispiel «Demian Con E» kommen Reminiszenzen an Stevie Ray Vaughan’s «Scuttle Buttin’» auf.

Überhaupt Stevie Ray Vaughan. Immer wieder blitzt sein Sound, seine Art zu spielen auf. Es ist wohl so wie Joanne Shaw Taylor es mir mal gesagt hat: „Was für frühere Generationen von Gitarristen der Einfluss von Jimi Hendrix war, ist für die Jüngere Stevie Ray Vaughan.“ Das bezog sie auf sich und dies lässt sich sicherlich auch bei Demian sagen. Stevie’s und damit natürlich auch Jimi’s Einfluss auf die Spielweise und den Sound dokumentieren sich auffallend authentisch in den beiden Hendirx- Titeln «Little Wing» und «Voodo Chile», die es gegen Schluss des über zwei- stündigen Konzerts zu hören gibt. Die Hommage an die beiden Vorreiter des modernen Gitarrenspiels beschränkt sich nicht allein auf das Akustische, sondern setzt sich auch im Optischen fort: Demian spielt seine Strat dabei zeitweise über dem Kopf oder hinter dem Rücken.

Der für mich schönste Titel an diesem Abend ist zweifellos «Karlsruhe». Hier wechselt Demian zwischen Slide und „normaler“ Grifftechnik. Ein Titel zum Dahinschmelzen. Warum ausgerechnet «Karlsruhe»? 2006 hat ihn Bernard Allison dorthin eingeladen, um mit ihm zu spielen. Eine Adelung für diesen jungen argentinischen Gitarristen. Übrigens singt und spielt Bernard Allison auf dem Titel «If You Say You Love Me» der aktuellen CD der Band «Devil By My Side» mit, die ich übrigens uneingeschränkt und allerwärmstens empfehlen kann.

Doch man sollte nicht nur das Augenmerk auf dem Namensgeber der Band belassen: Seine beiden Mittäter sind auch nicht ohne. In Gustavo Segura findet Demian einen Stil sicheren, ideenreichen und präzisen Drummer, der überdies immer gute Laune ausstrahlt. Lucia Del Campo bietet mit ihren Hammondteppichen mit der rechten und dem Bassspiel mit der linken Hand die erforderliche Grundlage für Demian’s gitarristische Eskapaden. Aber sie hat auch einigen Raum als Solistin zu brillieren. So eröffnet sie solo mit einem Piano- Boogie Woogie das zweite Set. Aber auch ihre Soloeinlagen im Hammondsound haben es in sich. Die sonst etwas schüchtern wirkende Lucia geht völlig aus sich heraus und in ihrem Spiel auf.

Ach ja, was für ein gelungener Abend! Ich bin mal wieder froh über eine musikalische Live- Erfahrung mehr, über das Kennenlernen dieser drei hochmusikalischen und zudem höchst sympathischen Menschen. Die Stimmung nach dem Konzert ist überall gut. Leider waren es nicht allzu viele Besucher und Platz wäre noch gewesen inder “kleinen Hütte” des Topos, aber wenn alle, die hier Zeugen waren, anderen davon berichten, dann wird die Demian Band sicher bald auch vor größerem Publikum spielen. Verdient hat sie es allemal.

© Text und Fotos 2009 Tony Mentzel





Timo Gross am 30.09.2011 im Topos, Leverkusen

1 10 2011

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Todd Wolfe am 21.04.2011 im Topos, Leverkusen

22 04 2011




Demian Band am 26.07.2009 im Topos, Leverkusen

14 11 2010

Demian Dominguez

Sonntagabend 20:15 Uhr zur besten Tatortzeit. Tatort Leverkusen. Tatort Topos. Demian Dominguez, Lucia Del Campo und Gustavo Segura stehen von Anfang an als eindeutige Täter fest. Die Angaben zu den Personen und deren illustren “Vorstrafen” sind längst protokolliert. Das Trio bemüht sich erst gar nicht, Zweifel an seinem vorsätzlichen Tun aufkommen zu lassen. Das wäre auch schier unmöglich, da es zumindest eine kleine Schar von Zeugen gibt, die mit den Taten der Drei konfrontiert werden. Hier nun meine Zeugenaussage.

