J. J. Cale – The Silvertone Years – CD Review

3 05 2012

J.J. Cale - The Silvertone Years

Das ist immer so eine Sache mit Samplern. The Very Best Of… . The Ultimate Collection…

Für Einsteiger in das Werk eines Künstlers sicher nicht die verkehrteste Wahl. Sicher, auch viele denken sich: Ach, von dem oder der müsste ich auch mal etwas haben. Das war doch der / die, die ich bei Karl- Heinz oder Erika auf der Geburtstagsfete gehört habe. Da kommen Sampler gerade recht.

Der wahre Fan hingegen schwört auf die Einzelwerke und ist stets bemüht, seine Privatsammlung auf dem neuesten Stand und vollständig zu halten.

Aber da gibt es ja noch den CD- Player im Auto, der immer dann gefüttert werden will, wenn das Radiprogramm einen mal wieder in musikalische Sackgassen fährt. Wer will schon für derartige Fälle seine ganze Sammlung mitführen?

Von J. J. Cale, einem meiner ganz großen Favoriten, habe ich so ziemlich alles, was von ihm je auf die runden Silberdeckel gepresst wurde. Dazu auch noch etliche Vinylausgaben, deren Gebrauch im Auto völlig unwahrscheinlich ist.

Neulich im Supermarkt meines Vertrauens entdeckte ich „The Silvertone Years“ in einer Wühlbox. Ich staunte nicht schlecht: 25 Titel auf einer einzigen CD. Naja, J.J. Cale hat es ja nie auf ellenlange Titel angelegt.  Das Erstaunlichste war jedoch der Preis: Ganze Vier Komma Null Null Euro! Ab in den Einkaufswagen! (Bei Amazon kostet das gute Stück zur Zeit 6,99€, immer noch ein akzeptabler Preis für diese groovige CD.)

Und somit sind wir bereits beim Inhalt. Wer J.J. Cale kennt, weiß, was ihn erwartet. Laid Back Music vom Feinsten. Mal leicht rockig, bluesig oder jazzig. Oder irgendwas dazwischen. Aber immer mit dem Gütesiegel J.J. Cale. Die Zusammenstellung ist wirklich gelungen. Die Titelfolge sorgt für langeweilelose Abwechslung.

Drei Tracks haben es mir besonders angetan: „Lady Luck“, „Tijuana“ und „End Of The Line“. Doch das ist meine reine Willkür. Der Rest geht mehr als in Ordnung.

Selten habe ich eine CD in ihrer Gänze so oft gehört wie diese. Da ich oft und viel unterwegs bin, bekommt der hungrige CD- Player im Auto in letzter Zeit besonders bei Nachtfahrten dieses auch für die Ohren schmackhafte Futter. Eine Fahrt vom „Topos“  in Leverkusen bis zu mir nach Hause dauert exakt 21 Titel. Bleiben vier weitere für den Tag danach. Und die Vorfreude darauf.

Fazit: Für J.J. Cale Neulinge und für Langzeitautofahrer unbedingt zu empfehlen. Oder als Soundtrack zum Verfassen von Texten wie diesem hier. 5 Punkte von 5 möglichen.

J.J. Cale - The Silvertone Years





J. Sintoni – A Better Man – CD Review

17 04 2012

J. Sintoni - A Better Man

After his first cd „The Red Suit“ from 2007 the Italian guitarist, singer and songwriter presents his new cd „A Better Man“.

The cd contains 10 fresh, stylistically varied songs written by the musician himself.

J. Sintoni is one of the young Italian guitar players who could enrich the whole European Blues scene, if he only gets the attention he deserves.

His companions in the studio were Andrea Taravelli on the bass und Carmine Bloisi on the drums.

The title track was recorded in a classic trio line-up already showing J. Sintoni’s deep respects to Stevie Ray Vaughan and Jimi Hendrix. Later on we find the „Song For Stevie & Jimi“ dedicated to these immortal heroes.

To make it short: This CD is well done, the author has taken great care for both the music and the lyrics as well. It was produced according to the principle of „Keep it simple“. So all the songs stay authentic throughout.

„Consequences“ for example is a fine ballad, and though we find several guitar overdubs, the song never feels overloaded.

