Richard Bargel & Klaus ‚Major’ Heuser & Band am 11.01.2011 im Talbahnhof, Eschweiler

13 01 2011

Richard Bargel

Vor dem Talbahnhof in Eschweiler steht eine Menschentraube. „Aha, die Raucherfraktion“, denke ich, als ich mich ihr gegen 19:45 Uhr nähere. Im Saal herrscht glücklicherweise Rauchverbot.Doch es steigt kaum blauer Dunst auf. Die Menschen warten darauf, eingelassen zu werden. Und irgendwann macht die Parole die Runde, dass nur noch Leute mit (vorbestellten) Eintrittskarten vorgelassen werden.

Ausverkauft! Ausverkauft? Ja. So voll habe ich den Talbahnhofssaal noch nie erlebt. Toll für die Atmosphäre, toll für die Kasse, toll für die Musiker, toll für den Veranstalter. So soll es sein, so muss es sein. A good day for the blues…

Toll, dass so viele Menschen gekommen sind, um zwei Herrn zu lauschen, die gemeinsam etwa 78 Jahre Bühnenerfahrung haben.

Der Eine, Richard Bargel, in Deutschland ein Bluesmann der ersten Stunde, der andere, Klaus ‚Major’ Heuser, ehemals und langjähriger Lead- Gitarrist der bekanntesten Kölner Rockband mit drei Buchstaben.

Am (Kontra-) Bass steht Sascha Delbrouck , das Schlagzeug bedient Marcus Rieck. Beide bleiben im Hintergrund, dezent aber stets präsent.
Richard Bargel habe ich schon oft solo erleben können. Auch heute Abend präsentiert er einige Songs aus vergangenen Tagen, die aber durch die Bandbesetzung ein neues akustisches Gewand bekommen. Wie immer begleitet er sich auf seiner Dobro oder seiner Akustikgitarre, während der ‚Major“ das Soundbild elektrisch mit zwei Gitarren aus dem Hause Gibson (Les Paul und ES 335) und einer Fender Stratocaster ergänzt.

Beide wissen in den Soloparts zu überzeugen und ergänzen sich wunderbar in der Songbegleitung. Gekonntes Slide- und Standardspiel wechseln wie aus dem Nichts und bieten dem geneigten Ohr einiges an erfreuter Abwechslung.

Richards Gesang ist wie immer im wahrsten Sinne tief schürfend, sie hat heute noch ein dunkleres Timbre, was vielleicht an seiner gerade überstandenen Bronchitis liegt.

Das Konzert beginnt mit «I Will Die For You», gefolgt von «In The Pines» und «Last One In The Row». Zwischen den Titeln ist munteres Plaudern angesagt. Die beiden Herren erzählen in humorvoll augenzwinkernder Weise von den Anfängen ihres Schaffens oder von den teils skurrilen Situationen, die man so «on the road» erleben kann.

Man spielt sich genau wie während der Titel die Bälle zu und man bekommt den runden Eindruck, dass sich diese beiden Protagonisten der Kölner Musikszene schon länger gesucht und sich nun endlich gefunden haben.

Die Songs bieten das ganze inhaltliche Spektrum, das der Blues zu bieten hat, ob es nun ums Abschiednehmen wie in Son House’s «Empire State Express» geht, oder um das Absitzen einer Strafe, wie im eigens für ein Konzert im Bochumer Gefängnis geschriebenen in «Doin’ Time» oder um den Sklavenhandel wie in «There’s A Man Going Round Taking Names» oder um den Dämonen Alkohol wie in «Bad Whiskey» oder um Liebesschmerz wie in «Anytime You Want». Die Titel treffen alle musikalisch voll ins Schwarze.

Fazit:
Wer sich selbst einen Eindruck von dieser formidablen Zusammenarbeit verschaffen will, dem sei die aktuelle Live- CD wärmstens ans bluesige Herz gelegt. Nach deren Hören gibt es dann allerdings gar keine Entschuldigung mehr, nicht zu einem der Konzerte zu gehen. Darum meine uneingeschränkte Empfehlung: Unbedingt nicht verpassen. Tipp: Frühzeitig Karten besorgen, sonst bist du der «Last One In The Row»…und wer will das schon sein?

Text und Fotos: (c) 2011 Tony Mentzel

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