Durch einen Hinweis über MySpace bin ich an Vortrag auf Demian und seine Band aufmerksam gemacht worden. Der Termin im Topos passt zeitlich, also warum zögern? Um es ehrlich zu sagen, der 1979 in Buenos Aires geborene und zurzeit in Barcelona lebende Gitarrist, Sänger und Songschreiber Demian Dominguez ist mir bis dato völlig unbekannt. Die Kombination Argentinien und Spanien kommt mir indes bekannt vor. Gibt es Parallelwelten? Parallelbiografien? Scheinbar. Ähnlichkeiten zu einem anderen Gitarristen drängen sich auf: Zu Javier Vargas und seiner Band, der Vargas Blues Band. Forscht man auf dieser Seite weiter nach, tauchen auch die beiden Namen Lucia Del Campo (Keyboards, Bass) und Gustavo Segura (Schlagzeug) wieder auf. Zufälle? Wohl eher nicht.

Wer jetzt allerdings Musik mit Latino- Einschlag à la Señor Vargas erwartet, hat sich getäuscht. Demian lässt vom ersten Titel «Tatoo’d Fish» über die musikalische Marschrichtung keinerlei Missdeutung zu. Hier geht es nach vorne und punktgenau auf die Zwölf: Straighter, moderner Gitarren dominierter Blues und bisweilen auch Bluesrock, sauber gespielt aber nicht aalglatt, sondern mit der gehörigen Portion Dreck im Sound.

Ob auf der Squier Telecaster, die im open tuning für das Slidespiel bereit steht oder auf der Stratocaster, die er für die meisten anderen Titel nutzt, zeigt sich Demian als veritabler Meister der sechs Saiten. Seine Finger sind schnell, sehr schnell, sie fliegen förmlich über das Griffbrett. Doch gerät er niemals in eine spielerische Selbstverliebtheit, er belässt es bei einigen Ausrufezeichen in puncto Geschwindigkeit beim Abschlusstitel des ersten Sets zum Beispiel «Demian Con E» kommen Reminiszenzen an Stevie Ray Vaughan’s «Scuttle Buttin’» auf.

Überhaupt Stevie Ray Vaughan. Immer wieder blitzt sein Sound, seine Art zu spielen auf. Es ist wohl so wie Joanne Shaw Taylor es mir mal gesagt hat: „Was für frühere Generationen von Gitarristen der Einfluss von Jimi Hendrix war, ist für die Jüngere Stevie Ray Vaughan.“ Das bezog sie auf sich und dies lässt sich sicherlich auch bei Demian sagen. Stevie’s und damit natürlich auch Jimi’s Einfluss auf die Spielweise und den Sound dokumentieren sich auffallend authentisch in den beiden Hendirx- Titeln «Little Wing» und «Voodo Chile», die es gegen Schluss des über zwei- stündigen Konzerts zu hören gibt. Die Hommage an die beiden Vorreiter des modernen Gitarrenspiels beschränkt sich nicht allein auf das Akustische, sondern setzt sich auch im Optischen fort: Demian spielt seine Strat dabei zeitweise über dem Kopf oder hinter dem Rücken.

Der für mich schönste Titel an diesem Abend ist zweifellos «Karlsruhe». Hier wechselt Demian zwischen Slide und „normaler“ Grifftechnik. Ein Titel zum Dahinschmelzen. Warum ausgerechnet «Karlsruhe»? 2006 hat ihn Bernard Allison dorthin eingeladen, um mit ihm zu spielen. Eine Adelung für diesen jungen argentinischen Gitarristen. Übrigens singt und spielt Bernard Allison auf dem Titel «If You Say You Love Me» der aktuellen CD der Band «Devil By My Side» mit, die ich übrigens uneingeschränkt und allerwärmstens empfehlen kann.