All the guitar tracks are amazingly transparent and get you immediate goose bumps.

„Love Should Never Lose“ is a laid back blues number and „Two Feet“ is a perfect shuffle.

J. Sintoni’s CD„A Better Man“ is a modern, authentic album filled with hand- made music and you can „hear“ the labour and the sweat it took to make it real. It is a kind of rough diamond, which more and more reveals its brilliance with every further turn in the cd player.

Songwriting, instrumentation, arrangements and interpretations are convincing through and through.

The cd comes along in a elaborately designed  digipak.

By this stunning album J. Sintoni might finally gain attention also north of the Alps. Hopefully we can see him perform live here in the near future





J. Sintoni – A Better Man – CD Rezension

11 04 2012

J. Sintoni

Nach seinem Erstling „The Red Suit“ aus dem Jahre 2007 stellt der italienische Gitarrist, Sänger und Songschreiber seine neue CD „A Better Man“ vor.

10 frische Songs aus eigener Feder werden dem geneigten Bluesfreund zu Gehör gebracht. Wie schon bei der ersten CD finden wir stilistisch sehr abwechslungsreiches Songmaterial vor.

J. Sintoni gehört zu der Garde der jungen italienischen Gitarristen, die, wenn man ihnen die nötige, da verdiente Aufmerksamkeit schenkt, den europäischen Blues um einiges bereichern können.

Mit im Studio waren Andrea Taravelli am Bass und Carmine Bloisi am Schlagzeug.

Der Titeltrack ist ein im klassischen Trio eingespielter Song. Hier werden schon die Referenzen an Stevie Ray Vaughan deutlich, dem gegenüber J. Sintoni neben seinem zweiten Vorbild Jimi Hendrix mit dem Instrumentaltitel „Song For Stevie & Jimi“ ein weiteres Mal seinen musikalischen Hut zieht.

Schon bei diesem ersten Song bleibt dem aufmerksamen Zuhörer nicht verborgen, dass auch hinsichtlich der Texte weder Arbeit noch Mühen gescheut wurden. 08-15 Reimereien werden bewusst vermieden und sind somit auf der gesamten CD Fehlanzeige.

Eine wunderschöne Ballade mit diversen Gitarrensounds gespickt finden wir in „Consequences“. Obwohl hier mit reichlich Overdubs gearbeitet wurde, wirkt der Song in keiner Phase überladen oder gar tot produziert. Im Gegenteil jede Gitarrenschicht ist transparent erfahrbar und trägt mit zur wohlig angenehmen Gänsehautbildung bei.

Einen typischen getragenen Blues finden wir mit „Love Should Never Lose“ und mit „Two Feet“, einem stilsicheren Shuffle.

Über der gesamten Produktion steht das Motto „Keep It Simple“, das ist im Endprodukt auch durchaus nachvollziehbar. Was allerdings nicht heißt, dass hier mit Nachlässigkeit gearbeitet wurde. Das Gegenteil ist der Fall. Man beschränkt sich auf das Nötige und bleibt somit dem Kern der Songs nahe, was eine Kunst für sich ist.

Mit der CD „ABetter Man“ von J. Sintoni erhält man ein modernes, authentisches Album mit handgemachter Musik, in dem hörbar sehr viel Arbeit und Schweiß steckt, das zum Glück nicht zu Tode produziert wurde.

Obwohl rund, diese Scheibe hat Ecken und Kanten und erschließt sich bei jedem weiteren Hördurchgang immer weiter zu seiner vollen Pracht.

Songwriting, Instrumentierung, Arrangements und Interpretationen überzeugen auf ganzer Linie.

Auch für die Optik wurde einiges getan, die CD kommt in einem aufwendig gestalteten Digipack daher.

Fazit: Mit dem Album „A Better Man“ dürfte sich J. Sintoni auch endlich nördlich der Alpen Gehör verschaffen. Zu hoffen bleibt darüberhinaus, dass er sich auch hier einmal live präsentieren kann. Das unvergessene Vergnügen hatte ich bereits 2009 beim Festival «Blues au Château» in La Chèze in der Bretagne.

Ciao. A presto…

PS
Mit einem Klick aufs Cover bekommt man einen sehr guten Einblick in die Albumproduktion…





Oli Brown – Here I am – CD Rezension

15 03 2012

Da ist er also. Oli Brown legt seine dritte CD vor. Sie kommt frisch aus dem Presswerk und erst in einem Monat offiziell auf den Markt. Gespannt zerre ich den Silberling aus der Hülle, die Lade des CD- Players verschluckt die Scheibe und mich trifft der erste Akkord des Titelsongs.

Genau bei diesem und seinen drei Wiederholungen, die mich an Glockenschläge erinnern, ahne ich schon, dass hier nicht ein Album vorliegt, das der Kategorie „Easy Listening“ anheim fällt.

Das ist schon mal positiv. Und ich sage es gleich: Dieses Album ist kein Album zum Nur- Einmal- Hören. Es ist ein Album, das den Hörer fordert. So wie es alle an der Produktion Beteiligten auch gefordert haben muss.

Hier ist nichts locker – flockig, eben mal – ich sage es bewusst so – so dahin gerotzt, hier ist alles durchdacht und unterliegt gewissen Schwierigkeitsgraden, die zu meistern nicht jedem in die Wiege gelegt ist. Und dennoch ist es nicht auf Hochglanz poliert, wir erleben hier Musik mit Ecken und Kanten und diversen Überraschungen.

Einige Gitarrenlicks reichen in den Fusionbereich, vom klassischen 12- Takter im Namen des Blues ist Oli Brown meilenweit entfernt.

Und das ist, was das Album wieder interessant macht. Unwillkürlich bin ich damit beschäftigt, die Roots herauszuhören. Diese lassen sich immer wieder finden.

Gleich beim zweiten Titel „Thinking About Her“ treffen wir auf einen laid- back im Rhythmus verschleppten Song, der im Sound und im Charakter ein wenig an Stevie Ray Vaughan erinnert. Aber nur ein wenig. Aber klassischer 12- Takter? Fehlanzeige.

Oli Brown löst sich bei seinen Tracks deutlich von der Blues- Klassik. Das geht auch völlig in Ordnung so. Er ist weiter auf einem eigenen Weg, was die beiden Vorgängeralben bereits andeuteten.

Dabei hat er sehr gute Gefährten: Wayne Proctor, der auch als Produzent fungiert,  an den Drums, Scott Barnes am Bass, Joel White an den Tasten und je für einen Titel bieten Dani Wilde ihre Stimme im Background und der große Paul Jones, ja, der von der Blues Band, seine Harmonica zur Unterstützung an.

Zehn Songs sind Eigenkompositionen, zwei sind Interpretationen anderer Songschreiber.

Dass „I Love You More Than You’ll Ever Know“ geschrieben von Al Kooper mit auf der Liste ist, ließ meine Spannung doch ein wenig steigern. Und dann „Wow“! Oli Brown und seinen Mitstreitern ist hier eine weitere unter die Haut gehende Version dieses Klassikers gelungen, toll in der Dynamik, toll in der Instrumentierung, toll im Gitarrenspiel, toll im Gesang.

Apropos Gesang: Mehrmals habe ich mich gefragt, ob es sich bei dem Album um ein Album eines Gitarristen, der auch singt oder um eins eines Sängers, der auch Gitarre spielt, handelt. Oli Brown meistert beide Disziplinen hervorragend.

Spätestens beim Al Kooper Song wird einem seine Stimmgewalt bewusst.

Weitere Anspieltipps: „Devil In Me“ und das Up-Tempo Stück „Solid Ground“, veredelt durch Paul Jones’ Harmonikaspiel.

Insgesamt liegt hier eine Produktion vor, die beim ersten Durchhören soundmäßig eher etwas schwer und düster daherkommt. Es ist sicher keine Scheibe, die einen beim ersten Mal freudig anspringt, aber sie gewinnt bei jedem weiteren Durchlauf. Man sollte ihr die Gelegenheit geben, mehrmals gehört zu werden und bei jeder weiteren Umdrehung wird sich dem geneigten Ohr ihre Vielfalt und Tiefe erschließen.

Klasse Arbeit, Mr. Brown. Weiter so!