Doch man sollte nicht nur das Augenmerk auf dem Namensgeber der Band belassen: Seine beiden Mittäter sind auch nicht ohne. In Gustavo Segura findet Demian einen Stil sicheren, ideenreichen und präzisen Drummer, der überdies immer gute Laune ausstrahlt. Lucia Del Campo bietet mit ihren Hammondteppichen mit der rechten und dem Bassspiel mit der linken Hand die erforderliche Grundlage für Demian’s gitarristische Eskapaden. Aber sie hat auch einigen Raum als Solistin zu brillieren. So eröffnet sie solo mit einem Piano- Boogie Woogie das zweite Set. Aber auch ihre Soloeinlagen im Hammondsound haben es in sich. Die sonst etwas schüchtern wirkende Lucia geht völlig aus sich heraus und in ihrem Spiel auf.

Ach ja, was für ein gelungener Abend! Ich bin mal wieder froh über eine musikalische Live- Erfahrung mehr, über das Kennenlernen dieser drei hochmusikalischen und zudem höchst sympathischen Menschen. Die Stimmung nach dem Konzert ist überall gut. Leider waren es nicht allzu viele Besucher und Platz wäre noch gewesen inder “kleinen Hütte” des Topos, aber wenn alle, die hier Zeugen waren, anderen davon berichten, dann wird die Demian Band sicher bald auch vor größerem Publikum spielen. Verdient hat sie es allemal.

© Text und Fotos 2009 Tony Mentzel





Todd Wolfe am 01.04.2010 im Topos, Leverkusen

14 11 2010

Todd Wolfe

Dass ihn keiner kennt, will ich ja gar nicht sagen. Aber es sind weitaus zu wenige. Jedenfalls derzeit. Dabei hat er mehr verdient. Mehr an Aufmerksamkeit. Mehr an Wertschätzung. Mehr an Publikum. Obwohl das wird im Leverkusener Topos schnell zum Problem. Nicht das Publikum, sondern das „Mehr“. Denn dann wird’s zur Sauna, in der man sich kaum noch bewegen kann.

Wie dem auch sei. An diesem ersten Donnerstagabend im April 2010 haben wir es wieder einmal zu tun mit einem Gitarristen, der auch diese „Berufsbezeichnung“ verdient. Ich kannte ihn bislang nur von seinen auf CD gebannten Werken.

Und ich sage es immer wieder und das auch immer wieder gerne: Tonkonserven sind etwas Feines, aber sie ersetzen niemals das Live- Erlebnis. Letztes ist und bleibt einmalig.

So bin ich jetzt mehr als froh, dass ich dem Live- Erlebnis eines Todd Wolfe Konzertes beiwohnen kann.

Mit ihm auf der Bühne sind: Suavek Zaniesienko am Bass und Roger Voss an den Drums. Ich ag’s lieber gleich: Die drei Herren sind genial auf einander eingespielt. So gibt es gleich vom ersten Titel die Power, die ein Powertrio eben zu geben vermag.

Todd ist beileibe kein selbst verliebter Egomane, der nur sich sieht und sich somit ins absolutistische Zentrum spielt. Das Trio ist eine gewachsene, musikalische Einheit. „Einer für alle, alle für einen!“ Dieser musketierische Grundsatz schiebt sich während des gesamten Konzertes immer wieder durch meine Hirnwindungen. Jeder kann sich da auf jeden verlassen. Ein solches Team bei der Arbeit zu sehen, macht so richtig Spaß.

Stilistische Schubladen interessieren Todd Wolfe herzlich wenig. „Ich mache mein Ding, das ist mal mehr Blues, mal mehr Rock, mal mehr egal was. Da lasse ich mir nicht hineinreden.“ Vor dem Konzert haben wir eine Stunde zusammen gesessen und geplaudert. Über Todd’s musikalische Wurzeln, seine Arbeit im Allgemeinen, seine fünf Jahre als Lead- Gitarrist in der Band von Sherryl Crow, über das Damals und vor allem über das Jetzt.

Konzerte in der ganzen Welt. Fernsehauftritte, große Hallen, Ehrungen. Todd kennt den Erfolg, kennt das Gefühl, Mitwirkender in einer Top -Ten Produktion zu sein, weiß um die Bedeutung eines mit Platin ausgezeichneten Albums. Er hat die ganz hohen Weihen des Musikgeschäfts erfahren.

Trotzdem tourt er aktuell mit zwei Kollegen durch die Klubs. Und das Hierzulande. „Deutschland war immer etwas Besonderes für mich. Das sage ich ganz ohne Anbiederei. Das kannst du mir glauben. Ich dachte, die Deutschen seien ganz anders. Was du in den USA so an Filmen gezeigt bekommst, Zweiter Weltkrieg usw. Ach, vergiss es. Es ist wirklich einfach, mit den Leuten hier zu arbeiten. Ich dachte, das ginge alles weniger locker zu. Die Deutschen sind gar nicht so rigide, das findet man eher in England.

Das Konzert selbst? Es ist wieder eines jener, bei denen man nicht merkt, wie die Zeit vergeht. Ein Song folgt dem anderen und nimmt dich mit auf eine wunderbare Zeitreise, stilistisch zurück in die Zeit, die für so viele der zentrale Punkt der Rock- und Bluesgeschichte ist: Den Zeitraum der Endsechziger bis in die Frühsiebziger.

Ausgiebige Gitarren-, Bass- oder Schlagzeugsoli waren damals an der Tagesordnung und gehören somit auch zum heutigen Abend. Gut so!

Ja, und es macht Spaß, jede einzelne Minute dieses Konzerts zu genießen. Am Ende werden es derer knapp 180 sein. Ein tonaler Marathon, wie man ihn heutzutage nur noch selten geboten bekommt. Egal, ob Todd Wolfe einen seiner vielen aus eigener Feder stammenden Titel spielt oder Fremdwerke adaptiert, es ist eine wahre Freude, dieser Band zuzuschauen und zuzuhören.

Ein kleiner Auszug aus der nicht in Papierform existierenden Setliste: «Got To Get Better In A Little While», Chester Burnett’s «Wreck My Life», Peter Green’s «Oh Well», Leslie West’s «Mississippi Queen» oder Bobby Womack’s «It’s All Over Now».

Todd Wolfe besitzt eine kräftige durchsetzungsfähige Stimme, die mich manchmal an Eric Clapton erinnert. Sein Gitarrenspiel ist schlichtweg makellos, gleich ob im Standard- oder im Sildespiel. Seine Soli bestückt er gerne hier und da mit Zitaten aus der moderneren Musikhistorie. Hier blitzt «Spoonful» durch, dort «Voodoo Chile» oder «Laundromat». Immer wieder eine Verneigung vor den Leuten, die ihn beeinflusst haben und immer noch beeinflussen.

Den etwa 40 Leuten im Publikum gefällt’s. Drei Zugaben gibt es.

Fazit: Ein klasse Konzert mit einer sympathischen Band, die Spielwitz und Können gleichermaßen an den Tag legt. Geführt von einem Bandleader, der sein Hand- und Mundwerk versteht. So gebe ich 100 von 100 Punkten oder 21!! Für die gesamte Dauer des Konzerts. Und jetzt schon freue ich mich auf ein Wiedersehen. Vieleicht sind ja dann auch einige von euch dabei. Lohnt sich. Garantiert und auf jeden Fall. Darum uneingeschränkt: Unbedingt nicht verpassen! Unterstützt Leute wie Todd Wolfe. Leute, die es einfach und mehrfach drauf haben. Geht in die Konzerte! Denn: Life is live.