Offizielles Erscheinungsdatum: 09.04.2012





Meena – Feel Me – CD Rezension

9 03 2012

Meena- Feel Me

Wie geht das? Man liest seit Monaten über den Entwicklungsprozess einer neuen CD. Es bauen sich Erwartungen auf, naja zumindest eine gewisse Neugierde, auf das, was dann irgendwann kommen soll, um sich im heimischen CD- Player zu drehen und diese Erwartungen zu erfüllen oder auch nicht, damit wäre dann auch endlich die Neugierde gestillt und würde somit endlich den Eindrücken weichen, die das Werk beim ersten Hören hinterlässt.

Geben wir es doch zu… In dieser verrückten, hektischen und von Reizen jeglicher Art geprägten Welt nimmt sich doch kaum jemand die Muße, eine CD mehrmals hinter einander zu hören. Wenn es überhaupt zum gänzlichen Erstdurchhörgang kommt.

Bei der Flut der täglich über einen herein brechenden Neuerscheinungen geht auf die Art sicher mancher Juwel verloren. Und das ist schade.

Und gerade jetzt habe ich einen dieser Juwelen für mich entdeckt. Und wenn dieser auch in Scheibenform daherkommt: Hier haben sich das Warten, die Geduld und die entfachte Neugier gelohnt. Gestern war die Scheibe in meinem Briefkasten und seitdem hat sie schon fünf komplette Abspielvorgänge (ohne Schaden zu nehmen) hinter sich.

Die aus Österreich stammenden Meena Cryle und ihr langjähriger Partner an den sechs Saiten, Chris Fillmore legen ihr neues Werk ‚“Feel Me“ vor.

12 Songs sind darauf enthalten, 10 Eigenkompositionen und zwei Titel aus fremder Feder.

Stilistisch sind die Tracks breit gestreut, Blues, Bluesrock, Soul, Balladen etc. Alle diese Genres werden stilsicher umgesetzt.

Über Meenas großartige Stimme ist viel geschrieben und gesagt worden, Vergleiche zu den ganz Großen wurden bemüht. Aber Meena singt eben wie Meena und das ist gut so und bedarf keinerlei Vergleiche. Die Stimme hat hohen Wiedererkennungsgrad. In ihr liegt eine Facettenvielfalt gepaart mit einem Gefühl für Dynamik und Einfühlungsvermögen.

Bei dieser Produktion ist es sehr gut gelungen, viel von dem aufzufangen, was eine Live- Performance der Sängerin ausmacht.
Kongeniale musikalisch- partnerschaftliche Unterstützung und Ergänzung erhält sie im famosen Gitarrenspiel von Chris Fillmore. Ob Slide- oder Standardspiel, ob akustisch oder elektrisch: Es passt. Und das überall.

Eingespielt wurde das Album im Berliner Studio „erde“ im September 2011. Produziert wurde es von Jamie Little, der auch die Drums spielt.

Die Basstracks teilen sich Marlene Lacherstorfer und Roger Inniss, Keyboards wurden beigesteuert von Markus Marageter. Die Hornsection besteht aus: Werner Wurm (Posaune), Sebastian Grimus (Saxofon) und Manfred Holzacker (Trompete).

Und das Zusammenspiel all dieser Menschen hat ein Album hervorgebracht, dass ich gerne und uneingeschränkt weiterempfehlen kann.

Mit „I Was Made for Loving You “ bringen Meena und Co den Rockklassiker von Kiss in völlig neuem Gewand, „Come to Mama “ ist eine Referenz an die kürzlich verstorbene Etta James.
Meine weiteren Anspieltipps sind „Lord Have Mercy“ und „My Performance Is Over“.

Das heißt nicht, dass die anderen Songs dahinter zurückstecken müssen, hier ist ein Album gelungen, dass in keinem Moment durchhängt, sondern in jedem seiner Momente pure Freude bereitet.





King King – Take My Hand – CD Rezension

7 02 2012


King King
ist eine Band aus dem schottischen Glasgow, deren Mastermind Alan Nimmo die eine Hälfte der famosen Nimmo Brothers ist.