Text und Fotos: (c) 2010 Tony Mentzel





Neal Black am 18.10.2009 im Topos, Leverkusen

14 11 2010

 

Neal Black & Kim Yarbrough

Neal Black

steuert auf meinem Tisch direkt an der Bühne im Topos zu. In der Hand ein Glas „Applejuice“ aus dem Hause J. Walker randvoll mit Eiswürfeln. „Hey Tony, wie geht’s dir, schön dass du hier bist. Wie läuft’s mit dem Radio?“ Es ist immer wieder ein Vergnügen, Neal Black zu treffen. Dieses Erlebnis hatte ich nun ja schon mehrfach. „Dem Radio geht’s gut, mir auch, vielleicht können wir ja bald eine neue CD von Neal Black präsentieren?“ – „Oh, ich denke das wird wirklich bald möglich sein, ich war vor kurzem in New York, da haben wir einige Titel eingespielt. Weißt du, wer auch auf so sieben oder acht Songs mitspielt?“ Ich weiß es natürlich nicht. „Popa Chubby!“ „Wow, wie war die Zusammenarbeit?“ – „Das war sehr interessant, du kannst gespannt sein, er ist ein klasse Gitarrist.“ Seitdem bin ich also gespannt, wie sich die neue Scheibe wohl anhören wird. Neal ist bekanntermaßen ja auch ein klasse Gitarrist.

Und genau das wird er in den folgenden mehr als zwei Stunden seines Clubgigs im Topos auch wieder unter Beweis stellen.

Und das vor knapp zwanzig (in Ziffern: 20) Zuhörern. Es ist Sonntagabend in Leverkusen. Der wöchentliche Tatort läuft in der ARD.

Hier allerdings sind drei erstklassige Musiker auf der Bühne: Am Bass Kim Yarbrough aus New York City, der bereits u.a. mit Screamin’ Jay Hawkins, Bernard Allisson, John Mooney oder Bobby Rush zusammen gearbeitet hat und an den Drums Pat Machenaud aus der Champagne, der etatmäßiger Schlagwerker von Fred Chapellier ist.

Neal greift zur Akustikgitarre aus dem Hause Lag und präsentiert einige Ragtime- und Bluestitel. «Black Mountain Rag» oder «Bult For Comfort» seien hier genannt.

Dann wird es Zeit für die berühmte Flying V von Gibson. Sie begleitet Neal auf Titeln wie: «I Don’t Have The Blues When I’m Stoned», «Poor Boy», «Pink Chainsaw Boogie», «As The Years Go Passing By», «Who Do You Love».

Über die Qualität der Darbietung brauche ich nicht allzu viel zu sagen, außer dass sie schon wie in allen anderen von mir gesehenen Auftritten des Texaners wieder einmal unumstößlich und außergewöhnlich gut rüberkommt. Profis eben, die sich durchs nichts beirren lassen: Nicht durch Müdigkeit, nicht durch mangelndes Publikum, nicht durch die relativ kleine Bühne.

Neal hat mir vorhin gesagt: „Ich bin ziemlich k.o., aber das ist normal und ich freue mich darauf morgen endlich wieder nach Hause zu kommen. Das Pendeln zwischen USA und Europa wegen der Aufnahmen zur CD und dazu noch die aktuelle Tour, das alles geht doch sehr an die Substanz, weißt du. Eine kleine Pause wird da gut tun. Naja, 11 Stunden Autofahrt sind es schon noch.“ Neal grinst und gönnt sich einen neuen „Apllejuice“.

Die ach so kleine Publikumsgemeinde klatscht lautstark drei Zugaben herbei, zum Schluss spielt das amerikanisch- französische Trio noch den Dylan Titel «She Belongs To Me» quasi ungeprobt und professionell improvisiert.

Unter dem Strich mal wieder eine erstklassige Perfomance von Neal Black und seiner Band, demnächst wird er unterwegs sein mit Mason Casey. Darauf darf man bereits jetzt gespannt sein.

Fazit: Meine unerschütterliche Empfehlung: Unbedingt bloß nicht verpassen. Just keep the blues alive. Und das nicht nur als Lippenbekenntnis! Tun ist angesagt und das in der Form von Hingehen zu solchen Konzerten.