Die CD ist zwar schon seit letztem Jahr auf dem Markt und die Band hat in der Vergangenheit auch schon auf verschiedenen Festivals gespielt und mehr als Achtungserfolge eingefahren.

Neulich auf einer längeren Autofahrt steckte ich die CD nochmals in den Player. Länger schon hatte ich sie nicht mehr in Gänze gehört.

Gleich beim ersten Titel «Lose Control» war meine ursprüngliche Begeisterung, die beim allerersten Hören entstand, wieder präsent. Stampfender Bluesrock vom Allerfeinsten. Der richtige Soundtrack für eine Fahrt im Cabriolet irgendwo auf dem Highway Richtung Kalifornien dem Sonnenuntergang entgegen.

Naja, da hier im Moment herbe Minusgrade herrschen, bleibt es optisch leider nur bei diesem Klischee. Akustisch funktioniert der Song allerdings auch momentan – wir erleben einen klirrend– frostigen Februar – als Heizungsergänzung in unseren Breiten.

Funky und Bläser unterstützt geht es mit dem Titeltrack «Take My Hand» weiter. Bei «Don’t You Get The Feeling (You’ve Been Had)» treibt die Hammond nach vorne und das so richtig und ohne Wenn und aber.

Und schon sind wir beim John Hiatt Cover «Feels Like Rain». Hiatt ist ein begnadeter Songschreiber. Das wissen wohl auch die Nimmo Brothers, denn mit seinem Bruder Stevie zusammen hat Alan eben diesen Song
für deren gemeinsame CD « New Moon Over Memphis» 2003 bereits aufgenommen. Auch die aktuelle Interpretation bekommt von mir den gesamten Daumen nach oben.

Apropos Titel von anderen Musikern: Eric Clapton und Robert Cray zeichnen verantwortlich für «Old Love» Hier zeigt Alan Nimmo sein ganzes Können als Gitarrist (immerhin muss er sich mit „Gott“ Clapton messen), aber auch als Sänger. Schlicht großartig.

Mit Howling Wolf’s «Mr. Highway Man» kehrt die Band zu den Quellen des Blues zurück, hier unterstützt durch das phänomenale Harp- Spiel von Giles King.

Toussaint McCall’s «Nothing Takes The Place Of You» ist der bluesige Ausklang von diesem mehr als gelungenen Debüt- Album der Band King King.

Insgesamt 11 Titel füllen den Silberling. Und jeder Song ist es wert, gehört zu werden. Ob im Auto oder im stillen Kämmerlein, das bei manchen Titeln dann gar nicht mehr so still sein wird.

Wer auf solide, erdige, handgemachte, bluesrockige Musik steht, ist bei King King bestens aufgehoben.

Das gilt für die CD, aber auch für die Live- Gigs, von denen uns in Zukunft einige ins Haus stehen.
Unbedingt nicht verpassen. Man sieht sich vor der Bühne, so hoffe ich.





Miz Dee & Maurizio Pugno Organ Trio – «Letters from The Bootland» – CD Rezension

6 02 2012

Anfangs wollte ich lieber Jazz singen oder Soul. Dann habe ich es einmal versucht“. Miz Dee, mit bürgerlichem Namen Dejuana R. Logwood,  singt ein paar Zeilen aus «Rock Me Baby». Sie singt sie sehr flach, an der Oberfläche. „So habe ich das damals gesungen, alle haben gelacht und gesagt: «Hey, so singt man doch keinen Blues! Du musst mehr Emotion in deine Stimme legen!» Das hat mich dann angestachelt, so habe ich geübt und so bin ich dann auch zum Blues gekommen.“

Dieses Üben hat sich nachhaltig auf Miz Dee’s Art zu singen und den Songs einen ganz besonderen eigenen stimmlichen Stempel aufzudrücken ausgewirkt. Miz Dee geht völlig auf in dem, was sie auf der Bühne und ihrer CD präsentiert.

Ich hatte das Glück bei der CD- Release- Party in Lille dabei zu sein.

«Letters from The Bootland», Briefe aus dem Stiefelland, heißt die frisch aus der Presse gekommene CD der in Los Angeles ansässigen Sängerin und Songschreiberin.  Im CD Titel befindet sich bereits der dezente Hinweis auf die Zusammenarbeit mit Musikern aus dem Stiefelland, aus Italien.

Und hier finden sich niemand Geringere als Maurizio Pugno und sein Organ Trio, das durch Alberto Marsico und Gio Rossi, die ebenfalls internationales Renommee haben und beispielsweise mit Alex Schultz die CD «Think About It» aufgenommen haben,  komplettiert wird. Um der Aufnahme noch mehr Druck zu verleihen wurden noch ein Bläsersatz «The Cape Horns und ein Background Chor «The Sublimes» hinzugezogen.

Legt man die CD in den Player, möchte man sie so schnell nicht wieder von dort entfernen. Sie bietet reichlich stilistische Abwechslung vom Bluesshuffle im Stile Jimmy Reeds mit «Hit Rock Bottom» über New Orleans Feeling in «Desire Street» bis hin zu Klassikern wie «I’d Rather Go Blind», mit dem die kürzlich verstorbene Etta James Erfolge feierte, oder Billy Preston’s «That’s The Way God Planned It» oder Al Kooper’s «I’ll Love You More Than You’ll Ever Know».

8 der insgesamt 12 Titel sind Eigenkompositionen, für die Miz Dee und Maurizio Pugno verantwortlich zeichnen.

«Nothing But The Radio On» ist einer von diesen und der hat meiner ganz bescheidenen Meinung nach sogar Hitpotenzial. Also hört her, ihr Radiomacher und Musikredaktionen!

Bei diesem Album sind nur wahre Könner und Professionals am Werk: Vom Songwriting, über die Songauswahl, die Arrangements, die Instrumentierung bis hin zur Gesamtproduktion.

Und dass es sich bei den Musizierenden um eingefleischte Vollblutmusiker handelt, brauche ich eigentlich nicht zu erwähnen, tue dies jedoch sehr gerne.

Wer also auf der Suche nach einem facettenreichen, toll produzierten und auf höchsten Niveau eingespielten Bluesalbum ist, der sollte sich von «Letters from The Bootland» überraschen lassen, obwohl ich davon hier schon einiges vorweg genommen habe.

Und noch ein Tipp: Miz Dee & Maurizio Pugno Organ Trio sind im März und April 2012 auch wieder diesseits der Alpen zu sehen.

Und live -  so viel sei verraten – hört und sieht sich das Ganze noch besser an. Also unbedingt nicht verpassen!!!

Hier die Termine:
24.03.2012 Blues Alive Festival, Cuijk (NL)
25.03.2012 Blues Club XXL, Wageningen (NL)
26.03.2012 Banana Peel, Ruiselede (B)
20.04.2012 Aidlingen, Jazz-Frühling (D)
21.04.2012 Gaildorf, Kulturschmiede (D)
23.04.2012 Heidenheim, Café Balzac (D)
24.04.2012 Emmendingen, Mehlsack (D)
25.04.2012 Kandern, Chabah (D)

Kontakte:

http://www.mauriziopugno.it/Contacts.htm





Layla Zoe – Sleep Little Girl – CD Kritik

19 11 2011

Layla Zoe - Sleep Little Girl

Dieses Album hat die kanadische Sängerin Layla Zoe ihrem Vater gewidmet, der ihr (Zitat) „die Schönheit der Musik gezeigt hat, als ich noch ein kleines Mädchen war.“

Layla Zoe setzt genau das fort und zeigt uns diese Schönheit mit ihrer aktuellen CD und den darauf enthaltenen 10 Songs, deren Texte und Grundmelodien sie selbst beisteuert.

Um den Rest kümmert sich in der Hauptsache Henrik Freischlader, der die übrige Musik beisteuert, als Gitarrist, Bassist, Schlagzeuger und Backgroundsänger fungiert und das Projekt als Produzent begleitet.

Auch bei diesem Werk setzt er auf „Lean Production“, auf effekthascherische Gimmicks verzichtet er gänzlich und stellt die Gesamtproduktion in den Dienst der grandiosen Stimme Layla Zoe’s.

Die ökonomisch eingesetzten Hammondklänge steuert Moritz Fuhrhop bei. Damit  ist die Liste der an der Produktion beteiligten Musiker auch schon geschlossen.