Vargas Blues Band am 01.11.2009 im Topos, Leverkusen

14 11 2010

 

Javier Vargas

Ich habe einige Konzerte besucht in den vergangenen Monaten. So stelle ich mir oft die Frage, was ist denn nun und gerade bei diesem Konzert anders und besonders im Vergleich zu den Vorherigen?

Ist es dieses Mal Javier Vargas’ Gitarrenspiel, Tim Mitchell’s Gesang? Luis Mayo’s Bassspiel, Alvaro Tarquino Chevere’s Percussion. oder dessen Gesang oder ist es Peter Kunst mit seiner Art das Schlagwerk zu bedienen?

Ich denke, dass es wie jedes Mal nicht die Einzelcharaktere ist, sondern die Chemie zwischen den Agierenden. Das Gemisch der Fähigkeiten und Persönlichkeiten.

Ich vermute, über die Virtuosität eines Javier Vargas an der Gitarre brauche ich nicht viele Worte zu verlieren. Sie steht und fällt in keiner Sekunde hinter den Erwartungen zurück. Besonders möchte ich seine Technik erwähnen, zwischen Standard- und Slidespiel zu wechseln. Mir war gar nicht so bewusst, was für ein grandioser Slider Señor Vargas ist. Er beherrscht alle von ihm angeschlagenen Stilarten. Das reicht vom schwärzesten Blues über Bluesrock und Latino bis hin zum Hardrock. Kurz: Ein Meister des Fachs Gitarre. Basta.

Seine Mimik verrät, dass er in seinem Spiel aufgeht. Die Augen hat er meist geschlossen. Javier Vargas wirkt in sich gekehrt, introvertiert und immer auf der Höhe des Geschehens.

Tim Mitchell

Ganz anders Tim Mitchell. Ein wahres Showtalent. Die sprichwörtliche „Rampensau“. Er gestikuliert, mimt, tanzt, schreitet, dreht sich um die eigene Achse, gibt den Clown. Aber alles wirkt so natürlich und leichtfüßig, man bekommt keine Sekunde den Eindruck, hier sei etwas aufgesetzt.

Dazu ist dieser Mann noch mit einer Stimme gesegnet, die es in ihrer Variationsmöglichkeit locker mit der eines Al Jarreau aufnehmen kann. Da ist alles drin, die ganze Bandbreite vom Falsettgesang bis hinunter in die Tiefen eines Barry White. Ob er nun leise oder laut, sanft oder rau singt, er weiß mit seiner Stimme zu spielen. Es macht Spaß, ihm zuzuhören und zuzusehen.

Auf der Setliste stehen Songs wie: «Big Boss Man», «Texas Tango», «Black Cat Boogie», «People Get Ready» oder «Sad Eyes».

Bassisten stehen zu Unrecht oft im Schatten der anderen Akteure auf einer Bühne. Es mag sein, dass dieses ihnen oft angenehm ist, nicht so im Rampenlicht zu stehen. Sie tun brav ihren Job und dienen somit dem Großen und dem Ganzen.

Javier Vargas

Anders heute Abend: Luis Mayo, der Mann aus Argentinien und bisheriger Backgroundsänger, tritt für einige Songs ans Mikrofon. Tim Mitchell hat die Bühne verlassen und ihm damit den Hauptgesangspart überlassen.

«Blues Local» Luis Mayo singt auf Spanisch. Jetzt kommen bei den Songs die Latinoadern durch. Luis singt mit solchem Charme und solcher Inbrunst, dass man schon automatisch nach Tränen stillenden Hilfsmitteln sucht.

Fazit: Ein tolles Konzert mit ebenso toller Bühnenshow, fünf gut aufgelegte Musiker und ein mitgehendes Publikum. Was will man mehr an so einem Konzertabend als gute Unterhaltung. Und die hatten alle, die da waren.

Unbedingt nicht verpassem, wenn in der Nähe….

Vargas Blues Band

Text und Fotos © Tony Mentzel








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