Den Hörer dieser CD erwartet eine stilistisch vielseitige Songauswahl im musikalisch breit gefächerten Spektrum Blues.

Die Reihenfolge der Songs ist klug gewählt: Durch die so entstehenden Spannungsbögen wird der das Hören des Silberlings zum durchgehenden Genuss.

Layla Zoe ist mit einer facettenreichen, kraftvollen Stimme gesegnet, die zudem an Dynamik und Timbre ihrer Gleichen sucht. Sie kann sich ohne Weiters und auf gleicher Höhe in die Reihe der ganz großen Sängerinnen im Genre Blues und Rock stellen. Auf einzelne Vergleiche möchte ich allerdings hier verzichten, denn Layla Zoe bietet etwas durchaus Eigenes, ja Unverkennbares und setzt so mit ihrer Stimme jedem Lied einen eigenen Stempel auf.

Im Titel „Hippie Chick“ verarbeitet sie Biografisches, in „Singing My Blues“ gibt sie ihr unerschütterliches Credo zum Blues ab.

Mein absoluter Favorit dieses Albums ist allerdings „Black Oil“, ein Slowblues ganz im Stile der frühen Fleetwood Mac instrumentiert. Mit der ihr eigenen Leidenschaft besingt Layla Zoe hier die traurigen und fatalen Folgen der Ölkatastrophe im Golf von Mexico. Bei diesem Song ist keine Sekunde der über  neunminütigen Dauer verschenkt.

Der Titelsong „Sleep Little Girl“, der nur durch eine Akustikgitarre begleitet wird, lässt die Sängerin und uns zur Ruhe kommen und bildet den gelungen Schlusspunkt einer CD, die sicher kein Fastfood ist, die man immer wieder hören kann auch nach Jahren noch, da sie die Schönheit der Musik bei jedem Durchlauf erneut unterstreicht.

Tony Joe Gardner





Tommy Schneller – Smiling For A Reason – CD Kritik

18 11 2011

Tommy Schneller - Smiling For A Reason

„Smiling For A Reason“…so heißt die neue Scheibe des aus Osnabrück stammenden Saxofonisten und Sänger Tommy Schneller. Beim Lesen des Titels stellte sich bei mir sofort und insgeheim die Frage, warum es denn etwas zu lächeln gibt.

Auf diese Frage gibt es gleich mehrere Antworten: Das optisch gelungene Cover, das wohl geratene Booklet, die stimmige Produzentenarbeit von Henrik Freischlader, der auch als Musiker, Komponist und Textschreiber für einige Titel verantwortlich zeichnet, die übrigen Musiker, die ihr Handwerk verstehen und last but not least der Protagonist Tommy Schneller selbst.

Klar, eine CD ist rund, das wissen alle. Doch diese CD ist rund im doppelten Sinne: Hier findet sich eine gelungene Songauswahl, die schlicht und einfach von allen Beteiligten wunderbar akustisch umgesetzt wird.

Wer die musikalischen Schubladen braucht, der wird die Etiketten Funk, Soul, Blues oder R’n’B auf diese kleben. Das geht auch so in Ordnung.  Man kann aber auch darauf verzichten und sich einfach treiben lassen von einem Titel zum anderen. Vielfalt ist geboten, für jede Stimmungslage ist etwas dabei.

Stimme und Saxofon streichen bisweilen sanft über die von ihnen verursachte Gänsehaut. Wer dies nachempfinden möchte, dem empfehle ich als Anspieltipp „ Blues for the Ladies“ oder „ Get Closer“.

Wer es ein weniger fetziger braucht, dem seien „ Cleaninglady Blues“ oder „ Shaky Lies“ ans Herz oder besser in die Beine gelegt.

Leute, Weihnachten steht vor der Tür. Diese CD ist ein tolles Geschenk für alle die, denen die Glocken sonst immer zu süß klingen.

Mein Tipp: Am Heiligen Abend in den Player legen, diesen auf Endloswiederholung  einstellen und ruhig bis zur Silvesterparty durchlaufen lassen.

Und: Ihr werdet dann sicher noch mehr Gründe finden zu lächeln. Die Angelächelten werden es euch danken.

Tony Joe Gardner








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